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Spotify-Tarif jetzt auch in Österreich

Mobilfunket Drei zur NetzneutralitätHeute hat der Österreichische Mobilfunker Drei gemeinsam mit Spotify einen neuen Tarif vorgestellt. Der Musikstreamingdienst wird ab sofort als Zusatzpaket angeboten und sein Datenverbrauch wird vom monatlichen Volumen nicht mehr abgezogen. Das ist ein klarer Bruch der Netzneutralität, weil der Provider seine Machtposition über das Netzwerk ausnutzt um einzelne Dienste zu bevorzugen.

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“Spotify erhält bei der Datenübertragung keine Vorfahrt“

Spotify hat die Strategie in möglichst vielen Ländern Partnerschaften mit Mobilfunkunternehmen einzugehen, um das Datenvolumen seines Dienstes zu subventionieren. Aktuell gibt es derartige Abkommen in 25 Ländern. Nach eigenen Aussagen geht es dem Unternehmen auch nicht darum Gewinn zu machen, sondern einzig um möglichst hohe Marktanteile. In Österreich teilt sich Spotify mit dem Konkurrenten Deezer bereits 90% des heimischen Musikstreamingmarktes. Ein langer Atem durch genügend Venture-Capital, eine bereits jetzt dominante Marktposition und die Bereitschaft mit Abmachungen das eigene Datenvolumen zu subventionieren, hört sich nach einem guten Rezept an um den jungen Markt im Musikstreaming kaputt zu machen.

Der Spotify-Konkurrent Deezer hat schon seit fast zwei Jahren einen Deal mit T-Mobile Österreich, dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Verletzung der Netzneutralität. Die Daten von Deezer wurden zwar als “unlimited Musik” beworben, aber genau so vom Volumen abgezogen und gedrosselt, wie alle anderen Dienste auch. Ob Deezer und T-Mobile Österreich jetzt unter Druck kommen und nachziehen werden, ist abzuwarten.

Rudolf Schrefl, CCO von Hutchison Drei Austria beteuerte heute noch “Spotify erhält bei der Datenübertragung keine Vorfahrt„. Auch wenn diese Aussage an der preislichen Diskriminierung über die Volumensausnahme vorbei geht, ist sie trotzdem falsch. Laut Auskunft vom Drei Support vom 6. Juni 2014 kriegt Spotify die volle Bandbreite auch wenn alle anderen Dienste bereits gedrosselt sind, weil das monatliche Volumen durch andere Dienste bereits ausgenutzt ist.

Was tut die Regulierungsbehörde?

Abgesehen von Peering-Disputes zwischen dem größten Incumbend-Provider und YouTube (war natürlich nur ein technisches Gebrechen *hust*), ist Österreich als Insel der Seeligen bisher von gröberen Verletzungen der Netzneutralität verschont geblieben. Das hat sich heute geändert. In der Vergangenheit hat die Regulierungsbehörde RTR genügend Drohpotential gegenüber der Industrie bewiesen, um auch ohne rechtliche Grundlage für den Erhalt der Netzneutralität zu sorgen.

Die Behörde äußerte sich noch 2013 in einem Positionspapier zur Netzneutralität. Laut diesem Papier ist eine solche Volumensausnahme, wie sie Spotify betreibt, eine “(ökonomische) Abweichung von der Netzneutralität”. Inzwischen hat sich jedoch die Geschäftsführung in der RTR geändert, der neue Geschäftsführer Johannes Gungl war 2008 bis 2013 bei Orange, einem Mobilfunker der inzwischen von Drei gekauft wurde. Eine Stellungnahme zum konkreten Fall ist noch ausständig.

Ob die Regulierungsbehörde überhaupt eine rechtliche Handhabe besitzt, um gegen solche Zusatzpakete vorzugehen, ist ebenfalls fragwürdig. Die Initiative für Netzfreiheit fordert schon seit Jahren eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität, auf EU-Ebene hätte man jetzt die Möglichkeit im Rahmen der Verhandlungen um die Telekombinnenmarktverordnung im Rat der Europäischen Union zu einer dauerhaften Lösung für ganz Europa zu finden.

Eines hat sich heute gezeigt: während die Politik untätig bleibt, ist die Industrie weiter damit beschäftigt Fakten zu schaffen und Schritt für Schritt das Prinzip der Netzneutralität abzuschaffen.

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16 Kommentare
  1. ich geb dem netz in der jetzigen form noch max. 5 jahre. dann ist es zerstört von

    1. raffgierigen konzernen
    2. verblödeteten und unfähigen politikern
    3. verblödeten und unfähigen wählern, die 2. gewählt haben
    4. „scheiss auf grundrechte“- schnüffeldienste

  2. Das hat nichts mit raffgierigen Konzernen zu tun. Es geht hier um ganz normale Ökonomie. Die alternative wäre Planwirtschaft und schließlich Kommunismus.

    Es kann sinnvoll sein, dass ein Netzbetreiber bestimmte Dienste nicht ans Volumen anrechnet. Nämlich dann, wenn der Server sehr nahe beim Verbraucher steht. Dadurch fallen nämlich weniger Übertragungskosten an. Und außerdem kann der Anbieter intern Multicast einsetzen und so Ressourcen schonen und dadurch die Gesamtkosten senken, die dann je nach Marktsituation auch an die Kunden weiter gegeben werden können.

    Planwirtschaft hat nie funktioniert und wird auch nie funktionieren. Ich befürchte nur, dass der Polit-Sumpf es mal wieder besser wissen zu glaubt.

    Es ist völlig egal, ob der Traffic direkt durch den Endkunden oder indirekt durch einen Dienstanbieter bezahlt wird. Irgend jemand zahlt. Lasst uns doch beide Geschäftsmodelle ausprobieren.

    Ihr könnt gerne neutrale Netze ordern. Ich werde euch nicht daran hindern. Aber werdet ihr auch mich in Ruhe lassen, wenn ich ein ausdifferenziertes Paket kaufen möchte?

    1. „Lasst uns doch beide Geschäftsmodelle ausprobieren.“…
      da bin ich voll bei dir….nur wem will man das in der politischen landschaft wie sie z.zt. angeboten wird, zutrauen? und alles dem markt überlassen….dann haben wir bald google etc. mit hunderten ablegern, die den markt beherrschen und kleine startups mit genialen ideen gar nicht wagen, aus der deckung zu kommen. anderseits werden sie von den suckerbergs und konsorten sofort mit millionen zugekleistert. ob das dann der weisheit letzter schluss ist….aber ich bleibe bei meinem kommentar numero 2.

      1. Wenn du nicht willst, dass sich die große Firmen die Welt unter den Nagel reißen, dann solltest du lieber dafür einstehen, die Nummer 1 der Ursachen dafür anzugehen: Der Staat.

        Alles andere ist nur Symptombekämpfung.

        Man muss verstehen, dass Konzerne oft genug den Staat dafür benutzen, selber größer zu werden. Mit der ganzen Pro-Netzneutralitäts-Lobby ist es ähnlich: Letztendlich bedeutet eine festgeschriebene Netzneutralität wieder nur mehr Macht für Konzerne.

    2. Natürlich finden Konzerne immer Wege, ihre bestehende Macht zu nutzen, um sie weiter zu vergrößern, auch mit Netzneutralität.
      Das ändert aber nichts daran, dass du mit solchen Verträgen den bereits mächtigen Konzerne einen unverhältnismäßigen Vorteil verschaffst. Der Dienstleister kann die Rechnung nämlich nur für dich übernehmen, wenn er sich das leisten kann, was kleine/schwächere Unternehmen massiv benachteiligt.

      Bleibt die Frage, ob es möglich wäre beide Geschäftsmodelle parallel laufen zu lassen. Ich glaube (leider) nicht. Reiche Firmen können ihren Kunden nunmal verlockendere/billigere Angebote machen und sich so durchsetzen. Das hat natürlich auch Vorteile. Die Vorteile einer Netzneutralität überwiegen aber meiner Meinung nach.

  3. @Ines,

    nichts davon was du schreibst ist gelogen. Aber bei aller Wut und allem Hass:

    1) Man kann sich keine ideal gebildete Menschheit schnitzen. Man muss die Menschen nehmen wie sie sind.
    2) Daher: bei allem was uns genommen wurde. Den Leuten wurde auch was gegeben. Warum sind die Gutmenschen nicht in der Lage den Bürgern diese Dinge zu geben wie grenzenlose Kommunikation im Netz und auch mobil ?
    3) Die Konzerne und Politiker kommen nicht aus der Hölle . Sie leben mitten unter uns und tragen auch keine 2 Hörner auf der Stirn.
    4) Verweis auf den Artikel hier was die Grünen in NRW machen. Können aus fanatischen Gutmenschen so über Nacht Machtpolitker werden ?

    1. sehr schön differenziert. aber ich denke, vergebene liebesmüh. genauso wie die enorme kraftanstrengung der politik, endlich unsere grundrechte gegenüber denjenigen zu verteidigen, die sie ignorieren. man hat wohl selebr viel zu viel dreck am stecken. nachher kommt noch raus das unsere sog. regierung die bürger selbst ausspäht. aber selbst dann sind die „ich hab doch nichts zu verbergen“- jünger in der überzahl und die kreuzchen werden fleissig bei den „christlichen“ gemacht.

      1. nachtrag:

        ich bin so glücklich, dass wir ein voll funktionsfähiges CYBER-abwehrzentrum in bonn mit millionen steuergeldern und mit hilfe der fähigsten politiker hinbekommen haben. ich denke, ich geh mal ganz entspannt mit dem hund noch ne runde….

  4. Vortrag zum Nachtrag:-)

    Die eine Ausgabe des Staates gegen die andre aufzurechnen ist nicht sinnvoll, da kommt man nur in Teufels Küche. Dann motzen die Reichen warum der Sozialetat nen 3-stelligen Milliardenbetrag ausmacht. Die andren sollen sich bitte mehr anstrengen. Die Armen sagen die Reichen haben genug. Die Küstenwache sagt warum haben die Rettungswacht im Gebirge so viel Geld und umekehrt…du siehst wo es hinführt ???

    Mach doch mal beim nächsten Gang mit dem Hund ein Experiment. Frag in deinem Bekanntenkreis nach wer nach NSA sich selbst und sein Verhalten in Frage gestellt hat. Wer nicht seine verfluchte Bequemlichkeit über alles stellte sondern für seine überzeugung auch Unbequemes in Kauf nahm.
    Z.B. Facebook nicht mehr benutzen…Whatsapp nicht mehr nutzen…mühseligen Weg beschreiten und Bekannte von Alternativen überzeugen.
    Mit allen negativen Konsequenzen. Im Bekanntenkreis als der sauertöpfische Missionar zu gelten…usw usw

    1. echt gute nummer…bekanntenkreiss…grins.

      ich kann „mir doch egal, ich hab nix zu verbergen“-sprüche aus gründen der hervorrufung von brechreiz in erheblichem umfang nicht mehr hören.
      dei wahlergebnisse für die „brutalstmöglichen aufklärer gegen verstösse gegen grundrechte deutscher bürger durch ausländische (befreundete?) dienste“ zeigen doch deutlich, dass die den leuten völlig am a…h vorbei geht. also vergiss die „aufklärermission“ im bekanntenkreis. die nummer hab ich schon lange hinter mir und würge heute noch wenn ich dran denke.

  5. Ich frage mich, wie das aussehen würde, wenn alle Straßen Privatstraßen wären und von Automobilhersteller betrieben werden.
    Fahrer, die zu ALDI möchten, dürfen mit Blaulicht und Martinshorn durchfahren.
    Man darf x Kilometer pro Monat mit 40 fahren, danach nur noch mit 10.
    Alle Wegestrecken, die bei der Fahrt zum nächsten Elektromarkt der Metro Group anfallen, sind von der Wegekilometerbegrenzung ausgenommen.
    Wär doch ne tolle Idee: der Erhalt der Infrastruktur und der eventuelle Ausbau liegt dann in privater Hand, unsere Staatskasse wird toll entlastet und es gäbe ein toller finanzieller Anreiz seitens der „Netzbetrieber“, die Straßen in Schuss zu halten. Selbstverständlich können diese trotzdem öffentliche Gelder erbetteln, denn es liegt ja auch im ureigensten Interesse, dass die Bürger auf ordentlichen Straßen ans Ziel kommen und der Erhalt von guten Straßen ist zu teuer, als dass die Privatwirtschaft das alleine stemmen könnte.
    Alles andere wäre gänzlich undenkbar!!!!

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