„Lernen statt nur zu daddeln“: Bildungsministerin Wanka kündigt „Digitalpakt“ mit Bundesländern an

Fünf Milliarden Euro aus Bundesmitteln will Johanna Wanka investieren, um deutsche Schulen bis 2021 mit Computern und WLAN auszustatten. Längst überfällig – und längst nicht genug: Damit der „Digitalpakt #D“ das notwendige Upgrade für digitale Bildung bringt, müssen die Bundesländer mitziehen.

Alte Schule

Upgrade für die digitale Bildung an Schulen? Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigt einen „Digitalpakt #D“ an. Foto: CC BY-SA 2.0 Manfred Moltzl

Wie diverse Medien unter Berufung auf die Bild am Sonntag berichten, will die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU), am Mittwochvormittag einen „Digitalpakt #D“ für bessere digitale Bildung in Deutschland vorstellen. Im Rahmen der Kooperationsinitiative zwischen Bund und Ländern will sie bis 2021 offenbar fünf Milliarden Euro aus Bundesmitteln für die Ausstattung aller Schulen in Deutschland mit Computern und WLAN investieren.

Im Gegenzug müssten die Länder sich um die Wartung der Infrastruktur kümmern und „digitale Bildung realisieren“, indem sie didaktische Konzepte erarbeiten und Lehrpersonal ausbilden. Aus diesem Bereich muss sich der Bund aufgrund des grundgesetzlich festgeschriebenen Kooperationsverbotes im Bildungsbereich heraushalten: (Schul-) Bildung ist Ländersache. Weil Kooperationen von Bund und Ländern im Bereich der Informationstechnik jedoch erlaubt sind, sei eine Infrastrukturförderung durch den Bund möglich, so Wanka. Der Bild am Sonntag sagte sie weiter:

Schülerinnen und Schüler müssen heute auch digital lernen und arbeiten können, statt nur zu daddeln. Dafür brauchen wir einen Digital-Pakt zwischen Bund und Ländern. Gemein­sam kön­nen Bund und Län­der so den Schu­len das rich­tige Werk­zeug für gute Bil­dung im 21. Jahr­hun­dert geben

Eine Infrastrukturoffensive ist nicht genug

So wichtig der längst überfällige Schritt ist, endlich ausreichend in digitale Bildung zu investieren, so sehr wird es auf die Details des Pakts ankommen. Wer zum Beispiel mit mit jungen Menschen über digitale Bildung spricht, bekommt nicht selten zu hören, dass eben nicht die technische Ausstattung das Problem ist, sondern in erster Linie Haltung und Komptenzen des Lehrpersonals. Dass die Bildungsministerin im Jahr 2016 nun immer noch Lernen und „Daddeln“ pauschal gegeneinander ausspielt, ist hier schon mal kein besonders gutes Zeichen. Lässt es doch darauf schließen, dass Wanka selbst von der digital geprägten Lebenswelt junger Menschen und dem Potenzial von spielerischen Elementen für die digitale Bildung wenig Kenntnis hat.

Eine Bundestagsanhörung hatte im vergangenen Jahr die große Bandbreite inhaltlicher Probleme bei der digitalen Bildung aufgezeigt: von rechtlichen Unsicherheiten im Bereich offener Bildungsmaterialien über die unzureichende Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte bis zum Mangel an didaktischen Konzepten für emanzipatorische Digitalbildung.

Erfolg wird von Kooperation mit Ländern abhängen

Knackpunkt ist dabei nach wie vor die Unfähigkeit von Bund und Ländern, den Herausforderungen des förderalen Systems im Bildungsbereich zum Trotz ein koordiniertes Vorgehen auf die Beine zu stellen. Daniel Seitz, Geschäftsführer der Bildungsagentur mediale pfade und Sachverständiger bei besagter Bundestagsanhörung, zeigt sich gegenüber netzpolitik.org von der neuen Initiative der Bundesministerin überrascht und betont die zentrale Bedeutung eines eng mit den Bundesländern abgestimmten Vorgehens:

Der Vorstoss vom Bildungsministerium zum „Digitalpakt #D“ kommt für alle Seiten überraschend. Eine mit ähnlichen Zielen gestartete Ausstattungsoffensive des Bildungsministeriums („Schulen ans Netz“), wurde 2012 mit der Begründung beendet, der Verein habe sein Gründungsziel erreicht. Schon damals wurde deutlich, dass nur vernetzte Aktivitäten von Bund und Ländern und insbesondere die fachliche Verzahnung von Infrastruktur, Fortbildungsbedarfen bei Lehrenden und konzeptioneller Einbindung in Schulgesamtkonzepte erfolgreich sein können. Leider lässt der Vorstoß weder eine strategische Verzahnung mit anderen Aktivitäten, z.B. der angestossenen Initiativen des Bundes zur „Digitalen Bildung“, noch auf intensive Zusammenarbeit mit den Ländern schließen. Auch hier ist wieder zu befürchten, dass das Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Bildungsbereich der dringend notwendigen Verzahnung von Aktivitäten weiter im Weg steht.

Ob der „Digitalpakt #D“ die dringend notwendigen Weichenstellungen für ein Upgrade der digitalen Bildung in Deutschland bringt, wird also davon abhängen, ob Wanka die Länder mit ins Boot bekommt und diese gemeinsam die über die Ausstattungsfragen hinausgehenden inhaltlichen Probleme anpacken.

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