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Mittwoch, 2. Juli 2008

Interview zu Politik im Internet

Jetzt.de hat mich zu unserer “Politik im Web 2.0″-Studie interviewt: „Kurt Beck hat keine Freunde“.

Dienstag, 17. Juni 2008

Video: I’m Voting Republican

I’m Voting Republican” ist ein gut gemachtes und aktuelles politisches Werbe-Video aus den USA. Fast drei Minuten lang erzählen Menschen einfache Gründe, weshalb man die Republikaner wählen sollte - oder auch nicht. Das Video dient zur Mobilisierung der demokratischen Basis. In den USA muss man sich ja zur Wahl anmelden und dazu sind es nur noch wenige Monate Zeit. Auf jeden Fall gut gemacht und der Stil ist interessant. Schaut aus wie eine Mischung aus Michael Moore und Adbusters:

Sonntag, 15. Juni 2008

USA: 46% informieren sich online über den Wahlkampf 2008

Eine neue Studie des PEW-Projects aus den USA hat herausgefunden, dass 46% der US-Amerikaner über das Internet im Rahmen des aktuellen Wahlkampfes politische Informationen bekommen und sich dort darüber auch online ausgetauscht haben. Das liegt vor allem an der Obama-Kampagne und den jungen Wählern, die sich dafür interessieren. Das PEW-Project hat dazu zwischen April und Mai 2,251US-Amerikaner befragt. Aus der Pressemitteilung: The internet and the 2008 election.

Die 46% kommen durch die folgenden Tätigkeiten heraus. Dabei wurden auch Mehrfachnennungen einberechnet:

• 40% haben über das Internet Informationen und News zum Wahlkampf bekommen
• 19% beschäftigen sich einmal die Woche online mit dem Wahlkampf, 6% sind täglich irgendwie engagiert.
• 23% bekommen mindestens einmal die Woche Mails, indem sie aufgefordert werden, einen Kandidaten zu unterstützen oder über die Kampagnen zu diskutieren.
• 10% nutzen aktiv eMails, um regelmässig an der politischen Debatte teilzunehmen.
• 4% haben politische Ansichten per SMS ausgetauscht.

Drei Online-Akivitäten spielten dabei eine prominte Rolle:

• 35% der US-Bürger haben sich online politische Videos angesehen. Das ist eine verdreifachung gegenüber 2004. Was wiederum keine grosse Überraschung ist, denn damals gab es Youtube noch nicht.
• 10% haben Social Networks genutzt, um informiert oder in die Kampagnen eingebunden zu werden. 2/3 aller unter 30-jährigen haben eigene Social-Network-Profile und die Hälfte davon bekommen oder verbreiten darüber Informationen über die Kampagnen.
• 6% haben online gespendet. Das ist auch eine verdreifachung gegenüber 2004.

Weitere interessante Zahlen:

• 39% haben auf “medial-ungefiltertes” Kampagnenmaterial, meist direkt auf den Kampagnenseiten, zugegriffen, dazu zählen Videos, Reden, Ankündigungen und Positionspapiere.
• 18% haben sich Videos angeschaut, die nicht direkt von den Kampagnen kamen.
• 11% haben an der politischen Gesprächen teilgenommen, indem sie Kommentare von anderen weitergeleitet und/oder gepostet haben.
• 5% haben eigene Kommentare und Analysen gepostet. Schaut man sich die 18-19-jährigen an, so haben 12% davon ihren eigenen politischen Kommentar in einem Forum, Blog oder einer Webseite verfasst.

“Many voters are now using the internet to move past traditional media gatekeepers to gain their own view of the candidates and the campaign,” said Pew Internet Project Research Specialist Aaron Smith, an author on the report. “This shows the appetite of engaged citizens to move beyond the sound-bite culture and make their own assessments of the meaning of political developments.”

28% der Onliner fühlen sich persönlicher mit einer Kampagne durch das Netz verbunden. 22% sagen, dass sie sich ohne Internet nicht engagieren würden. Gleichzeitig fühlen sich grosse Gruppen aber auch durch Fehlinformationen und extreme Positionen im Netz verunsichert.

Ein passender Kommentar von Techpresident dazu: A Whole New Ball Game: 2008 is Record Setting Election According to New Pew Study

Not only is turnout at record levels in primaries across the country, but the role the internet is playing in the election is setting records that bury previous high marks. According to the Pew Internet & American Life report issued today, a full “46% of Americans have used the internet to get political news and share their thoughts about the campaign. Online video and social networking sites have taken off, especially among Obama supporters.” So let’s stop asking whether the internet will ever elect a president and accept the fact that no candidate can afford to downplay the importance of it.

Das sind Zahlen, wovon wir in Deutschland 2009 noch träumen können. Weder gibt es hier eine inspirierende Obama-Kampagne, noch unternehmen die Parteien grosse Anstrengungen, das Internet richtig zu nutzen.

Freitag, 6. Juni 2008

Wählergruppen visualisieren

Eine nette Flash-Animation der New York Times zeigt sehr anschaulich, welche Wählergruppen in welchen US-Staaten für Clinton und/oder Obama gestimmt haben.

[via]

Mittwoch, 21. Mai 2008

Presidential Technology Policy: Priorities for the Next Executive

Ich blog hier mal live mit und übersetze dabei on-the-fly vom englischen ins deutsche. Daher können Rechtschreibfehler passieren.

Direkt am Anfang ist eines der spannensten Veranstaltungen der Computers, Freedom and Privacy Conference laut Programm: Presidential Technology Policy: Priorities for the Next Executive. Moderiert von Ari Schwartz, Vice President, Center for Democracy and Technology, und Susan Crawford, Visiting Professor of Law at Yale Law School sitzen Chuck Fish von der McCain ‘08 Campaign und Daniel Weitzner, Member of the Technology Media and Telecommunications policy committee advising the Obama ‘08 Campaign auf der Bühne.

In der Einleitung heisst es, dass dies keine Debatte, sondern nur eine Diskussion sein soll. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten zu finden und zielführend gemeinsam vorwärts zu kommen in den Herausforderungen einer US-Netzpolitik.

Obama-Kampagne:

Obama-Berater: auf barackobama.com Whitepaper Technology-Papier zu finden.

Leitlinie: Was kann das Internet und Technologie tun für die Grund-Bedürfnisse der Gesellschaft?

Obama-Kampagne hat sehr früh Technologie-Menschen erreicht und diese eingebunden in der Formulierung der Strategie in dem Whitepaper.

Rückblick Obama-Kampagne. Am Anfang als Aussenseiter gestartet, ohne viel Geld und mobilisierte Basis. Grassroots-Strategie angewendet und das Internet als Organizing-Tool eingesetzt.

Netzneutralität ist ein fundamentaler Wert, der geschützt werden muss.

Für Medienvielfalt und gegen Medienkonzentration

Meinungsfreiheit erhalten und gleichzeitig Kinder vor gefährlichen Inhalte schützen. Statt zentraler Zensur möchte man lieber Eltern befähigen, Filter auf ihren Rechnern zu installieren, um ihre Kinder zu schützen.

Obama sehr kritisch gegen den Missbrauch von staatlicher Überwachung, Stärkung von Datenschutzrechten

Stärkung von Verbraucherrechte. Immer mehr persönliche Informationen werden von Nutzern abgegeben. Im Gegensatz zu klassicher Datenschutzregeln, die dem Staat Regeln vorschreiben brauchen wir neue Verbraucherschutzregeln, die Regeln einführen, wie die Wirtschaft mit diesen Daten um gehen darf.

Chief Technology Officer der Regierung, der hilft, die Regierung und Verwaltung offener zu machen

Mehr Breitbandförderung

Reform des Patentsystems. Das hätte einen grossen Beitrag für Entfaltung von Innovationen, aber einige Auswüchse sorgen mittlerweiel dafür, dass Innovationen verhindert werden. Dies muss gefixt werden.

McCain-Kampagne:

Der McCain Technologie-Berater war vorher Patentanwalt. Minuten lange Einleitung ohne was zu sagen. Leitlinien: Förderung von Innovation und Entrepreneurship und den Markt alles regeln lassen. Lange Definition, was Innovation ist. Da kommt der Patentanwalt durch. Frage mich gerade, ob nochmal konkrete politische Forderungen kommen, denn seine Einführungs-Redezeit ist bald um. Jetzt erzählt der auch noch Witze über Anwälte und dass er früher auch mal bei den Demokraten war.

4 Schlüsselpunkt der McCain-Technologiepolitik:

1. Risikokapital. Innovatoren sollen damit Geld verdienen. Reiche führen zu innovation und Geld treibt sie an.

2. Gute ausgebildete Mitarbeiter sind notwendig. Buzzword-Bingo mit Immigrations- und Bildungspolitik. Brauchen mehr Bildung, die an das Informaionszeitalter angepasst wird. Klingt nach Medienkompetenz. Auch die USA haben wohl ein Informatikerproblem. Sie wollen wieder mehr Informatiker haben, weil China auch immer mehr davon haben wird. Mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer sollen importiert werden, bevor US-Jobs exportiert werden.

3. Freie und offene Märkte. McCain ist Republikaner und daher sollte es nicht verwundern, wenn er sich für freie Märkte, Freihandel, weniger Steuern und wenig Regulation einsetzt.

4. Oh, doch noch was netzpolitisches: Privacy. “McCain Campaign would look to privacy in a broader Focus”: Man muss das breiter sehen, weil die Welt sich ja verändert hat. Man soll das mal alles unter persönliches Sicherheitsbedürfnis diskutieren, da (Personal Security)

Vier Punkte für Persönliche Sicherheits-Reche

1. Bildung und Beispiele für Verbraucher (Klingtnach Medienkompetenz)
2. Technologische Innovation. (Klingt nach mehr RFID-Pässe, Videoüberwachung und generell mehr überwachungstechnoligien)
3. Regulation und Gesetzgebung - Do not harm Principle
4. Enforcement

Also irgendwie hab ich ein anderes Verständnis von Technologiepolitik als der Patentanwalt und die McCain-Kampagne. Die sehen das rein

Frage von Suan Crawford: Gibt es genug Wettbewerb und einen funktionierenden Markt für
Highspeed-Internet? Aktueller OECD-Bericht sagt nur 15.Platz weltweit und zeigt einige Mängel auf. Was sehen Sie als Aufgabe der Regierung, hier bessere Lösungen zu finden?

McCain: Wir brauchen eine Vision. (Tata). Sonst ist der gut für heisse Luft und keine Aussage.

Obama: Gesetzliche Regulierung zu kompliziert und langwierig. Telkos sind zu mächtig und gehen erstmal vor Gericht. “Offenheit ist wichtiger als Bandbreite”. Die Geschichte des Internets zeigt, dass gerade die Offenheit es gross gemacht hat. Der Glauben, dass Marktkräfte das Internet offen halten werden, sei nicht ausreichend. Niemand möchte das Internet von der FCC regulieren lassen.

Frage: China macht weiter Zensur, was macht Ihre Adminstration um den Export von Zensur zu verhindern?

Obama: Kompliziertes Problem, was nicht einfach zu lösen ist. Er antwortet jetzt mal als Privatperson. Erinnerung an Mitte der 90er, wo man als USA von Land zu Land gereist ist, um für einen offenen Umgang mit dem Netz zu werben. Man sollte China an die tollen Chancen von Offenheit überzeugen. Die Position von beteiligten US-Firmen sei eine sehr komplizierte. Lösung scheint wohl Diplomatie zu sein. Na, ob das wirklich hilft?

McCain: Keine wirkliche Position dazu, dafür aber Werte. Langsam und sorgsam sein in diesem Feld. Bloss nicht anfangen, jetzt mal zu regulieren, (indem manz.B. Firmen verbietet, Zensurinfrastrukturen zu exportieren). Man gewinnt diese globale Debatte, indem man ein gutes Vorbild ist.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Voices without Votes

VWV

Reuters und Global Voices haben gemeinsam Voices without Votes ins Leben gerufen. Das Projekt will Beiträge von Bloggern zur Präsidentschaftswahl in den USA 2008 nach dem “Global-Voices-Prinzip” zusammentragen:

Global Voices möchte, dass Menschen sich über Ländergrenzen hinweg zuhören. Wir übersetzen Blogs aus dem Mittleren Osten, Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa und hoffen so das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Wer also regelmäßig über den Wahlkampf und die Kandidaten schreibt oder bestimmte Seiten favorisiert, kann entsprechende Links vorschlagen.

Montag, 26. November 2007

Die Grünen wollen auch für Bürgerrechte sein

Das wurde ja langsam mal Zeit. Nachdem aufgrund des Drucks von der Straße und der Basis schon SPD und FDP sich stärker als Bürgerrechtsparteien zu profilieren versuchen, haben die Grünen auf ihrem Parteitag in Nürnberg am Wochenende nachgezogen. Der Antrag “Den Rechtsstaat offensiv verteidigen – die Bürgerrechte stärken” wurde als einziger einstimmig angenommen. Die Grüne Jugend hat sogar mal wieder klassische Action gemacht, mit Transparenten und Sprüchen wie “meine Daten gehören mir” oder Striptease für Schäuble”. Sogar der Bundestrojaner des CCC war vor Ort und wurde vor die Bühne gerollt.

Laut der Berichterstattung bestand ein großer Teil der “Debatte” dazu allerdings daraus, sich recht polemisch einig zu sein in der Ablehnung von Wolfgang Schäuble und seiner Politik. Viele sprachen sich auch gegen die Vorratsdatenspeicherung aus, und die Grünen wollen sich nun nach Linkspartei und FDP doch noch an der Verfassungsbeschwerde beteiligen. Das sind alles keine grandiosen Neuigkeiten, sondern zeigt nur, dass hier einiger Nachholbedarf bestand. Julia Seeliger hat immerhin ein engagiertes Plädoyer dafür gehalten, dass es nicht reicht, “gegen Überwachung” zu sein, sondern dass auch der positive Wert des Datenschutzes als Grundrecht auf “Diskretion” stärker herausgestellt werden muss.

Ehrliche Selbstkritik an der eigenen Rolle, etwa beim Abnicken der Überwachungspakete unter Innenminister Otto Schily, wurde laut den Medienberichten nicht oder nur zaghaft geübt, und entsprechend liest sich auch die Stelle in dem genannten Beschluss. Ihre Glaubwürdigkeit als Partei der Bürgerrechte haben die Grünen auch deswegen bei vielen noch nicht wiedererlangt, wie etwa ein Blick ins heise-Forum zeigt. Aber ich finde es ja für das politische Klima schon mal gut, dass offenbar alle Parteien links von der CDU momentan versuchen, sich als die besseren Datenschützer zu profilieren.

Berichte: Spiegel, Süddeutsche, heise. Die Reden gibt es auch per Video.

Montag, 29. Oktober 2007

Die bulgarische Blogosphäre im Wahlkampf

Über den bpb-newsletter gekommen: Die bulgarische Blogosphäre

Bulgarischen Politikern waren die Möglichkeiten der Blogosphäre bis vor kurzem noch unbekannt. Doch im Zuge der Kommunalwahlen vom vergangenen Sonntag haben sie einige einfallsreiche Politiker entdeckt, stellt Julian Popow fest: “Bloggen ist ein globales Beicht-Instrument. Man kann Wut entschärfen, öffentlich Fehler bereuen und der Welt Fakten verkünden, die es nicht in die Zeitungen schaffen. Politiker haben offensichtlich begriffen, dass sie über Blogs und YouTube die ansonsten desinteressierte Nation erreichen können. Doch erfolgreich sind in der Blogosphäre nur diejenigen, die sie nicht als Kanzel für Predigten missbrauchen. Die Wähler sympathisieren mit Menschen, die ihnen vertraut sind, denen sie sich nahe fühlen. Sie wollen tolle Einfälle, keine tiefgreifenden Analysen. Man muss sie jeden Tag aufs Neue überraschen.”

Der Artikel ist auf bulgarisch, vielen Dank an die Übersetzer. Kennt sich hier jemand in Bulgarien aus?

 

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