Öffentlichkeit

Was Kühe mit dem Netz zu tun haben

Jörg Tauss bloggt ja gerade mehr oder weniger auf Abgeordnetenwatch frei von der Leber und da kommen teilweise amüsante Artikel bei heraus. Wie zum Beispiel dieser, wo er das mit den Kühen und dem Internet erklärt:

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Kein (SPD-) MdB kaeme z.B. auf die Idee, zum Gespraech auf einen Bauernhof zu fahren, ohne sich vorher etwas ueber die Milchquote oder dergl. anzulesen oder wenigstens aufschreiben zu lassen. Unter „Internet“ koennen sich aber eben viele immer noch weniger vorstellen als unter einer Kuh. […] Ein Kollege hat mir jetzt tatsaechlich geschrieben, er verstehe mich ueberhaupt nicht, wegen „dem bisschen Freiheit“ im Internet die SPD verlassen zu koennen. Dieses Zitat belegt, wie weit die handelnde gesetzgeberische Generation tatsaechlich vom Problem weg ist und keinerlei Sensibilitaet dafuer entwickelt hat, was der systematische technische Aufbau von Zensurinfrastruktur fuer einen freien Staat tatsaechlich bedeuten kann oder bedeutet.

Lesenswert.

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29 Kommentare
  1. Das bisschen Freiheit, ist doch halb so wild, sagt Dörmann
    Das bißchen Zensur, kann so schlimm nicht, sagt Dörmann
    Wie die Community sich überhaupt beklagen kann,
    ist unbegreiflich, sagt mein Dörmann.

    Das bißchen Filtern ist doch halb so wild, sagt Dörmann,
    was für die Überwachung ganz genauso gilt, sagt Dörmann.
    Wie die Generation von heut darüber stöhnen kann,
    ist ihm ein Rätsel, sagt Dörmann.

    Und was Dörmann sagt, stimmt haargenau,
    ich muss das wissen, ich bin ja nur ein DAU.

    Das bißchen Porno ist doch kein Problem, sagt Dörmann.
    Erledigt die Debatte auch noch ganz bequem, sagt Dörmann.
    Wie ein Freiheitlicher von heut da gleich verzweifeln kann,
    ist nicht zu fassen, sagt Dörmann.

    Und was Dörmann sagt, stimmt haargenau,
    ich muss das wissen, ich bin ja nur ein DAU.

    Ein bißchen Profilierung, oh wie wohl das tut, sagt Dörmann.
    KiPo verstecken ist für das Wahlergebnis gut, sagt Dörmann.
    Wie Parteimitglied von heut das nicht begreifen kann,
    ist unverständlich, sagt Dörmann.

  2. Wen verwundern solche Aussagen noch?
    Ein großer Teil unserer Abgeordneten gehört der Generation 50+ an.
    Viele von denen sind mittlerweile zufrieden, ihr Handy verstanden zu haben und dann so etwas – Internet – noch mehr womit man sich beschäftigen muss.
    Ich hoffe nur das einige nach den kommenden Bundestagswahlen aufwachen und feststellen, das es noch ein Medium mehr als am Markt gibt, welches nicht Partei-gebunden gesteuert werden kann. Machen wir uns nichts vor.
    Freie Meinungsäußerung findet in den großen Verlagen doch kaum noch statt. Der Jungredakteur möchte ja nicht seiner Karriere im Weg stehen, wenn er kritisch über die Partei seines Chefredakteurs berichtet.

  3. Habe den Beitrag bei Abgeordnetenwatch schon gestern entdeckt und finde ihn auch sehr lesenswert. Sehr offfen geschrieben – was ich gut und aufklärend finde.

  4. Meine persöhnlich Top-Antwort der Woche.
    Da hat es Herr Tauss einfach mal auf den Punkt gebracht.

    Eben noch gefunden:
    „…Rupert Scholz und mit ihm die Partei, die er repräsentiert, stehen für diese Welt der Zurückgebliebenen. Wir nennen sie Alte Männer mit Kugelschreibern oder Internetausdrucker. Wir wissen nicht, wie wir mit ihnen reden sollen und wie wir ihnen unsere Welt erklären sollen, und wir hoffen, daß es eine biologische Lösung für dieses Problem gibt…“

    Quelle: http://blog.koehntopp.de/archives/2518-Falscher-Planet,-falsches-Jahrtausend.html

    Das waren auch meine Gedanken, als ich die Ausgabe von „Unter den Blinden“ gesehen habe.

  5. „Ein großer Teil unserer Abgeordneten gehört der Generation 50+ an.
    Viele von denen sind mittlerweile zufrieden, ihr Handy verstanden zu haben und dann so etwas – Internet – noch mehr womit man sich beschäftigen muss.“

    Ich erlaube mir mal eine Gegenposition. Wer heute 50 ist, war zu der Zeit, als Handys und das Internet aufkamen, um die 30 und damit jung genug, um offen für diese Technologien zu sein. Möglicherweise ist das Alter nicht wirklich die Ursache. Ich weiß, dass viele jüngere MdBs ganz scharf auf manche Technikspielzeuge sind: iPhones und (als die Dinger aufkamen) Handhelds und schicke Laptops.

    Hinzukommt, dass es ja in den Bundestagsfraktionen auch eine ganze Reihe von Leuten um die 40 oder jünger gibt. Auch die haben (sofern Union oder SPD) schlicht dafür gestimmt. Das Alter kann es nicht sein.

    Zum Zweiten: es geht bei der Netzzensur ja um das allgemeine Thema Bürgerrechte. Dafür muss man vom Internet nicht viel verstehen, um das zu kapieren (ich bin z.B. technisch absolut kenntnisfrei). Und es zeigt sich doch, dass die Sozen und die Union auch bei anderen Fragen der Bürgerrechte alles abnicken, was sich die Bundesregierung so ausdenkt.

    Das Problem muss viel tiefer liegen. Es gibt bei den Volksparteien einfach keine Sensibilität für das grundlegende Problem.

  6. @TomD

    Genau so ist das. Es gibt auch Abgeordnete aus meiner Generation (ich bin Jahrgang 71), aber genutzt hat es nix. Es gibt einfach in der SPD-Fraktion keinen, der konsequent für Bürgerrechte eintritt.

  7. Ich muss mich da Milo anschließen. So einfach kann die Sache nicht sein. Wer war noch mal die dusselige Kuh, die das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl frühzeitig in die Welt getwittert hat? Und wie hat die wohl neulich gestimmt?

    Und kann sich noch jemand an die 70er und 80er erinnern? Als man mir immer mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung kam? Als Regierungen eine Abfuhr vom Verfassungsgericht noch als blamabel ansahen?

    Ich weiß nicht, was es ist, aber das Alter scheint mir als Erklärung zu einfach zu sein.

  8. Die Verweise auf das hohe Alter der Abgeordneten ist wirklich Amüsant, es gibt sehr viele Jüngere die da auch mitgestimmt haben. Es sind schlichte Dummheit und Geldgier und immer wieder und immer wieder geschürte Angst, die da regieren. Und da diejenigen die Angst verbreiten wissen, dass es mit der Bildung der Abgeordneten nicht weit her ist, funktioniert es ganz ausgezeichnet. Wissen, das ist das einzige Mittel auf das wir zugreifen können.

  9. Excellenter Blogeintrag vom Herrn Tauss
    ehrlich und so offen :),
    er spricht mir (und allen Anderen, die
    wissen, was ein Browser ist) aus der seele.

  10. Interessante Einblicke in das Innenleben seiner früheren Fraktion und Partei, die Herr Tauss da liefert!
    Ich fürchte auch, dass bei den Sozen und der Union schon lange keine Bürgerrechtspolitiker mehr gibt. Herr Dr. Wiefelspütz ist jedenfalls keiner.
    Und das Virus greift um sich: Ich hab‘ mir nochmal die Abstimmungsliste angesehen. Bei Grünens hat zum Beispiel auch der Abgeordnete Volker Beck, der sich sonst für alle Mühseligen und Beladenen einsetzt, an der Abstimmung nicht teilgenommen.

  11. Genauso wenig wie das Alter sollte „Dummheit“ als ausrede vorgeschoben werden.

    Ich gehe davon aus, dass man um Abgeordneter (oder gar Ministerin) zu werden, eine ordentliche Portion Intelligenz benötigt.

    Das traurige daran: Wenn „Senilität“ und „Dummheit“ ausscheiden, bleibt doch eigentlich nur noch „Vorsatz“, oder?

  12. Toll, Arne, jetzt hab ich Augenkrebs, weil ich 50 cm von meinem 24 Zoll TFT wegsitze und nichtsahnend den Twitterlink von Münte angeklickt habe.

    Ich glaube, ich werde nie wieder in meinem Leben „rot“ sehen können.

    Zum Thema:

    Das zeigt doch leider sehr deutlich auf, was uns da eigentlich regiert. In der Masse Poltiker, im Grundsatz tief in den 90ern verhaftet, und nicht in der Lage, auf „ungreifbare“ Dinge wie das Internet reagieren zu können.
    Die Erkenntnis darüber, was das Internet ist, wird bei den meisten wohl irgendwann für offene Münder sorgen.

    Das Internet bin ich, bist du, sind wir alle. Und das läßt sich in kein Schema pressen, nicht den Mund verbieten, nicht auslöschen, ausblenden, mit Stopschildern verstecken.

    Und wer das nicht verstehen will und kann, tja…

  13. „Kein (SPD-) MdB kaeme z.B. auf die Idee, zum Gespraech auf einen Bauernhof zu fahren, ohne sich vorher etwas ueber die Milchquote oder dergl. anzulesen oder wenigstens aufschreiben zu lassen.“ … Allerdings kämen auch die wenigsten (SPD-) MdBs auf die Idee, KiPo zu sammeln (selbstverständlich nur zu Recherchezwecken…)

  14. „Eigentor SPD: Müntefering twittert zurück “das ist schlechter Stil. Die Ausführungen entbehren jeder Grundlage. Die SPD ist und bleibt internetfit!”“

    Das Eigentor besteht meiner Meinung nach darin, dass sie internetfitten Internetsperrfreunde dann offenbar genau wussten, was sie taten. Wären sie nur unwissend gewesen, hätte man das vielleicht noch verzeihen können. Aber wer bewusst eine Zensurinfrastruktur errichtet…

  15. Im Übrigen ist die beschrieene Ahnungslosigkeit der Politiker schon fast eine gefährliche Verharmlosung.

    Denn um zu begreifen, dass man die Sperren auch für andere Zwecke verwenden kann, muss man keine Ahnung vom Internet haben. Und um die Gefahr zu erkennen, die in der Betrauung des BKA liegt, die sperrwürdigen Netzinhalte zu bestimmen, kann man auch ohne jede technische Kenntnis erkennen.

    Man muss schon kreuzblöd sein, um diese Probleme zu übersehen. Gerade Leute, die von Berufs wegen die Mechanismen unserer Demokratie kennen, sollten hier sensibel sein.

    Ich denke daher, dass Tauss sich zum Teil irrt. Seine Ex-Kollegen haben ein fundamentales Problem in Sachen Bürgerrechte und absolut gar keine Sensibilität für deren Gefährdungen.

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