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Bildung 4.0: Merkel entdeckt Online-Kurse und die „Cloud“

Die Kanzlerin meint: Digitalisierung ist toll, man braucht aber auch Fakten im Kopf.
Die Kanzlerin meint: Digitalisierung ist toll, man braucht aber auch Fakten im Kopf. - CC BY 2.0 via flickr/eppofficial
Die Kanzlerin meint: Digitalisierung ist toll, man braucht aber auch Fakten im Kopf.
Die Kanzlerin meint: Digitalisierung ist toll, man braucht aber auch Fakten im Kopf. –
CC BY 2.0 via flickr/eppofficial

Im Vorfeld zum Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken äußert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Digitalisierung im Bildungswesen. In einem Video-Podcast gesteht sie ein, dass Veränderungen notwendig seien. So sollen zum Beispiel Schülerinnen und Schüler besser auf den veränderten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Einsichtig zeigt sich Merkel dabei in Bezug auf die späte Reaktion der Bundesregierung.

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Die Bundeskanzlerin zeigt sich von neuen Methoden des Lernens beeindruckt. Wenn sie über Massive Open Online Courses oder die Cloud spricht, klingt das folgendermaßen:

Ich glaube, das sind wichtige und interessante Dinge. Einmal diese offenen Kurse, in denen man sozusagen lernen kann; (…) Und was diese Cloud anbelangt, so halte ich das für eine sehr, sehr wichtige Angelegenheit, weil dann ja praktisch Zugriff auf das möglich ist, was heute schon an didaktischen und inhaltlichen Möglichkeiten da ist.

Die Fakten im Kopf

Digitalisierung schön und gut, aber Merkel erinnert daran, dass man „auch einige Fakten im Kopf haben“ muss. Daten ordnen und verarbeiten kann einem das Internet nicht abnehmen, so ihre Aussage. Auch Schreiben und Lesen soll weiterhin gelehrt werden. Wobei letzteres durch die Digitalisierung sowieso nicht bedroht ist.

Ob in Zukunft alle Schüler nur noch über das Internet unterrichtet werden, ist ohnehin fraglich. Oft verhindert die Haltung und mangelnde Kompetenz der Lehrenden einen Einsatz neuartiger Lernmethoden. Auch die Ausrüstung der Schulen spielt dabei eine Rolle. Inwieweit die geplanten fünf Milliarden Euro für die Ausstattung aller Schulen in Deutschland mit Computern und WLAN daran etwas ändern werden, bleibt abzuwarten.

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6 Kommentare
  1. „Die offenen Kurse, in denen man sozusagen lernen kann.“ finde ich köstlich. Was bedeutet denn „sozusagen lernen“? Entweder man kann damit lernen oder nicht.
    Interessant ist dann aber die Kostenfrage und die Verfügbarkeit. Es gibt einige mühsam erstellte Onlinekurse von Lehrern, die die Schüler nur bedingt ansprechen, da die Aufmachung eher rustikal sind. Dabei muss man sich auch immer fragen, was „lernen“ dabei bedeutet. Liest man nur die Texte und fasst sie zusammen. Das halte ich für einen eher schwachen Lernprozess. Interessant wird es erst durch die Auseinandersetzung mit anderen und dem Lehrer, der korrigierend / hinterfragend wirkliche Lernprozesse initiert.
    Häufig scheitert man am Urhebergesetz, da man eben keine Lehrbuchabbildungen in die Onlinekurse aufnehmen kann und die zeichnerischen Künste der Lehrkräfte begrenzt sind. Es gibt an etlichen Schulen Wikis, die aber nie der Öffentlichkeit gezeigt werden, weil man befürchtet, dass es Probleme mit dem Urhebergesetz gibt.

    Die Cloud macht nur Sinn, wenn man sie vernünftig nutzen kann. Viel Upload haben die Schulserver aber nicht. Und die Cloud der US-Firmen würde ich dich meiden wollen. Man ist ja kaum Herr seiner eigenen Daten. Oder soll hier doch die Zukunft ala MS Windows 10 + Office 365 angepriesen werden?

  2. Dann wird bald „irgendwas mit Cloud“ im Unterricht verordnet. Aber in Wahrheit liegen die Lehrinhalte einfach wie bisher auf dem Server des Kultusministeriums ;)

    Im Ernst, ich bin froh, dass wir in den 90ern/2000ern zwar gelernt haben, mit Computern umzugehen, aber eben auch noch Tintenfüller, Tuschkästen und Bücher „bedienen“. Das wird in Zukunft vermutlich immer exotischer werden, aber ich fände es gut, wenn daran festgehalten würde, weil es Schreib- und Lesekultur ist. Wenn die Kinder das in der Schule nicht lernen, werden sie in naher Zukunft vielleicht im ganzen Leben nicht mehr damit konfrontiert. Und dann muss man sich nicht sorgen machen, ob Kinder „schon“ mit dem iPad 34 umgehen können, sondern ob sie noch schreiben können (mit Stift, auf Papier, ganze Sätze, kein Gekrakel, ohne Autokorretur). Das ist dann nämlich schwer zu erlernen, weil es dann Können erfordert, nicht bloß Wissen.

    1. Rein Interessehalber: Wann haben Sie denn das letzte mal per Handschrift (außerhalb der Schule) wirklich nennenswert kommuniziert. Also nicht einfach nur eine kurze Einkaufsliste, Telefonnummer oder Notiz auf einem Post-It am Schreibtisch des Kollegen?

      1. Ist das denn wichtig? Je länger der Zeitpunkt der letzten Handschriftsübung zurückliegt, desto weniger wichtig ist diese Fähigkeit im Fall der Fälle?

  3. Angesichts des Ergebnisses dieser Studie (http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2016/11/Studie-D21-Digital-Index-2016.pdf), die aufzeigt, dass nur 58 Prozent der Gesamtbevölkerung mit hoher Kompetenz Internetrecherchen durchführen, nur 37 Prozent mehrere Quellen einbeziehen können und nur 15 Prozent Ergebnisse jenseits der ersten Seite betrachten sind Anpassungen bei Ausrüstungen und Lerninhalten längst überfällig. Hoffentlich können die guten Absichten vernünftig und schnell umgesetzt werden…

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