In Österreich gilt seit dem 1. Oktober das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz. Das Gesetz wurde gegen Trägerinnen strenger islamischer Kleidung verabschiedet, gilt aber – weil in einem Rechtsstaat Ungleichbehandlungen nicht erlaubt sind – für alle Formen von Gesichtsverhüllungen. Deswegen hat die Polizei auch Clowns, eine Fahrradfahrerin und ein Mensch mit Hai-Maske wegen Verstößen gegen das Gesetz geahndet.
Der Fall des bestraften Hais stellt sich nun als intelligenter Werbe-Stunt heraus, der eine Elektronikkette international in die Presse brachte. Die Agentur Warda Network zeigte einen Mitarbeiter ihres eigenen Kunden McShark an, weil dieser eine Hai-Maske trug, um möglichst große Empörung auszulösen. Das berichtet Leadersnet.at:
Doch wer hat die Polizei überhaupt gerufen? LEADERSNET ist der Sache nachgegangen und hat sich auf die Suche nach dem oder den Schuldigen gemacht. Die Promoaktion für die McShark-Eröffnung hat das Warda Network – bekannt und berüchtigt für ihre viralen Stunts – betreut. „Wir sind uns nicht ganz sicher, wer es war und ob sich der Übeltäter im eigenen Hause befindet. Unter unseren Mitarbeitern haben wir schon eine anonyme Umfrage gestartet“, erwidert Warda-CEO Eugen Prosquill schmunzelnd auf Nachfrage von LEADERSNET. Nach bohrendem und investigativem Nachfragen, gibt Prosquill am Ende zu, dass ein Warda-Mitarbeiter (Name der Redaktion bekannt) den kostümierten McShark bei der Polizei verpfiffen hat.
Die Einführung des Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz zeigt aber noch etwas anderes. Ganz unabhängig davon, ob man persönlich strenge islamische Bekleidungsvorschriften ablehnt, stellen sogenannte Burka-Verbote neue Bekleidungsvorschriften auf, welche die individuelle Freiheit aller Menschen beschneiden. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Videoüberwachung mit Gesichts- und Verhaltensscannern haben Verhüllungsverbote wie in Österreich so noch eine weitere Funktion: Sie schränken die Spielräume des Selbstschutzes vor Überwachung ein.
