Dieser Artikel ist mehr als 20 Jahre alt.

Projekt Sonniges und Grünes Internet

Wenn die Situation in China nicht so Ernst wäre, könnte man die folgende Meldung der chinesischen Botschaft in Deutschland glatt als Satiretext werten: „Projekt Sonniges und Grünes Internet“. Es geht um ein Programm für ein „sicheres Internet“ der chinesischen Regierung, welches heute mit blumigen Worten vorgestellt wurde. Darin finden sich Stilblüten wie: Aber gleichzeitig sind…

  • Markus Beckedahl

Wenn die Situation in China nicht so Ernst wäre, könnte man die folgende Meldung der chinesischen Botschaft in Deutschland glatt als Satiretext werten: „Projekt Sonniges und Grünes Internet“. Es geht um ein Programm für ein „sicheres Internet“ der chinesischen Regierung, welches heute mit blumigen Worten vorgestellt wurde. Darin finden sich Stilblüten wie:

Aber gleichzeitig sind die Internet-Surfer permanent mit schädlichen E‑Mails, pornographischen oder anderen illegalen Informationen sowie Computer-Viren konfrontiert.

Was mit „anderen illegalen Informationen“ gemeint ist, dürfte den LeserInnen dieses Blogs vermutlich hinreichend bekannt sein. Für neue LeserInnen sei nur mal eine Ansammlung von Stichwörtern präsentiert: Menschenrechte, Dalai Lama, Proteste, Kritik an der Staatsführung oder schlechten Arbeitsbedingungen, Religionen, Ökologie, Freiheit…

Bei folgendem Abschnitt handelt es sich leider nicht um die Beschreibung einer Informationsökologie-Strategie, obwohl sie beinahe danach klingt:

Das chinesische Ministerium für Informationsindustrie als zuständige Behörde für die Internet-Branche in China hat nun eine neue Offensive zur Reinhaltung des Internets und Schaffung einer harmonischen Netzumwelt gestartet. Am Dienstag startete das Ministerium in Beijing das „Projekt Sonniges und Grünes Internet“.

Eine Weiterentwicklung der massiven Zensur‑, Überwachungs- und Kontrollinfrastruktur wird gleich mit angekündigt:

„Das Ministerium für Informationsindustrie wird gemeinsam mit den Behörden bei der Entwicklung von IT-Produkten, der Verwaltung des Internetbetriebs sowie bei Informationsdienstleistungen eine Serie von reichhaltigen Aktivitäten in verschiedener Form entfalten. Ziel ist, das Internet sauber zu halten, eine vernünftige Internetanwendung für die Gesellschaft zu gewährleisten, schädlichen und illegale Informationen herauszufiltern und damit ein gesundes Aufwachsen der Jugendlichen zu garantieren.“

Aber irgendwie klingt das auch ein wenig nach deutscher Jugendschutz-Rhetorik.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 Kommentare zu „Projekt Sonniges und Grünes Internet“


  1. Es klingt auch ein wenig nach dem frühen Versuch einer großen Firma aus Redmond, das „chaotische Internet“ zu sortieren, und genehme Informationen zu kanalisieren – das ist damals gescheitert, und so hat sich Microsoft dann dem großen bösen Internet geöffnet (so ca. 1996). Hoffen wir mal, dass das nicht länger hält, das neue elektronische Mauerwerk!


  2. […] Wenn also die Subversion von unten pro-KPD-aktiv und qua Masse mit Texten von der sonnigen Blümchenwiese übertüncht werden soll, dann ist die großangelegte Säuberungsaktion ja gar nicht nötig, von der Kai Raven vom rabenhorst zu berichten weiß. Anlaß ist der 85. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas: Der staatlichen Presseagentur Xinhua teilte Wu mit: “Da immer mehr illegale und ungesunde Informationen über Weblogs und Suchmaschinen verbreitet werden, werden wir effektive Maßnahmen ergreifen, um die BBS, Blogs und Suchmaschinen unter Kontrolle zu bekommen.” […]


  3. […] “Reguläre” Entwicklung heißt bei den Volkschinesen natürlich immer, dass sie reglementiert, kontrolliert und gelenkt wird, damit auch ein sonniges und grünes Internet herauskommt. Ob das “einig Bloggerland” seine Führungsposition hier halten kann? Dazu sagt Xinhua nichts, und auch aktuelle Zahlen werden nicht genannt. Die Internet Society of China /中国互联网协会 (ISC) betont auch, dass noch nichts entschieden ist. So berichtet die China Digital Times: Blog Real Name System Undecided. Daraus: Related Chinese blog: “The Unreasonable Real-name System Will Destroy the Chinese Blog Website” from Fang Xingdong, which says,”It is still unclear whether the real-name system will apply to the actual blog, thus it is too early to comment. If violating the essence of blog, betraying the basic rules of the global Internet, and promoting the unreasonable real-name system, we will be certain about the direct consequence is to cause FUD (worries, uncertainty and doubt) effect to China’s national blog service, the greatest mistake ever made to the China Internet! […]


  4. […] Wenn die Situation in China nicht so Ernst wäre, könnte man die folgende Meldung der chinesischen Botschaft in Deutschland glatt als Satiretext werten: “Projekt Sonniges und Grünes Internet“. Es geht um ein Programm für ein “sicheres Internet” der chinesischen Regierung, welches heute mit blumigen Worten vorgestellt wurde. […]

Dieser Artikel ist älter als 20 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.