Über die Mechanismen, die für den beklagenswerten Zustand der IT-Sicherheit mitverantwortlich sind, wird aktuell wieder grundsätzlicher diskutiert: Denn werden weiterhin von Geheimdiensten und Militärs Sicherheitslücken gesucht oder eingekauft, absichtlich offengehalten und darauf basierende Schadsoftware entwickelt, verwandelt man Computer und Mobiltelefone, aber auch Haustechnik, Autos oder öffentliche Infrastruktur in ferngesteuerte potentielle Waffen. Sie werden zugleich verwundbar für Angriffe durch Kriminelle, wie gerade anhand der Ransomware WannaCry und ihren Nachfolgern zu verfolgen ist.
Wie würde ein sogenannter „Cyberwar“ eigentlich vonstattengehen? Dieser Frage widmet sich ein Film, den das FIfF (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung) auf der re:publica gemeinsam mit dem Animationsfilmduo Motion Ensemble als Premiere vorstellte. Der etwa fünfminütige Film „Cyberpeace statt Cyberwar“ erklärt, wie ein solcher Krieg ablaufen würde, und warnt eindringlich vor den Gefahren der weiteren Aufrüstung mit digitalen Angriffswaffen.
Die deutsche „offensive Cyberstrategie“
Das Video ist Teil einer Kampagne des FifF, die schon mehrere Jahre läuft und sich statt immer mehr digitaler Bewaffnung das Konzept „Cyberpeace“ auf die Fahnen geschrieben hat. Stefan Hügel, Vorsitzender des FIfF-Vorstands, erklärt zu den Gefahren einer Aufrüstungsspirale und zur Rolle Deutschlands darin:
Auch deutsche Behörden sind an diesem Spiel beteiligt. Dem Militär und Geheimdiensten werden erhebliche Steuermittel zur Verfügung gestellt, um Schwachstellen auf dem Markt zu kaufen. Anstatt für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen, indem diese Schwachstellen beseitigt werden, nutzt man sie für spätere Angriffe. Das ist unverantwortlich und gefährlich.
Nach Bekanntwerden des Erpressungstrojaners fordert das FIfF, dass digitale Waffen weder hergestellt noch gehandelt noch für offensive Zwecke eingesetzt werden dürfen. WannaCry wird als ein Kollateralschaden des „Cyberwar“ bezeichnet. Deutschland müsse auf eine offensive Cyberstrategie verzichten und sich verpflichten, keine offensiven Waffen zu entwickeln und zu verwenden. Außerdem müssten internationale Abkommen zu einem weltweiten Bann dieser digitalen Waffen angestrebt und gefördert werden.

Mit dieser Forderung ist das FifF nicht allein: Auch Access Now hat sich im Nachgang der Diskussionen um Wannacry deutlich positioniert. Die Forderung lautet auch hier nach mehr Verteidigung gegen digitale Angriffe statt offensiver Aufrüstung: „We need more cybersecurity defense, not offense.“ Schließlich betrifft das Wettrüsten uns alle, wir können uns dem nicht entziehen.
„Cyberwar“ erklärt
Der Film „Cyberpeace statt Cyberwar“ steht unter CC-BY-Lizenz und darf gern weiterverbreitet werden. Mehr Informationen zur FifF-Kampagne Cyberpeace findet man unter cyberpeace.fiff.de.
