Auf dem 26. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Club in Berlin hat gestern das Transparenz-Projekt Wikileaks.org eine Reformidee für Island präsentiert. Der Staat ist in Folge der Finanzkrise beinahe Pleite. Auf Wikileaks wurden im Sommer detaillierte Informationen publiziert, welche Staatsbürger Islands für die Pleite mitverantwortlich sind und mit Insiderinformationen kurz vor dem Zusammenbruch von isländischen Banken rund fünf Milliarden Dollar außer Landes geschafft haben. In dem kleinen Staat mit rund 300.000 Einwohnern, wo fast jeder jeden kennt, waren das brisante Informationen, die Transparenz geschaffen haben.
Wikileaks.org erhielt daraufhin in Island eine Menge Aufmerksamkeit und die beiden Projekt-Mitarbeiter Daniel Schmidt und Julian Assange wurden vor wenigen Wochen in die bekannteste TV-Show des Landes eingeladen, um über ihr Projekt zu reden. Vorher kam ihnen eine Idee: Warum nutzt Island nicht die Krise des politischen Systems und erfindet sich neu? Die Idee eines Datenfreihafens entstand, eine Art “Schweiz für Bits”. Warum nicht die besten Gesetze aus verschiedenen Staaten zusammen mixen und eine neue gesetzliche Grundlage für ein digitales Island schaffen?
Aus Belgien könnte man Gesetze zum Schutz von Journalisten nehmen, aus Schweden die bewährten Gesetze, die Provider nicht für Inhalte verantwortlich machen und aus den USA den ersten Verfassungsgrundsatz, der die Meinungsfreiheit schützt. Diese Normen würden gute Vorlagen bieten und wären in der Praxis schon erprobt. Alles zusammen schüfe einen Rahmen, der Transparenz und Informationsfreiheit verbindet. Die reichhaltigen lokalen Energie-Ressourcen böten dazu die die Möglichkeit, einen solchen Datenfreihafen, der viele Rechenzentren braucht, auch noch ökologisch zu betreiben.
In der TV-Show präsentierten die beiden live ihre Idee, die viel mediale und politische Aufmerksamkeit nach sich zog. Mittlerweile arbeiten Juristen an einer Gesetzesvorlage, die schon Ende Januar präsentiert werden soll. Die Idee, Island zu einem weltweiten “data haven” zu machen, ist nicht neu, auch die dortige Regierung hat entsprechende Überlegungen bereits angestellt. Das politische Klima könnte nun dafür sorgen, dass sie Realität wird, wie Wikileaks optimistisch analysiert. Zumindest aber sollte es genutzt werden, finden die Macher. Ihr Motto: “Never waste a crisis.”
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33 Kommentare zu „Island zum Datenfreihafen machen“
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Island zum Datenfreihafen machen : netzpolitik.org…
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Das wäre doch mal eine klasse Sache!
würde ich mir generell für mehr Länder wünschen. Und natürlich emhr digitale Offenheit anstatt stupides Abbllocken seitens der Politik.
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Neal Stephenson hat schon die Nerds zum Cyberspace inspiriert. Wäre echt cool wenn auch diese Idee aus dem Cryptonomicon Realität werden würde.
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Funktioniert genau so lange, bis Island in der EU ist. Und das ist absehbar.
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„Warum nutzt Island nicht die Krise des politischen Systems und erfindet sich …“…
Warum nutzt Island nicht die Krise des politischen Systems und erfindet sich neu? Die Idee eines Datenfreihafens entstand, eine Art “Schweiz für Bits”. Warum nicht die besten Gesetze aus verschiedenen Staaten zusammen mixen und eine neue gesetzliche Gr…
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Island zum Datenfreihafen machen…
Von Markus | netzpolitik.org | – Auf dem 26. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Club in Berlin hat gestern das Transparenz-Projekt Wikileaks.org eine Reformidee für Island präsentiert. Der Staat ist in Folge der Finanzkrise…
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Die Idee lässt sich sicherlich auch hervorragend wirtschaftlich nutzen. Schließlich müssen Rechenzentren gewartet werden.
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Musste auch direkt ans Cryptonomicon denken. Aber die beiden haben das schon recht überzeugend begründet auf dem 26C3
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Das muss der Bundeshorst gemeint haben, als er davon sprach, dass man die Krise auch als Chance begreifen müsse.
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[…] Kommentare Tharben bei Island zum Datenfreihafen machenMatthias bei Island zum Datenfreihafen machenKritiker bei Island zum Datenfreihafen machenHalconnen […]
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Das wird die EU aber nicht gerne hören.
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Ich wäre schwer beeindruckt, wenn die das wirklich umsetzen
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[…] Infrastruktur für einen freien Zugang zu Daten zu schaffen. und Mehr dazu kann man z.B. bei netzpolitik.org […]
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Der 5‑Milliarden-Beschiss war übel, aber das Projekt klingt klasse!
Wäre super wenn das klappt, auch wenn das total im Gegensatz zu den demokratischen Grundordnungen von den USA und der EU steht. ;)
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[…] und Providern in Deutschland. Die Wikileaks-Macher planen unter anderem, in Island einen Datenhafen zu gründen, der die Verfügbarkeit der geleakten Dokumente sicherstellen soll – aus naheliegenden […]
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Da kann ich @11 nur beipflichten. – Island will doch in die EU und dann werden zack-zack Richtlinien umgesetzt.
Bin gespannt wie standhaft die Isländer dann sind. Oder anders herum, ob sich das EU-Parlament vllt mal was traut und sich dann an isländischer Gesetzgebung orientiert?
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@Simon:
Die USA und EU haben demokratische Grundordnungen…?
Ach ja stimmt… hatte ich schon ganz vergessen ;)…
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Dann kommen van der Leyen und Co. und hacken die Seekabel durch.
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[…] Island zum Datenfreihafen machen : netzpolitik.org Auf dem 26C3 in Berlin haben die Leute von Wikileaks einen vielbeachteten Vortrag gehalten, der mit gebührendem Applaus beachtet wurde. Die Aufzeichnung sollte bald verfügbar sein. Eine sehr frische Idee die dort vorgestellt wurde ist, im krisengeschüttelten Island eine Art Freihafen für Daten zu errichten und so die Krise zu nutzen, etwas vollkommen neues auf die Beine zu stellen. Markus Beckedahl hat das mal kurz und prägnant zusammengefasst, vielleicht verlinkt er dort noch die Aufzeichnung des Vortrags? (tags: wrb Wikileaks Transparenz) […]
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[…] CCC: Island zum Datenfreihafen machen…Netzpolitik […]
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[..] Nach den heftigen Auswirkungen der Finanzkrise auf Island gibt es offenbar ernsthafte Überlegungen, die Krise zu nutzen und das Land zu einer Art Datenfreihafen zu machen. [..]
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[…] Ebenfalls im Rahmen der 26C3 wurde das Projekt von Wikileaks.org vorgestellt, wie Island aus der Finanzkrise profitieren könnte. Zusammengefasst hat dies netzpolitik.org: Island zum Datenfreihafen machen […]
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[…] im 21. Jahrhundert in der Welt positionieren könnten – wie beispielsweise die Idee des Datenfreihafens Island – beherrscht das übliche, kulturpessimistische Klein-Klein die politische Bühne: […]
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[…] (via Netzpolitik.org) […]
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[…] Die Idee des Datenfreihafens ist schon Jahre alt – in Zeiten der Krise könnte aus ihr nun endlich Wirklichkeit werden. Island ist der neueste Kandidat dafür, glaubt man den Projektmitarbeitern von Wikileaks, wie Markus Beckedahl berichtet. […]
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Aus Isländern werden dann Indianer… und Island kommt auf die graue Liste…
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[…] Netzpolitik.org erklärt, das Prinzip: Warum nicht die besten Gesetze aus verschiedenen Staaten zusammen mixen und eine neue gesetzliche Grundlage für ein digitales Island schaffen? […]
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Eine Art „Schweiz für Bits“? – Ich dachte in letzter Zeit immer öfter negative Kommentare über das schweizer Bankgeheimnis und seine Rolle bei Korruption und Finanzkrise gehört zu haben. Oder worauf, wenn nicht auf das Bankgeheimnis bezieht sich die Aussage?
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[…] A Harbor of Democracy – the Northern Light
All over the world governments try to silence the press and their citizens. But in the Republic of Iceland the leaders make a pact with its voters. Free press – Free information – free citizens.
The “Wikileaks bill” or “Island 2010 Act” is something like the first step to the second Age of Enlightenment: Combining some laws of Sweden, Denmark and Holland the northern island will be the first nation where the press and its whistle-blowers are protected by a special bill. Iceland is becoming the first “free-port for information”.
Everything started in spring 2009.
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[…] von Wikileaks die Idee präsentiert, Island zu einem “Datenfreihafen” auszubauen (wir berichteten). Die Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags gibt es mittlerweile in sieben Teilen auch bei […]
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[…] Idee verkündet, die man gemeinsam mit Aktivisten und Politikern aus Island entwickelt hatte: Island zum Datenfreihafen machen. Die Idee nimmt nun konkrete Züge […]
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[…] für Bits”? Wikileaks-Vortrag zum Datenfreihafen Island (Video). 28. Dezember 2009: Island zum Datenfreihafen machen. var flattr_wp_ver = ‚0.9.10′; var flattr_uid = ‚10056’; var flattr_url = […]
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[…] war vor einiger Zeit, so um Wikileaks hreum, schonmal ein großes Thema, als es darum ging Island zu einem Datenfreihafen zu machen. Jetzt gibt es wohl Pläne eine Verfassung durch Crowdsourcing zu […]
Dieser Artikel ist älter als 16 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.