Was vom Tage übrig blieb: Digitales Steineklopfen, Journo-Hacking und eine Prise Rezo

Strafgefangene in Finnland sollen beim Trainieren von angeblicher Künstlicher Intelligenz helfen, Reporter ohne Grenzen warnt vor einem Ende des Redaktionsgeheimnisses und Springer-Chef Döpfner verteidigt Youtuber Rezo. Die besten Reste des Tages.

Der Sachverständigenrat für externe Links begrüßt das Prachtwetter vor dem kommenden Feiertag, könnte sich jedoch eine leicht wärmere Außentemperatur vorstellen.

Häftlinge helfen bei Trainingsdaten für KI (Heise)
Tüten kleben war gestern. Heute helfen Häftlinge in Finnland dabei einen Algorithmus zu trainieren, indem sie Texte über Firmenübernahmen durchgehen und indizieren. Mit diesen Daten wird dann das System des finnischen Unternehmens Vainu gefüttert. Die Häftlinge bekommen dafür rund 2 Euro die Stunde – Gehälter, wie sie auch auf Amazons Vermittlungsplattform Mechanical Turk üblich sind. Ob so ein Verfahren den Namen „künstliche Intelligenz“ rechtfertigt, mit dem sich solche Unternehmen gerne schmücken, kann jetzt jede selbst entscheiden.

Redaktionsgeheimnis in Gefahr (Reporter ohne Grenzen)
Reporter ohne Grenzen (ROG) hat den von uns veröffentlichten Gesetzentwurf zur „Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“ analysiert und warnt vor dem Ende des Redaktionsgeheimnisses. Zwar wäre es weiterhin verboten, etwa bei einer Redaktionsdurchsuchung die Identität journalistischer Quellen zu ermitteln. Allerdings könnte dieses Verbot mit einer Online-Durchsuchung digital umgangen werden. Zudem würde das aufgeweichte Trennungsgebot zwischen Geheimdiensten und Polizei die Strafverfolgung von Medienschaffenden erleichtern. ROG fordert die Regierung auf, den Referentenentwurf grundsätzlich zu überarbeiten.

Leitartikel in Zeitungen „in der Regel nicht weniger zugespitzt“ als bei Rezo (Welt.de)
Springer-Chef Döpfner sieht im Video von Rezo „ein gutes Beispiel für digitalen politischen Journalismus“. Man dürfe das Video und die Art nicht von oben herab als zu manipulativ abtun. Auch klassische journalistische Formen wie Reportagen oder Kommentare hätten „manipulative Komponenten durch die Auswahl von bestimmten Fakten“.

Gefährliche Drohgebärden (Zeit.de)
Frida Thurm kommentiert den Ausgang des Streits um das Fusion Festival, das heute endlich genehmigt wurde. Der Kommentar verweist nicht nur auf das schlechte Bild, das die Polizei in diesem Konflikt abgab, sondern auf die Debatten rund um die Grund- und Freiheitsrechte, die damit zusammenhängen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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