Netze

Measurement Lab: Schuld an langsamen Internet-Anschlüssen sind Geschäftsentscheidungen der Provider

Download-Gescheindigkeiten mit Cogent in New York.

Dass Internet-Anschlüsse zu Stoßzeiten ruckeln, hat keine technischen Gründe, sondern ist das Ergebnis von Geschäftsentscheidungen der Provider. Das geht aus einer neuen Studie des Measurement Lab hervor, die Interconnection zwischen US-Providern untersucht. Die Daten und Analysetools sind frei erhältlich.

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Das Measurement Lab (M-Lab) hat Interconnection zwischen US-Providern untersucht: ISP Interconnection and its Impact on Consumer Internet Performance

Using Measurement Lab (M-Lab) data, and constraining our research to the United States, we observed sustained performance degradation experienced by customers of Access ISPs AT&T, Comcast, Centurylink, Time Warner Cable, and Verizon when their traffic passed over interconnections with Transit ISPs Cogent Communications (Cogent), Level 3 Communications (Level 3), and XO Communications (XO). In a large number of cases we observed similar patterns of performance degradation whenever and wherever specific pairs of Access/Transit ISPs interconnected. From this we conclude that ISP interconnection has a substantial impact on consumer internet performance – sometimes a severely negative impact – and that business relationships between ISPs, and not major technical problems, are at the root of the problems we observed.

Auf deutsch: „Engpässe“ im Netz gibt es auch zwischen Providern, nicht nur auf der Leitung zum End-User. Das hat aber keine technischen Gründe, sondern ist eine Business-Entscheidug der Provider. YouTube ruckelt bei der Deutschen Telekom und Netflix ruckelt bei amerikanischen Kabel-Providern, aber nicht weil die Kapazität nicht da wäre, sondern weil die Anschluss-Anbieter mehr Geld dafür haben wollen. Erpressung statt Netzausbau.

Die Daten für die Studie kommen von weltweiten Messungen, an denen jeder teilnehmen kann. Auch unsere Freunde aus Österreich haben diese Daten bereits ausgewertet: netneutralitymap.org.

Mit der neuen Studie veröffentlicht das M-Lab neue Daten für das Internet Observatory und neue Tools:

To help facilitate review, reproduction, and expansion of this work, M-Lab is providing the research community with Telescope, a tool designed to make extraction of raw measurements simple and to allow easy reproduction of this and future research. Beyond telescope, and in keeping with our core principles, M-Lab makes its full dataset and methodological documentation available in the public domain. Please review, revise, and join the discussion on our research discuss mailing list.

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8 Kommentare
  1. Der Neuigkeitswert der Aussage: Mehr Geld macht das Internet schneller ist ja eher begrenzt. Natürlich ist es eine Geschäftsentscheidung entsprechenden Interconnect zu kaufen/zu mieten zB. könnte man sich als Provider dafür entscheiden dem Personal kein Gehalt mehr zu zahlen und dafür mehr Interconnect für die Kunden zu spendieren…

    Und vielleicht noch: Ich weiss ja wie schwer euch bei netzpolitik.org die Recherche fälllt, aber ihr hättet zumindest mal ca. 9 Klicks investieren können um die Personen hinter M-Lab zusammenzufassen.

    Gäbe vielleich ne Überschrift: Google ist das Internet zu langsam.

    1. Hättest du dir die Mühe gegeben, die Früchte deiner 9-Klick-Recherchen tatsächlich mit uns zu teilen, hättest du darauf hingewiesen, dass hinter M-Lab verschiedene Institutionen/Unternehmen und Einzelpersonenen stehen, darunter auch Google. Aber so hast du dir mit der von dir vorgeschlagenen Überschrift nur das Anrecht auf ein Volontariat bei der Bild Zeitung verdient.

  2. @Philip Engstrand
    Zum Teil hast du Recht aber die Povider sind an ihrer Situation selbst Schuld.
    Nachdem man sich Jahre lang mit den Preisen unterboten hat, merkt man nun das man keinen Gewinn mehr macht.
    Aber deshalb die eigene Leitung zu kastrieren um quasi andere Provider zu erpressen ist schon ein starkes Stück.
    Gerade dieser Unsinn fördert nur die Abschaffung der Netzneutralität.

    Im Endeffekt muss dann aber das Netz entweder aus den Privaten Händen genommen werden, dann könnte man auch ernsthaft mit dem Breitbandausbau anfangen.
    Oder die Kunden dürfen sich auch weitere Kosten freuen und bekommen dann eine Bevormundung welche Inhalte eben mit bester Qualität empfangen werden dürfen.

    Klar spielt das Google und co. in die Hände aber das ändert ja nichts daran, dass es auch der Schaden der Kunden ist.
    Gerade häufig verwendete Dienste alle Youtube und co. sollten dem Benutzer zur Verfügung stehen ohne das es zu Problemen durch spielereien durch die Provider kommt.
    Diese haben die Aufgabe die Daten zu liefern mit der Leistung, die der Kunde gekauft hat.
    Wenn die Provider es nicht schaffen diese Leistung zu erbringen oder durch diese Störungen den Kunden die Leistung vorzuenthalten, dann sollte man zu Recht auch entsprechend darauf aufmerksam machen.

    Anbei kann ich auch den Angriff an Netzpolitik.org nicht verstehen.
    Wenn du so unzufrieden bist mit der Arbeit der Leute, dann schreib ihnen eine Mail und kotz dich bitte nicht in den Kommentaren darüber aus.
    Anbei zwingt dich auch keiner die Seite zu besuchen oder deren Inhalte zu konsumieren.

    Martin

  3. Jetzt mal eine ketzerische Idee zwischendurch: Es gibt ein hochkomplexes Netz, das seit vielen Jahrzehnten vom Staat betrieben wird. Ein Netz mit leistungsfähigen Backbones, funktionierenden Switches und kapillaren Verästelungen bis hin zu fast jedem Haus hierzulande. Das Straßennetz eben.
    Wie wäre es, wenn der Staat die Netzhoheit auch im digitalen Bereich übernähme, endlich mal vernünftig in Glasfaser investierte und dieses neutral zu betreibende Netz dann den Telekommunikationsunternehmen/ISPs gegen entsprechende Gebühr zur Verfügung stellte?
    Und, nope, das bedeutet nicht zwangsläufig den Rückfall in die Zeiten der Deutschen Bundespost.

    1. Genau das würde ich mir auch wünschen.
      Ob das auf lange Sicht funktioniert muss sich eben zeigen.
      Klar würde der Rückkauf einige Millarden Euro kosten egal ob man das Netz oder die Telekom als größten Eigner wieder verstaatlichen möchte.
      Alternativ könnte man aber auch die letzte Meile verstaatlichen.
      Dann könnte die DTAG ihre Netz behalten aber müsste eben zusätzliche Gebühren an den Staat für die Durchreichung der Leitung blechen.
      Hier könnte der Staat also dppelt kassieren -> Einmal über die Anteile die man schon hat und über die Entgelder der letzten Meile.
      Rechtlich wäre das aber eher nicht zu halten.

      Dann hätten wir aber auch endlich mal einen sauberen Wettbewerb da die BNetzA, deren einziger Zweck eh nur die Regulierung der DTAG und teils der Mitbewerber ist, dann den Auftrag sich um die Bereitstellung und Wartung des Netzes zu kümmern wenn man es den zurück kauft oder die DTAG übernimmt.

      Aber eins muss dabei klar sein.
      Um einige Mrd. Euro kosten kommt der Staat dann nicht drum herum.
      Aber dann hätte man einige Probleme mal an der Wurzel angepackt und könnte diese endlich mal erledigen.
      Dann gäbe es auch keine Diskussionen mehr um Netzneutralität oder langsame Leitungen.
      Gerade Norwegen/Schweden zeigen, dass es funktioniert.
      Der Staat muss es eben nur wollen.
      Entgegen der Aussagen von Herr Gabriel wäre das Geld quasi da.
      Würde man nur endlich mal richtig mit dem Geld umgehen, wäre es auch wieder verfügbar für solche zukunftsweisende Aufgaben.

      Martin

      1. Dieser Strassenvergleich taucht immer wieder auf und ist auch teilweise valide, ein paar Dinge drehen sich aber um. Glasfaser Weitverkehr ist ein gelöstes Problem, da gibts Überkapazitäten und da würde jetzt nicht viel gewonnen werden, wenn die Strecken staatlich oder kommunal würden. Im Nahverkehr, zwischen Ortschaften, entlang Hauptverkehrsstrassen in Städten ist die Telekom oder auch alternativ Gesellschaften wie Stadtwerke oder andere kommunale Einrichtungen (wenn ich’s richtig verstanden habe, gehört das weitläufigste Fasernetz in Hamburg der Feuerwehr) nicht soo schlecht. Die letzten 500/100/10/5m entlang von Nebenstrassen/Wohnstrassen oder von der Grundstücksgrenze bis in den Keller sind das Problem. Für einen Grundstückseigentümer die Faser von der anderen Strassenseite zu holen kann 5-stellig kosten. Macht das die Telekom sind die Kosten die Gleichen und eigentlich würden die das gerne bezahlt haben.

        Deswegen gibt’s die Diskussion beim Interconnect, was denn da eigentlich bezahlt werden soll: Die Kosten für den Übergabepunkt oder die Kosten um von da aus bis in die letzte Spitze des Netzes zu übertragen.

  4. Wozu sollte man denn das Netz verstaatlichen? Am Problem das die aktuell noch nicht gut versorgten Standorte nur mit immens viel Geld anzuschließen sind ändert das Eigentumsmodell ja nichts. Und ich persönlich bin zB nicht bereit die Anbindung des letzten Alpen Bauernhofs mit meinen Gebühren zu finanzieren.
    Und zum Thema Peering nur eins. Es gibt genügend Content Provider die mit ihrem Content gutes Geld verdienen, sich aber selber nur wirkliche günstige Netz Provider für die Connectivity leisten. Und wenn zB LVL3 seine Peering Kapazitäten nun mal mehrfach überbucht, warum sollte dann die Telekom die Erweiterung bezahlen? Ist imo eher Aufgabe der anderen Seite, sei es Netz oder Content Provider.

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