Mannheim startet Videoüberwachung mit Verhaltensscannern

Jemand sitzt in Mannheim auf einem Poller. Wo beginnt verdächtiges Verhalten und welchen Druck übt es auf Menschen aus, wenn sie wissen, dass Kameras nach unnatürlichem Verhalten suchen? CC-BY-NC-SA 2.0 pixelline

Neben dem Pilotversuch am Berliner Südkreuz ist nun in der baden-württembergischen Stadt Mannheim ein Überwachungsprojekt gestartet, das auf die Erfassung von Bewegungsmustern abzielt. Mit 76 Kameras sollen zukünftig die Menschen auf zentralen Plätze und Straßen in der Innenstadt überwacht und ihr Verhalten gescannt werden. Der Versuch kostet insgesamt 1,6 Millionen Euro.


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Die Stuttgarter Zeitung berichtet:

Auf einem großen Bildschirm im Führungs- und Lagezentrum der Mannheimer Polizei werden die beiden Personen plötzlich von einem roten Rechteck umrandet, denn eine Kamera mit neuer Software erkennt aufgrund ihrer eingepflegten Algorithmen, dass es sich um unnatürliche Bewegungen handelt. Der diensthabende Polizist prüft die Situation nun selbst und schickt eines der drei Interventionsteams los. In spätestens drei Minuten sollen sie am Tatort sein – und möglichst beide Männer noch antreffen.

So wie bei diesem Versuch soll künftig die intelligente Videoüberwachung in Mannheim funktionieren. Am Montag ging sie am Bahnhof in Betrieb, am Paradeplatz werden die Kameras noch im Dezember eingeschaltet; in der Breiten Straße folgen die Geräte im kommenden Jahr, am Alten Messplatz 2020. Am Ende könnten es bis zu 76 Kameras werden.

Der Einsatz von Verhaltensscannern, also Videoüberwachung mit Bewegungsmustererkennung, ist grundrechtlich bedenklich, weil er einen starken Konformitätsdruck ausübt und gleichzeitig viele Fehlalarme zu erwarten sind. Nicht transparent ist dabei auch, auf welche „unnatürlichen Bewegungen“ die Algorithmen eingestellt sind. So könnte auch nicht rechtswidriges Verhalten, wie längere Aufenthalte an einem Ort, als Verdachtsmomente in die Algorithmen einfließen.

 

6 Kommentare
  1. Der Start erfolgt am Bahnhof? Oh, super! Das ist doch ein Aufgabengebiet der Bundespolizei und damit ein super Grund unseren neuen Bundesdatenschutzbeauftragten mal zu fragen was er von der Sache hält und wie er zu intervenieren gedenkt. Oder, liebe NP-Redaktion?

  2. Man sollte dann mal das Trainingsdatenset unter die Lupe nehmen. Man kann sich hier ein paar ProgrammiererInnen vorstellen, die über den Hinterhof des Firmengeländes hampeln um der Erkennungslogik „Normalität“ beizubringen. Wenn dann etwas erkannt wird, was davon abweicht,, seilt sich sich dann zügig direkt in der Nähe der Kamera ein Sondereinsatzkommando und wenn Taschen im Spiel sind vorsorglich auch ein Bombenentschärfungsroboter ab, um die Normalität wieder herzustellen.

    Tatsächlich gibt es sehr spezifische Kriterien wann ein öffentlich zugänglicher Raum überwacht werden darf. Beispielsweise ist ein immer wieder zu überprüfender Bedarf nötig. Weil man das nun plötzlich wie von wunderhand automatisiert machen kann, scheint das alles vergessen.

  3. Wieviel Polizisten hätte man für 1,6 Millionen Euro wohl einstellen hätte können? Was genau verhindert nochmal so eine Kamera? Achja, nix! Ich würde sagen, vielleicht hätte man mit sich mit den Briten kurzschließen sollen. Weil die Kameraüberwachung in England(London) zeigt sehr deutlich, dass es keine Verbindung zwischen Kameraausbau und Verbrechen gibt. Mehr Kameras, heißt nicht zwangsläufig weniger Delikte. Wer davon wirklich profitiert, sind die Hersteller der Überwachungskameras/Software. Ich würde mir viel mehr Polizei auf der Straße wünschen. Das schreckt deutlich stärker ab, als eine lächerliche Kamera. Ich habe ein privates Foto Projekt gestartet. „Enjoy the Silence“. Genau an diesen Stellen (Paradeplatz,Bahnhofplatz,Wasserturm ect.)habe ich am Tag Fotos erstellt und habe alle Menschen dann herausretuschiert. Genieße die Ruhe. Mit Kameras, die alles und jeden Überwachen ist die Ruhe dahin. Die Steuerlichen Mittel sollten besser in Ausbildung der neu eingestellten Polizisten investiert werden. Gruß Mario.

  4. – mit Flashmobs
    – Fangen-Spielen
    – Bewegungstheater
    – Kinderbelustigungen
    – Krimi-Dinner-Veranstaltungen
    – Aktionskünstlern
    – Zauberer, die Sachen in Hüten und Taschen verschwinden lassen
    – Taschen- oder Rucksacktauschbörsen
    – Verschenkaktionen
    – osterhafte Versteckspiele u.v.m.
    ???

    Kreativität ist gefragt

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