Auf den PunktManche Einsichten kommen selbst beim Bundesamt für Migration an.

  • Chris Köver

Liebe Leser*innen.

Kennt ihr das, wenn eine Behörde eine offensichtlich nutzlose, teure und grundrechtsverletzende Überwachungsmaßnahme nach Jahren einfach einstellt?

Nein?
Ich auch nicht.

Es kommt sehr selten vor, dass die Behörden, Ministerien oder Regierungen, über deren Arbeit wir täglich kritisch berichten, eine Form der technologischen Überwachung einfach so wieder sein lassen. Umso mehr freue ich mich, wenn es doch mal passiert. So wie gestern, als meine Kollegin Anna anrief, um mir mitzuteilen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weitgehend aufgehört habe, die Datenträger von Asylsuchenden auszulesen.

Seit 2017 hatte das Amt massenhaft die Daten aus den Smartphones von Menschen ausgelesen, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Auch dann noch, als schon längst bekannt war, dass die Zahl der Fälle, in denen die Ergebnisse den Angaben der Antragstellenden widersprachen, verschwindend gering war. Misstrauen geht vor.

Jetzt kam durch eine Anfrage raus: Das BAMF durchsucht nur noch in wenigen Ausnahmefällen. Die Details könnt ihr im Beitrag von Anna nachlesen. Noch besser wäre es gewesen, die Bundesregierung hätte die Rechtsgrundlage für diese aufwendige und grundrechtsverletzende Maßnahme gleich ganz abgeschafft. Zusammen mit all den anderen Schikane-Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren in das Asyl- und Aufenthaltsrecht eingebaut wurden.

Ich weiß, aber man wird ja noch träumen dürfen. So lange freue ich mich über kleine Zwischenschritte wie diesen.

Habt ein gutes Wochenende

Chris

Unsere Artikel des Tages

Neues aus dem Fernsehrat (113)Hass und Zusammenhalt

Erik Tuchtfeld ist der neue Vertreter des Internets im ZDF-Fernsehrat. In seiner ersten Sitzung ging es gleich um die großen Themen: Pressefreiheit, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

TikTok goes MAGATrumps TikTok-Deal ist ein Geschenk an ihn selbst

Donald Trump gibt TikTok in die Hände seiner treuen Milliardärs-Fans. Ellison, Murdoch & Co. bekommen so Zugang zu 170 Millionen US-Handys. Für die US-Öffentlichkeit heißt das: noch mehr Propaganda, noch weniger Vielfalt. Ein Kommentar.

StuttgartBündnis plant Demonstration gegen Palantir-Einsatz

Die Rasterfahndungssoftware von Palantir beschäftigt die Menschen in Baden-Württemberg. In Stuttgart drängt der Protest gegen die Software und den Trump-Getreuen Peter Thiel Anfang Oktober auf die Straße. Ein Bündnis will verhindern, dass die umstrittene Software bei der Polizei eingesetzt wird.

Bundesamt für Migration und FlüchtlingeAsylbehörde liest kaum noch Datenträger aus

Nur noch in wenigen hundert Fällen las das BAMF in den letzten Monaten die Smartphones Geflüchteter aus. Das ist ein markanter Rückgang zu den fünfstelligen Zahlen aus früheren Jahren. Offenbar ist bei der Asylbehörde angekommen, dass der aufwändige und grundrechtsfeindliche Eingriff nichts bringt.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Ticker-News von Der Spiegel vom 26. 09. 2025

Amazon zahlt in einem Vergleich 2,5 Milliarden US-Dollar an die US-Handelsbehörde FTC. Das Unternehmen soll Verbraucher:innen unrechtmäßig in Prime-Abos gelockt haben. Diese müssen künftig einfacher kündbar sein.

Ticker-News von heise online vom 26. 09. 2025

Europäische Nutzer*innen werden ein weiteres Jahr kostenlos mit Sicherheitsupdates für Windows 10 versorgt – wenn sie das Betriebssystem mit ihrem Microsoft-Konto verknüpfen. Das hat die Verbraucherschutzorganisation Euroconsumers ausgehandelt.

Ticker-News von Der Spiegel vom 26. 09. 2025

Nach Protesten stellt Microsoft einer Einheit des israelischen Militärs keine Cloud- und KI-Dienste mehr bereit. „Wir liefern keine Technologie, die die Massenüberwachung von Zivilisten ermöglicht“, schreibt Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Blog-Beitrag.

Ticker-News von TechCrunch vom 26. 09. 2025

Die Telefon-App Neon speicherte Gespräche, um sie fürs KI-Training zu verkaufen. Nutzer*innen bekamen 15 US-Cent pro Minute. Durch eine Sicherheitslücke war es allerdings für jede*n möglich, auf die Mitschnitte zuzugreifen. Aktuell ist Neon offline.

Ticker-News von BEUC vom 25. 09. 2025

Während sich Megakonzerne wie Apple auf den DMA einschießen, weist die Verbraucherschutzorganisation BEUC auf all die Vorteile hin, die das EU-Digitalgesetz mit sich bringt – etwa die Möglichkeit, andere Zahlungsdienstleister als Apple Pay zu verwenden.

Ticker-News von t3n vom 25. 09. 2025

Eine Untersuchung kanadischer Datenschutzbehörden zeigt, dass TikTok Gesichter und Stimmen von Nutzer*innen biometrisch analysiert, um daraus Alter und Geschlecht abzuleiten. Mit den Informationen wird Werbung personalisiert.

Ticker-News von heise online vom 25. 09. 2025

Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil hohe Hürden für die Entnahme einer DNA-Probe gesetzt. Das sei ein massiver Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung und im verhandelten Fall nicht rechtmäßig gewesen.

Ticker-News von Der Standard vom 25. 09. 2025

Mit einer Breitseite gegen den Digital Markets Act geht Apple in die erste Begutachtungsphase des EU-Digitalgesetzes: Es würde nur neue Risiken für Datenschutz und Sicherheit schaffen. In einer nicht öffentlichen Stellungnahme soll der US-Konzern sogar die Abschaffung des DMA fordern.

Ticker-News von tagesschau.de vom 25. 09. 2025

Nachdem an vielen Flughäfen mehrere Tage Check-in-Chaos wegen eines Ransomware-Angriffs geherrscht hatte, wurde in Großbritannien ein Verdächtiger festgenommen und danach wieder gegen Kaution freigelassen. Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang.

Ticker-News von taz vom 25. 09. 2025

Der Rechtsanwalt und Dozent Andreas Gran kommentiert für die taz einstiegsfreundlich, warum Chatkontrolle ein riesiges Problem wäre: „Unsere freiheitliche Gesellschaft basiert aber auf dem Briefgeheimnis und der Meinungs- und Pressefreiheit.“

Ticker-News von Zerforschung vom 25. 09. 2025

Die Hacker:innen von Zerforschung haben ein Sicherheitsproblem in einem Hotel-Check-in-System gefunden: Buchungsinformationen von Gästen waren leicht abrufbar. Der Software-Hersteller reagierte schnell, eine Information der Betroffenen blieb jedoch offenbar bisher aus.

Über die Autor:innen

  • Chris Köver
    Darja Preuss

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Migration, biometrische Überwachung, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und -Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award und dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe eine Ergänzung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert