Öffentlichkeit

Wikileaks War Logs: Wired veröffentlicht neue Dokumente

Spätestens mit dem „Fall Schmitt“ dürfte auch dem  leichtgläubigsten Verschwörungstheoretiker klar geworden sein, dass der Haussegen bei Julian Assanges Propaganda-Plattform Wikileaks derzeit mächtig schief hängt. Wie verfahren die Situation tatsächlich ist, lässt sich heute bei Wired.com nachlesen.

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At least half a dozen WikiLeaks staffers have tendered their resignations in recent weeks, the most prominent of them being Daniel Domscheit-Berg, who, under the name Daniel Schmitt, served as WikiLeaks’ German spokesman.

Worum geht’s? Nachdem es bei Wikileaks bereits im Zuge der Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Afghanistan-Krieg zu internen Unstimmigkeiten gekommen war, verärgerte Assange offenbar auch bei der anstehenden Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Irak-Krieg seine Mitstreiter mit einem Alleingang.

Laut Wired.com hatte Assange ohne Rücksprache die Veröffentlichung von knapp 400.000 Dokumenten  für den 18. Oktober angekündigt. Viel zu früh, um das Material sorgfältig zu prüfen und ggf. Namen von Informaten zu schwärzen. Zur Verwunderung seiner Mitarbeiter hat Assange zudem bereits Kooperationsvereinbarungen mit externen Redaktionen getroffen und diesen einen Zugang zu den entsprechenden Dokumenten eingerichtet:

Domscheit-Berg learned about Assange’s agreements with a number of media outlets last month, but did not know the details or when the documents were scheduled to be released. When he quizzed Assange in an online chat, Assange responded by accusing Domscheit-Berg of leaking information about discontent within WikiLeaks to a columnist for Newsweek.

Tja, und der Rest liest sich dann wie eine Dokumentation direkt aus dem nächsten Sandkasten. Mit dem Unterschied, dass es hier nicht um Eimer- und Schäuffelchen geht, sondern möglicherweise um das ein oder andere Menschenleben.

Laut einem als authentisch bezeichneten Chat-Transcript wirft Assange Schmitt u.a. Geheimnisverrat (Bonuslevel: Mit CCC-Beteiligung!) vor  …

“You are not anyone’s king or god,” wrote Domscheit-Berg in the chat. “And you’re not even fulfilling your role as a leader right now. A leader communicates and cultivates trust in himself. You are doing the exact opposite. You behave like some kind of emperor or slave trader.”

… bis die Geschichte schließlich in der von Assange ausgesprochenen Suspendierung Schmitts/Domscheit-Bergs eskaliert:

“You are suspended for one month, effective immediately,” Assange shot back. “If you wish to appeal, you will be heard on Tuesday.”

Man kann sich denken, dass Daniel Domscheit-Berg von dieser – ebenfalls ohne Rücksprache getroffenen – Entscheidung Assanges ziemlich überrascht gewesen zu dürfte (Ja, sie ist tatsächlich bereits vor einem Monat erfolgt). Assange himself hingegen scheint zu glauben, bei Wikileaks tun und lassen zu können, was ihm gefällt. Anders jedenfalls ist sein Kommentar zum Ausscheiden eines weiteren Mitarbeiters nicht zu erklären.

“I am the heart and soul of this organization, its f ounder, philosopher, spokesperson, original coder, organizer, financier and all the rest,” Assange wrote Snorrason. “If you have a problem with me, piss off.”

Schade eigentlich. Rein grundsätzlich war Wikileaks eine gute Idee. Siehe auch:

# Was war. Was wird. (Hal Faber, Heise Online, 26.09.)
# Wikileaks: Rausschmiss im Geheimen (Detlef Borchers, FAZ, 27.09.)

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46 Kommentare
  1. … bei Julian Assanges Propaganda-Plattform…

    geht’s noch dicker gleich im ersten Satz?

    Mit dem Unterschied, dass es hier nicht um Eimer- und Schäuffelchen geht, sondern möglicherweise um das ein oder andere Menschenleben.

    Hört sich ja genau so moralinschwanger an wie von der Leyen oder zu Guttenberg. „… die armen Kinder!“

    Naja, wenn’s hilft

  2. Kirsten hat nicht so unrecht… der Poulsen mal wieder, den hab ich eh schon gefressen… weiß nicht, wieso ausgerechnet er sich jetzt berufen fühlt, sich mit den Interna von WikiLeaks zu befassen.

  3. Kirsten, Annika: Es ist ein Chat-Transkript und einer der Beteiligten hat sich grade öffentlich geoutet. Ihr mögt den Boten nicht mögen, aber die Nachricht ist ziemlich klar.

    [Anmerkung: Name des Autors auf Wunsch editiert, war ein Tippfehler. Torsten und Kirsten sind nicht identisch.]

  4. @der Dünne: Sicher geht’s noch dicker, aber das wäre dann evtl. übertrieben gewesen. Wie deine anschließende Relativierung z.B..

    @Kirsten: Sicher. Man muss immer und überall vorsichtig sein. Der Wired-Bericht fasst aber recht gut zusammen, was man sonst so hört.

    Ganz ehrlich, ich bin auf das Dementi gespannt.

  5. Mir gefällt der Artikel auch nicht. „Assange himself hingegen scheint zu glauben, bei Wikileaks tun und lassen zu können, was ihm gefällt.“ – Ist das nicht so? Was soll diese stumpfe geflame. Wie er richtig sagt, ist es sein Baby, schon immer gewesen.
    Ist hier vielleicht jemand enttäuscht und zu emotional dabei, oder einfach nur am trollen?
    Wenn das so weiter geht, landet Herr Schäfer noch im Junk ;)

    1. @Andi: Anders gefragt: Hat nicht dieses Verhalten von Julian Assange dazu geführt, dass einige aus dem internen Kreis ausgestiegen sind und sollte man dann nicht darauf hinweisen dürfen?

  6. Mir kam das ganze SPIEGEL Interview schon wie eine 1A Selbstinszenierung vor.
    Die letzte Frage die Antwort von Daniel Schmitt… Das war dann auch noch das Sahnehäubchen, hat nurnoch ein Bild im Supermankostüm gefehlt.

    Das einzige das mir jetzt WIRKLICH klargeworden ist ist dass unter anderem netzpolitik.org, der spiegel, wired und sicher auch ettliche andere Medien inzwischen eine feste Position eingenommen haben… illustere reihe übrigens.

    „dürfte jedem klargeworden sein“; „laut einem als authentisch bezeichneten“

    Hat für mich aber noch immer diesen spekulativen Ton der sich durch nicht allzuvieles belegen lässt (Interviews, „authentisches“ Chatprotokoll).

    Gut ihr seid die Journalisten und werdet wissen was ihr tut.

    Hoffe für euch und natürlich auch für uns Leser dass ihr auf das richtige Pferd gesetzt habt.

    Aber: selbst wenn wikileaks NICHT tot ist, kann es bei DER Berichterstattung nurnoch eine Frage der Zeit sein.

  7. Jetzt ist es an der Zeit das Projekt zu „Forken“. Vielleicht hat Netzpolitik oder die Piratenpartei ja lust eine alternative Platform aufzuziehen die im Gegensatz zu Wikileaks ordentlich arbeitet und so keine Menschenleben gefärdet.

  8. WL ist sicherlich fragiler als es in der eigenen Selbstdarstellung dargestellt wird.

    Die Geschichte des Gründers ist von Paranoia geprägt; dies zeigt sich auch in seinem Fragestil: Es geht ihm nur um Antwort auf die eine Frage; „Mit vom Club hast Du gesprochen?“ alles andere ist ihm egal.

    Dies ist aber in diesem Business evtl. nicht so falsch, wie es von vielen empfunden wird.

    Wäre es nicht besser gewesen, der Sprecher hätte lautlos gekündigt und mit dem CCC eine evtl. bessere Alternative aufgebaut?

    So klingt es für mich von allen Seiten nach kaputt reden, Gesichter verlieren und Brücken verbrennen. Kurzzeitig sicherlich praktisch, mittelfristig riskant und langfristig nicht immer ratsam.

  9. @Andi:

    Wie er richtig sagt, ist es sein Baby, schon immer gewesen.

    Nachtrag, auch hübsch. Siehe dazu:

    Was Wikileaks your idea as many assumed?

    I don’t call myself a founder.

    Nobody really knows about the founders, says Wikipedia …

    Yes. This is simply because some of the people in the initial founding group are refugees, refugees from China and other places. And they still have family back in their home countries.

    Nach Eigenauskunft (Oder soll ich es „Legende“ nennen?) ist Wikileaks ein kooperatives Netzwerk mit halbwegs demokratischen Strukturen. Siehe auch:

    Who is behind Wikileaks?

    Wikileaks was founded by Chinese dissidents, journalists, mathematicians and startup company technologists, from the US, Taiwan, Europe, Australia and South Africa.

    Our public Advisory Board, which is still in formation, includes courageous journalists, representatives from refugee communities, ethics and anti-corruption campaigners, including a former national head of Transparency International, human rights campaigners, lawyers and cryptographers.

    There are currently over 1,200 registered volunteers, but we need more people involved at an organizational level.

    Quelle: http://web.archive.org/web/20080314204422/http://www.wikileaks.org/wiki/Wikileaks:About

    Assange ist formal Mitglied des o.g. „advisory boards“. So ein „advisory board“ ist grundsätzlich eine richtig gute Idee, um Missbrauch mit einer Plattform wie Wikileaks (und den inzwischen nicht unerheblichen Spendengeldern) durch eine Einzelperson zu verhindern.

    Dummerweise platzt auch die Seifenblase „advisory board“ recht fix, wenn man sie anpikst:

    Jenem angeblichen Beirat sollten neben Julien Assange, Phillip Adams, Wang Dan, Ben Laurie, Tashi Namgyal Khamsitsang, Xiao Qiang, Chico Whitaker und Wang Youcai angehören. Doch auf Nachfrage weiß kaum einer dieser Persönlichkeiten etwas davon.

    Oder Ben Laurie (Foto rechts von dsearls), ein Gründungsdirektor der „Apache Software Foundation“, der in seinem Blog Stellung bezieht: „…ich stehe nicht hinter Wikileaks. Ich halte das Projekt für eine gute Idee und ich habe mal einen Kommentar zu einem frühen Entwurf der technischen Infrastruktur gemacht. Jeder denkt, das wäre ein Trick, um mich vom Projekt zu distanzieren, aber das ist wirklich so.“

    Update: Icke verweist weiter unter auf einen Blogeintrag von Laurie, wo dieser bestätigt Mitglied des Boards zu sein, allerdings ohne Kenntnis struktureller Interna zu haben.

    Auch Phillip Adams stand dem Projekt niemals zur Verfügung, er sagte auf Grund von Arbeitsüberlastung und gesundheitlichen Problemen ab.

    Nur CJ Hinke erklärte öffentlich, dass er hin und wieder bei der Veröffentlichtlichung von Dokumenten beratend mitgewirkt hätte. Mit der Arbeit eines Beirats hatte das allerdings nichts zu tun.

    Quelle: http://www.gibtnet.de/joomla/content/view/662/1/

    Ok, wenn wir uns in die naive Welt der Webblumenkinder und Assange-Groupies versetzen, könnte man übergangsweise evtl. auf ein hochkarätiges Board verzichten. Solange gibt es Wikileaks ja auch noch nicht.

    Dann müsste es aber zumindest eine Leitungsebene geben, wo auf Augenhöhe disktutiert wird. Dies ist offensichtlich nicht mehr der Fall (In diesem Fall stellt sich unmittelbar die Frage, wer Zugriff auf die Spendengelder hat).

    Wenn du darin kein Problem siehst, kann ich dir nicht helfen. Und nein, ich bin nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, ich sehe mich leider bestätigt.

  10. >>Schade eigentlich. Rein grundsätzlich war Wikileaks eine gute Idee.

    Effektiv ist Wikileaks nun demontiert.
    Die US-Administration hat ihr Ziel erreicht.
    Tolle Wurst.

  11. http://www.links.org/?p=922

    Apparently some reporters think it’s useful to make stupid claims about Wikileaks. I won’t bother to link, but just in case you mistook them for journalism: for the record, I am a member of Wikileaks’ advisory board and I am honoured to be. I don’t think Julian Assange is crazy, I think he’s a very talented guy. Yeah, he’s a little unusual, but that just adds to the fun. It is true, however, that I don’t know anything about how Wikileaks operates in detail and it is also true that I think that’s a good idea.

    If you don’t know what I’m talking about, I hear there’s a search engine that might help. Or you could do something useful with your time.

  12. @Pirat: Ich kann nicht für Markus sprechen, aber für Netzpolitik.org ist so ein Projekt deutlich zu groß. Vor allem, wenn man es ordentlich machen will.

    Wir sind strukturell einfach ganz anders aufgestellt und treten eigentlich auch in einer anderen Sportart an. Wenn wir hier mal Dinge leaken, ist das eher Zufall und geschieht – zwangsweise – transparent und mit ladungsfähiger Adresse. Kurz: Wikileaks und Netzpolitik.org sind einfach nicht vergleichbar (Trotzdem danke für das Vertrauen).

    Auch was den CCC betrifft, hätte ich Zweifel. Verpeilungsfaktor und so. Naja, warten wir mal den Congress ab ,)

    Wäre es nicht besser gewesen, der Sprecher hätte lautlos gekündigt und mit dem CCC eine evtl. bessere Alternative aufgebaut?

    Ich hatte selber nie direkten Kontakt mit Daniel, glaube aber sagen zu können, dass das nicht seine Art ist. Ich schätze ihm war eher an einer strukturellen Verbesserung von innen gelegen. Assange hat diese Versuche offenbar als Angriff empfunden.

    Ansonsten wäre evtl. noch zu bedenken, dass er einer der Kandidaten für eine Vollzeitstelle war. Das ist eine Perspektive, die man nach fast 2(?) Jahren ehrenamtlicher Arbeit quasi rund um die Uhr nicht wegwirft.

  13. Ernst gemeinte und nicht polemische Frage: Warum braucht man überhaupt eine zentrale Leak-Plattform?

    Siehe die ACTA-Protokolle, die an vielen Stellen aufgetaucht sind – sogar bei Google. Siehe den WCCB-Prüfungsbericht auf der Webseite des Bonner General-Anzeigers. Siehe die Dokumente, die hier auf Netzpolitik ab und an veröffentlicht werden.

  14. @Torsten: Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Meine Beobachtung: Relevante Informationen verbreiten sich – bei beliebiger Veröffentlichung irgendwo im Internet – schneller, als sie gelöscht werden können.

    D.h. wer wirklich an einer Information interessiert ist, hat im Web 2.0 in der Regel ein ausreichend großes Zeitfenster zum Download.

    Eine andere Sache ist die dauerhafte Verfügbarkeit und Zitierbarkeit. Da wäre eine Archivierung auf einer nicht angreifbaren Plattform natürlich erstrebenswert.

    Allein, das ist etwas, was Wikileaks bisher auch nicht leisten konnte. Ganz im Gegenteil, Content offline zu nehmen, um Spendengelder zu erpressen, scheint mir keine sonderlich vertrauensbildene Maßnahme zu sein (Ich mag das Gerücht, dass WL zeitweise keine Kontrolle über die eigenen Server hatte, nicht so recht glauben. Zumal es noch ganz andere Fragen aufwirft).

  15. Ich frage mich immer öfter, warum die Netzgemeinde so einfach zu ködern ist. Bei Gebrauch bestimmte Hashtags (OpenSource, Leak, Netzneutralität) ist auch das krudeste Projekt in der komfortablen Lage, in allen Foren von einem Mob verteidigt zu werden. In Wikileaks sind zu viele Leute auf einem Egotrip und darunter litt der Informantenschutz. Vertrauen weg. Projekt gestorben. Ende der Nachricht.
    Was jetzt noch kommt, ist einfach Web-Boulevard, aber finde ich einen Ticketdealer Lothar M. und seine Freundin einfach nahrhafter.

  16. @Thorsten

    Weil der Nachrichtenwert steigt.

    Wikileaks ist zu einer Art „Promi“ geworden, so dass es vielen Medien leichter fällt neue Veröffentlichungen aufzugreifen.

    Dem Zuschauer muss nicht jedesmal eine komplette Einführung „zugemutet“ werden, das ganze wird ihm als Vortsetzungsgeschichte verkauft.

    (siehe zB. Luhmann #Anschlusskomunikation)

    So können auch Themen aufgegriffen werden, die etwas sperriger sind, da das verbindende Element (Die Nachricht wurde wieder auf Wikileaks veröffentlicht) eine Art narative Brücke schafft.

    //Das Argument der Zitirbarkeit ist oben schon aufgeführt

    also: „braucht“ man WL, naja, es vereinfacht einiges.

  17. kann mich #1 nur anschließen. Ich glaube, das Ganze ist Assagne zu Kopf gestiegen. Auf der einen Seite (berechtigter) Verfolgungswahn und auf der anderen Seite die Blicke ganzer Nationen auf sich. Das is ne harte Prüfung, selbst für den stabilsten Charakter. Zu hart für Julian offensichtlich.

  18. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass nicht alle Leute Ahnung davon haben, wie sie sowas veröffentlichen, ohne sich selbst zu gefährden. Eine Plattform wie WikiLeaks kann/sollte sich um diese Dinge kümmern und so den Informantenschutz gewährleisten.

  19. @Jörg-Olaf Schäfers

    Mein Kommentar war im Kontext so gemeint, dass hier verschiedene Ansichten und Positionen zu einem Clash geführt haben. Verstehen und erklären kann ich mir beide gut.

    Wie sehr man diesen Clash feiert oder versucht wieder zu kitten ist ein wichtiges Thema. Gute RFC-artige Vorschläge von CCC und anderer Organisationen/Leute und genug Zeit auf beiden Seiten ohne blinden Aktionismus können evtl. noch etwas fixen.

    Aber kaputt reden geht halt immer besser und schneller. Und so etwas wie WL lässt sich nicht überall in eine Vereinsordnung passen – etwas was auch der CCC gut bekannt sein wird.

    Eine Leak-Webseite agiert einer moralischen widersprüchlichen Grauzone – deswegen kann dort auch nicht immer alles transparent und richtig laufen. Verbessern lässt sich sicher etwas; auch wenn dies natürlich zu Konflikten führen wird. Vielleicht gibt es auch einfach unterschiedliche Ziele – „Was will man erreichen?“ So kommt es mir zumindest bei den beiden, nun etwas verfeindeten, Sprechern vor.

    Eine verlässliche Quellen-Quelle für verlinkbare Artikel finde ich wichtig – und sie wird immer wichtiger; gerade wenn man sich die vielen neuen geplanten Gesetze ansieht.

    So etwas wie die Icelandic Modern Media Initiative wird also als Gegenbewegung immer notwendiger; egal wie man das Ding am Ende nennt.

  20. @Icke: Wir sind gar nicht so weit auseinander.

    Wenn sich bei bei WL strukturelle Probleme offenbaren, sollte man darüber reden. Und zwar öffentlich. Das ist ein Punkt, wo die „Netzgemeinde“ Verantwortung übernehmen muss.

    Es geht dabei weniger darum, WL „kaputt zu schreiben“, sondern darum, Probleme zu diskutieren und Verbesserungen zu arbeiten. Wenn eine Plattform wie WL schlecht läuft, müssen wir Wege finden, wie man es besser machen kann.

    Fakt ist: Das, was WL leistet, oder besser: leisten möchte, ist eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine solche Plattform missbraucht wird oder durch persönliche Verfehlungen eines Einzelnen (oder nur den Verdacht auf eben diese!) in Gefahr gebracht werden kann.

    Wenn sich jemand wie Assange hinstellen kann und verkündet, er sei „the heart and soul, founder, philosopher, spokesperson, original coder, organizer, financier and all the rest“ ist das nicht mehr als die Dokumentation eines systmenischen Webfehlers, den es schnellstmöglich zu korrigieren gilt. Es darf auf einer Plattform wie WL niemals ein Machtmonopol geben.

    Ich sehe auch nicht, warum oder wo eine „moralische Grauzone“ Transparenz verhindern sollte. Ganz im Gegenteil, Transparenz ist bei einer Plattform wie WL zwingend erforderlich.

    (Transparenz bedeutet nicht, dass Namen und Adressen eines jeden Beteiligten bekannt sein müssen. Es geht um dokumentierte Prozesse und Transparenz auf Entscheidungsebene. S.a.: http://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Augen-Prinzip

    Zumal „einfach mal machen“ ja offenkundig nicht funktioniert hat. Und man kann von Glück sagen, dass bisher keine Menschenleben zu beklagen sind. )

    Ganz sicher bin ich mir aber, dass es eine schlechte Idee ist, einem Egomanen mit latentem Realitätsverlust eine sechstellige Dollarsumme und eine Webseite mit der Reichweite von WL zur Durchsetzung seiner politischen Agenda zu überlassen (Vom Vertrauensverlust in der Communnity und der Gefährdung möglicher Informanten noch ganz abgesehen).

    Ich habe das Gefühl, nicht wenige Mitarbeiter von Wikileaks sehen das inzwischen ähnlich. Es wäre schön, wenn nun auch die WL- und Assange-Fanboys ausnahmsweis mal zur roten Pille greifen würden.

  21. „Webblumenkinder und Assange-Groupies“, „WL- und Assange Fanboys“

    Da vergreifst du dich aber ein bisschen im Ton. Vor allem wenn dann im nächsten Posting steht, dass du Daniel Schmidt nicht direkt kennengelernt hast und damit auch deine persönliche Meinung über die Vorgänge bestenfalls „nur“ auf Hörensagen 2.Grades beruhen kann.

    Du „glaubst sagen zu können“ dass das das nicht seine Art ist und „schätzt“ dass er struturelle Änderungen gefordert hat und diese Assange diese vermeintlichen Angriffe „offenbar“ persönlich genommen hat.

    Ich schätze deine Meinung, aber das ist doch mindestens eine diskussionswürdige Faktenlage.

    Stehe selbst weder auf Blumen, noch bin ich ein Assange-Groupie. Will hier auch eigentlich nur meine Verwunderung über die leicht befremdliche Grundhaltung gegenüber Wikileaks (im „post-Schmitt“ Zeitalter) auf netzpolitk.org ausdrücken.
    Denn eben diese Blogposts sind jetzt publizistische Realität (oder irgendwie so), also ein vorliegender Fakt und damit objektiv bewertbar.

    Finde deine Äußerungen also sehr unfair, da es sich in den Kommentaren weitgehend um sachliche Kritik handelt.

    Dass du da jetzt alle kritischen Kommentare als „verquere pro-Wikileaks“ Postings pauschalierst aber dabei selbst so hart wie faktenarm gegen Kommentatoren rantest, ist ein bisschen schwach.

    Ja, eine perfekte Alternative ist erstrebenswert. Transparenz ist ein wichtiges Kriterium um eindeutig bewerten zu können wie sehr das Gemeinwohl der gegenständlichen Organisation wirklich gelegen ist.

    Das gilt für Wikileaks genauso wie für weitere private oder auch bestimmte staatliche Organisationen.

    Aber wie icke schon schreibt: „Aber kaputt reden geht halt immer besser und schneller.“

    Und genau das passiert hier gegenwärtig. Und dass, obwohl es keine ausgewiesene Alternative gleicher oder ähnlicher Größe und Zuverlässigkeit gibt.

    Nunja, im Leben spielt nicht immer die Musik die man grad hören will.
    Bevor das ausartet muss ich jetzt wieder feststellen:
    macht mal, eigentlich ist euer Blog 1A! Denn das ist der Fall… bis auf diese Ausnahme ;-)

  22. Es sollte klar sein, dass WikiLeaks mächtige Gegner hat, die Vieles tun werden, um eine lästige Quelle zum Schweigen zu bringen.
    In dieser Situation sollte man nicht alles glauben, was man als Zitat hört. Wer etwa die Geschichte der Black Panther-Bewegung in den USA vor rund 40 Jahren kennt, weiß: Um eine unliebsame Organisation zu zerstören, muss man zuerst Streit hineintragen, reale Konflikte ausnutzen und künstliche konstruieren.
    Um sich gegen solche Angriffe zu wehren, ist persönliches Vertrauen in der Organisation wichtig, und vor allem ein nüchternes, konstruktives Verhalten in Konfliktfällen. Streit muss zwischen den Betroffenen geklärt werden und nicht in der Öffentlichkeit.

  23. @Murks: „people in the CCC know about 2007“ – Kannst ja mal da nachfragen … auf der anderen Seite wirkt es, also wäre dies für JA eine sehr wichtiger Punkt, der eben nicht bekannt werden soll …

    @Jörg-Olaf Schäfers|29:
    Auf mich wirkt es von beiden Seiten etwas nach Wichtigtuerei, die ziemlich eskaliert ist. Dies merkt man auch am Sprachstil. Dopplung, Spiegelung, etc.

    Es klingt aber auch so als sei es nicht das erste Mal, aber das es dies mal für die andere Seite gereicht hat …

    Evtl. genügt es ja schon, noch einmal gemeinsam mit einem Moderator die Ziele von WL zu klären und sich irgendwas nicht allzu förmliches in Richtung Qualitätsmanagement und Macht (Benevolent Dictator For Life, etc.) auszudenken (4 Augen, etc.).

    Letztendlich wissen wir alle zu wenig um mitreden zu können und können nur hoffen, dass die Involvierten sich zusammenreißen.

  24. “Webblumenkinder und Assange-Groupies”, “WL- und Assange Fanboys”

    Da vergreifst du dich aber ein bisschen im Ton.

    Findest du? Ich finde die Begriffe mit Blick auf den dokumentierten Irrsinn nicht nur im Heise Forum zurückhaltend und höflich.

    Da gibt es tlw. einen ganz großen digital divide. Und zwar nicht zwischen der „Internetgemeinde“ und den „Internetausdruckern“, sondern bei Anspruch und Realität innerhalb der selbsternannten Informationsgesellschaft.

    Du “glaubst sagen zu können” dass das das nicht seine Art ist und “schätzt” dass er struturelle Änderungen gefordert hat und diese Assange diese vermeintlichen Angriffe “offenbar” persönlich genommen hat.

    Moment mal, nicht so schnell. Die Zusammenfassung der verlinkten Quellen hat wenig bis nichts mit meiner persönlichen Einschätzung von Daniels Art zu tun.

    Was Daniel gesagt und gefordert hat, kann bei news.de, z.T. im Spiegel und – immer noch undementiert – bei Wired.com nachlesen.

    Was Daniel selbst betrifft, siehe Thomas Stadler:

    Ich habe Daniel als durchaus schwierigen, aber engagierten und konstruktiven Gesprächspartner kennengelernt, der die radikaldemokratische Idee von einem möglichst ungehinderten Zugang zu jeglicher Information sehr glaubwürdig und vehement vertritt.

    Das würde ich unterschreiben. Ansonsten: Die netzpolitische Szene in Deutschland ist einfach ziemlich übersichtlich. Daniel hatte im Laufe des letzten Jahres mehrfach mit Leuten zu tun, mit denen ich parallel in anderen Projekten zusammengearbeitet habe und noch arbeite. Ich würde mir zwar nie ein endgültiges Urteil erlauben, für eine erste Einschätzung reicht es imo aber.

    Finde deine Äußerungen also sehr unfair, da es sich in den Kommentaren weitgehend um sachliche Kritik handelt.

    Ich finde eigentlich nicht, dass ich in den Kommentare andere Dinge schreibe, als oben in Blogbeitrag. Auch meine Einstellung zu Wikileaks hat sich im letzten Jahr nicht mehr wesentlich verändert. Die Probleme waren abzusehen. Man musste es nur wollen.

    Vor allem aber sehe ich nicht hinter jedem kritischen Kommentar ein unkritisches Webblumenkind ,)

    @John F. Nebel:

    Solche Bezeichnungen schaden auch zukünftigen Projekten, Forks, Abspaltungen.

    Wieso sollten Sie? Mal davon ab, dass ich zur Zeit (leider?) nicht so recht an einen Fork glaube, macht dieser doch nur Sinn, wenn es dort anders läuft als unter Assange, oder?

  25. @icke:

    ad 1) Ich habe wenig Zweifel, dass wir bald erfahren werden, was 2007 passiert ist. Ich mag da aber nicht mitspekulieren.

    ad 2) Typische Eskalation eines Chatgesprächs. Been there, done that. Die muss man allerdings auch wollen. Im konkreten Fall wollten wohl beide.

    Als geborener Nicht-Diplomat glaube ich nachvollziehen zu können, warum es gelaufen ist, ist es offenbar gelaufen ist (Ich warte ja noch auf ein Dementi ..)

  26. myhead: Das mit der Prominenz ist ein zweischneidiges Schwert, wie man an Wikileaks sehr schön sieht. Durch Konzentration auf eine Plattform schafft man einen Single Point Of Failure.

    Dass Wikileaks tatsächlich Aufmerksamkeit für Themen schafft, ist bisher noch nicht eingetreten. Wer hat die Toll-Collect-Verträge wirklich gelesen?

  27. Herr Schäfers hatte zwar nie direkten Kontakt mit Herrn Domscheit-Berg, er glaubt aber sagen zu können, dass es nicht seine Art sei, ein Gegenprojekt zu gründen. Aha.

    Es wird nicht lange dauern, dann wird es aber soweit sein. Er posaunt es doch jetzt schon hinaus zu jedem, der ihn trifft. Und wir werden es alle wissen, weil er denselben Fehler nochmal machen wird, und zwar, eine Whistleblower-Plattform mit einem Gesicht nach außen zu betreiben.

    Und zur Frage, was 2007 war. Freunde, wie naiv seid ihr denn? Es geht um die sexuellen Vorwürfe, nicht wahr? Das war nämlich nicht das erste Mal.

    1. @Tharben: Was soll denn der Fehler daran sein, eine Whistleblower-Plattform mit einem Gesicht nach außen zu betreiben? Das hat auch einige Vorteile, wie man lange an Wikileaks sehen konnte.

  28. An „einem Gesicht“, im Sinne von Vertreter und Ansprechpartner, sehe ich absolut nichts falsches. Könnten ja sogar mehrere sein. Es darf nur nicht dazu führen, dass eine Person die ganzen Entscheidungen trifft. Aber da sehe ich keinen Automatismus.

  29. Herr Schäfers hatte zwar nie direkten Kontakt mit Herrn Domscheit-Berg, er glaubt aber sagen zu können, dass es nicht seine Art sei, ein Gegenprojekt zu gründen.

    Das schrieb ich nicht. Und es wäre wirklich freundlich, mir nicht auch noch Dinge in den Mund zu legen, wenn du mich schon missverstehen will.

    Oben ging es sehr konkret um die Situation vor 4 Wochen und damit um die Frage, ob Daniel Schmitt den Bruch provoziert habe, um ein Gegenprojekt zu gründen.

    Und genau das kann ich mir nicht vorstellen. Nicht mehr, nicht weniger. Für alles andere fehlt mir die Glaskugel.

    Zum Sprecher siehe Markus. Wobei ich das auch oben schon schrieb: Ich halte transparente Strukturen auf Leitungsebene für essentiell.

    Und zur Frage, was 2007 war. Freunde, wie naiv seid ihr denn? Es geht um die sexuellen Vorwürfe, nicht wahr? Das war nämlich nicht das erste Mal.

    Ach? Isnichwahr! Siehst du, Tharben, genau das ist der Unterschied, auf dem Niveau will ich gar nicht mitspekulieren. Gawker ist nebenan.

    @Annika: Genau das ist der Punkt.

  30. Ne sorry, wikileaks ist ne gute Sache. Assange macht das genau richtig. Würde er sich von jedem Zweifler abhalten lassen würde die Wahrheit nie raus kommen. Es ist ein echter Witz wenn die Massenmedien jetzt schreiben das wäre ja so gefährlich. Würden die ihren Job richtig machen bräuchten wir Wikileaks überhaupt nicht.

  31. Das finde ich so unfassbar traurig. Aber vielleicht wäre es wirklich besser, wenn es andere populäre Plattformen wie Wikileaks geben würde, damit die Macht, die Wikileaks zweifellos hat, auf mehrere Hände verteilt ist – wie Markus in DRadio Wissen angedeutet hat.

    @Jo (#40)

    So ziemlich alles, was dieser „Tharben“ (#37) schreibt, ergibt für mich keinen Sinn. Vielleicht wäre es ratsam, Unsinnskommentare, auch und gerade von „Tharben“, zu ignorieren.

    Ich nehme für mich in Anspruch, dass meine Kommentare zumindest einen Sinn ergeben, ungeachtet dessen, ob man ihnen inhaltlich zustimmt.

  32. @(anderer) Tharben: Natürlich ergibt der Trollversuch deines Stalkers keinen Sinn.

    Gerade deshalb mag ich ihn aber auch nicht unkommentiert stehenlassen.

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