Montag ist wieder „nationaler IT-Gipfel“

Falls es noch jemanden interessieren sollte: Am Montag treffen sich Angela Merkel und diverse hohe Regierungsleute mit ein paar Vorstandsvorsitzenden und handverlesenen „Experten“ in Hannover, um über die nationale IT-Strategie zu reden. Das war ja vor einem Jahr schon eher ein Reinfall. Dieses Mal streitet man sich offenbar vor allem darüber, ob es einen „Bundes-CIO“ geben wird oder doch nur einen Lenkungsausschuss. Die Zivilgesellschaft ist mal wieder nicht eingeladen, aber immerhin dieses Mal der Bundesdatenschutzbeauftragte.


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Man könnte verzweifeln beim Blick in andere Länder: In Großbritannien wird zum Beispiel das inzwischen erfolgreiche sehr offene Modell des Internet Governance Forums auf nationaler Ebene nachgemacht, in Neuseeland kann man Gesetzestexte im Wiki mitschreiben, und und und. In Deutschland gibt es statt dessen seit ein paar Monaten ein  semi-offizielles Gipfelblog, das aber voller „404-Not Found“-Meldungen ist. Hier z.B. wird der arme Peter Schaar nicht angezeigt, weil in den Link ein „<?php echo get_permalink(96);?>“ rein geraten ist.

Einige LeserInnen des Gipfelblogs meckern immerhin über die Überwachungspläne von Wolfgang „Stasi 2.0“ Schäuble oder die nichts sagende „Expertenmeinung“ von Brigitte „was sind nochmal Browser“ Zypries (Kommentar: „Ziel seien dezentrale und unabhängige Netze. Bei allem Respekt, aber dieses Ziel erwarte ich auch, wenn das System ein Schüler der zwölften Klasse entwerfen würde.“). Aber das wird denen die Sekretärin wahrscheinlich nicht ausgedruckt haben.

Man könnte verzweifeln – wenn es nicht so egal wäre, was die Damen und Herren in Hannover an heisser Luft produzieren. Die wirklich relevanten Entwicklungen passieren nämlich so oder so, die kommen aus ganz anderen Ecken der deutschen Informationsgesellschaft. Den Rest aus Hannover/Berlin können dann wahlweise Fefe oder der Rechnungshof zerreissen.

10 Kommentare
  1. Vom Volk bezahlte Software sollte frei nach den Kriterien der FSF sein. Proprietäre Formate sollten in staatlichen Projekten nicht verwendet werden. Den Einsatz von Trac in der Verwaltung fände ich auch ganz gut – komplett mit Bürgerbeteiligung und Bugtracker fürs Amt.

    Wird halt nur nicht passieren.

  2. Also ich finde den Blog interessant und er geht in die richtige Richtung. Das natürlich das ganze noch teilweise komisch rüberkommt und immer ein pfader Beigeschmack bleibt, ist – denke ich – allen klar.

    Aber ich finde es schwach von euch – eigentlich mag ich euren Blog – wenn ihr bloguntypisch erst euch über die Fehler aufregt, anstatt dem Blogger dies zu schreiben.
    Eigentlich dachte ich, dass die Blogger untereinander fairer sind.
    Und vor allem finde ich das schwach von euch, weil bei euch nicht ein ewig alter Link kaputt ist, sondern die ganze Suche nicht funktioniert.

    Ich denke, dass hier einfach eine große Angst mitspielt, dass dort ein dermaßen großer Blog mit jeglicher PR-Kraft hochgezogen wird und ihr zugucken müsst.

  3. Einem normalen Blogger würde ich sowas erst schreiben. Aber wenn ein Blog im Namen der Bundesregierung bzw. des Gipfel-Mitveranstalters HPI zum Thema IT-Gipfel geführt wird, kann man sich schon mal öffentlich drüber amüsieren. Das ist der Preis, wenn man auf hohe Politik macht.

    Darüber hinaus habe ich durchaus anerkennend erwähnt, dass es dort auch kritische Beiträge gibt, insofern ist es in der Tat ein guter Anfang. Ich befürchte nur, dass es keinerlei Relevanz hat, weil die Herren und Damen aus Politik und Konzernen es nicht lesen werden. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Wolfgang Schäuble und Brigitte Zypries können ja hier auch kommentieren.

  4. PS: Die Suche hier funktioniert. Wenn man ein „404 – File not found“ als Antwort bekommt, liegt das genau daran, dass die Suchroutine zu dem Suchbegriff wirklich nichts gefunden hat. Das könnte man natürlich noch etwas klarer sagen, das gebe ich zu.

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