Whistleblower: NSA hat gesamte US-Telekommunikation abgehört

Dass die US-Spionagebehörde NSA die Kapazitäten hat, Telekommunikation im großen Maßstab abzuhören, ist spätestens seit den Berichten über das Abhörnetzwerk Echelon bekannt. In den USA ist das auch kein Problem, solange keine US-Bürger damit überwacht werden. Nun hat sich ein Whistleblower gemeldet, der ehemalige NSA-Analyst Russell Tice. Dieser wurde von MSNBC interviewt und das CTRL-Blog hat kurze Sätze zitiert und übersetzt:

“Die NSA hatte Zugang zu jeglicher Kommunikation. (…) Faxe, Telefonate, Kommunikation per Computer”, so Tice im Interview mit dem US-Nachrichtensender MSNBC. […] Informant Tice sagte weiter, dass in einigen Fällen die Kommunikationsinformationen sogar mit Kreditkarteninformationen oder anderen Bankdaten verknüpft wurden. In den meisten Fällen hätten die betroffenen Personen keinerlei Verbindung zu terroristischen Organisationen gehabt, so dass die Überwachung unrechtmäßig gewesen sei.

Hier ist das Video des Interviews:

Hier klicken, um den Inhalt von www.msnbc.msn.com anzuzeigen

Mehr Informationen gibt es im Wired-Blog Threat-Level.

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12 Ergänzungen

  1. Krass – einfach krass. In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl so langsam in einem ScienceFiction Film zu leben, weil immer mehr der düsteren Szenarien sich real umsetzen!

  2. Krass ist weniger das abehört wurde, sondern wie lange so etwas unbemerkt von statten gehen kann und man quasi erst durch Zufall davon erfährt. Das die NSA abhört kann nicht wirklich eine Überraschung sein, das haben sich die meisten eh gedacht. Das Ausmaß ist natürlich interessant, vor allem vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen.

    Wenn man jetzt bedenkt das die Whistleblower in solchen Fällen nicht ale Informationen sagen können/wollen (wie im obigen Fall), weil sie vielleicht Konsequenzen befürchten, dann erscheinen Schäubles Träume von der Aushebelung des Informatenschutzes in neuem Licht.

  3. Interessent hierbei ist vor allem die Tatsache das diese Systeme in der Lage sind große Datenströme zu analyiseren.

    Im Ernstfall wäre es dann sicherlich möglich auf basis der bestehenden NSA Infrastruktur ein Zensurnetz aufzubauen das die Datenkommunikation der Bürger in Echtzeit überwacht und sobalt verdächtieg wörter gefunden werden wird der Datestrom halt gespeichert.
    Sollte auch mit einer Audio zu Text software einfachsein Audiokommunikation als Text in einer Datenbank abzulegen das kostet nicht soviel Speicherplatz.

    Vornehmlich werden solche Überwachungsnetze sicherlich zur Industriespionage verwendet.

    Nur noch eine Frage der Zeit bis diese Systeme so weit sind das sie den Datenstrom aller Internetnutzer inc Echtzeit auf Urheberrechtzverletzungen oder andere illegale Inhalte analysieren können um dann sofort gegenmaßnahmen wie Filterung oder Sperrung des Internet Anschlusses in die Wege zu leiten.

  4. Die NSA betreibt doch mit Ihrem Echelon Anlagen
    in Europa schon von Anfang an systematische Industriespionage.
    Alles was für die USA von Wert oder Nutzen ist oder sein könnte egal ob Rüstung, Luft- und Raumfahrt oder was auch immer, alles wird erstmal geklaut, die scheren sich einen Dr**k um solche nichtigkeiten wie Regeln und Gesetze, die gelten ja immer nur für die anderen.
    Die korrupten Polit-A****kriecher in der EU lassen die gewähren, es sind ja „Freunde“,
    die USA haben keine Freunde sondern nur Konkurrenten.
    Aber wenn interessiert dass schon.

  5. Hier auch noch Links zu den Transkripten der beiden MSNB-Sendungen, in der der Whistleblower Russell Tice interviewt wurde:

    1. Interview bei MSNBC:
    http://www.msnbc.msn.com/id/28794766/

    2. Interview bei MSNBC:
    http://www.msnbc.msn.com/id/28817572/

    Russell Tice hatte bereits 2005 auf illegale Aktivitäten des NSA aufmerksam gemacht und gesagt, dass die NSA die Fähigkeit habe, Millionen von US-Bürgern quasi auf Knopfdruck abzuhören. Tice wurde jedoch von den US-Behörden anscheinend massiv unter Druck gesetzt und durfte sogar vor Untersuchungsausschüssen des Kongresses nicht alles sagen, was er wusste. Später gab es Untersuchungen gegen ihn wegen Geheimnisverrats. Sein Job bei der NSA war er logischerweise sofort los als er damals anfing innerhalb der NSA unziemliche Fragen zu stellen. Jetzt unter Obama hofft Tice anscheinend, nicht mehr so schnell mundtot gemacht zu werden. Tice ist also allem Anschein nach kein Spinner, sondern ein echter Whistleblower.

    Umso surrealer erscheint mir, dass kaum Medien bislang über diesen ruchbar werdenden Skandal, der Watergate um das Millionenfache in den Schatten stellen würde, berichten.

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