Demokratie

Interview zu politischen Podcasts

Für einen Beitrag über Podcasts in der kommunalen Politik bin ich zu meinen Podcasts und meinen Einschätzungen gefragt worden. Da die Antworten etwas ausführlicher wurden, kann ich sie auch gleich hier mal posten:

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Frage: Seit wann gibt es Netzpolitik TV auf netzpolitk.org? (ist jetzt die 41. Folge, oder?)

Antwort: Den ersten Audio-Podcast gab es 2005, der erste Video-Podcast (TV) kam wohl 2006. Aktuell ist beim TV die Folge 41. Ein paar Interviews liegen noch auf dem Rechner und kommen die nächsten Wochen online.

Frage: Kannst Du mir Nutzungszahlen/ Feedbacks nennen?

Antwort: Da wir aus Datenschutzgründen nicht soviel tracken, kann ich zu den allgemeinen Feed-Nutzerzahlen nicht soviel sagen. Ich verfolge nur die Datei-Abrufe und auch hier gibt es kein einheitliches Bild. Im Monatsvergleich wird der Audio-Feed viel häufiger heruntergeladen als der TV-Feed. Während manche Folgen mehr als 10.000x abgerufen worden sind (Den Beitrag mit den Kinderreportern gleich 300.000x, aber der war ja von der ARD und ich hab ihn nur ins Netz gestellt), sind andere Folgen nur bis zu 500x über einen längeren Zeitraum abgerufen worden. Die Unterschiede sind einerseits mit der Sprache begründet, manche englischsprachigen Folgen gehen international sehr gut und werden häufig irgendwo eingebunden, manchmal sind es aber auch zu sehr Special Interest Folgen, die nicht soviele interessieren. Gleichzeitig gibt es eine starke Korelation, ob ein Interviewpartner bekannt ist, also einen Namen hat, oder unbekannt ist. Das ist eigentlich schade, weil es die Mainstream-Theorie etwas bestätigt und oft die Unbekannten aus meiner Sicht die spannenderen sind.

Frage: Worauf kommt es Euch an? Warum habt Ihr Euch entschieden, Videos zu produzieren (neben dem Blog und allem anderen?) Wen erreicht man damit?

Antwort: Einerseits spielte da klar etwas Hacker-Mentalität eine Rolle: Weil wir es können. Es hat schon etwas Charme, wenn man auf einmal einen eigenen Fernsehkanal hat. Und einen Fernseh- oder Radiosender zu besitzen war noch nie so einfach wie heute. Mittlerweile ist meistens die Produktionslinie, dass wir Beiträge auf Video aufnehmen und daraus anschliessend auch Audio-Dateien machen. Die Nutzer können selbst bestimmen, ob sie einer Folge mit dem Ohr oder gleichzeitig auch noch mit den Augen folgen wollen. Bei den Audio-Podcasts ist das Feedback oft, dass Nutzer ihn beim aufräumen oder reisen hören. Die Video-Beiträge werden auch im Büro geschaut, wenn sie nicht lang sind, bzw. tatsächlich als Fernsehersatz zuhause am Rechner oder in der Bahn.

Generell kommt es uns bei den Netzpolitik-Podcasts darauf an, tiefere Einblicke in Politikfelder bzw. Fragestellungen einer digitalen Gesellschaft zu geben, die in kurzen Artikeln nicht ausreichend rüberkommen. Wir geben Experten die Möglichkeit, ausführlicher zu argumentieren, als in den klassischen 15 Sekunden, bzw. zwei Sätzen Zitat. Und damit sind die Podcasts auch ein wenig Weiterbildung für die Hörer/ Zuschauer.

Frage: Hat das Fernsehen ausgedient? Was sind Deiner Meinung nach die Vorteile von Video-Podcasts?

Antwort: Video-Podcasts und Video-Plattformen sind momentan noch eine sehr gute Ergänzung zum Fernsehen. Die Nutzer können selbstbestimmt bestimmen, wann und wo sie die Folgen anschauen können. Dieses Nutzerverhalten und die zunehmende Konkurrenz durch mehr Medienvielfalt wird mittelfristig auch das gewohnte Fernsehen radikal verändern. Ein weiterer Vorteil von Video-Podcasts ist, dass jeder dieses Medium als Aktiver Teilnehmer nutzen kann. Kameras werden mittlerweile in Computer eingebaut, das schneiden wird immer einfacher und selbst um die Server braucht sich niemand mehr zu kümmern. Fernsehen machen war noch nie so einfach.

Frage: Siehst Du eine Demokratisierung des politischen Agendasettings, z.B. durch Podcasts? Oder eine bessere Politikvermittlung? Oder Partizipation? Oder gilt das nur für eine ohnehin aktive Elite?

Antwort: Eine Demokratisierung des politischen Agendasettings ist ganz klar da. Mittlerweile braucht es nicht mehr grosse Geldsummen oder der direkte Zugang zu den klassischen Gatekeepern der Massenmedien, um Agendasetting betreiben zu können. Allerdings sollte man nicht zuviele Erwartungen in neue Kommunikationsformen legen. Es gibt Teile der Gesellschaft, die sich auch weiterhin nicht für Politik interessieren werden. Und wenn die Podcasts nicht gut gemacht sind (weil sie z.b. langweilig und öde sind), dann werden sie auch nur weiterhin eine kleine demokratische Elite als Hörer finden. Wenn überhaupt…

Allerdings glaube ich schon, dass trotzdem mehr Menschen auf kommunaler einen Zugang zur Politik finden, weil alles zeit- und ortsunabhängig ist, im Gegensatz z.B. zu Stadtratssitzungen. Ausserdem sollte man den Long-Tail bedenken. Nicht jedes Thema interessiert jeden. Aber kommunale Themen sind so vielfältig, dass viele Menschen bei Angeboten zu einigen, sie interessierenden, Themen Hörer oder Zuschauer werden könnten.

Frage: Welche Chancen auf kommunaler/ lokaler Ebene bieten Deiner Meinung nach Videos für die Politik? Welche für die Bürger? Optional: Könntest Du etwas über Kosten/ Produktionsaufwand sagen?

Antwort: In der günstigen Version braucht man nur einen Rechner mit eingebauter Kamera und eine Internetleitung. Über Dienste wie Mogulus.com kann man kostenfrei in Echtzeit streamen, ohne dass man sich mit Technik beschäftigen muss. Wenn man höhere Ansprüche hat, braucht man eine externe Kamera. Und Ressourcen zum schneiden der Beiträge. Und mit noch höheren Ansprüchen kann man sich auch eine IPTV-Lösung zulegen, wie z.B. GreenpeaceTV dies gerade ausprobiert. Aber das ist schon ganz schön kostenintensiv.

Vorteile für Bürger sind ganz klar, dass Politik transparenter wird und sie z.B. auch von Zuhause aus an Stadtrats- oder Ausschusssitzungen teilnehmen können. Dies kann auch zeitversetzt erfolgen. Transparenz und daraus resultierendes Wissen ist ein wichtiger Bestandteil von Partizipation. Diese kann dadurch vielleicht erhöht werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Politiker freundlicher miteinander umgehen, wenn sie belauscht werden. Das führt zu besseren Verhaltensformen im Umgang miteinander in der Kommunalpolitik.

Vorteil für Politiker ist, dass sie bei guter Arbeit besser in Szene gesetzt werden können und die Bürger an ihrer Arbeit besser teilhaben können.

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