Datenbank

US-Bürgerrechtsorganisation stellt Atlas der Überwachung vor

Welche Überwachungstechnologie nutzt meine Polizei vor Ort? In welcher Kommune arbeitet die Polizei mit Amazons Überwachungssystem Ring zusammen? In den USA gibt es jetzt eine Karte, die all das anzeigt.

Screenshot USA Überwachungskarte
In der interaktiven Karte können die Nutzer:innen schauen, welche Überwachungstechnologie wo eingesetzt wird. CC-BY 4.0 AtlasOfSurveillance.org

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat zusammen mit der Reynolds School of Journalism den Atlas der Überwachung gestartet. Das Projekt ist nach Eigenaussage die „größte durchsuchbare Datenbank polizeilicher Überwachungstechnologien“. In der Datenbank enthalten sind unter anderem Technologien wie Gesichtserkennung, Drohnen und Kennzeichenscanner, aber auch Partnerschaften der Polizei mit Amazon Ring.

Erstellt wurde die Datenbank in bislang 18-monatiger Projektzeit mittels Crowdsourcing und datenjournalistischen Methoden. Dafür wurden unter anderem Nachrichtenartikel, Aufzeichnungen von Regierungssitzungen, Pressemitteilungen von Unternehmen und Beiträge in den sozialen Medien ausgewertet. Dabei halfen hunderte Studierende mit.

Dave Maass von der EFF sagt, dass viele Menschen wissen wollen, welche Überwachungstechnologien bei ihnen vor Ort eingesetzt werden und wie sich diese im Land ausbreiten würden: „Was wir gefunden haben, ist ein sich ausbreitender Überwachungsstaat, der von der Gesichtserkennung auf den Hawaii-Inseln bis zum Predictive Policing in Maine und Body-Cams im abgelegenen Alaska bis zu Echtzeit-Verbrechenszentren entlang der Goldküste Floridas reicht.“

5.300 Datensätze

Der Atlas der Überwachung enthält derzeit 5.300 Datensätze aus etwa 3.000 Staaten und Städten in den USA. Die Datenbank erlaubt eine Darstellung als interaktive Karte, durch die man sich klicken kann, aber auch eine Suche nach bestimmten Technologien und Orten.

„Die Verbreitung von Überwachungstechnologien in unserer Gesellschaft fordert Datenschutz und die Meinungsfreiheit heraus. Es ist eine Sache, das in der Theorie zu wissen, und eine andere, harte Daten auf einer Karte dargestellt zu sehen“, sagt Gi Yun, Professor an der Reynolds School of Journalism und Direktor des Center for Advanced Media Studies über das Projekt.

Trotz der Datenfülle zeige der Atlas der Überwachung bislang nur die Spitze des Eisbergs. Das Projekt ruft deswegen Journalist:innen, Freiwillige und Nichtregierungsorganisationen zur Mitarbeit auf, um den Atlas zu erweitern und aktuell zu halten.

Überwacht die Überwacher

Der Atlas der Überwachung der EFF ist nicht das einzige Projekt, das Überwachung kartografiert und sammelt. Das Projekt „Surveillance under Surveillance“ hat mittlerweile knapp 100.000 Überwachungskameras kartografiert. Fokus liegt hierbei allerdings auf Überwachungskameras aller Art und nicht auf der Ausrüstung der Polizei.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

0 Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.