Generell

Private Rechtsdurchsetzung mittels Content ID: neue Regeln, neuer Algorithmus

Ein zentrales Instrument sowohl zur Eindämmung von Urheberrechtsverletzungen als auch zur Monetarisierung auf YouTube ist das sogenannte Content-ID-Verfahren. Dabei hinterlegen Rechteinhaber Referenzdateien, die YouTube automatisch mit hochgeladenen Dateien abgleicht. Wird eine Übereinstimmung festgestellt, kann das entweder die Sperrung der Datei zur Folge haben oder die Beteiligung an mit dem Video verdienten Anzeigenerlösen.

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Wie David Pachali auf Arbeit 2.0 berichtet, stand dieses Verfahren aber heftig in der Kritik, u.a. von Seiten der Electronic Frontier Foundation (meine Übersetzung):

Content ID ist ein undurchsichtiges und proprietäres System, wo der Ankläger gleichzeitig als Richter, Jury und Henker fungieren kann.  […] Das Content-ID-System kippt jede Balance, die im Rahmen des Digital Millennium Copyright Acts (DMCA) vorgesehen ist, und erlaubt noch schädlichere Formen der Manipulation und des Missbrauchs.

Letzteres spielt darauf an, dass neben betrügerischen Falschmeldungen um an Werbung mitzuverdienen insbesondere im Bereich von Fair Use bzw. urheberrechtlichen Schranken (z.B. Parodie) Videos fälschlicherweise blockiert, stumm geschaltet oder monetarisiert werden.

Als Reaktion auf diese Kritik – YouTube schreibt im offiziellen Blogeintrag von „Feedback unserer Community“ – kommt es nun zu Änderungen im Einspruchsverfahren. Bislang waren Nutzer in mancher Hinsicht (z.B. bei fälschlicher Monetarisierung) wehrlos gegen Content-ID-Sanktionen, wenn Rechteinhaber sich nicht auf ein Schlichtungsverfahren eingelassen haben. Künftig hat ein (vermeintlicher) Rechteinhaber jenseits des Schlichtungsverfahrens nur noch die Wahl, entweder seinen Anspruch fallen zu lassen oder eine formale DMCA-Beschwerde einzureichen.

Neben dieser rechtlichen Änderung verweist der Blogeintrag auch auf Verbesserungen im Content-ID-Algorithmus. Zweifelsfälle sollen demnach zukünftig nicht automatisch gesperrt sondern von Menschen begutachtet werden, bevor eine Entscheidung gefällt wird.

Angesichts der weitreichenden Konsequenzen der vertraglichen wie technologischen Aspekte von privaten Rechtsdurchsetzungsverfahren wie Content ID stellt sich jedoch die Frage, warum es nicht mittlerweile formalisierte Beteiligungsverfahren für diesbezügliche Änderungen gibt, bei denen auch User-Vertreter bzw. Organisationen wie die EFF eingebunden werden. Dann müssten YouTube und EFF auch nicht mehr via Blogeinträgen (nicht) miteinander kommunizieren.

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18 Kommentare
  1. Es gibt da wohl ein richtiges Geschäftsmodell, populäre Musik (z.B. die Musikstücke aus Apples Garage Band) als die eigene auszugeben, um dann bei den Werbeerlösen abzukassieren. Wir haben als Firma einen Account mit mehreren hundert Videos und bereits zwei Mal automatische Mails von Youtube bekommen, weil eine dubiose Firma die Rechte an Musikstücken für sich beansprucht.

  2. Das Problem ist nicht „Content ID“ sondern das Urheberrecht.
    Wir sollten nicht darin verfallen die Symtome zu „Verteufeln“ wie bei einer Krankheit, sondern die Ursache dafür Abstellen.
    Denn ohne dieses „kranke“ Urheber und Copyright – Recht wäre auch „Content ID“ Nutzlos.

    1. Es „Krankt“ weil vieles am jetzigen Urheber und Copyright – Recht nicht mehr in das Zeitalter des Internet und einer freien Puplikation von Medien durch Jedermann auf der Welt passt sondern wie zb auch das „erkranke“ Börsen und Bankensystem unsere Gesellschaft und seine Zukunft zerstören kann.
      Durch Globalisierung und dem Internet verändert sich die Welt wieder einmal Grundlegend, wie sie sich durch technischen Fortschritt schon öffters Verändert hat , eine Marktwirtschaft konnte auch nicht mit Sklaven funktionieren.
      Die Frage ist ob einige dies Einsehen und des Konflikt friedlich lösen oder est wieder Kämpfe ausgetragen werden müssen?

      1. Was für ein phrasenreiches, dafür aber argumentfreies Geschwurbel. Irgendwie typisch für all die „Urheberrechtsreformer“.

        Dabei gibt es schon alles was man braucht um ein alternatives Modell zu entwickeln: Crowdfunding, Flattr, Spenden, freie Lizenzen, Vertragsfreiheit etc. pp. Es funktioniert nur einfach nicht für viele Arten von Kulturgütern. Das haben ja auch die Piratendampfplauderer wie Schramm, Weisband, Schlömer und Kramm erkannt.

        Es wäre ehrlicher die „Urheberrechtsreformer“ würden ihren Forderungen endlich mal Taten folgen lassen und die Möglichkeiten nutzen die ihnen das Urheberrecht gibt, oder oder offen zuzugeben worum es ihnen wahrscheinlich doch nur geht: Gratiszugang zu Musik und Filmen.

      2. Hm… der ersten „Satzhälfte“ kann ich mich nur anschließen. Der Rest ist wirklich Phrasendrescherei, wobei die natürlich auch argumentativ wirken kann – korrekte Rechtschreibung vorrausgesetzt ;-)

      3. dann habe ich sie wohl richtig verstande, dass sie meinen, ein urheberrecht an sich ist nichts krankes, unsere aktuelle rechtsgrundlagen kranken aber?

        das hätte man auch weniger missverständlich ausdrücken können. gegen eine abschaffung jeglichen urheberrechts hätte ich einiges einzuwenden.

        zum beispiel, dass freien lizenzen dann die grundlage für ihre durchsetzung fehlen würden.

        .~.

      4. @mustard

        Du kannst den technischen Fortschritt nicht Aufhalten , dieser Verändert die Grundlagen für ein bisheriges Urheberrecht und auch andere Gesetze nicht die Piratendampfplauderer. Diese sind vielleicht vielleicht nur in der heutige Rolle von „Sozialdemokraten“ im 19.Jh. welche damals auch als Untergang für Wirtschaft und Staat angesehen wurden.
        Das Internet ist doch erst der Anfang weiteres steht schon vor der Tür wie 3D- Drucker , also der private Herstellungsprozess von Gegenständen und Waren in vielfältigster Form welcher bisher nur der Industrie vorbehalten war oder eine unabhängige autarke private Energierzeugung.
        Die Industriegesellschaft wird sich wiedereinmal Verändern und dazu müssen sich auch einige Besitzstände oder bisherige Geschäftsmodelle verändern oder gar Aufgegeben werden , wie früher der Adel, die Leibeigenschaft von Bauern oder der Besitz von Sklaven.
        Natürlich geschied das nicht immer Freiwillig nur sollten wir heute den nötigen Sachverstand eher mitbringen als in vergangenen Jahrhunderten oder wir fallen zurück in alte „diktatorische“ Zeiten und Mittel siehe Internetüberwachung oder Abmahnwesen.

      5. Und wieder bleibst Du im Ungefähren.

        Der Fortschitt der Technik lässt sich natürlich nicht aufhalten, aber das ist nur eine hohle Floskel. Genauso wenig wie die Erfindung von Schusswaffen zur Folge hat das jeder rumballern darf wie er möchte, oder die Erfindung synthetischer Drogen dazu führt dass diese allgegenwärtig sind. Vielmehr versucht der Staat hier durch strenge Regulierung die negativen Auswüchse für die Gesellschaft möglichst klein zu halten.

        Überhaupt ist das ein seltsames Motto, „Was ich kann, dass darf ich auch“. Das darfst Du gerne so halten wenn Du mal Nachts auf einen Straßenschläger triffst, aber das ist dann dein Privatvergnügen. Aber berichte hier danach ruhig davon.

        Wenn Du diese Umsonstideologie jetzt auch noch in den Zusammenhang stellst mit der Sklavenbefreiung oder der Sozialdemokratie, dann zeigt das nur das Du jedes Mas verloren hast.

        Was natürlich nicht von dir zu lesen war, ist, wie eine moderne Kulurlandschaft denn aussehen soll. Welche Elemente fehlen denn noch, außer dem Recht sich an den Werken anderer umsonst und gegen deren Willen bedienen zu können? Was muss noch kommen, neben Crowdfunding, Spenden etc. pp.? Wo von sollen Künstler in Zukunft leben? Warum gehen Künstler und „Urheberrechtsreformer“ wie Schramm, Weisband und Kramm lieber zu den Verwerten als einen alternativen Weg zu wählen? Warum funktioniert der alternative Weg nicht?

        Nach dem Pathos nur inhaltliche Leere.

        Stattdessen propagierst Du mit einem harmlos klingenden „müssen sich auch einige Besitzstände oder bisherige Geschäftsmodelle verändern oder gar Aufgegeben werden“ die Entrechtung von Menschen um die eigene Konsumgier günstig befriedigen zu können.

        Dagegen sind die Forderungen der Contentindustrie ja noch menschenfreundlich und harmlos. Und sowas tummelt sich heutzutage auf dem Feld der Netzpolitik, wo es eigentlich um wichtigere Themen gehen sollte wie Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung oder Netzneutralität.

      6. Mit dem „Ausflug“ in die Geschichte wollte ich nur Verdeutlichen das es auch damals eine technische Revolution gegeben hatte welche welche die Gesellschaft Veränderte und auch die Eigentumsrechte nicht in Stein gemeißelt waren. Manchmal loht auch ein Blick zurück.

        Was ist „Krank“ am Urheberrecht:
        Wenn Kindergarten- Kinder keine Kinderlieder mehr singen können ohne horrende Gema Gebühren zu zahlen für 50 Jahre alte Lieder welche längst gesellschaftliches Kulturgut sind.
        Wenn Weihnachsmärke oder Volksfeste Stumm bleiben , da Städte und Gemeinden das nicht finanzieren können.
        Wenn Discotheken Besitzer Pleite gehen weil die Jugend nicht mehr die Eintrittspreise zahlen kann oder will.

        „Wo von sollen Künstler in Zukunft leben?“

        Gegenfrage wovon haben Künstler früher gelebt?
        Nach der Auffassung hätte es ja nie ein „Beethoven , Bach oder Mozart“ …… ect. geben dürfen , da sie keine CD verkaufen konnten?
        Wer fragt eigentlich wovon die „Schreibmaschienenhersteller“ heute Leben oder zukünftig die „Druckereibesitzer“ wenn es nur noch E-Books gibt , die selbsständigen Fotolabore und Filmhersteller wenn jeder digital Fotografiert. Warum verlangt niemand für diese Berufe oder Beriebe ein gleichwertiges „Schutzrecht“?
        Vermutlich nur weil die „Urheberechtsindustrie“ zwar die bessere Lobby hat aber keinesfalls bessere Agrumente.
        Es kann nicht sein das auf einmal geleistete Arbeit ein lebenslanges „Schutzrecht“ gilt , man stelle sich vor jeder würde dieses Recht beanspruchen , also der Handweker welcher das Bad gekachelt bekommt bei jeder Benutzung Gema-Gebühren ect .
        Die Wirtschaft würde sicher nicht mehr Funktionieren.

  3. Hoffentlich wird durch das neue Verfahren endlich die blöde Meldung mit der Information, dass dieses Viedo nicht in meinem Land verfügbar ist eingestellt. Besser wäre, wenn das Video, welches ich suche erst garnicht zu finden ist!!!

  4. @dot tilde dot

    gegen eine abschaffung jeglichen urheberrechts hätte ich einiges einzuwenden.

    zum beispiel, dass freien lizenzen dann die grundlage für ihre durchsetzung fehlen würden.

    Was genau wollen Sie denn durchsetzen?

    http://blogs.computerworlduk.com/open-enterprise/2010/07/could-free-software-exist-without-copyright/index.htm

    RMS meint: „I would be glad to see the abolition of copyright on software if it were done in such a way as to ensure that software is free. After all, the point of copyleft is to achieve that goal for derivatives of certain programs. If all software were free, copyleft would not be needed for software.“

    1. durchsetzen würde ich zum beispiel gerne das wollen, was stallman in dem folgendem absatz des von ihnen zitierten artikels anklingen lässt:

      it would be necessary to eliminate copyright on software, declare eulas legally void, and adopt consumer protection measures that require distribution of source code to the user and forbid tivoization.

      .~.

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