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USA bekommen Olympiade nicht – wegen der Einreisekontrollen?

Man kann ja über so ein Monster-Ereignis wie eine Sommer-Olympiade denken was man will. Jedenfalls hat das nicht nur tolle Nebenwirkungen, sondern führt oft zu Verdrängungseffekten im städtischen Raum, zu merkwürdigen Bauprojekten und zu polizeilichen Sonderbefugnissen, die oft hinterher auf permanent umgestellt werden. Insofern sind die Einwohner von Rio de Janeiro nicht zwingend dafür zu beneiden, dass die Sommerspiele 2016 dort stattfinden werden.

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Die Vermutungen der New York Times zur Frage, warum der Gegenkandidat Chicago trotz hohem Einsatzes nicht ausgewählt wurde, sind aber auf der anderen Seite dann doch ein Grund für Schadenfreude aus Bürgerrechts-Sicht: Die Einreise-Prozeduren in die USA sind einfach zu harsch.

Did Chicago lose the chance to host the 2016 Olympics because of airport security issues?

Among the toughest questions posed to the Chicago bid team this week in Copenhagen was one that raised the issue of what kind of welcome foreigners would get from airport officials when they arrived in this country to attend the Games. Syed Shahid Ali, an I.O.C. member from Pakistan, in the question-and-answer session following Chicago’s official presentation, pointed out that entering the United States can be “a rather harrowing experience.”

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11 Kommentare
  1. Ich denke, das alles spielt keine Rolle. Chicago hat es unter die letzten 4 geschafft, da der IOC korrupt ist.

    Anders wären die nur unter ferner liefen gelandet. Die Spiele waren schon 2002, 1996, 1984 und 1980 in den USA und noch nie in Südamerika.

    Vielleicht hat da endlich mal die Vernunft über Coca-Cola gesiegt.

  2. Man kann wohl nur spekulieren ob das wirklich ein Grund gewesen ist… nichtsdestotrotz liest es sich so gut dass man es wohl gerne wahrhaben moechte.

    Bis zu den Spielen waere es im Uebrigen noch schlimmer geworden: Die USA planen eine Einreisegebuehr (~ $10) fuer Touristen.

    Da wuerde sich jeder etwaige Olympia Besucher sicherlich ausserordentlich wohl und willkommen fuehlen.

  3. Der viel beschworene reiheitliche Geist der USA war auch in den Sechzigerjahren eher ein Randgruppenphänomen, das zeitweilig den Mainstream befruchten konnte. Damals wehte der Zeitgeist Richtung sozialer Utopien und freiheitlicher Solidaritätsvorstellungen, heute hoppeln die Lemminge Karriere-Entwürfen hinterher, die egoman auf Selbstverwirklichung abzielen und eiskalt auf Prinzipien des gegenseitigen Ausstechens begründet sind. Hätte es den ganzen Sicherheitswahn internationaler Regierungen gegeben, wenn am 11. 9. Menschen in einem US-Ghetto umgebracht worden wären – und eben nicht in den arrogant aufragenden Zwillingstürmen treue Untertanen und Globaldiktatoren des Weltfinanzsystems?

    Es wäre ja geradezu amüsant, wenn die US-Wirtschaft zu Kenntniss nehmen müsste, dass an Geheimverhöre und an die alte Sowjetunion gemahnende Einreiseprozeduren vielleicht geeignet sein mögen, die im Kern getroffene Wohlstandsgesellschaft trügerisch in Sicherheit zu wiegen, gleichzeitig aber eine erhebliche Finanzbremse darstellen.

    Und dass US-Amerikaner vereinzelt schon gemerkt haben, dass sie weltpolitisch nicht mehr die erste Geige spielen, das gibt immerhin Grund zur Hoffnung, dass es irgendwann auch Amerikaner lernen könnten, sich besser in internationalen Absprachen um tatsächliche Probleme der Welt zu kümmern, statt endlos den Herrenmenschen zu geben, der sich befugt wähnt in Angriffskriegen barbarisch in souveräne Staaten einzufallen und jahrelang deren Bevölkerung zu terrorisieren.

    Dankbar bin ich dafür, dass es überraschend viele Menschen gibt, die meine Meinung teilen freiwillig in kein Land einzureisen, das Millionen von Mitmenschen auf geheimen Verdachtslisten angeblicher Gefährder führt, das im Ausland ebenso Leute in folternde Drittländer entführt, wie es im Inland noch immer zielstrebig daran arbeitet, ein kafkaeskes Panoptikum totaler Überwachung zu perfektionieren.

    Freiheit ist es, die in Wirklichkeit bekämpft werden soll.

    Die Märkte brauchen angepasste Lakaien, keine mündigen Bürger, die unnachgiebig und konsequent auf ihren Rechten beharren.

    1. @ killergeneration

      Die werden noch einige Jahre lang nichts an ihren paranoiden \Sicherheitsgesetzen\ ändern, ist mir schon klar. Die Gewöhnung daran tut ihr Übriges, dass es in – sagen wir fünf Jahren – kein Schwein mehr kümmert, ob einzelne Gesetze nachträglich zu entschärfen sind.

      Die Gesellschaft gewöhnt sich an ihre Fesseln. Manchmal sind es Machthaber, die ihr diese Fesseln anlegen, viel öfter ist es eine Mehrheit der Bürger selbst, die aus der politischen Verantwortung in flachen Konsumismus flüchten: Konsumismus eines Lifestyle, Konsumismus \politisch korrekter\ Meinungsmache durch die Leitwölfe.

      Aber solange wir Alle unsere Handys haben, die gleichen Jugendkultur-Uniformen bei H&M kaufen, uns irgendwie noch über Gadgets freuen können, obwohl uns die Infantilisierungs-Umerziehung durch \böse\ Medien eigentlich suspekt sein müsste (sind wir doch smarte Rebellen mit Infotainment-Overkill unter dem Surfbrett), solange die Krise also nur die Auspolsterung der Geldbörse betrifft, wir aber im Geiste immer noch bemitleidenswert brave Konsumkinder einer zuckersüßen Warenwelt sind, fällt es den Entscheidungsmächtigen leicht, Feindbilder der Unterdrückung in China oder im Iran zu entwerfen.

      Wieviel Freiheit hast Du aber noch?

      Ist die Kontrolle und Steuerbarkeit unserer Gesellschaften nicht ungleich größer und bedrückender, weil es im (globalen) Westen keine Unterdrückung gibt, sondern nur \Sachzwänge\, \politische Notwendigkeiten\, die Pflicht zur mehrheitsfähigen Meinung (will man seinen gesellschaftlichen Status behalten), und über allem natürlich \das System\, dem Jeder dient, weil es andernfalls \ohnehin ein Anderer machen würde\?

      http://community.zeit.de/user/jens-fabian-neldner/beitrag/2009/06/02/horror-vacui

  4. Ich bin gern kleinlich: Die Olympiade ist der vierjährige Zeitraum zwischen der Eröffnung zweier aufeinanderfolgender Olympischen Spiele.

    Es muss also heißen: „USA bekommen Olympischen Spiele nicht – …“

  5. sport inside (WDR) hat gerade über die Vergabe der Olympische Spiele berichtet. Als Argumente wurden u. a. genannt:
    – Es sind die ersten Spiele in Südamerika überhaupt.
    – Ähnliche Zeitzone wie USA, d.h. trotzdem hohe US TV/Werbe-Einnahmen
    – Das Olympische Komitee der USA ist sehr unbeliebt, da aufgrund alter langfristiger Verträge die Hälfte der Einnahmen an das US Olympische Komitee gehen, selbst wenn die Spiele nicht in den USA stattfinden.

    http://www.wdr.de/tv/sport_inside/sendungsbeitraege/2009/1005/rio.jsp

  6. Insofern sind die US-Amerikaner um ihre (Vorgänger- und diese) Regierung auch nicht zu beneiden. Aber: You get what you pay for.

    @killergeneration: nein, ganz gewiss nicht.

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