Öffentlichkeit

Naziwebseiten: Glaube nie einer Statistik, … [Update]

Ich mag Statistiken. Mit Statistiken kann man unglaubliche Dinge tun. Wer gekonnt mit Zahlen jonglieren kann, kann alles beweisen. Heute soll es aber nicht um Ursula von der Leyen gehen, sondern um die engagierten Jugendschützer von Jugendschutz.net.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Die haben, so ist bei Heise Online zu lesen, nämlich herausgefunden, dass Neonazis doch tatsächlich soziale Netzwerke benutzen. Und damit sind keine alkoholgeschwängerten Kameradsschaftabende gemeint, sondern das Internet! Nazis bei StudiVZ, Facebook und vielleicht auch bei den Lokalisten? Unglaublich, oder? Nun, zumindest, wenn man die letzten 5 bis 10 Jahre auf einer einsamen Insel verbracht hat.

Ganze 1500 „unzulässige Beiträge“ in sozialen Netzwerken und Videoplattformen haben die Mainzer Jugendschützer ausgemacht:

Allein die in dem Report dokumentierten unzulässigen Beiträge in sozialen Netzwerken und Videoplattformen haben sich im Vergleich zum Vorjahr auf mehr als 1500 geradezu verdoppelt. Auch gebe es derzeit so viele Szene-Websites wie nie zuvor: 1707 Angebote weltweit recherchierte jugendschutz.net nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr.

1500 Beiträge? Das muss man sich erstmal vorstellen! Setzt man den Wert in Relation zum amtlich verbürgten „Personenpotential“ der rechten Szene, würde das bedeuten, dass im Vorjahr bereits jeder zwanzigste Rechtsextremist* in Deutschland einen solchen Beitrag verfasst hat! Also einen pro Jahr, so rein statistisch gesehen. Der Rest kann evtl. nicht schreiben (Oder in Mainz kommt man mit dem Zählen nicht nach, was mir wahrscheinlicher erscheint).

Auch die Angabe, mit „1707 Szene-Websites“ gäbe es „weltweit“ soviele Angebote, „wie nie zuvor“, sollte bei kurzem Nachdenken Stirnrunzeln hervorrufen. Das wären – nicht nur angesichts von gut 13 Millionen registrierten .de-Domains – erstaunlich wenige, oder? Und das übrigens auch im Vergleich mit den Werten, die sonst im Rahmen der Diskussion genannt werden.

Ich habe mir im Jahr 2002 mal die Arbeit gemacht und eine kleine Tabelle zusammengestellt, wieviele Naziseiten es nach Medienangaben so geben soll. Sicher, die ist inzwischen etwas angestaubt (Stand 2004), im konkreten Fall aber gerade deshalb nützlich. Man sieht dort nämlich, dass bereits 2001/2002 regelmäßig von >2000 rassistischen Webseiten die Rede war.

Problem, damals wie heute: Eine zuverlässige quantitative Analyse ist systembedingt nicht möglich (und vermutlich auch nicht erwünscht). Ich zitiere mal eine meiner alten Fußnoten:

  • [Es gibt] In der Regel keine Unterscheidung zwischen Domains, Seiten, Beiträgen/Leserbriefen, „Angeboten“, Portalen oder gar Diensten ausserhalb des WWW
  • [Es gibt] In der Regel keine Unterscheidung zwischen „rechtsradikalen“ / „rechten“ / „strafrechtlich relevanten“ / „rechtsextremistisch beeinflussten“ und eben „problematischen“ Seiten. Nach Angaben [30] des Bundesamtes für Verfassungsschutz liegt der Anteil der Seiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten bei etwa 15% und „sei in jüngster Zeit rückläufig“.

Aber schön, dass wir ein weiteres fundiertes Argument für Netzsperren haben. Auch wenn die Verfasser der Studie Netzsperren nicht explizit fordern. Ist ja auch nicht nötig, kann ja nicht angehen, das mit den Nazis im Internet. Sich die bei Heise verlinkten Broschüren anzuschauen, kann freilich trotzdem nicht schaden.

Update, 15.08.: Für die Prognose oben brauchte ich nicht einmal eine Kristallkugel:

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat eine Ausweitung der Web-Sperren auf rechtsextreme Internet-Seiten gefordert, meldet die Presseagentur dpa unter Berufung auf die Bild-Zeitung. Gegenüber Bild sagte der Politiker: „Die Zahlen zeigen, dass wir zur Bekämpfung härtere Maßnahmen wie eine Sperrung von rechtsextremen Internetseiten dringend brauchen“. Herrmann bezieht sich dabei auf einen Bericht der Organisation jugendschutz.net […] (Quelle: Heise Online, via Vera und Ralf auch schon unten in den Kommentaren)

*Laut S. 52 im Verfassungschutzbericht 2008 (2,5MB, PDF) haben wir davon ~30.000 (davon 9.500 gewaltbereite).

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
82 Kommentare
  1. Das höre ich schon den ganzen Tag auf NDR Info und im Deutschlandfunk: Nazis benutzen das Internet.
    Ja, das ist halt so. Nazis gehen auch auf’s Klo. Will man deshalb das Spülen verbieten? Oder das Nicht-Spülen?
    Wäre ich Nazi, würde ich jetzt bestreiten, dass ich einer sei. Wäre ich keiner, würde ich mich von denen distanzieren.
    Ob Nazis, Kleingärtner, Zeugen Jehovas, Investment-Banker oder SPD-Politiker:
    Jeder soll im Netz seine Meinung verbreiten dürfen. Wie auch anderswo. Das gehört zu einer freiheitlichen Demokratie.
    Wehret den Anfängen jeder Zensur!

  2. Die hohen Anzahlen von Naziseiten, die in deiner Liste Herrn Tauss zugeordnet werden haben mich doch etwas irritiert. 60.000? 6 Millionen? Sollte gerade er sich nicht mit dem Thema auskennen?

    Ja, tut er auch. Tat er schon damals.

    Archive.org hat zum Glück noch eine Kopie der Pressemitteilung vom 30.5.2002, die die genannten Zahlen in den richtigen Kontext setzen. Lesenswert, da traurigerweise erstaunlich aktuell.

    Ich erlaube mir mal kurz den Schlussatz zu zitieren:

    Für die SPD-Bundestagsfraktion steht ausser Frage, dass eine zentrale automatisierte Inhaltekontrolle im Internet, so sie denn irgendwann möglich wird, mehr Probleme schafft als löst.

    Tja. So war das früher.

  3. Ich weise seit Jahren darauf hin, dass diese Angaben (in der Regel – zumindest war es früher so – bezogen sie sich auf Websites) immer absolut genannt und nie in Relation zur Anzahl der insgesamt verfügbaren Angebote gestellt werden.

    „Die Zahl der rechtsradikalen Inhalte hat sich in einem Jahr mehr als verdoppelt.“ mag zwar durchaus eine korrekte Aussage sein. Wenn im gleichen Zeitraum aber die Anzahl aller verfügbaren Angebote um ein Vielfaches gewachsen ist, so ist der *Anteil* der rechtsradikalen Webseiten… gesunken.

  4. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was unsere Jugendschützer für Sorgen haben und vor allem nicht worauf das hinaus laufen soll.

    Nazis, Terroristen, sonstige Kriminelle usw. im Internet. Und???

    Liegt vielleicht daran, dass das Netz von allen genutzt werden kann.
    Gegen gesetzlich verbotene Inhalte kann man doch vorgehen oder etwa nicht? Alles weitere ist doch jedem selbst überlassen! Als ob Jugendliche zu Nazis werden, wenn sie über diese Seiten stolpern.
    Klar, wenn wir natürlich noch etwas mehr in Sachen Bildung sparen und sich die sozialen Verhältnisse weiter verschlechtern… aber das interessiert eben niemanden.

  5. Als Sprach-Nazi entzückt mich die Formulierung „geradezu verdoppelt“. Des weiteren vermute ich, dass jede Berliner Hauptschule im Jahr mehr rechtsradikale Beiträge produziert…

    Kommen wir zum (angebrachten) Klassiker: Und das alles von unseren Steuergeldern!

  6. Vielleicht wäre ein Schaubild mal ganz anschaulich. Kann wer auf einem Diagramm die Zahl der rechtsextremistischen Seiten, die Online-Bevölkerung, Artikel in der Wikipedia und vielleicht auch die Beiträge in einem Haustierforum abtragen?

  7. Ich hoffe nicht, dass der Bericht zum Argument für Netzsperren wird. Steht doch schön deutlich drin, dass der Kontakt zu den Providern auch im Ausland am effektivsten war, um rechtswidrige Inhalte zu entfernen.

  8. Bevor das als Argument für weitere Gesetzesverschärfungen usw. genutzt wird, sollte man vielleicht auch festhalten, dass in vielen „Communities“ sehr starke Selbstheilungskräfte gegen die rechte Scheisse vorherrschen. Ich habe selbst Erfahrungen gemacht mit den Online-Spielen Hattrick.org und die-staemme.de. Bei beiden tauchten immer wieder Spieler mit Nazisymbolik (88 usw.), KZ-Namen als Stadionname usw. auf.

    In beiden dieser Spiele konnte ich Leute beobachten, die bei den Betreibern die Nazis „anzeigten“ und so eine Entfernung aufgrund der AGBs erreichen konnten. Bei Hattrick bildete sich eine richtige Antifa, die effektiv nach Nazis rechechierte und auch öffentlichen Druck auf die Betreiber des Spieles ausübte.

    Ich denke, dass diese Selbstheilungskräfte des Netzes in Panik-Studien und der öffentlichen Diskussion immer unter den Tisch fallen gelassen werden. Dabei ist diese „Netzcourage“ eines der besten Mittel eben keine neuen Gesetze zu benötigen, sondern auf die moralische und ethische Vernunft der Mehrzahl der User zu setzen.

  9. @Björn: Jugendschutz.net setzt seit Jahren auf das Schreiben „blauer Briefe“ mit halbstaatlichem Touch (halbstaatlich, da es sich um keine staatliche Behörde, sondern um eine privatrechtliche GmbH handelt, die den staatlichen Institutionen zuarbeitet) Nach eigenen Angaben auch recht erfolgreich, ja.

    Gleichwohl sind Formulierungen wie „soviele Naziseiten wie nie zuvor“ natürlich Wasser auf den Müllen derer, die gerade an einer umfassenden Regulierungsstruktur für das Netz werkeln.

  10. @10 Björn:
    Deine Hoffnung ist unbegründet. Die Diskussion um die Sperrung von rechten Seiten ist quasi der Vorläufer der aktuellen Sperrdiskussion gewesen.

    Damals scheiterte das Vorhaben nur aus einem einzigen Grund: Es gab keine Sperr-Infrastruktur bei den Providern.

    Forderungen, rechte Seiten mit auf die neue BKA-Sperrliste zu setzen sind doch schon längst da, und in genau dem Kontext muss man auch die Veröffentlichung von jugendschutz.net sehen: Hier wird nicht informiert und gewarnt sondern lediglich gezielt genau der Vorwand geliefert, auf den sich Politiker stützen werden. Die dafür nötige selektive Wahrnehmung haben sie zuletzt doch zu Genüge bewiesen.

  11. Ja, dann sollten wir mit einer wissenschaftlichen Studie zur Selbstregulierung, Moderation und Nutzer-generierten Mediation kontern. Eventuell bekommt man für so etwas auch Betreiber von Netzwerken, Online-Spielen, usw. mit an Bord.

  12. Beziehen sich die Zahlen eigentlich nur auf Seiten in Deutschland oder auch auf Seiten, die z.B. in den USA betrieben werden und für die dortige Bevölkerung gedacht sind? Ich glaube die Frage ist berechtigt, da es solche sachen in den US und A ja nicht verfolgt werden, da es dort nicht unter Strafe steht (wenn ich das so richtig im Hinterkopf habe).

  13. Die Meinungsfreiheit ist so weit wie möglich auszulegen. In dieser Hinsicht können wir uns ein Vorbild an den Vereinigten Staaten von Amerika nehmen.
    Deshalb halte ich auch nichts von den „Selbstheilungskräften“ des Netzes. Soll irgendeine „Meute“ bestimmen, welche Meinungen im Netz verbreitet werden dürfen oder nicht.
    Wir müssen es aushalten, dass auch andere Ansichten gibt als unsere eigenen oder die unserer Freunde („Gesinnungsgenossen“).
    Gegen Zensur!

  14. Zum „Tatort Internet“ schrieb der renommierte Kölner Stadtanzeiger:
    „Das Netz ist eben weit mehr als ein harmloser Ort für Internetshops, Blogs und soziale Netzwerke. Grauzonen werden von kleinen Gaunern wie auch von der organisierten Kriminalität genutzt. Die so genanten[sic] Kofferbomber und die Sauerlandgruppe haben Anleitungen für ihre potenziell tödlichen Bausätze aus dem Internet gezogen.“
    Also (auch) ein Hort der Terroristen.
    (http://www.ksta.de/html/artikel/1250084266345.shtml)

  15. @Jörg

    Nicht jeder interpretiert die Studie pro Netzsperren (i.S.v. Stoppschildern). In den Hauptnachrichten auf WDR2 sagen sie schon den ganzen Tag „Viele rechtsextreme Inhalte können mittlerweile in wenigen Stunden aus dem Netz verbannt werden.“

    http://www.wdr.de/radio/wdr2/podcast/mp3/aktuell_wdr2.mp3 (Inhalt ändert sich stündlich)

    Und in der Studie selbst heißt es: „Auch im Ausland entfernen Provider unzulässige Inhalte zeitnah.“

    @Florian

    Heise hat die Studie verlinkt: „Während Provider in Deutschland verpflichtet sind, unzulässige Inhalte ab Kenntnis von ihren Servern zu entfernen, bezieht sich jugendschutz.net im Ausland auf Verstöße gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Dienstes. Meist wird darin die Verbreitung von Rassismus und Hate Speech untersagt.“

  16. @Jörg: nicht der einzige kreative Umgang mit Statistiken

    jugendschutz.net möchte sich offensichtlich als erfolgreich darstellen und interpretiert seine Statistik folgendermaßen. „Auch 2008 erzielte das Team fast alle Erfolge (90 %) durch die Kommunikation mit Providern, die daraufhin Angebote schlossen oder entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen abänderten.“

    90% erreicht man, wenn man In- u. Ausland zusammenfasst.
    unzulässige ausländische Fälle
    Nach Aktivität offline oder relevante Teile entfernt 58
    Nach Aktivität unverändert online 43

    Mir ging es auch mehr um den Stoppschild-Reflex.

    Aber auch wenn 40% der ausländischen Nazi-Seiten im Netz verbleiben, rechtfertigen 43 Seiten keinen dreistelligen Millionenbetrag für die Sperrinfrastruktur.

    Apropos kreativer Umgang mit Statistik, wieviele deiner 13 Mill. .de-Domains sind denn geparkt? ;-)))

  17. @piercyha: 90% erreicht man vor allem, wenn man die aussichtslosen Fälle von vornherein aussen vor lässt.

    Die zwei/drei reichweitenstärksten deutschsprachigen Naziforen sind nach meinen Beobachtungen nun seit mehreren Jahren quasi unverändert online. Zur Zeit etablieren sich weitere Strukturen im Umfeld der parteifreien und parteinahen „Kräfte“, die rechtlich gut abgesichert scheinen (die eigentliche Vernetzung dürfte im Hintergrund und in Bereichen stattfinden, zu denen Nazi erst nach hinreichender „Gesinnungsprüfung“ Zugang erhält).

    Da ist die abgeschaltete Runenseiten der Elbstrelitzer Dorfjugend recht schnell relativ.

  18. Was die Herren in Mainz vergessen, es ist zwar gut zu wissen das Nazis das Internet benutzen, das Problem ist nur, es bringt uns doch nicht weiter. Im Netz lasen sich Nazis nicht bekämpfen, sondern draussen, auf der Strasse!

  19. Also, ich hab ehrlich gesagt nur drauf gewartet. Nachdem die früheren „böse Naziseiten“-Testballons nicht wirklich geklappt haben (Beispiel: NRW bzw. RP Düsseldorf), war sonnenklar daß das bei „ihnen“ einen Stempel „Wiedervorlage“ bekommen hat und einfach unter die übrigen Themen:

    – Terror[offline erledigt, online: WV]
    – Kipo[erledigt]
    – Jugendgewalt[in Arbeit]
    – allgemeine Geistesräubereien[Serientermin]

    gerutscht ist.

    Immer wieder herrlich, was es alles für existenzielle Bedrohungen unserer einzigartigen Demokratie gibt, wegen derer letztere leider eingeschränkt werden muß. Geschichte ist halt wie Mode: Alles kommt wieder.

  20. Zeigt doch wieder wunderbar, wie mit Statistiken alles zurechtgeredet werden kann. Und die Erkenntnis an sich ist ja nicht wirklich überraschend.

  21. Dieser ewige Ruf nach – Abschalten, Wegsperren, Deckel drüber, nicht hingucken – ist das typisch deutsch? Wenn man sie ihren Unsinn offen verzapfen lässt, hat die Öffentlichkeit doch wenigstens die Möglichkeit, sie im Auge zu behalten. Ich beobachte derzeit intensiv, wie Amerika mit der eigenen Nazibrut umgeht: wo immer einer aufsteht, und dumm zeug faselt, stehen zehn andere auf, die mit oder über ihn diskutieren. wir haben nach dem krieg schon genug flügel des schweigens über die nazis gebreitet – und schweigen war die falsche antwort. Reden ist hier Gold. Just my 2 cents.

  22. Über Nazi-Seiten stolpere ich im Internet eher selten. Das mag daran liegen, dass ich nicht explizit danach suche, aber bei uns in NRW stehen die Kommunalwahlen vor der Tür und ich sehe jeden Tag deren Wahlplakate. Diese sehe ich auch wenn ich nicht danach suche und muss deren ausländerfeindliche Inhalte ertragen. Was macht die Internetseiten gefährlicher?

  23. JAWOLL!
    Bayerns Innenminister: Sperre für rechte Seiten

    Berlin – Angesichts einer deutlichen Zunahme rechtsextremer Seiten im Internet verlangt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine Ausweitung der Netzsperren. Die Zahlen der Organisation «jugendschutz.net» würden zeigen, dass man härtere Maßnahmen wie die Sperrung rechtsextremer Seiten dringend brauche. Das sagte Hermann der «Bild»-Zeitung. Dem Bericht der Jugendschutzorganisation nach gibt es mit aktuell 1800 rechtsextremen Seiten so viele wie nie zuvor. (dpa, 3:56)

    Da freuen wir uns aber alle.

  24. Ich denke, hier wird eine tolle Errungenschaft zum Problem gemacht: das Internet. Aber das Internet ist nicht das Problem, sondern fragwürdige und kriminelle Inhalte. Vor denen kann man sich selbst und seine Kinder schützen (Sicherheitsprogramme, Aufklärung, nicht einfach blind alles anklicken, Achtsamkeit usw.). Schließlich lässt man seine Haustür ja auch nicht nachts offen stehen, um es mal plakativ auszudrücken. Ansonsten ist es nicht schlecht, dass es sogenannte Cyber-Polizisten gibt, die das Netz nach kriminellen Inhalten durchforstet. So macht es die Streife ja im realen Leben auch. Aber eine Kontrolle darüber hinaus bzw. Überwachung sämtlicher käme einer Zensur gleich und beträfe auch unbeteiligte Bürger, die nun mal ein Recht auf Privatsphäre haben.

  25. Wie jetzt, wo draussen?! O_o

    Gibts nicht, wir müssen natürlich da gegen diese menschenverachtenden Inhalte vorgehen wo sie auftreten. Und das ist, wie wir jetzt erfahren müssen, im internationalen Internetz!

    Wenn du der Augenwischerei, äääääh ich meine Medienberichterstattung der letzten Jahre verfolgt hsat, ist das ja nicht mehr als ein Randphänomen im einigen und friedlichen deutschen RL.

  26. Aber Nazi ist in Deutschland ja schon jeder, der die gescheiterte Integration oder das Fehlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund oder Neu-Immigranten kritisiert…
    Es ist hier populärer und besser seine eigene Kultur in Grund und Boden zu stampfen (also seine eigene Identität und Geschichte zu kritisieren), als dass man es mit fremden Kulturen tut – die z.T. viel demokratiefeindlicher und blutrünstiger sind, als es die jüdisch-christliche (abendländische) je war. Und jetzt verweist bitte nicht auf die Kreuzzüge oder die Inquisition! Hat der heutige Papst je dazu aufgerufen Homosexuelle oder emanzipierte Frauen töten zu lassen? Vielleicht kritisiert er diese beiden Gruppen (und noch viele andere), doch zum Mord ruft die (europäisch konservative) jüdisch-christliche Gemeinschaft ja nun wirklich nicht auf!

    Ich finde auch, dass jeder seine „freie“ und „eigene“ (!!!) Meinung äußern darf, ohne dafür gleich in irgendeine Schublade gesteckt zu werden – ansonsten ist die Demokratie gescheitert!

    Ach ja, auch wenn ich ihre politischen Ansichten überhaupt nicht teile, finde ich das, was man mit Eva Herman gemacht hat, eine bodenlose Unverschämtheit und ein Anzeichen dafür, dass wir uns mehr und mehr von der Demokratie wegbewegen…

    Wir sollten auch das Recht haben, andere Kulturen, die sich der unseren scheinbar nicht anpassen können, zu kritisieren und diese darauf aufmerksam machen, dass sie sich der unseren anzupassen haben, damit ein geordnetes und friedliches Miteinander funktionieren kann. Wer dies nicht respektiert, hat in unserem (abendländischen) Europa einfach nichts verloren!

    Liebe Grüße,
    ein freiheitlich-denkender Demokrat

  27. „Wir sollten auch das Recht haben, andere Kulturen, die sich der unseren scheinbar nicht anpassen können, … darauf aufmerksam machen, dass sie sich der unseren anzupassen haben …“

    Weil dieser Unsinn auch in der sogenannten Mitte recht verbreitet ist: Nein, definitiv nicht. Wer hier lebt hat sich an die Gesetze zu halten und die dadurch zum Ausdruck gebrachten Werte zu achten, teilen muss man sie nicht. Selbst für Grundgesetzänderungen dürfen „andere Kulturen“ genauso werben wie christlich-demokratische Innenminister. Das gehört, wie das Recht zur Kritik daran, zur freien Meinungsäußerung. „ansonsten ist die Demokratie gescheitert“

    Zu der pauschalisierenden Verurteilung anderer Kulturen sage ich jetzt mal nichts außer dass ich es für Quatsch und verbrämte gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, vulgo Rassismus, halte. Es sei jedoch noch darauf hingewiesen, dass die europäische Gemeinschaft „anderer Kulturen“ ebenfalls nicht zum Mord aufruft, Teile der amerikanischen christlichen Gemeinschaft aber sehr wohl die Tötung von bspw. Abtreibungsärzten befürworten.

  28. Kommt nach der Kinderporno-Sperre jetzt die Neonazi-Sperre? Die Zunahme von rechtsextremen Inhalten im Internet hat eine Diskussion um eine Ausweitung der Netzsperre entfacht. Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann zu BILD: „Die Zahlen zeigen, dass wir zur Bekämpfung härtere Maßnahmen wie eine Sperrung von rechtsextremen Internetseiten dringend brauchen.“

  29. @43 Ypsilonminus das Blog

    Mal die Diskussion um Netzsperren außen vor gelassen – Nazigedanken SIND kriminelle Gedanken. Ich finde dieses alles-in-einen-Topf-Werfen genauso gefährlich, weil Nazis damit leicht mitten in der Gesellschaft ankommen und, wie man an der Diskussion im Piratenforum sieht, sich man plötzlich massiv in Diskussionen darüber verwickelt sieht, ob das Leugnen des Holocaust unter Meinungsfreiheit fällt.

    1. @Yoshi Nazigedanken SIND kriminelle Gedanken…. genau und gleich kommt die Gedankenpolizei vorbei und verhaftet alle „Querdenker“ . Nach meiner Meinung soll jeden so leben und auch natürlich denken wie und was er will aber ich bin mal gespannt wer sich den als nächstet meldet um was zu sperren !

  30. @NX: Schönes Beispiel (Auch wenn es den Link nicht unbedingt gebraucht hätte). Wobei ja immer noch nicht klar zu sein scheint, ob es sich nicht um einen Fake handelt (Zumindest bei einzelnen Orten gehe ich davon aus. Hier in Paderborn wäre kein Nazi so dumm, sowas direkt vor dem Rathaus durchzuziehen und sich mitten in der Stadt eine blutige Nase zu holen. Dafür sind die Kräfteverhältnisse hier vor Ort doch zu eindeutig ,).

    Die Planung lief zunächst offenbar nicht-öffentlich im Hintergrund, die Mobilisierung des Fußvolks nun öffentlich auf rechtlich vermutlich nicht einmal angreifbaren Webseiten, die zudem anonymisiert in Russland gehostet werden …

    Aus Nazisicht scheint mir die Idee aber nur bedingt clever. Zum einen dürfte die Spielleitung in den Flashmobs nicht angemeldete Demonstrationen sehen und den ein oder anderen Teilnehmer einsammeln.

    Zum anderen sind die durch die Streuung vsl. geringen Teilnehmernzahlen an den jeweiligen Orten natürlich eine Einladung an engagierte Antifaschisten, das ein oder anderen „Einzelgespräch“ abseits des Mobs zu suchen.

  31. Die Forderungen aus Bayern sind wahrscheinlich weniger auf jugendschutz.net zurückzuführen sondern auf einen Kommentar von Hans-Ulrich Jörges im aktuellen Stern. Da werden die nächsten Tage und Wochen einige abschreiben und nachplappern.
    Ansonsten natürlich volle Zustimmung.

    1. ähm, er bezieht sich ja direkt aus jugendschutz.net, habe ich in der Eile übersehen. Dennoch, wenn Jörges was schreibt, dann werden viele das nachplappern. „Edelfeder“ und so.

  32. Auf Verharmlosung zu setzen ist mE die falsche Herangehensweise. Keine frage, Internetzensur soll und muss genauso unterbunden werden wie Zensur jeglicher anderer Art.
    Mit „Argumenten“ zu kommen wie oh, 1500 Beiträge, das ist aber viel, ist nicht gerade ein sehr konstruktiver Ansatz.
    Ok, es gibt ein Naziproblem. Ok, es sind „nur“ 1500 Beiträge, die mE 1500 zu viel sind.
    Also, Lösungsvorschläge oder Artikel im Entwürfe-Ordner lassen. Und mit Sperren oder Löschen ist es leider nicht immer getan. Schließlich gibt es neben der digitalen auch immer noch eine reale (oder auch analoge) Welt.

  33. Politische Zensur fängt doch damit an das man gegen Nazis vorgeht. Dabei haben Nazis und Linkie wenn man die Ziele anschaut eine sehr große Schnittmenge.
    Das heisst erst geht man gegen „Nazi_Propaganda“ im Internet vor, dann gegen sämtliche „Extreme Ansichten“.

  34. Alvar: Edelfeder? Das ist ein Begriff, der sich bei Jörges eher nicht aufdrängt. Die Strahlkraft des Stern dürfte diesbezüglich auch ziemlich übersichtlich sein.

    Interessanter ist die Frage, wie sich Herr Jörges seine Zukunft vorstellt. Vor der letzten Wahl zog es ihn ja Richtung Kanzleramt. Das hat bekanntlich nicht ganz so gut geklappt. Und nun?

  35. @murdock:

    Also, Lösungsvorschläge oder Artikel im Entwürfe-Ordner lassen.

    Was bist du denn für ein putziges Kerlchen?

    @Nazi’s sind auch Menschen:

    Politische Zensur fängt doch damit an das man gegen Nazis vorgeht

    Ich habe nicht das geringste Problem damit, gegen menschenverachtende Ideologien und Praxen vorzugehen. Ich verlange es sogar. Internetsperren auf Zugangsebene halte ich dabei allerdings für ein denkbar untaugliches Mittel.

  36. Toll: Erst sperren wir die Kinderschänder im Internet. Wer könnte da was gegen haben? Dann die Nazis. Beifall!
    Piratenpartei? Raus aus dem Internet! Linkssektierer links von der Linken? Weg!
    Eigentlich ist auch die Linke zu links und die CSU zu rechts. Könnte man auch vorsichtshalber sperren.
    Alle Radikalen müssen aus dem Internet entfernt werden, also auch die marktradikale FDP. Und die CDU? Die ist doch rechts. Sperren!
    Gleiches Recht für alle. Auch die Linken nerven. SPD raus aus dem Internet!
    Netzpolitik hat im Netz nichts zu suchen.
    [Und alles, was mit Religion zu tun hat, muss erst recht raus aus dem Netz.]
    Eigentlich gibt es nur eine Lösung: Das Internet muss wieder verschwinden! Denn bevor es das Internet gab, war die Welt noch in Ordnung. Man erinnere sich nur an Hitler und Stalin, Mao und Pol Pot und ihre willigen Helfer.

  37. @Nick Nollemeier
    Das verstehst du alles völlig falsch. Das geschieht alles nur zu deinem Besten.
    Wenn du abends nach Hause kommst, liegt schon eine Liste bereit die dir sagt, welche Werbung für welches Produkt dich interessiert und du unbedingt lesen musst. Das Angebot ist exakt auf deinen momentanen Kontostand angepasst. Die Liste der Filme die du zur Freizeitgestaltung ansehen „willst“, ist ebenfalls bereits nach deinen bisherigen Vorlieben im Briefkasten. Wenn du gerade deine Freundin rausgeworfen hast, ist sicher auch ein erotisches Filmangebot zum „entspannen“ dabei.
    Die politisch brisanten Themen sind exakt an deine bisherigen Interessen angepasst als podcasts verlinkt auf deinem virtual Desktop.
    An Hand deiner heutigen Arbeitsleistung und Bewegungspotential und der Daten die dein Hausarzt über dich hat wurde ein exaktes Ernährungsprofil erstellt, dass du sofort online bei ausgewählten Firmen bestellen kannst frei Haus.
    Und die 3 Verwarnungen wegen zu schnellen Fahrens, die dein Boardcomputer an die Polizei übermittelt haben, sind ohne große formelle Akte schon auf dem Konto gebucht.

    Übrigens, es liegen auch schon 6 Angebote für neue Freundinnen von der freien Partnervermittlung per MMS auf deinem Handy abrufbar bereit :)
    Also viel Spaß beim Gucken.

    Also, was soll das mit Hitler und Stalin …. das geschieht alles zu deinem Wohl. Aber auch du wirst das noch lernen.

  38. Also…

    Löschen statt Sperren geht offenkundig nicht immer.
    Sperren statt Löschen – Sperren sollen ja auch im nullkommanix umgangen werden können.

    Egal, wie man es dreht und wendet, es ist offenbar technisch völlig unmöglich, Kriminalität und extremistische Propaganda im Internet zu unterbinden.

    Sers, willkommen in der Welt 2.0

  39. @lukas fledermaus
    es gab 2007 einen aufwändig produzierten dreiteiler bei arte, der deine vision bei weitem übertrifft – er war mehr als gruselig. darin wurden zwar ziemlich einseitig die positiven möglichkeiten angedacht, die durchdachte konsequenz wäre aber die schrankenlose überwachung. oder wie fändest du es z.b., wenn dein klo dir beim pinkeln signalisierte, du habest gestern abend zu viel getrunken, und automatisch einen arzttermin vereinbarte, dem die urinwerte bereits beigefügt sind? das wäre dann wirklich eine ’schöne neue welt‘ im besten huxleyschen sinn.

  40. 68. – kann meinen eigenen namen nicht richtig schreiben –
    hab`mal nachgesehen, ob es noch wo einen podcast gibt, aber keinen gefunden (zu warm…)

  41. statistiken sind schrecklich…

    diese statistiken haben deutschland so vernichtet.

    zahlen sind gefährlich. man findet sie auf b0mbän und auf rechnungen, genauso wie auf der nährwertangabe. 500 kcal und 15 % Fett.

    Ich sags immer wieder. Statistiken sind temporär wirklich wertvoll.

  42. Wenn man sich mal vor Augen hält wo im politischen Spektrum die CSU agiert, dann muss man wohl annehmen das so missliebige Konkurrenz von rechts ausgeschaltet werden soll.

    nur mal so wegen unserem lieben Innenminister.

  43. mir gefällt der ironische unterton nicht, der sich durch den artikel zieht. entgegen diesem ton sollte hier doch auch mal erwähnt werden, dass die arbeit gerade für heranwachsende, die sich im netz noch orientieren müssen, eine wichtige sache ist.

    was wird denn hier im artikel als ursache für die zu geringen zahlen angeführt?

    dass so wenige inhalte von rechtsextremen an jugendschutznet.de gelangt, mag daran liegen, dass die dort arbeitenden teams ausbaufähig sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.