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Die Bundeswehr verfügt über 567 Drohnen, und es werden stetig mehr

Laut dem Verteidigungsministerium hat die Bundeswehr derzeit mehrere Hundert Drohnen unterschiedlicher Gewichtsklassen. Weitere Anschaffungen vom Quadrokopter bis zur Riesendrohne sind geplant. Nicht alle Vorhaben werden benannt. Wieder stürzten einige LUNA-Drohnen ab.

Die wegen fehlender Zulassung gegroundete Euro-Hawk-Drohne der Bundeswehr in Manching. (Bild: Maximilian Schönherr/CC-BY-SA-3.0)
Die wegen fehlender Zulassung gegroundete Euro-Hawk-Drohne der Bundeswehr in Manching. (Bild: Maximilian Schönherr/CC-BY-SA-3.0)

In der Antwort auf eine Frage des Abgeordneten Alexander S. Neu äußert sich die Bundesregierung zum Bestand ihrer Drohnenflotte. Laut dem Staatssekretär des Verteidigungsministeriums Ralf Brauksiepe betreibt die Bundeswehr 567 Drohnen in verschiedenen Bauweisen, Größen und Gewichtsklassen.

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Die meisten Fluggeräte gehören zum Segment der taktischen unbemannten Luftfahrzeuge in der Gewichtsklasse bis 5 Kilogramm. Als kleinste Drohnen nutzt die Bundeswehr 145 Quadrokopter des Typs MIKADO, der unter anderem zur Ausrüstung von Spähpanzern gehört. In der gleichen Liga fliegen die 290 ALADIN- Flugsegler, die aus der Hand gestartet werden. Weitere Beschaffungen kleiner Drohnen sind geplant, darunter zehn nicht näher bezeichnete Systeme für den „Einsatzsofortbedarf“ von Spezialkräften sowie sechs handelsübliche Quadrokopter im Projekt SALiRFA („Sofortinitiative Seegestützte Aufklärung aus der Luft“) im Rahmen der Atalanta-Mission.

Die zahlenmäßig drittgrößte Drohnenflotte der Bundeswehr besteht aus 85 Drohnen des Typs LUNA („Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung“) mit einem Abfluggewicht von 40 Kilogramm. Sie wird von der bayerischen Firma EMT gefertigt und trägt hochwertige optische Sensorik zur Verfolgung beweglicher Objekte. Mit einem Zweitaktmotor und einer Flügelspannweite von 4,17 m erreicht die Drohne eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 160 km/h. Die LUNA verzeichnete in den vergangenen Jahren hohe Absturzraten. Ausweislich der jetzt vorliegenden Antwort ereigneten sich die jüngsten Vorfälle auf Truppenübungsplätzen in Munster Süd und im polnischen Zagan sowie in Altenstadt. Als Ursachen nennt das Ministerium den „Bereich der Technik“.

Perspektivisch sollen die LUNA durch ein neues System „HUSAR“ („Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite“) ersetzt werden. Infrage kommt eine Neuentwicklung als Typ LUNA NG oder eine andere, marktverfügbare Drohne. Zunächst sollen drei neue Fluggeräte samt Bodenstationen zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten beschafft werden. Bis 2020 will sich Bundeswehr im HUSAR-Beschaffungsprozess auf einen Typ festlegen, der dann in Serie produziert werden soll.

Zur Gewichtsklasse bis 150 Kilogramm gehören auch die Drohnen im Projekt AImEG („Aufklärung und Identifizierung im maritimen Einsatzgebiet“), für das die Marine drei Drehflügler-Drohnen für ihre Korvetten anschaffen will. Vermutlich handelt es sich dabei um Drohnen des Typs CAMCOPTER des österreichischen Herstellers Schiebel. Weil die Marine den Einbau eines anderen Motors verlangt, wird die eigentlich für 2020 geplante Einsatzbereitschaft auf 2023 verschoben. Wegen angeblicher Dringlichkeit wird die Marine jedoch unruhig und plant den Kauf eines nicht näher bezeichneten Gesamtsystems als „Sofortinitiative“ für die EU-Militärmission EUNAVFOR MED im Mittelmeer. Zu dem Gesamtsystem könnten unter Umständen mehrere einzelne Drohnen gehören.

Zur nächsthöheren Gewichtsklasse zählen die 43 Drohnen des Typs KZO („Kleinfluggeräte Zielortung“) mit einem Abfluggewicht von 170 Kilogramm. Sie werden von Rheinmetall Defence Electronics hergestellt und wurden in einer Stückzahl von 61 Fluggeräten beschafft. Jeweils zehn Drohnen bilden mit je zwei Bodenkontrollstationen sowie Start -, Werkstatt-, Antennen- und Bergefahrzeugen ein KZO-Gesamtsystem, Rheinmetall verlangt dafür 50 Millionen Euro. Mehrere KZO stürzten bereits ab, zuletzt Im August dieses Jahres auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf.

In Afghanistan fliegt die Bundeswehr drei unbewaffnete Drohnen der MALE-Klasse mit großer Reichweite des Typs HERON 1. Hauptauftragnehmer ist der Rüstungskonzern Airbus, der vom israelischen Hersteller Israel Aerospace Industries für den deutschen Einsatz insgesamt fünf Drohnen beschafft hat. Im Juli unterschrieb die Bundeswehr einen weiteren Vertrag mit Airbus über die Beschaffung von drei HERON 1 für den Einsatz in Mali.

Perspektivisch will das Verteidigungsministerium eigene MALE-Drohnen beschaffen, die Bundeswehr entschied sich als Zwischenlösung für das bewaffnungsfähige Nachfolgemodell HERON TP. Der US-Konkurrent General Atomics (Hersteller der „Predator“) ficht die Entscheidung vor der Vergabekammer des Bundes an, die für 2019 geplante Einsatzbereitschaft von insgesamt 16 neuen MALE-Drohnen wird sich also verzögern. Ab 2025 will die Bundeswehr dann Drohnen europäischer Hersteller kaufen, die Verteidigungsministerien Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens finanzieren eine erste Vorstudie zur Entwicklung einer solchen MALE-Drohne unter Leitung von Airbus.

Für die signaltechnische Aufklärung aus großer Höhe wollte die Bundeswehr eine Serie der hoch fliegenden Drohne „Euro Hawk“ beschaffen, um damit ein Abhörsystem von Airbus zu befördern. Über den als Prototyp von Northrop Grumman gelieferten „Full Scale Demonstrator“ kam das Projekt nicht hinaus. Als neue HALE-Drohne zur signalerfassenden, luftgestützten weiträumigen Überwachung und Aufklärung wird vermutlich das Nachfolgemodell MQ-4C TRITON mit drei Exemplaren das Rennen machen. Bis November erwartet das Verteidigungsministerium eine Aussage zur Zulassbarkeit, dann könnte der Generalinspekteeur die Auswahlentscheidung für die MQ-4C TRITON treffen.

Nicht in der Antwort aufgeführt sind Drohnen im NATO-Projekt „Alliance Ground Surveillance“ (AGS), für das die Bundeswehr vier hochfliegende „Global Hawk“ beisteuern will. Eine Realisierung war bislang ab 2023 geplant, die ebenfalls von Northrop Grumman hergestellten Überwachungsdrohnen der HALE-Klasse würden in Jagel/ Schleswig-Holstein stationiert.

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2 Kommentare
  1. Mit dem Telefonartikel (Drohnentod durch Telefon) liesse sich daraus ein neues Geschäftsmodell machen. Ein Terrorist läuft mit seinem Handy durch die Stadt und lässt dies in fremde Taschen plumpsen. Run & Hit. :D

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