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Studie: Bessere Breitbandversorgung steigert Wirtschaftswachstum

Schnelles Internet bringt nicht nur Vorteile für die Nutzer. Eine bessere Versorgung mit Breitband lässt auch die Wirtschaft schneller wachsen, hat eine wissenschaftliche Studie herausgefunden. Das wirkt sich sogar positiv auf benachbarte Landkreise aus, die hinterherhinken.

Ein Kind steht hoch oben auf einer Leiter
Schnelleres Breitband lässt die Wirtschaft schneller wachsen. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Samuel Zeller

Schnelle Internetverbindungen sind gut für das regionale Wirtschaftswachstum, haben Forscher des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim festgestellt. In einer heute vorgestellten Studie konnten sie zudem nachweisen, dass davon nicht nur der jeweilige Landkreis profitiert, sondern auch angrenzende Kreise, die schlechter angeschlossen sind.

Der Effekt sei zwar klein, aber signifikant, heißt es in der Studie. Wenn in einer Region die Versorgung mit schnellen Anschlüssen ab 50 MBit/s um einen Prozentpunkt steigt, dann wachse die regionale Wirtschaftsleistung zwischen 0,05 Prozent und 0,09 Prozent.

Demnach wirke sich die Breitband-Infrastruktur eines Landkreises signifikant positiv auf die Breitband-Infrastruktur benachbarter Landkreise aus. Zudem würden städtische Landkreise dabei deutlich stärker profitieren als ländliche.

„1.000 Umsetzungsprobleme“

Die Studie beruht auf Breitbandversorgungsstatistiken aus den Jahren 2010 bis 2015. Damals lag ein Bundesförderprogramm für unterversorgte Gebiete noch in weiter Ferne. Im August 2015 stellte der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) das Programm der Öffentlichkeit vor, doch von Anfang an gab es Schwierigkeiten bei der Durchführung.

„1.000 Umsetzungsprobleme auf allen politischen Ebenen“, erklärte kürzlich Kanzleramts-Chef Helge Braun (CDU), hätten dafür gesorgt, dass bisher nur ein Bruchteil der im Budget bereitgestellten Milliardensummen abgeflossen ist. Zwar überarbeitete Dobrindts Nachfolger Andreas Scheuer (CSU) die Rahmenbedingungen inzwischen, das ursprüngliche Ziel von „50 MBit/s für alle Haushalte bis 2018“ wurde dennoch bis heute nicht erreicht.

Effekte übersteigen Subventionen

Ungeachtet dessen würden sich die Investitionen in eine angemessene Breitbandversorgung lohnen, urteilen die ZEW-Wissenschaftler. „Die Förderprogramme der Bundesregierung haben zwar nicht ausgereicht, um alle Haushalte mit einem Zugang zu schnellem Breitband-Internet zu versorgen“, sagt Ko-Autor Wolfgang Briglauer. „Sie sind jedoch wirtschaftlich effizient, das heißt ihr wirtschaftlicher Gesamtnutzen liegt über den Kosten ihrer Bereitstellung“, so Briglauer.

Eine bessere Breitbandversorgung verringert also nicht nur die digitale Spaltung des Landes, sondern steigert auch die Wirtschaftsleistung des jeweiligen Gebiets. Hinzu lösen die Investitionen – zumindest kurzfristig – Multiplikatoreffekte aus. Der Auftrag an die Infrastrukturpolitiker scheint klar zu sein: die Milliarden aus den Förderprogrammen leichter zugänglich machen.

2 Ergänzungen
  1. Eines der Probleme sind auch die Eigentümer: Erst letzte Woche erzählte mir mal wieder jemand dass sein Vermieter den für ihn kostenlosen Anschluss seines Gebäudes an das geplante Glasfasernetz ablehnt. Das bedeutet dass acht Parteien dort weiterhin nur Kupfer mit einer 6.000er Leitung leben müssen.

  2. Schade nur, dass Wirtschaftswachstum gleichbedeutend ist mit Mehrkonsum. Und den brauchen wir aktuell so sehr wie ein Furunkel am Allerwertesten.

    In diesem Sinne plädiere ich dafür ersteinmal dort das Netz auszubauen, wo quasi gar keines vorhanden ist. Viele haben immernoch kaum mehr als 800kbit/s am DSL-Anschluß. Der Seitenaufbau ist eine Katastrophe und das Internet so fast nicht nutzbar.

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