Öffentlichkeit

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf“: Julia Reda im netzpolitik.org-Podcast über den Kampf für ein neues Urheberrecht

Niemand hat so hart für ein modernes Urheberrecht gestritten wie die EU-Abgeordnete Julia Reda. Trotz ihrer Bemühungen drohen die Einführung von Uploadfiltern und einem europaweiten Leistungsschutzrecht. Am Rande unserer Konferenz erzählte die Piratin aus vier Jahren im EU-Parlament und sagt, warum es sich weiter zu kämpfen lohnt.

Julia Reda bei einer Debatte zum Urheberrecht im EU-Parlament
Julia Reda bei einer Debatte zum Urheberrecht im EU-Parlament Alle Rechte vorbehalten European Union

Julia Reda hat viel erreicht. Im Mai 2014 schaffte die damals 27-Jährige als einzige Politikerin der deutschen Piratenpartei den Einzug ins EU-Parlament. Dort setzte sie sich wie keine zweite Abgeordnete für die Modernisierung des europäischen Urheberrechts ein. Ohne Hausmacht im Parlament avancierte Reda zur Speerspitze einer europaweiten Bewegung für die Netzfreiheit. Doch im September stimmte eine Mehrheit der Parlamentarier für einen Entwurf, der äußerst umstrittene Vorschläge enthält. War all die Arbeit umsonst, Julia Reda?


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Die Abgeordnete erzählt in dem Podcast vom jahrelangen Kampf gegen Ideen, die zum Schutz von Rechteinhabern die Freiheit aller Internetnutzer einschränken könnten. Denn die derzeit vor dem Beschluss stehenden Entwürfe sehen eine Pflicht zu Uploadfiltern auf Online-Plattformen vor, die auch viele legale und schützenswerte Inhalte aus dem Netz fegen könnten. Das ist mehr als bedenklich, findet Reda:

Man hat Angst vor großen amerikanischen Plattformen und will die regulieren. Aber man tut das in einer Art und Weise, wo man in einen totalen Technikglauben verfällt und glaubt, diese Algorithmen können alles. Eingesetzt werden die von Plattformen, die überhaupt keiner öffentlichen Kontrolle unterliegen. Die einzigen, die vielleicht halbwegs technisch in der Lage wären, diese Filter zu entwickeln, sind Google und Facebook. Und deren Technologie machen wir jetzt verpflichtend für alle.

Im Gespräch erzählt die Piratin nicht nur von dem Ringen um ein faires Urheberrecht, sondern zieht auch ein persönliches Resümee über ihre Jahre im EU-Parlament. Die Abgeordnete hatte angekündigt, bei der kommenden Europawahl nicht mehr anzutreten. „Es ist gleichzeitig viel besser und viel schlechter gelaufen, als ich gedacht hätte.“ Niemals habe sie gedacht, als einzelne Abgeordnete so viel bewegen zu können. Und doch war es scheinbar ein Kampf gegen Windmühlen.

Das ganze Gespräch mit Julia Reda gibt es hier zum Anhören:


Hier ist der netzpolitik.org-Podcast Folge 155 mit Julia Reda als mp3-Download.

Alternativ bieten wir eine ogg-Datei zum Download an.

7 Kommentare
  1. Wer sein Interviewangebot an Jung & Naiv zurückzieht, weil Tilo neben Hardcore-Zionisten auch Mitglieder von Hamas und Fatah interviewt, sollte seine Hoffnungen lieber gleich begraben und uns das traurige dahinsiechen einer einst großartigen Partei ersparen.

    1. Das schwingt bei mir jetzt auch immer mit, wenn ich den Namen Julia Reda höre/lese. Einfach peinlich und einer demokratischen Politikerin unwürdig, was sie damals als Begründung für ihre Absage vorgebracht hat.

  2. Julia ist eine tolle Politikerin. *Trotz* ihrer privaten Ansichten – sie kämpft für *uns*.

    Ich habe es ihr im Juni schon persönlich gesagt, aber man weiß ja nie…: danke, Julia!

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