Das Interview nach der Hausdurchsuchung von Wikileaks.de

Vorgestern gab es eine Hausdurchsuchung in der Wohnung von Theodor ‚morphium‘ Reppe. Ihm wird als Besitzer der Domain Wikileaks.de die Verbreitung pornographischer Schriften vorgeworfen. Wir haben ein kurzes Interview mit ihm per Mail geführt:

netzpolitik.org: Du besitzt die Domain Wikileaks. Warum?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Ich besitze die Domain wikileaks.de, korrekt. Ich möchte damit wikileaks unterstützen, denn auch eine .de-Domain verursacht (wenn auch nur geringe) Kosten. Außerdem muss ja irgendjemand die Domain registrieren, wenn man möchte, dass Wikileaks auch unter wikileaks.de erreichbar ist.

netzpolitik.org: Vorgestern wurdest Du von der Polizei besucht. Was wirft diese Dir konkret vor?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Das weiß nur die Polizei selbst. Auf dem Durchsuchungsprotokoll steht Verbreitung pornografischer Schriften. Ein Durchsuchungsbeschluss liegt im Moment noch nicht vor.

netzpolitik.org: Was geschah bei der Hausdurchsuchung. Was wurde mitgenommen?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Als die Beamten eintrafen, teilten Sie mir mit, dass Sie meine gesamte Rechentechnik beschlagnahmen möchten. Vorher hätten sie gern noch, dass ich das Passwort für die Domain wikileaks.de mit ihnen zusammen ändere, sodass es nur noch den Beamten bekannt ist. Als ich erklärte, dass das nicht möglich sei, fragten sie mich, ob ich nicht wenigstens „die Seite“ vom Netz nehmen könnte. Auch das verneinte ich. Die Beamten durchsuchten dann sehr oberflächlich meine Wohnung und haben meinen Firmenlaptop und 1 herumliegende Festplatte mitgenommen. Wohnung+Keller+Auto hat nicht länger als 15 Minuten gedauert, was für die „Gründlichkeit“ der Durchsuchung spricht. Es könnte also auch durchaus zur Einschüchterung gedient haben.

Außerdem möchte ich hier kurz erwähnen, dass genau gestern, also 1 Tag nach der Durchsuchung, ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Dresden bei mir eingetrudelt ist, dass ich die beschlagnahmten Gegenstände von vor 20 Monaten am 1. April (huh? ;) ) wieder abholen kann, da die Beschlagnahme aufgehoben wurde. Die Beschlagnahme hat im Zusammenhang mit dem Betreiben eines Tor-Servers
stattgefunden.

netzpolitik.org: Was ist da konkret passiert?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Meine Wohnung und eine LAN-Party, die ich veranstaltet habe, wurden parallel durchsucht (mit Durchsuchungsbeschluss, Vorwurf: Verbreitung KiPo). Dabei wurden mehrere private Datenträger & PCs beschlagnahmt.

netzpolitik.org: Und was ist dabei herausgekommen?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Mein Anwalt hat vor mehreren Monaten erneuten Antrag auf Akteneinsicht gestellt und bis heute nicht erhalten. Unser letzter Stand war auch, dass meine Sachen noch nicht einmal ausgewertet wurden. Umso erstaunlicher ist das nun eingetroffene Schreiben der Staatsanwaltschaft.

netzpolitik.org: Wirst Du weiter einen Tor-Server betreiben.

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Natürlich, mein Tor-Server läuft nach wie vor. Es ist ja auch nicht so, dass der Staat komplett inkompetent wäre. Das BKA schickt einfach einen Brief, und fragt wer dann und dann die und die IP hatte. Da antwortet man dann freundlich, dass man das nicht weiß, weil man einen Tor-Server betreibt. Das ist dann auch ausreichend. Aber das LKA Sachsen hat da halt erstmal Kahlschlag gemacht, bevor es nachgefragt hat. Die Polizei sollte sich wirklich kompetente Leute zulegen, oder
wenigstens einkaufen, damit nicht weiterhin die Grundrechte von Bürgern grundlos so massiv beeinträchtigt werden.

netzpolitik.org: Wie kann man Dir jetzt helfen?

Theodor ‚morphium‘ Reppe: Zuallererst durch mediale Aufmerksamkeit – danke also auch an Netzpolitik! Außerdem möchte ich alle Leser aufrufen, für die Arbeit von Wikileaks zu spenden! Da Wikileaks hinter mir steht, wird mir das auch direkt in diesem Verfahren zu Gute kommen. Aber auch die Arbeit von Wikileaks ist dauerhaft unterstützenswert.

netzpolitik.org: Danke für das Interview und viel Erfolg.

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