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  • : Geht ja wohl: Auch der BND späht befreundete Staaten aus
    Bild: Marc Nozell Lizenz: CC BY 2.0
    Geht ja wohl: Auch der BND späht befreundete Staaten aus

    Einer der meistzitierten Sätze der Bundeskanzlerin zum NSA-Skandal wird zum Bumerang: „Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht“. Jetzt stellt sich heraus: Auch der deutsche Bundesnachrichtendienst hört bei „befreundeten“ Staaten mit. Der prominenteste Fall ist Hillary Clinton, ehemalige US-Außenministerin, aber auch ihr Nachfolger John Kerry und der NATO-Partner Türkei soll überwacht worden sein. Das geht aus den Dokumenten des Doppelagenten Markus R. hervor, der zwei Jahre lang für die CIA beim deutschen BND spioniert haben soll. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft noch.

    Bisher hatte die Bundesregierung betont, die Informationen die über den Spion Markus R. an die USA flossen wären eher unbedeutend. Das kann man aber über die jetzt bekannt gewordenen Dokumente absolut nicht behaupten. Und die Erklärung, dass das Abhören von Telefonaten unabsichtlich passiert sein soll, nur als „Beifang“ anderer Spionagemaßnahmen, wirkt wie eine Farce. Heute ging man nun in die Offensive: Die Überwachung der Türkei wurde aus „Regierungskreisen“ gerechtfertigt, denn was dort geschehe sei unmittelbar für die Sicherheit in Deutschland relevant. Die türkische Regierung hat unterdessen den Deutschen Botschafter zu der Spionageaffäre befragt, schreibt der Spiegel.

    Auch ein BND-Skandal

    Spätestens jetzt kann die Bundesregierung sich nicht mehr auf ihre angebliche Opferrolle zurückziehen und mit gespielter Empörung auf die USA zeigen. Die Aufklärung wird auf beiden Seiten des Atlantiks verschleppt, man hat eben scheinbar kein Interesse daran, weil beide Seiten an der Massenüberwachung beteiligt sind. Wir wissen aber bisher, dank Edward Snowden, mehr über die Machenschaften der US-Geheimdienste als über unsere eigenen Dienste. Es ist kein reiner NSA‑, sondern ein globaler Geheimdienstskandal. So einfach darf man es den deutschen Diensten wirklich nicht machen. Der Tagesspiegel kommentiert dazu:

    Im deutschen Narrativ sind die Amerikaner dickfellig und leugnen die Gefahren, die von ihren Geheimdiensten für die Demokratie ausgehen. Im amerikanischen Narrativ sind die Deutschen scheinheilig, wollen sich nicht dazu bekennen, dass jeder Staat Geheimdienste brauche und alle Dienste im Großen und Ganzen dasselbe machen, auch der BND.

    Die heuchlerische Rhetorik der Bundesregierung ist jetzt eine Steilvorlage für die amerikanischen Dienste. Wer sich erst empört und dann selbst entlarvt wird das Gleiche zu tun, ist gleich zweimal blamiert. Diese Doppelmoral bei allen Beteiligten verhindert seit 14 Monaten eine ehrliche Diskussion und Aufklärung. Insbesondere der NSA-Untersuchungsausschnuss des Bundestags darf die Aktivitäten deutscher Dienste nicht länger ignorieren. Dass Glenn Greenwald die Arbeit des Ausschusses als „Illusion von Aufklärung“ bezeichnet, vor allem weil Edward Snowden nicht als Zeuge geladen wird, sollte zu denken geben.

    Parlamentarische Kontrolle?

    Doch auch die parlamentarischen Kontrolleure scheinen nicht im Bilde zu sein, was passiert. Die Welt zitiert André Hahn (Die Linke), den stellvertretenden Vorsitzenden des parlamentarischen Kontrollgremiums, mit den Worten:

    „Uns wurde immer wieder versichert, es gab nie Abhörmaßnahmen gegen die USA.“

    Und das, obwohl die Bundesregierung dem geheim tagenden Gremium zur Auskunft verpflichtet ist. In Paragraf 4 des Gesetz über die parlamentarische Kontrolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes (kurz: Kontrollgremiumgesetz, PKGrG) heißt es:

    Die Bundesregierung unterrichtet das Parlamentarische Kontrollgremium umfassend über die allgemeine Tätigkeit der [Geheimdienste] und über Vorgänge von besonderer Bedeutung. Auf Verlangen des Parlamentarischen Kontrollgremiums hat die Bundesregierung auch über sonstige Vorgänge zu berichten.

    Dem zuständigen Kanzleramtsminister sollte also mal gründlich auf den Zahn gefühlt werden, warum er seiner Auskunftspflicht nicht nachgekommen ist. Denn das Abhören ausländischer Außenminister und ganzer Länder sollte nun eindeutig „von besonderer Bedeutung“ sein, wie es in dem Gesetz heißt. Sich einfach doof zu stellen darf nicht ausreichen.

    18. August 2014 2
  • : Binninger tritt von Vorsitz des NSA-Untersuchungsausschusses zurück. Sensburg soll Nachfolger werden
    Binninger tritt von Vorsitz des NSA-Untersuchungsausschusses zurück. Sensburg soll Nachfolger werden

    Heute morgen noch haben wir darauf hingewiesen, dass wir skeptisch sind, ob der NSA-Untersuchungsausschuss energisch genug an die Aufklärung gehen wird, wenn der Ausschussvorsitzende Clemens Binninger von der CDU schon sagt, er sei nicht gänzlich überzeugt und rechne damit, dass der Ausschuss eventuell am Ende ergebnislos bliebe.

    Jetzt erreicht uns per Tagesschau-Eilmeldung und Twitter die Nachricht: Binninger ist vom Vorsitz zurückgetreten. Für ihn ins Amt treten soll der bisherige Unions-Obmann Patrick Sensburg, das erklärt der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion:

    Wir haben mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass Clemens Binninger sein Amt als Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses niederlegt. Innerhalb der CDU-/CSU-Fraktion haben wir uns darauf verständigt, dass der bisherige Obmann Patrick Sensburg den Vorsitz des Untersuchungsausschusses übernimmt. Als Obmann folgt Roderich Kiesewetter, der neu in den Untersuchungsausschuss aufrückt.

    Sensburgs erster Eindruck konnte uns nicht überzeugen, als er bei einer Debatte zur Vorratsdatenspeicherung im Bundestag mehr als unsachlich wurde und den VDS-Gegnern vorwarf, es gebe kein Recht darauf, unbeobachtet Kinderpornos im Netz zu betrachten.

    Die Gründe für Binningers Rücktritt? Er wirft der Opposition eine zu einseitige Fixierung auf die Vernehmung Edward Snowdens vor, die mehr der „parteilichen Profilierung“ denn der Aufklärung dienlich sei. Bereits im Vorfeld hatte er klargestellt, dass er das für reine Aufmerksamkeitshascherei hielt und statuierte, nicht die medial wirksamsten Zeugen vernehmen zu wollen, sondern diejenigen, die am meisten zur Aufklärung beitragen. Und das könne Snowden nicht. Er sei auf der einen Seite nach eigenen Angaben nicht mehr in Besitz weiterer Dokumente und habe bei vorigen Anhörungen immer nur allgemeine, abstrakte Antworten geliefert.

    Als Konsequenz aus den Meinungsverschiedenheiten erklärte er, eine „sachdienliche Zusammenarbeit“ der Fraktionen sei nicht möglich.

    Aber ist das der wirkliche Grund oder hat Binninger eingesehen, dass es sowieso keinen Willen zur Aufklärung gibt? Denn er erklärt auch, dass er Aufgabenkonflikte mit seiner Rolle als Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums sieht. Was das bedeutet, lässt Raum für Interpretationen, müsste er etwa auf der einen Seite Informationen aufdecken die auf der anderen lieber geheim bleiben sollen?

    Oder ist er schlichtweg mit der Teilnahme in zwei Untersuchungsausschüssen überfordert, denn auch im NSU-Ausschuss ist er Mitglied als Obmann von CDU/CSU? Möglich wäre auch, dass man ihn lieber im kommenden U‑Ausschuss zur Edathy-Affäre sehen will.

    9. April 2014 5
  • : Auf deutschem Boden gilt deutsches Recht… die Tausendste
    Auf deutschem Boden gilt deutsches Recht… die Tausendste

    Es ist ermüdend, wie oft Sätze à la „Auf deutschem Boden gilt deutsches Recht…“,  „Abhören unter Freunden und Partnern gehört sich nicht“ und deren Derivate in der letzten Zeit gefallen sind. Wie auch in der neuesten Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes – einer Stellungnahme Westerwelles zum Merkelschen Mobiltelefon.

    Aber scheinbar merken alle, dass solche Äußerungen niemanden mehr beeindrucken und auch beim letzten Rest der Bevölkerung ihre Glaubwürdigkeit verloren haben. Daher beginnt man nun, von realen Konsequenzen zu reden und macht Vorschläge, wie man denn unseren amerikanischen Freunden Manieren beibringen kann oder dem Volk gegenüber Aufklärungs- und Aktionswillen demonstriert. Eine kleine Auswahl aus den Ideen der letzten Tage, bei denen man leicht den Überblick verlieren kann:

    27. Oktober 2013 49
  • : Pofalla hat sich durchgesetzt: NSA startet Transparenzoffensive
    Opposition will endlich keine Informationen mehr vorbehalten bekommen.
    Pofalla hat sich durchgesetzt: NSA startet Transparenzoffensive

    Unser Kanzleramtsminister Ronald Pofalla hat im Rahmen seiner „Der NSA-Skandal ist beendet“-Tournee erklärt, dass die Bundesregierung gegenüber der US-Regierung die Deklassifizierung von Dokumenten zwecks Aufklärung durchgesetzt habe. Die NSA hat jetzt eine Transparenzoffensive gestartet und die gewünschten Dokumente verschickt, zumindest an das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) im Deutschen Bundestag, dessen Mitglieder über die Inhalte nicht reden dürfen. Aber offensichtlich können sie über die Nicht-Inhalte twittern, denn das hat Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion und Mitglied der PKG, als Foto verschickt:

    BTQlrwECUAEkcbh

    Laut Thomas Oppermann ist das nicht die einzige geschwärzte Seite, vielleicht ist es aber auch nur Geheimschrift und ein Ratespiel. Man kann das aber auch so positiv sehen, wie Ronald Pofalla:

    Mit dem eingeleiteten Prozess sei er „sehr zufrieden“. Die amerikanische Seite habe bereits Unterlagen geliefert, die aus der Geheimhaltung gehoben seien und die er nun dem Kontrollgremium vorgelegt habe.

    Könnt Ihr nichts drin lesen? Alexander Svensson hat die Botschaft rausgelesen und ein Video daraus gemacht:

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    4. September 2013 11
  • : Innenminister Friedrich über Überwachungs-Erfolg: „Vielleicht waren es mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.“
    Innenminister Friedrich über Überwachungs-Erfolg: „Vielleicht waren es mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.“

    Unser geliebter Innenminister Friedrich erzählt gerade dem geheimen „Kontrollgremium“ des Bundestages über seine USA-Reise. Die grandiosen Resultate hat er schon heute morgen dem ARD Morgenmagazin gesagt:

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    ARD: Wie viele [Terroranschläge] waren es denn, die verhindert worden sind?

    Friedrich: Die Zahl der nicht stattgefundenen Terroranschläge zu zählen, ist relativ schwierig.

    ARD: Aber sie haben ja gesagt fünf.

    Friedrich: Die Amerikaner haben gesagt: „Wir haben 25 in Europa, fünf in Deutschland, aufgrund dieses Prism-Programms, darum geht’s ja (Anmerkung: nein) aufgedeckt oder verhindert.“ […] Wenn die Amerikaner jetzt sagen, in fünf Fällen kommen diese Hinweise […] aus dem Prism-Programm, dann muss man das mal so hinnehmen. […] Aber vielleicht waren es auch mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.

    ARD: Das macht den Eindruck, als ob sie eine ganze Menge noch nicht wissen.

    16. Juli 2013 18