Mit Merz und von der LeyenMacron will Alterskontrollen für alle durchboxen

Der französische Präsident Emmanuel Macron schwört die EU auf Alterskontrollen ein. Dafür liegt er unter anderem Kommissionspräsidentin von der Leyen und Bundeskanzler Merz in den Ohren. Mit steigendem Tempo steuert die EU auf eine Ausweispflicht im Netz zu.

  • Sebastian Meineck
Porträt von Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen.
Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen, hier im Oktober 2025. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / MAXPPP, Bearbeitung: netzpolitik.org

Viele Spitzenpolitiker*innen wollen gerade Alterskontrollen und ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Der französische Präsident Emmanuel Macron will es ganz besonders. Medienwirksam treibt er das Vorhaben europaweit voran und versucht, andere Mitgliedstaaten auf Linie zu bringen.

Am gestrigen Donnerstag hat Macron zu einer Videokonferenz geladen. Dabei waren EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und weitere hochrangige Vertreter*innen von EU-Mitgliedstaaten. Das Ziel: koordiniert vorgehen.

Auf Twitter-Nachfolger X sprach Macron von einer „Bewegung“. Ein von ihm veröffentlichter Videoclip zeigt eine Aufnahme des Bildschirms mit den zugeschalteten Gästen, darunter Bundeskanzler Merz. „Hier sind rund ein Dutzend Staaten vertreten“, so ein Schriftzug im Videoclip.

Über die Teilnahme des Kanzlers ist die französische Regierung offenbar besonders stolz. Im Vorfeld sagte ein Élysée-Sprecher, das sende ein „Signal“. Im Vergleich zu Frankreich ist die Position der Bundesregierung in Sachen Social-Media-Verbot nämlich noch verhalten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte im Dezember 2025 das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien. Dort dürfen große Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube jungen Menschen keine Accounts mehr erlauben. Dafür sollen sie das Alter von Nutzer*innen prüfen. Nun drängen mehrere EU-Mitgliedstaaten auf ein ähnliches Modell.

Rechtssicher möglich wäre das jedoch nur mit einer EU-weiten Regelung. Deshalb erhöhen die Befürworter*innen Woche für Woche den Druck auf die EU-Kommission. Staats- und Regierungsschef*innen, etwa aus Spanien und Deutschland, stellen Forderungen auf oder schreiben der Kommissionspräsidentin dringliche Briefe. Mitgliedstaaten wie Frankreich und Griechenland bringen bereits nationale Gesetze auf den Weg. EU-Parlament und Rat beziehen Position.

Die gestrige Videokonferenz ist also nur der (bisherige) Gipfel der Bemühungen.

Ausweispflicht im Netz? Das droht konkret

Der an den Tag gelegte Eifer könnte den Eindruck erwecken, Europa müsse auf eine plötzliche Katastrophe reagieren. Das ist aber nicht der Fall: Es gibt keine Hinweise, dass soziale Medien aktuell schädlicher wären als beispielsweise vor fünf Jahren. Die Forschungslage über gesundheitliche Gefahren sozialer Medien für Minderjährige ist nach wie vor unklar; Warnungen aus der Wissenschaft sind in der Gesamtschau eher vorsichtig.

Anders sieht jedoch das Bild aus, dass Spitzenpolitiker*innen zeichnen. Ursula von der Leyen hatte diese Woche die neue EU-Alterskontroll-App in ihrer Rede sogar mit der Einführung der Covid-App verglichen. Als wären soziale Medien eine Pandemie, die Europa überrollt und dabei vor allem Kinder und Jugendliche infiziert. Worauf genau steuert Europa da gerade zu?

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Das in eine künstliche Drohkulisse gerahmte Vorhaben lässt sich auf vier Module herunterbrechen.

  • Erstens geht es um ein EU-weites einheitliches Mindestalter für soziale Medien – ähnlich wie für einen Auto-Führerschein. Es könnte irgendwo zwischen 12 und 16 Jahren liegen. Frankreich will es bei 15 Jahren ansetzen. Schon jetzt geben Plattformen in ihren Nutzungsbedingungen ein Mindestalter vor: etwa 13 Jahre bei TikTok oder 16 Jahre bei YouTube. Für ein EU-weites Mindestalter allein wären die rechtlichen Hürden eher gering.
  • Zweitens geht es um die Verpflichtung, dass Plattformen dieses Mindestalter mit strengen Alterskontrollen sichern müssen, etwa auf Basis von Ausweisdokumenten. Eine solche Pflicht gibt es bereits für Pornoseiten, die nur ab 18 Jahren erlaubt sind. Für soziale Medien dagegen gilt das Gesetz über digitale Dienste (DSA), das strenge Alterskontrollen nur als eine von mehreren Optionen vorsieht. Möchte die EU also soziale Medien zu solchen Alterskontrollen verpflichten, müsste der DSA angepasst werden.
  • Drittens geht es um die wirksame Durchsetzung einer möglichen Pflicht zu strengen Alterskontrollen. Das Beispiel von Pornoseiten zeigt: Nur weil eine strenge Pflicht de jure gilt, heißt es noch lange nicht, dass Websites sich auch de facto daran halten. Eigentlich dürfte es in der EU keine frei zugänglichen Pornoseiten geben. Seit Jahren laufen dazu Rechtsstreitigkeiten. Social-Media-Seiten sind jedoch weniger rebellisch als Pornoseiten. Sie könnten sich entsprechenden Gesetzen beugen – in Australien tun sie es auch, zumindest widerwillig.
  • Viertens geht es um einheitliche Methoden für strenge Alterskontrollen. Die EU hat hierfür jüngst eine Alterskontroll-App vorgestellt, die EU-weit ausgerollt werden soll. Später soll sie in der neuen digitalen Brieftasche (EUDI-Wallet) aufgehen. Nutzer*innen sollen in der App etwa ein Ausweisdokument hinterlegen, das ihr Alter verrät. Die App soll dann lediglich weitergeben, ob eine Person eine bestimmte Altersschwelle überschritten hat. Rund um die App gibt es jedoch mehrere technische Unklarheiten und falsche Versprechungen.

Sobald alle vier Module wie Zahnräder ineinandergreifen, könnte ein mächtiger Kontrollapparat entstehen, der das Internet, wie wir es bisher kennen, umkrempelt. In diesem Szenario wäre es zwar weiterhin möglich, Alterskontrollen mit Tricks zu umgehen – etwa mit einem VPN-Dienst. Dennoch ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Nutzer*innen lieber den offiziell gewünschten Weg geht und sich künftig mit einer Ausweis-App durchs Netz bewegt.

Zwei Updates könnten den Überwachungs-Apparat scharfstellen

Für Anonymität im Netz ist das eine Gefahr. Aktuell setzt die Alterskontroll-App der EU auf Pseudonyme, auch wenn die EU-Kommission versucht, die Kontrollen als „komplett anonym“ zu verkaufen. Technische Systeme lassen sich allerdings mühelos verändern. Vom Kontrollapparat zum Apparat für Massenüberwachung wäre es – theoretisch – kein allzu großer Schritt mehr. Dafür bräuchte es nur zwei Updates:

  • Ein technisches Update könnte die App von Pseudonymen auf Klarnamen umstellen.
  • Ein juristisches Update müsste dafür die entsprechende Rechtsgrundlage schaffen.

Mit der Begründung, Kinder und Jugendliche zu schützen, erschaffen Emmanuel Macron, Ursula von der Leyen und weitere Befürworter*innen von Alterskontrollen also gerade eine neue Infrastruktur, um alle Menschen im Netz umfassend zu kontrollieren. Und diese Infrastruktur wäre nur zwei Updates davon entfernt, Anonymität im Netz weitgehend abzuschaffen.

Weiter wäre es mit diesem Kontrollapparat möglich, bestimmte Personengruppen systematisch aus digitalen Räumen auszuschließen, etwa weil sie eine bestimmte Altersgrenze nicht überschreiten oder weil sie keine erforderlichen Papiere besitzen. – Wie weit ist dieses Szenario entfernt?

Erste Hürde: Die Alterskontroll-App ist nicht fertig

Rund um Alterskontrollen gibt es eine auffällige Diskrepanz zwischen dem, was Befürworter*innen sagen, und dem, was der Fall ist. So hat Kommissionspräsidentin von der Leyen die Alterskontroll-App diese Woche für „technisch fertig“ erklärt. In einem nachgelagerten Pressebriefing betonte ein Pressesprecher mit gepresster Stimme, die App sei „fertig!“. Ein hochrangiger EU-Beamter sprach im selben Pressebriefing von einem „Goldstandard“.

Der Blick in den Code und die Spezifikationen zeigt jedoch: Die App ist nicht fertig. Einiges ist noch nicht abschließend geklärt. So braucht es je nach Nationalstaat und unterstützten Altersnachweisen eigene Umsetzungen der App. Dabei gibt es viele Spielräume, die am Ende mehr oder weniger Privatsphäre versprechen. IT-Sicherheitsexperten warnen bereits vor Lücken.

Deutschland wiederum will die Alterskontroll-App gar nicht erst einführen, wie jüngst ein Sprecher des Digitalministeriums gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärte. Offenbar liegt der Fokus in Deutschland auf der digitalen Brieftasche.

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Aus der Bundesagentur für Sprunginnovationen heißt es laut SZ: Die technischen Standards der Alterskontroll-App würden von jenen aus der Verordnung für die digitale Brieftasche abweichen, „ohne, dass dadurch ein Mehrwert entsteht“. Das deutet darauf hin: Der angebliche „Goldstandard“ könnte zum Rohrkrepierer werden.

Zweite Hürde: Der DSA steht im Weg

Weiter ist noch nicht entschieden, ob und inwiefern die EU-Kommission bereit wäre, Social-Media-Plattformen zu strengen Alterskontrollen zu verpflichten. Dafür müsste sie nämlich den DSA anfassen. Gibt es dafür einen politischen Willen? In ihren Äußerungen zur Videokonferenz mit Macron, von der Leyen und weiteren Spitzenpolitiker*innen hielt sich die EU-Kommission offenbar bewusst alle Türen auf.

Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter-Nachfolger X: „Mit dem DSA haben wir EU-weite Regeln.“ Eltern sollten sich keine Sorgen machen. Das deutet darauf hin: Nein, es kommen keine neuen Gesetze, die über den DSA hinausgehen.

Am selben Tag allerdings sagte ein Kommissionssprecher dem Fachmedium Mlex: „Natürlich erwarten wir von Online-Plattformen, einschließlich sozialer Medien, dass sie angemessene Verfahren zur Altersverifikation haben, wenn für ihre Dienste Altersbeschränkungen gelten.“ Das wiederum deutet in eine andere Richtung: Die EU-Kommission könnte versuchen, bei der Durchsetzung des DSA auf strenge Altersverifikation zu pochen. Plattformen allerdings könnten sich dann rechtlich dagegen wehren und auf den Spielräumen beharren, die ihnen laut DSA zustehen.

Aktuell muss die EU-Kommission über das französische Social-Media-Verbot bis 15 Jahre entscheiden, und zwar im sogenannten Notifizierungsverfahren. Hier soll sich klären, ob das geplante nationale Gesetz mit EU-Recht vereinbar ist. Das könnte eng werden: In zwei Gutachten hatten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags keine Spielräume für nationale Alleingänge bei diesem Thema gesehen.

Die Wissenschaftlichen Dienste arbeiten laut Selbstbeschreibung parteipolitisch neutral und sachlich objektiv. Als die französische Regierung jüngst in einem Pressebriefing auf deren juristisch fundierte Einschätzung angesprochen wurde, wollte sie davon nichts wissen. Ein Sprecher weigerte sich, zu kommentieren, was „irgendein“ deutsches Gremium sage.

Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Abseits

Ähnlich wie die EU-Kommission hält sich Deutschland noch alle Türen auf. Zwar haben bereits Kanzler, Vizekanzler, die CDU und wichtige SPD-Politiker*innen Position bezogen – für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige plus Alterskontrollen. Die CSU dagegen ist skeptisch. Und die Bundesregierung teilte jüngst mit, sie habe sich noch nicht festgelegt.

Mit zunehmender Ungeduld schielen die Befürworter*innen des Modells auf zwei Expert*innen-Kommissionen; eine auf Deutschland- und eine auf EU-Ebene. Dort sollen Fachleute bis spätestens Sommer Handlungsempfehlungen für Jugendschutz im Netz vorlegen. Ihnen dürfte allerdings bewusst sein, dass Politiker*innen auf höchster Ebene gerade Entscheidungen vorwegnehmen. Wie groß ist wohl das Interesse der Forschenden, den Staats- und Regierungschef*innen mit möglicherweise abweichenden Positionen in die Parade zu fahren?

Keinerlei politisches Gehör findet derweil eine breite interdisziplinäre Palette an Kritiker*innen aus den Bereichen Kinderschutz, Pädagogik und Wohlfahrt, aus Elternverbänden, aus Datenschutz und IT-Sicherheit bis hin zur Kirchen-Organisationen. Viele lehnen sowohl ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige ab als auch strenge Alterskontrollen für alle. Kinder und Jugendliche mit ihren Interessen und Bedürfnissen kommen in der politischen Debatte – wenn überhaupt – nur am Rande vor.

Über die Autor:innen

  • Sebastian Meineck
    Philipp Sipos

    Sebastian Meineck ist Journalist und seit 2021 Redakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören digitale Gewalt, Databroker und Jugendmedienschutz. Er schreibt einen Newsletter über Online-Recherche und gibt Workshops an Universitäten. Das Medium Magazin hat ihn 2020 zu einem der Top 30 unter 30 im Journalismus gekürt. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Online-Award sowie dem European Press Prize.

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8 Kommentare zu „Macron will Alterskontrollen für alle durchboxen“


  1. Die Regierungen möchten unter allen Umständen das freie Internet zerstören. Alterskontrolle ist der Anfang, Anonymität das nächste. Kontrolle der Meinung und des Verhaltens aller Bürger steht am Ende. Irgendwo habe ich das chon vor 40 Jahren mal gelesen und die stümperhafte Implementierung der Stasi soll durch eine europaweite Stasi 4.0 ersetzt werden. Es ist höchste Zeit für ein neues Netz. https://www.eff.org/cyberspace-independence


    1. Das Altersverifikationsthema ist sowieso bald erledigt.
      Wer will denn Kinder in so eine Welt setzen!?


  2. Postdemocracy

    ,

    Macron will lückenlose Überwachung und Datenausbeutung von (fast) allen durchboxen.
    Macron will dazu digitale Identitäten für alle durchboxen (Thales et al freuen sich).
    Macron will dafür möglichst viele „Freiwillige“ begeistern.
    Macron will dazu „Alterskontrollen“ für alle durchboxen,
    Macron will so, dass Menschen „freiwillig“ und unausweichlich die biometrische digitale Identität nutzen.

    Okay, wäre bissel lang für ne Überschrift. Aber diese „Alterskontrollen“ sind halt kein Selbstzweck und auch kein Jugendschutz.


  3. Anonymous

    ,

    Der digitale Generalverdacht: Macrons Ausweiszwang gefährdet die Freiheit
    Es klingt nach Fürsorge, riecht aber nach Überwachung: Unter dem Deckmantel des Jugendschutzes drängt Emmanuel Macron die EU in Richtung einer flächendeckenden Ausweispflicht im Netz. Gemeinsam mit der EU-Kommission und dem deutschen Bundeskanzler wird hier ein Infrastrukturprojekt vorangetrieben, das die Axt an die Fundamente unserer digitalen Demokratie legt.

    Das Ende der Anonymität ist der Anfang der Selbstzensur.
    Informationelle Selbstbestimmung bedeutet, selbst zu entscheiden, wann wir wem welche Daten preisgeben. Ein „Internet mit Ausweiszwang“ zerstört diesen Schutzraum. Wer sich nur noch identifiziert durch das Netz bewegen kann, verändert sein Verhalten. Wenn jeder Klick, jeder Kommentar und jede Suche potenziell mit der Klarnamen-Identität verknüpft ist, stirbt die Unbefangenheit. Das trifft besonders Oppositionelle, Whistleblower oder Menschen in prekären Lebenslagen, für die Anonymität kein Luxus, sondern Schutzschild ist.

    Demokratie braucht den freien Raum.
    Meinungsfreiheit ist im digitalen Zeitalter untrennbar mit der Pseudonymität verbunden. Wenn Macron und Merz die digitale Wallet zur Eintrittskarte für das öffentliche Gespräch machen, errichten sie eine Grenzkontrolle im Inforaum. Die Gefahr ist real: Eine technologische Architektur, die heute „nur“ das Alter prüft, kann morgen zur Filterung missliebiger Meinungen oder zur sozialen Bonitätsprüfung zweckentfremdet werden.

    Wir dürfen die Sicherheit unserer Kinder nicht gegen die Freiheit der gesamten Gesellschaft ausspielen. Ein Netz, das nur noch den „gläsernen Bürger“ kennt, ist kein sicherer Ort, sondern ein autoritäres Design. Wer Demokratie schützen will, muss die digitale Freiheit verteidigen – und nicht den staatlichen Kontrollwahn zum Standard erheben. Wir brauchen eine Technikgestaltung, die Privatsphäre by design schützt, statt sie per Gesetz abzuschaffen.


  4. Erinnert man sich noch daran, wie man sich abfällig über China und die Internetüberwachung dort ausgelassen hat? Findet man mittlerweile offenbar so toll, dass man das auch haben möchte.


  5. Ich frage mich schon länger, warum man sich so auf die „Ausweispflicht“ versteift und fast schon mit der Klarnamenpflicht geliebäugelt wird. Kompliziert umzusetzen und maximal invasiv und demokratiezersetzend.

    Die EU könnte alle Webseiten dazu verpflichten, in ihren Seiten standardisierte, maschinenlesbare „Altersfreigabe-Tags“ zu setzen. Die Webseitenbetreiber könnten die Einwertung ihrer Inhalte selbstständig vornehmen. Anbieter von Inhalten, ohne Altersbeschränkung hätten kein Problem damit dies als Tag auf die Seite zu packen. Betreiber für 18+ Inhalte könnten mit dem 18+ Tag einfach und unkompliziert die Anforderungen umsetzen und wären sicher williger so eine weiche Methode umzusetzen als andere.
    Mit dieser Vorgabe könnten dann „Blocklisten“ viel einfacher und zuverlässiger auf den Endgeräten umgesetzt werden (es müssten nur die Alters-Tags von Webseiten/Apps geprüft werden). Je nach Alter müssen Erziehungsberechtigte und Schulen usw. über „Parental Control“ der Endgeräte die Filter umsetzen. Ja, natürlich müssen die das dann auch *machen*, aber das ist ihre Aufgabe! Eltern wird ja auch zugetraut ihre Zigaretten nicht an die Kinder weiterzureichen. Die Parental Control nicht einzurichten wäre so wie die Zigaretten auf dem Tisch liegen zu lassen.
    Sonst wird doch auch immer auf „Eigenverantwortung“, „freiwillige Selbstkontrolle“ und „den Markt“ gesetzt.


  6. Joachim

    ,

    Ihr sagt: „Auf X sprach Macron von einer „Bewegung“.

    X gehört doch dem, der seiner „KI“ ermöglicht, Leute mit Deep Fakes unfreiwillig nackig zu machen. Der ist doch Teil des Problems. Jugendschutz wäre es vielleicht, sich von X wegzu-“bewegen“ statt Möchte-Gerne-Bewegungen zu erfinden.

    Ich glaube, der Widerstand gegen die Chatkontrolle hat bei vdL and Friends ein Trauma ausgelöst und nun drehen die komplett frei.

    Passend zum Thema: https://www.heise.de/news/EU-App-zur-Altersverifikation-Sorglos-Paket-mit-Sicherheitsluecken-11262838.html


  7. Vor Kurzem war ich im Stadtmuseum von Erfurt. Dort wurde auch an die ersten Anfänge unserer parlamentarischen Demokratie (Weimarer Republik) erinnert. In der Nähe davon hat das Museum zwei „Stempel-Stationen“ aufgebaut, damit die Besucher kostenlos farbige Postkarten mit einem kurzen, prägnanten Spruch bestempeln (und später verschicken) können.
    Für mich und mein Kind habe ich jeweils zwei Karten bestempelt und mitgenommen.
    Die Sprüche auf den Karten lauten wie folgt: 1. „Freiheit ist eine Voraussetzung für Demokratie“, 2. „Widerspruch ist die Triebkraft für Demokratie“.

    Wenn ich mich im politischen Umfeld (EU bzw. die einzelnen Staaten) so umsehe, habe ich die Befürchtung, dass wir demnächst in diversen Museen ein neues Exponat bestaunen dürfen: die Demokratie.
    Schade, Schade. Ist leider, wie die Dinosaurier, verschwunden. Wurde eine Zeit lang kultiviert, gepflegt und verteidigt. Der Aufwand war dann vermutlich zu groß geworden.

    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen will.

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