Das Polizeipräsidium Offenbach hat eine „Präventions-App“ veröffentlicht, über die unter anderem „exklusive Warnmeldungen“ verteilt werden. Mit der am Freitag vorgestellten Anwendung will die Polizei in Südosthessen vor Kriminellen und Unfallgefahren warnen. Außerdem können die rund 900.000 EinwohnerInnen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Veranstaltungshinweise, Kontaktdaten zu Ansprechpersonen und Hilfeeinrichtungen abrufen. Auch ein „Umfragetool“ ist an Bord.
Ebenfalls eingebunden ist das vom Fraunhofer-Institut entwickelte Informationssystem „Katwarn“, mit dem sich Interessierte Gefahren- und Katastrophenwarnungen auf ihr Handy schicken lassen können. Vor einem Monat hatte das bundesweit verfügbare Warnsystem laut einem Medienbericht rund 475.000 hessische NutzerInnen.
„Bürger-Alarm-System“schickt Sprachnachrichten

Schließlich ist die „Präventions-App“ auch mit dem Offenbacher Bürger-Alarm-System verknüpft, das Sprachnachrichten an Haushalte und Unternehmen verschickt. Hierzu müssen die angeschlossenen TeilnehmerInnen ihre Adressdaten und Telefonnummern bzw. Mailadressen hinterlassen.
Offenbach war die erste deutsche Großstadt, die ein solches „Bürger-Alarm-System“ eingeführt hat. Eine Warnung wird als Textnachricht formuliert und von dem System in eine Sprachmeldung umgewandelt. Anschließend können bestimmte Postleitzahlen-Gebiete mit einer automatisierten telefonischen Ansage adressiert werden. Die Teilnahme kostet 6 Euro im Jahr, eine Anmeldung erfolgt beim Ordnungsamt.
Zielgruppe: Alte Menschen
Die für iOS und Android erhältliche „Präventions-App“ wird von einer letztes Jahr eingerichteten Social-Media-Abteilung der Offenbacher Polizei betrieben. Sie ergänzt polizeiliche Accounts bei Twitter, Facebook und Instagram. Programmiert wurde die Anwendung von der Firma Opwoco aus Nordrhein-Westfalen, die von einer zweijährigen Entwicklungsphase schreibt. Wissenschaftliche Begleitung kommt von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, sechs Studierende testen die App. Sie sollen helfen, weitere Zielgruppen zu erreichen.

Eine solche Polizei-App ist in Deutschland einmalig, auch der Offenbacher Polizeipräsident nennt das Projekt „Neuland“. Die Polizei begründet das Projekt mit dem Präventionsgedanken als „Baustein der Sicherheitsarchitektur“. Dagegen lässt sich einwenden, dass die beständige Warnung vor Kriminellen oder Straftaten ein Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung erzeugen kann.
Als wichtige Zielgruppe der App gelten alte Menschen. Gerade diese Altergruppe ab 55 Jahren hat zu etwa drei Vierteln eine völlig falsche Wahrnehmung der Kriminalitätsentwicklung. Obwohl Kriminalität die in den meisten Feldern stagniert oder zurückgeht, wird dort ein Anwachsen wahrgenommen. Beständige Push-Nachrichten der Polizei könnten diese Fehlentwicklung verstärken.
Weiterentwicklung angekündigt
Das 15.000 Euro teure Pilotprojekt wird vom Land Hessen finanziert. Möglicherweise wird die „Präventions-App“ in einem späteren Schritt noch ausgebaut. Sollten die Erfahrungen positiv verlaufen und die Anwendung gut angenommen werden, sei dies laut dem Polizeipräsidenten „der erste Schritt zu einer umfassenden Polizei-App“. Zu den möglichen weiteren Funktionen machte er keine Angaben.

Die Firma Microsoft, die ebenfalls eine „Polizei-App“ an deutsche Polizeien verkaufen will, nennt hierzu einen Button für automatische Notrufe, wobei der Standort der Anrufenden mitgesendet wird. Als weiteres Feature gilt der leichte Upload von Fotos und Videos einer Straftat. Eine solche mobile und einfache Melde-Funktion könnte die Hemmschwelle senken, andere Menschen bei der Polizei auch wegen Geringfügigkeiten anzuzeigen und BürgerInnen dazu ermutigen, sich als Hilfspolizei zu betätigen.
Die Offenbacher „Präventions-App“ bietet übrigens jenen NutzerInnen einen Vorteil, die bei der Polizei auf Twitter gesperrt sind. Unter dem Reiter „Polizei Online“ kann der Twitter-Account abgerufen werden, ohne sich auf der Plattform anmelden zu müssen.
Noch läuft das System allerdings nicht rund. Bei der Vorstellung am Freitag schickte die Polizei eine Eilmeldung mit einer Warnung vor „Kriminellen, die sich in Uniform als Beamte ausgeben“. Die Push-Nachrichten kamen bei einigen NutzerInnen zeitverzögert an.
