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Hinweise, dass Facebook ein Zensurtool für den chinesischen Markt baut

Die New York Times berichtet, dass Facebook an der Entwicklung eines Zensurmechanismus arbeite, der Postings schon vor der Veröffentlichung in bestimmten geografischen Regionen unterdrücken kann. Bislang verfolgt Facebook die Praxis, dass Postings erst gemeldet werden müssen, bevor sie blockiert werden. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf drei aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von Facebook,…

  • Markus Reuter
Sarah Marshall [CC BY 2.0]

Die New York Times berichtet, dass Facebook an der Entwicklung eines Zensurmechanismus arbeite, der Postings schon vor der Veröffentlichung in bestimmten geografischen Regionen unterdrücken kann. Bislang verfolgt Facebook die Praxis, dass Postings erst gemeldet werden müssen, bevor sie blockiert werden. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf drei aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von Facebook, die anonym bleiben wollen.

Das Tool soll nach Informationen der New York Times so aufgebaut sein, dass eine externe Firma oder Behörde die Zensur in Echtzeit steuert. Die Informanten sagten der Zeitung allerdings auch, dass die Software möglicherweise niemals angewandt werden würde. Zuckerberg werden jedoch Ambitionen für eine Expansion seines Unternehmens in das bevölkerungsreiche China nachgesagt. Auch wenn sich das mit dem Firmenmotto „make the world more open and connected“ nur schwer vertragen würde.

Ein etwas anders aufgebautes Vorzensur-Prinzip bei Facebook fordert in Deutschland der Bundesinnenminister. Der hatte sogenannte Upload-Filter ins Spiel gebracht und sich deswegen im August bereits mit Facebook-Vertretern getroffen. Er lobte damals Software, die proaktiv – ohne dass eine Beschwerde vorliegt – Inhalte blockiert, und hatte beim gemeinsamen Treffen Facebook dazu ermuntert, solche Technologien zu entwickeln.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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6 Kommentare zu „Hinweise, dass Facebook ein Zensurtool für den chinesischen Markt baut“


  1. Zuckerberg war kürzlich beim Papst. Dogma, Häresie, Heiden, Zensur, Inquisition, Scheiterhaufen?


  2. Wer unbedingt Fratzenbuch zur Bauchnabelschau braucht, kann sich auch über das Darknet einklinken. Den Typen kann sowieso niemand mehr helfen. Die sind einfach blöde. Ihr Problem.


    1. Das wird u.U. nichts bringen, da die „Great Wall“ den Verbindungsaufbau blockiert.


  3. […] Das WDR Blog hat in einem lesenswerten Beitrag verschiedene Lösungsansätze zusammengefasst. So schwierig scheint’s dann aber doch nicht zu sein: Rund vier Milliarden Menschen nutzen weltweit das Internet, 2 Milliarden davon sind bei Facebook registriert. Keiner davon wohnt in China, weshalb Zuckerbergs Truppe ein spezielles Zensur-Tool für die Volksrepublik entwickelt. Mehr dazu weiß Netzpolitik.org. […]


  4. […] kann niemand wollen, dem freie Meinungsäußerung ein wichtiger Wert ist. Es gibt Hinweise, dass Facebook an einem Zensurtool arbeitet, dass für den chinesischen Markt bestimmt ist. Das weist darauf hin: Dem Unternehmen […]


  5. […] Erfolgschancen eingeräumt. Hinzu kommt, dass es Hinweise darauf gibt, dass Facebook an einem Zensurtool für den chinesischen Markt arbeitet. Die Unabhängigkeit des Netzwerks muss damit stark angezweifelt […]

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