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Eingenetzt: Glasfaseroffensivfeuerwerk zwischen Schweden und Südkorea

Mit Südkorea und Schweden treffen heute zwei der weltweit besten Glasfaser-Offensiven aufeinander. In einem hoffentlich schnellen und unterhaltsamen Spiel wird wohl die Defensivleistung über den Sieger entscheiden. Der dritte Teil unserer Serie „Eingenetzt“, in der wir die Fußball-WM der Männer nutzen, um einen Blick auf Grund- und Freiheitsrechte in den Spielernationen zu werfen.

netzpolitik.org/Ole

Es sind zwei Internet-Supermächte – zumindest im Hinblick auf die Versorgung mit Glasfaserleitungen. Sie kämpfen regelmäßig in internationalen Wettbewerben um die vordersten Plätze, zuletzt Glasfaser-Bericht der OECD vom Juni letzten Jahres (XLS). Südkorea konnte dort den zweiten Platz erreichen und sich nach Japan als Vize-Weltmeister feiern: Gut drei Viertel aller Leitungen auf dem südlichen Teil der Halbinsel sind aus Glasfaser. Schweden liegt mit knapp sechzig Prozent auf dem vierten Rang. Doch ein schnelles offensives Mittelfeld, das den Ball ruckelfrei verteilen und zum Endabnehmer schieben kann, allein garantiert keinen Sieg. Zumal die Kontrahenten in dem Bereich nahezu ebenbürtig sind.

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Wie steht es um die Defensive?

Reporter ohne Grenzen gibt dem skandinavischen Land Platz zwei von 180 auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit. Schon 1766 verabschiedete die Regierung des nordeuropäischen Staats ein Gesetz, das die Pressefreiheit garantiert. Es ist damit nicht nur das älteste Gesetz, das freie Pressearbeit zusichert, es gibt Bürgerinnen auch ein Recht auf Auskunft gegenüber dem Staat – und wird manchmal als erstes modernes Informationsfreiheitsgesetz angesehen. Kritik erfährt Schweden von Reporter ohne Grenzen für die Ermittlungsbefugnisse der Polizei. Sie darf bei „hasserfüllten Äußerungen“ und „rassistischer Hetze“ seit 2013 mittels IP-Adresse gezielt nach den Verfassern forschen.

Das seit 1987 demokratisch regierte Südkorea erreicht bei Reporter ohne Grenzen dagegen nur Platz 43 in der Weltrangliste der Pressefreiheit. Journalisten werden wegen angeblicher „Aktivitäten gegen den Staat“ oder der „Unterstützung Nordkoreas“ immer wieder vor Gericht gestellt. Für Medien und das Internet wacht die neunköpfige und ausschließlich männlich besetzte Korea Communications Standards Commission über die Einhaltung der Regeln. Dabei kann sie nicht nur verwarnen und Geldstrafen verhängen, sondern Verantwortlichen von Plattformen und Providern, die den Anordnungen nicht folgen, mit einer Gefängnisstrafe drohen. Zu Wahlkampfzeiten überprüft zusätzlich die National Election Commission, ob Blog-Einträge, Nachrichtenartikel oder Posts in sozialen Medien „unautorisierte Wiedergaben von Umfrageergebnissen“, eine „Verbreitung von Falschinformation“ oder eine „Verleumdung eines Kandidaten“ darstellen. 2016 ordnete das Kontrollgremium die Löschung von über 17.000 Posts an. Freedom House gibt dem Land in seinem „Freedom on the Net“-Bericht von 2017 35 von 100 Punkten, wobei 100 am wenigsten Freiheit bedeutet.

Schweden schwächelt bei der Netzneutralität

Als die EU im Jahr 2016 neue Spielregeln für Netzneutralität verhandelte, trat die schwedische Regierung überraschenderweise nicht für Verbraucher und ihre Rechte ein. Ein großer Telekommunikationsanbieter hatte sich gerade mit Facebook auf einen Zero-Rating-Tarif geeinigt. Die Regierung ließ die beiden trotz breiten Protests gewähren und setzte sich in Europa für laxere Regelungen ein. Schwer tat sich die schwedische Regierung auch damit, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen die Vorratsdatenspeicherung umzusetzen.

Südkorea hat derweil im Bereich der IT-Sicherheit mit einer löchrigen Abwehr zu kämpfen. Angreifer konnten 2014 an die staatlichen Identifikationsnummern von ungefähr achtzig Prozent der Bevölkerung gelangen. Die Struktur der Nummern stammt aus den 1960er Jahren. Sie enthalten unter anderem das Geburtsdatum und lassen weitreichende Schlüsse auf weitere persönliche Daten der Bürgerinnen zu. Die Regierung räumte ein, dass es zehn Jahre – eine ganze Profigeneration – dauern würde, bis ein sicheres System bereitstehen könnte.

Fazit

Ob Südkorea den leichten Vorsprung im Bereich Glasfaser für sich nutzen kann, wird wohl auch an der Tagesform hängen. Denn auch wenn die schwedische Defensive Schwachpunkte hat, gehört sie doch zu den weltbesten. Um die digitale Gesellschaft zu einem Spielfeld zu machen, auf dem sich alle wohl fühlen und frei äußern können, müsste Südkorea in den nächsten Jahren vermehrt vielversprechende Gesetzesänderungen scouten und in den Grundrechtsnachwuchs investieren. Deshalb geht das skandinavische Land als Favorit in das Match – auch ohne Zlatan Ibrahimović.

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4 Kommentare
  1. Im Bild ist ein Netz und ein Ball zu sehen, okay.
    Aber warum besteht das Netz aus Nato-(Stahel-)Draht?
    Ich verstehe die Verbindung zwischen Stacheldraht und Glasfaser nicht.

    1. Okay, der Begriff „Mannschaft“ war jetzt etwas unglücklich gewählt. Judo ist natürlich kein Mannschaftssport. Aber ich wollte den Begriff „Team“ vermeiden, da der eher amerikanisch ist. Amerika ist in Südkorea vorherrschend, und ich wollte neutral bleiben. Das nur als Erklärung.

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