Technologie

Neue Riesendrohnen im Anflug

Die US-Marine erhält die ersten beiden „Triton“-Drohnen zur Überwachung der Weltmeere. Auch die Bundeswehr plant die Beschaffung von drei Exemplaren, eine offizielle Anfrage bei der US-Regierung sollte bereits erfolgt sein. Für die Erfüllung deutscher Zulassungsvorschriften wird erstmals eine neue Regelung genutzt.

Die erste „MQ-4C Triton“ im Anflug auf die US-Basis Point Mugu/Kalifornien All rights reserved US Navy

Der Drohnenhersteller Northrop Grumman hat in diesem Monat seine erste Riesendrohne des Typs „MQ-4C Triton“ an die US-Marine in Point Mugu ausgeliefert. Auf der Basis in Kalifornien soll die hochfliegende „Triton“ auf ihre Stationierung auf der Pazifik-Insel Guam vorbereitet werden. Zuständig für die Inbetriebnahme ist die Wartungsabteilung der Drohnen-Patrouillenstaffel 19, die unter dem Namen „Big Red“ firmiert. Auf ihrer Basis waren neben bemannten Seeaufklärern und U-Boot-Jägern „P-8 Poseidon“ bislang zwei unbemannte Hubschrauber stationiert.

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Die bis 2013 entwickelte „Triton“ wird von einem Rolls-Royce-Triebwerk angetrieben und basiert auf der nahezu baugleichen „Global Hawk“, der größten je in Serie gebauten Drohne. Die „Triton“ verfügt jedoch über dickere Flügel, eine Enteisungsanlage, Blitz-, Hagel- und Vogelschlagschutz, verbesserte Software und ein System zur Warnung vor Kollisionen. Ihre Nutzlast beträgt rund 1.450 Kilogramm. Mit optischen und elektromagnetischen Radarsystemen ist die „Triton“ für die maritime Überwachung perfektioniert. Hierzu gehört ein System, das auf Basis einer Datenbank die Signatur von Schiffen erkennen und zuordnen kann. Verdächtige Seefahrzeuge können dann von den Radargeräten verfolgt werden.

US-Regierung hat 68 „Triton“ bestellt

Vor Ende dieses Jahres will Northrop Grumman eine weitere „Triton“ an die Marine übergeben. Die Verlegung der beiden Drohnen auf die Insel im Westpazifik soll 2018 erfolgen. Bis dahin trainieren die DrohnenpilotInnen auf dem Marinefliegerstützpunkt Patuxent River im Bundesstaat Maryland und an einem Flugsimulator in Point Mugu. In Kalifornien findet auch die Ausbildung zur Sensorbedienung, Technik und Logistik statt.

Die Flüge werden von einem Kontrollzentrum in Jacksonville/Florida gesteuert und ausgewertet. Die Drohne mit einer Spannweite von fast 40 Metern fliegt in 17 Kilometern Höhe und kann bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben. Paarweise sollen sich die „Triton“-Drohnen bei der Überwachung ergänzen, indem eine in großer Höhe Aufklärung betreibt, während eine andere bestimmte Objekte ortet und überwacht.

Insgesamt hat die US-Marine bei Northrop Grumman 68 „Triton“ bestellt. Sie sollen die bemannten „P-8 Poseidon“ ergänzen und beispielsweise im Mittleren Osten operieren. Mehrere „Triton“ werden außerdem auf dem Militärflughafen Sigonella in Sizilien stationiert, wo die US-Luftwaffe schon jetzt Aufklärungsflüge mit Drohnen des Typs „Global Hawk“ über der Ostsee unternimmt.

Drei deutsche „ISIS auf Triton“

Auch die Bundeswehr beschloss 2014, drei „MQ-4C Triton“ zu beschaffen. Sie sollen das Spionagesystem ISIS befördern, das in dreifacher Ausführung vom Rüstungskonzern Airbus hergestellt wurde. Es dient dazu, elektronische Signale abzuhören, und sollte ursprünglich in die Drohne „Euro Hawk“ montiert werden, deren Beschaffung jedoch abgeblasen wurde.

Die deutschen „Triton“ würden von der Luftwaffe geflogen. Für die geplante Zulassung in Deutschland arbeitet das Luftfahrtamt der Bundeswehr eng mit der US-Marine zusammen. Im März hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr seine Auswahlentscheidung „ISIS auf Triton“ getroffen. Seitdem firmiert das Projekt als „Persistent German Airborne Surveillance System“. Für die Erfüllung der deutschen Zulassungsvorschriften soll erstmals das Regelwerk der „Dauerhaften Flugfreigabe“ genutzt werden, das als Prüf- und Zulassungswesen für Luftfahrzeuge der Bundeswehr für „außereuropäische Kauflösungen“ im Juni in Kraft trat. Ist eine Zulassung nicht möglich, will die Bundeswehr vom geplanten Kauf zurücktreten.

US-Marine und Airbus als Hauptauftragnehmer

Sollten alle Auflagen erfüllt werden, könnte 2019 ein Beschaffungsvertrag unterzeichnet werden. Das Verteidigungsministerium arbeitet bereits an dem Vertrag, eine entsprechende Regierungsanfrage sollte bereits im Juni dieses Jahres an die US-Regierung übermittelt werden. Als Hauptauftragnehmer würden die US-Marine und Airbus fungieren. Der deutsche Rüstungskonzern wäre dann auch zuständig, ein deutsches Verschlüsselungssystem in die „Triton“ einzubauen.

Außer Deutschland haben auch die Regierungen von Indien, Japan und Spanien Kaufabsichten für die „Triton“ geäußert. Australien trat aus Kostengründen von einem Großauftrag zurück und hat seinen Bedarf auf sechs Exemplare reduziert.

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4 Kommentare
  1. Zensur auch bei Netzpolitik.org

    Habe gestern hier etwas kommentiert , alles völlig ok ,
    Nun ist es weg.!!
    Find ich sehr undemokratisch die Nutzer hier zu zensieren!!!

    Was soll das NP ? Zurück zur Stasi?
    Oder haben euere Spender was dagegen?

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