Militär

  • : Netzpolitik-Podcast 078: Thomas Rid über War 2.0
    Netzpolitik-Podcast 078: Thomas Rid über War 2.0

    Der Netzpolitik-Podcast ist ein Interview mit dem Wissenschaftler Thomas Rid über sein gerade erschienenes Buch „War 2.0: Irregular Warfare in the Information Age“. In dem knapp 35 Minutenlangen Gespräch unterhalten wir uns darüber, wie soziale Medien in Streitkräften zur Anwendung kommen und wie ihre nichtstaatlichen Gegner sie nutzen.

    Es geht dabei um Soldatenblogs, wie sich Soldaten mittels Social Networks vernetzen und welche Herausforderungen für die traditionellen hierarchischen Organisationsstrukturen durch die Nutzung von sozialen Medien entstehen. Ab Minute 20 unterhalten wir uns über die Gegner am Beispiel von Hisbollah und Al Quaida. Hier gibt es zwei unterschiedliche Strategien. Während die Hisbollah eher eine Massenbewegung ist, die auf Merchandising und traditionelle Medien setzt, nutzt al Quaida eher Mechanismen des Open-Source-Campaignings.

    Hier ist die 32 MB große MP3.

    Im Buch „War 2.0″ wird die These vertreten, dass es zwei eng miteinander verbundene Trends gibt, die moderne Streitkräfte unter immensen Anpassungsdruck setzen: Die steigende Zahl von Aufständen und die zunehmende Bedeutung des Internet. Im Cyberspace wie im Krieg hat die öffentliche Dimension in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Das Buch untersucht die unterschiedlichen Wege, wie Aufständische und ihre Gegner irreguläre Konflikte an neue Medienplattformen angepasst haben. Es analysiert die PR-Politik der US-Landstreitkräfte, der britischen Armee und der israelischen Verteidigungskräfte. Dabei werden die medienbasierten Methoden dieser konventionellen Streitkräfte mit denen ihrer erfolgreicheren, nichtstaatlichen Gegner verglichen. Außerdem wird gezeigt, wie Al Kaida, die Taliban oder die Hisbollah das Internet nicht nur für Propaganda nutzen, sondern auch, um Anhänger zu mobilisieren und Aufstände in Gang zu setzen.

    Zum Abschluß stellten wir noch die Frage, ob in Deutschland auch Blogs und soziale Medien von Soldaten der Bundeswehr genutzt werden. Hier kenne ich keine Beispiele. Über Links würde ich mich daher freuen.

    8. Juni 2009 11
  • : Bundeswehr: Vernetzte Operationsführung
    Bundeswehr: Vernetzte Operationsführung

    ct’ berichtet über „Die Bundeswehr auf der Suche nach der besten Vernetzung“.

    Die Bundeswehr wird derzeit reformiert. Ein Kernelement ist die „Vernetzte Operationsführung“ (NetOpFü): Die Kommunikation soll weniger hierarchisch ablaufen, sondern eher in einem Informations- und Kommunikationsverbund. Dabei soll mit Hilfe moderner Mittel wie IT, Mobilfunk und Internet kommuniziert werden. Im Sommer 2008 hat die Bundeswehr in Eckernförde an der Ostsee eine Experimentübung veranstaltet, um NetOpFü zu testen. Nun liegen erste Ergebnisse des Experiments „Common Shield“ (CS, Gemeinsamer Schutzschild) vor.

    6. Januar 2009
  • : Bundeswehreinsatz im Inneren
    Bundeswehreinsatz im Inneren

    Burkhard Hirsch beschreibt im Gesellschafter-Tagebuch, was der Bundeswehreinsatz im Inneren bedeutet: Nothelfer Bundeswehr?

    Wir wollen sie weder mit noch ohne Bordkanonen im Inland eingesetzt sehen. Wir wollen nicht, dass unser Leben und unsere Rechte vom Verstand und der Nervenkraft des Verteidigungsministers und seiner Berater abhängen. Wir wollen, dass Bund und Länder ihre Polizeien so ausrüsten und ausbilden, dass die Bundesregierung nicht meint, sie müsste gegen ihre Bürger den Krieg ausrufen. Kaiser Wilhelm konnte das. Aber wir sind keine Untertanen, sondern Bürger, die ihre Verfassung verteidigen wollen.

    10. Oktober 2008 4
  • : Machtkampf: Thailand sperrt YouTube-Video
    Machtkampf: Thailand sperrt YouTube-Video

    In Thailand übernahm das Militär die Macht, als der Premier Thaksin Shinawatra letzten September auf Auslandsreise war. YouTubes Taktik, Marktanteile und Bekanntheit zu erhalten, treibt auch zur Zusammenarbeit mit Zensoren der neuen Regierung. Zensiert wird offenbar vor allem die Online-Welt und ab und an CNN; Zeitungen können ungestört berichten, wie es scheint. Es scheint ein Machtkampf im Gange zu sein, der auch auf dem Rücken des Web 2.0 stattfindet. Aus der Ferne gibt es jetzt eine Lektion in durchsichtiger Pressearbeit: das Militär will eher bald als später verhindern, dass der alte Premier noch gesehen und gehört wird. Der nutzt nämlich auch YouTube, um sich aus dem Exil zu melden.

    Was ist passiert? Ab dem 5. April war YouTube in Thailand pauschal gesperrt, wegen eines eher dilettantisch gemachten, den König beleidigenden Videos. Bei Youtube kuschte man und bot proaktiv Hilfe an, gezielt einzelne Videos zu sperren. Mutter Google selbst hatte sich wohl zuvor geweigert, den fraglichen Clip offline zu nehmen, wie die NY Times weiß:

    Thailand’s military-appointed government blocked access to YouTube and several other Internet sites on Wednesday in a crackdown on material that denigrates the country’s monarch.

    “We have blocked YouTube because it contains a video insulting to our king,” said Winai Yoosabai, head of the censorship unit at the Ministry of Communication and Information Technology.

    Thailand’s ban on YouTube, the popular video-sharing Web site, came after YouTube’s owner, Google, refused to remove the video clip, the communications minister, Sitthichai Pookaiyaudom, said.

    Es ist Straftatbestand, den gottgleich verehrten König zu beleidigen. Aber es gibt einen Beigeschmack: Wie heise.de heute berichtet:

    Obwohl der Clip inzwischen gelöscht wurde, hatte das verantwortliche Ministerium den Bann aufrechterhalten, nachdem zwei ähnliche Videos aufgetaucht waren. Der Minister für Information und Kommunikationstechnologien, Sitthichai Pookaiyaudom, will die Komplettsperre aufheben, sobald er einzelne Inhalte gezielt blockieren könne. Kritik an dem Vorgehen der Regierung wies er zurück. „Ich brauche keine Lektion über Meinungsfreiheit“, sagte er der BBC, „ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit, aber das ist kulturell unsensibel und beleidigend“. Solche Inhalte werde er nicht tolerieren.

    Das Argument ist heikel, zumindest hat er sich mit dieser Aktion selbst widerlegt, Verehrung hin oder her. Die FTD weiß so einigen Hintergrund zu beleuchten:

    Generell wird in Thailand derzeit die Internetzensur aggressiver. Die vom Militär installierte Regierung will verhindern, dass der vergangenes Jahr durch einen Staatsstreich entmachtete Ministerpräsident Thaksin Shinawatra das Internet dazu nutzt, seine Anhänger um sich zu scharen. Thaksin hält sich seitdem im Exil auf und hat sich wiederholt in professionell gemachten, sentimentalen Videos über Youtube zu Wort gemeldet. Er äußerte den Wunsch, in seine Heimat zurückzukehren, und zeigte sich besorgt über die schwächelnde Volkswirtschaft des Landes.

    Das provokative Video war bis am Mittwochabend über 16.000-mal abgerufen worden. Es zeigt in einer Diashow Bilder des Königs, die mit grob angefertigtem elektronischen Graffiti überlegt und von blechern klingender kriegerischer Musik begleitet sind. Die Bilder stehen in krassem Gegensatz zu den sorgfältig kontrollierten Aufnahmen des beliebten Königs, die ansonsten überall in Thailand zu finden sind.

    Klingt letztlich nach fabrizierten Videos, die dem Militär nur allzu willkommen sind. Und so lernt man von Youtube – bald brauchts keine Beleidigungsvideos mehr, und bald sieht und hört man in Thailand nichts mehr von Vertretern der alten Regierung. Kennt sich unter den LeserInnen jemand besser mit Thailand aus?

    UPDATE: Spät gesehen, aber der SpOn hat schon berichtet und anschauliche Bilder vom Video.

    9. April 2007
  • : Briten sollen Taliban zuspammen
    Briten sollen Taliban zuspammen

    Über eine revolutionäre Art der psychologischen Kampfführung berichtet das britische Revolverblatt „The Sun“. Die britischen Truppen sind anscheinend richtig kreativ und innovativ, was sich daran zeigt, dass sie jetzt die Taliban-Kämpfer mit SMSen zuspammen (sollen). Vermutlich glaubt man daran, dass Nachrichten wie “We know who you are, give up” oder “Go home, you’ll never beat us” die Kampfmoral schwächen werden. Ungeklärt ist bisher, was daran wahr ist und ob diese Nachrichten nicht eher den gegenteiligen Effekt haben, wenn ein Taliban-Kämpfer überlegen sollte, wer jetzt wo nach Hause gehen soll.

    [via]

    12. Dezember 2006 2
  • : Weizenbaum warnt vor Sicherheitsgesellschaft
    Weizenbaum warnt vor Sicherheitsgesellschaft

    Weizenbaum ist im Moment in Höchstform: Weizenbaum bezeichnet „Sicherheitsgesellschaft“ als Katastrophe.

    Joseph Weizenbaum hat im Vorfeld der am morgigen Freitag in Berlin beginnenden Tagung „Informatik und Rüstung“ vor einer hauptsächlich vom Militär geförderten Forschung in den Bereichen Computertechnik, Biotechnologie und innere Sicherheit gewarnt. „Die Entwicklung der Informationsverarbeitung ruft die Frage der Verantwortung hervor“, forderte der Computerpionier eine strengere Ethik in diesen Wissenschaftsgebieten bei einem Pressegespräch ein. Während seiner Zeit als Professor am renommierten MIT in Boston habe er seine Studenten schon immer dazu angehalten, auf die mögliche Endnutzung ihrer Arbeiten zu achten. Abgeraten habe er etwa von Projekten, mit denen Computer gleichsam das Sehen beigebracht werden sollte. Dabei sei schließlich davon auszugehen, dass die entsprechenden Rechner in Raketen eingebaut und für den Abgleich von eingespeicherten Landkarten zur „Verbesserung“ der Zielgenauigkeit verwendet werden.

    Ich hatte eigentlich eingeplant, an der Tagung teilzunehmen. Aber wegen Erkältung, viel Arbeit und Barcamp am Wochenende fällt das leider flach.

    28. September 2006 2