Ägypten blockiert offenbar seit einigen Tagen den Krypto-Messenger Signal. Das hat das Unternehmen „Open Whisper Systems“ auf Twitter bestätigt, nachdem man einige Nutzerbeschwerden überprüft hatte. Zugleich kündigte der Dienst an, innerhalb der kommenden Wochen eine Technik entwickeln zu wollen, mit der sich Zensurmaßnahmen umgehen lassen könnten. Bis dahin rät Open Whisper Systems betroffenen Nutzern, das Anonymisierungsnetzwerk Tor oder ein VPN (Virtual Private Network) zu verwenden, um die Blockierung auf Netzwerkebene in Ägypten zu umgehen.
Signal macht Mitlauschen unmöglich
Signal zeichnet sich durch seine konsequente Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aus, die es Behörden und sonstigen neugierigen Lauschern unmöglich macht, bei der Kommunikation mitzuhorchen. Daneben setzt der Dienst auf Datensparsamkeit, um möglichst wenige Daten der Nutzer vorzuhalten, sollte eine einschlägige richterliche Aufforderung eingehen.
Unklar bleibt derweil der Grund der Blockierung. In den vergangenen Monaten und Jahren kam es regelmäßig zu Repressionswellen gegen jeweils unterschiedliche politische Gruppen. Dabei kam es auch zu Netzsperren, die sich beispielsweise gegen verschlüsselte HTTPS-Verbindungen oder gegen das Tor-Netzwerk richteten, wie das Open Observatory of Network Interference (OONI) berichtet hatte. Die dem Tor-Projekt nahestehende Organisation dokumentiert weltweit Zensurmaßnahmen im Internet und hat seit Ende 2012 mehrere davon aufgedeckt.
Mehr Details und Hintergründe zur aktuellen Lage in Ägypten liefert die Online-Zeitung Mada Masr und listet zudem mehrere Alternativen zu Signal und Tor auf, die ägyptische Bürger zur Kommunikation nutzen könnten.
Update, 22. Dezember 2016: Eine neue Version von Signal setzt auf „domain fronting“, um die Blockierung zu umgehen.
