Google kauft Youtube

Tagesschau.de hat den Kaiserslauterner Informatik-Professor Hendrick Speck zur Youtube-Übernahme durch Google befragt: Erst „kriminell“, dann „legitim“.

tagesschau.de: Aus einer amerikanischen Website mit teils illegalen Inhalten wird nach nur eineinhalb Jahren ein Objekt, das für 1,65 Milliarden Dollar den Besitzer wechselt. Mit gerade mal 67 Mitarbeitern. Warum gibt es solche Entwicklungen eigentlich nicht in Deutschland?

Speck: Das hat unter anderem mit unserem Urheberrecht zu tun. Viele Vertreter aus der deutschen IT-Industrie und Forschung beklagen, dass sich Justizministerin Zypries zum Helfer der Musik- und Filmindustrie hat machen lassen. Das von Zypries eingeführte Gesetz zum digitalen Urheberrecht ist im höchsten Grad innovationsfeindlich. Und ein Unternehmen wie YouTube könnte in Deutschland gar keine eineinhalb Jahre existieren.

Neben der ganzen Beigeisterung im Netz für die Übernahme, gibt es auch kritische Stimmen. Grietje Bettin, die medienpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion äusserte sich in einer Pressemitteilung: Google verleibt sich YouTube ein – und wird noch mächtiger.

Die Konzentrationstendenzen im Medienbereich machen also auch vor dem Internet nicht Halt. Schon jetzt kann man bei Google neben der klassischen Suche nach Internetseiten auch nach Bildern, Nachrichten, digitalen Büchern oder Landkarten suchen, ja sogar die eigene Festplatte durchforsten lassen und vieles mehr. Es scheint kein Onlineangebot zu geben, für das sich Google nicht interessiert. Dieser Entwicklung muss Einhalt geboten werden – es muss endlich anerkannt werden, dass Meinungsmacht auch im Internet existiert!

Auch aus datenschutzrechtlicher Sicht gehört Google auf die Finger geschaut. Die Krake Google streckt ihre Tentakel immer weiter aus – und noch immer weiß keiner, welche Daten das Unternehmen von Nutzern abfragt und sammelt, ohne dass die Nutzer der Google-Dienste davon wissen. Das Prinzip der informationellen Selbstbestimmung muss aber auch im Internet gelten!

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3 Ergänzungen

  1. Der Erfolg von YouTube hat nichts mit Unterschieden bezüglich des Urheberechts (Deutschland) und Copyrights (USA) zu tun.

    So berechtigt die Kritik am deutschen Urheberrecht (und insbesondere an den geplanten Verschärfungen ist), auch nach amerikanischen Recht sind viele YouTube-Inhalte illegal.

    Ein Unternehmen wie YouTube könnte in Deutschland schon allein deshalb nicht existieren, weil es hier keine Risikokapitalgeber gibt.

  2. Auf meinem Blog rufe ich seit längerem zum Boykott gegen Google auf. Der Grund dafür: Ich teile die Meinung von Frau Bettin, dass an Google als Betreiber einer gewaltigen Datenbank in Bezug auf Datenschutz hohe Anforderungen zu stellen sind. Leider zeigt Google aber immer wieder, dass sie das anders sehen.

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