Das Recherchebüro Correctiv berichtet von zunehmenden Angriffen auf seine Arbeit. Mittlerweile stehe die Redaktion unter polizeilichem Objektschutz, Personenschützer würden bei ihnen ein- und ausgehen.
Correctiv steht von unterschiedlicher Seite unter Druck: Russische Nationalisten haben das Büro wegen seiner Recherchen zum Flugzeugabschuss MH17 im Visier, türkischen Regierungsanhängern ist die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Cumhuryet-Chefredakteur Can Dündar ein Dorn im Auge und rechte und rechtsradikale Kräfte sehen das Recherchebüro als Bedrohung. Correctiv hatte schon mehrfach, auch mit geleaktem Material, über die AfD berichtet, hatte über sogenannte Alternativmedien der neuen Rechten geschrieben und arbeitet seit Neuestem mit Facebook beim Thema Fake News zusammen.
Verschwörungen als Diskreditierungsmethode
Die Angriffe auf Correctiv haben nach einem Artikel von Roland Tichy zugenommen. Dabei werden auch Spender und Geldgeber von Correctiv attackiert.
Tichy hatte die von Correctiv transparent dargestellten Einnahmen genutzt, um verschwörungstheoretische Zusammenhänge zu konstruieren und damit die journalistische Arbeit von Correctiv zu diskreditieren. Das ist insofern auch perfide, weil die Einnahmen bei „Tichys Einblick“ intransparent sind und niemand weiß, von wem die rechte Postille mit wieviel Geld finanziert wird. Dass Tichy für krude Verschwörungstheorien zu haben ist, hatte er auch jüngst in einem Interview beim RBB-Medienmagazin bewiesen. Dort sagte er, dass es bei Twitter eine linke Community gäbe, die „von interessierter Seite gesteuert“ sei.
Laut dem Blogeintrag von Correctiv geht auch der Chef der „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ gegen das Projekt vor. Er versuchte über einen Geldgeber, einen Artikel über seine Publikation löschen zu lassen. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten hatten auch schon ohne Erfolg netzpolitik.org abgemahnt, weil wir sie in einem Artikel „den Kopp-Verlag für irgendwas mit Wirtschaft“ genannt hatten.
Egal wie man die Zusammenarbeit von Correctiv und Facebook bei Fake News bewertet: sachliche Kritik ist die eine Sache, aber Drohungen, Diffamierungen und Einschüchterungen gegen Journalisten sind Attacken auf die Pressefreiheit.

