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Großes IT-Gipfel-Projekt war wohl eine Ente

In Gesprächen mit Journalisten zum IT-Gipfel hat mich eine Sache heute leicht ins Rudern gebracht, weil ich das nicht verstanden habe. dpa tickerte, dass das BSI und der Providerverband ECO gemeinsam Viren bekämpfen wollen. Soweit so gut. Ein Call-Center für Viren-geplagte Windows-Anwender ist sinnvoll und tut nicht weh. (Noch besser wären staatliche Aufklärungs- und Werbekampagnen, wie man vom Monopolisten Microsoft zu freien Systemen wie Linux wechseln kann.) Aber gleichzeitig wolle man den Netzverkehr analysieren und Rechner ggf. vom Netz abschalten. Das klingt alles nach Deep-Packet-Inspection, Verletzung der Netzneutralität und damit weniger gut. Heise hat die Meldung dazu: Deutschland-Zentrale gegen Botnetze geplant.

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Dem gemeinsam vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) entwickelten Konzept zufolge hätten Internetzugangsanbieter (ISPs) längst die technische Möglichkeit, vireninfizierte Rechner bei ihren Kunden durch Analyse des Netzwerkverkehrs auszumachen. Das BSI und eco stellen das Projekt beim heutigen vierten nationalen IT-Gipfel in Stuttgart vor. Laut dem Plan sollen die Provider ihre Kunden auf die Bot-Infektion ihres PCs hinweisen – etwa per Post oder Telefon. Angedacht ist auch eine Internetseite, die sich bei jeder Einwahl ins Netz automatisch aufbaut, falls auf dem Rechner Schädlinge lauern. Vor der Umsetzung des Vorhabens soll jedoch noch geklärt werden, mit welchen Sanktionen Kunden rechnen müssen, die eine Zusammenarbeit mit den jeweiligen Internetdienstleistern verweigern. „Wer im Netz ohne Virenschutz unterwegs ist, gefährdet andere Nutzer in etwa so, wie ein Autofahrer, der mit kaputten Bremsen unterwegs ist und so andere fahrlässig gefährdet.“, meinte ein eco-Projektleiter gegenüber dpa.

Mittlerweile klärt sich die Sache auf, die von Politikern und Medien auf dem IT-Gipfel als das große Projekt vorgestellt wurde. Andy Müller-Maguhn vom CCC hat bei ECO angerufen und nachgefragt, wie Fefe bloggt:

OK, diese Botnet-Sache ist doch noch lustiger als angenommen. Andy hat gerade mit eco telefoniert, und die Sachlage stellt sich wie folgt dar: Ein Mitarbeiter des eco hat ohne Absprache das interne Brainstorming-Papier an die dpa geschickt, wo alles mögliche drinstand. Das ist den eco-Leuten jetzt auch echt peinlich, weil sie weder Sperren, noch Remote-Zugriffe noch Sanktionen wollen.
Aber natürlich sind in der Zwischenzeit Politiker aufgesprungen und wollen das geschickt für sich verwursten. Das könnt ihr also mal direkt abhaken, das war eine Ente. Andy hat eco noch empfohlen, da selber noch mal ein Dementi zu publizieren. Das tun sie hoffentlich auch bald, damit da keine Begehrlichkeiten entstehen. Ihr wißt ja, wie das ist, wenn inkompetente Politiker plötzlich Morgenluft schnuppern.

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12 Kommentare
  1. Und im Rundfunk wird sie auch kolpertiert.
    Schäuble wollte ja ’nur‘ einen Bundestrojaner im Verdachtsfall. eco installiert gleich eine komplette Überwachungssuite. Gab es da nicht mal eine Meldung auch China zu einem ähnlichen Vorhaben? Dunkel erinnere ich mich.

  2. hi!
    was da jetzt los?! massig medienberichte die letzen tage nachdem das ganze zeugs im januar 2010 starten soll!
    ente?
    Brüderle und de Maiziere haben also einfach irgendwas dahergeblubbert?!

    kann ich nicht glauben

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