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Die Woche mit Peter Glaser (KW48)

Mehr oder weniger regelmässig gibt es hier zukünftig “Die Woche mit Peter Glaser”. Peter Glaser begleitet seit Anfang der 80er Jahre als Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) die Entwicklung der digitalen Welt. Sein Blog “Glaserei – Bemerkenswertes aus der digitalen Welt” betreibt er bei der Stuttgarter Zeitung. Ich freue mich, ihn als Kommentator gewonnen zu haben, der mir Fragen beantwortet.

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Was war gut diese Woche?

Dass Rivva nach einer kurzen Index-Nirvanisierung schnell wieder an der Arbyte war. Die Finanzkrise hat uns gelernt: Geld sparen kann gefährlich sein. Es ist besser, mit Datendestillen wie Rivva oder den Perlentauchern wertvolle Lebenszeit zu sparen.

Fingerabdrücke in Kitas und eine Schülerdatenbank für Berlin – wird Berlin jetzt richtig modern und digital?

Naja, mit dem Fingerabdruckscanner wäre die evangelische Kindertagesstätte schon noch hinter dem state of the art der Eltern- und Kinderverarbeitung zurückgeblieben. Und sie machen’s ja jetzt doch nicht. 85 Kinder sind in der Kita. Da braucht man schon technische Hilfe, um die Übersicht zu bewahren. Denkbar wäre zum Beispiel auch der Einsatz von Tagsichtgeräten. Oder, wie das in Mexiko routinemäßig gemacht wird, die Injektion von Funkchips unter die Haut von Kindern. Entführer können die RFID-Chips zwar mit einem Handscanner finden und rausschneiden. Aber es macht schon Eindruck, wie klein die Dinger inzwischen sind. Die Chips, meine ich.

Das mit der Schülerdatenbank ist ganz ungeschickt aufgezogen. Man sieht halt, dass sich das Leute ausdenken, die keine Ahnung von der modernen Elektrowelt haben. Erstmal müßte das natürlich nicht Datenbank heißen, sondern Tatenpunk. Schon um anzuzeigen, dass man die Jugendsprache knorke findet. Außerdem sollte die Behörde einfach ein Social Network für die Berliner Schüler einrichten, keine dumme Datenbank. Dann könnten die sich kaum retten vor Schülerdaten.

DFB-Präsident Zwanziger möchte nicht als Demagoge bezeichnet werden und klagt munter gegen den Journalisten Jens Weinreich. Angriff auf die Meinungsfreiheit oder Schutz der Persönlichkeitsrechte?

Weder noch. Dass zu den manikürten Meinungsäußerungen in Leserbriefspalten – ich nenne das mal “betreutes Meinen” – nun im Netz mehr Demokratie gewagt wird und auch unrasiertere Meinungen geäußert werden können, hat Theo Zwanziger noch keiner gesagt. Die ganze Angelegenheit ist im übrigen ziemlich absurd. Jens Weinreich hat ihn als “unglaublichen Demagogen” bezeichnet und Zwanziger behauptet nun “Mit Demagoge ist Volksverhetzer verbunden und damit auch eine Nähe zum Nationalsozialismus”. Er zieht also die Interpretation, über die er beleidigt ist, selbst an den Haaren herbei. Er sollte Weinreich in Ruhe weiterbloggen lassen und sich selbst wegen Beleidigung verklagen. Das wäre auch juristisch Neuland.

Diese Woche gab es gleich zwei neue öffentlich-rechtliche Sendungen, die Creative Commons-Lizenzen nutzen – der NDR mit „Team Deutschland“ und das ZDF mit dem „Elektrischen Reporter“. Vorbild und Signal für andere Öffentlich-rechtliche Inhalte?

Guter Ansatz. Ich würde als Hinweis auf Creative Commons allerdings etwas anderes dranschreiben als “Der Text dieses Beitrags ist verwendbar unter den Bedingungen der CC-Lizenz BY-NC-ND”. Das ist kein Satz, das ist ein Kaktus. Ich würde da etwas hinschreiben, das auch Leute verstehen können, die noch nicht wissen, was Creative Commons ist und die sich dafür aber möglicherweise interessieren.

Passend zu Peter Glaser gibt es hier noch ein aktuelles Interview über „5 Minuten mit Peter Glaser – Big Brother Google„. Ein Video von Tal Sterngast bei fluter.de, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung.

Es geht unter anderem um umgekehrten Datenschutz, das rätselhafte, weltweite Experiment des kollektiven Exhibitionismus und darüber, dass man sich immer wieder bewußt machen muß, dass Google ein börsennotiertes Unternehmen ist und keine an Gemeinsinn orientierte Institution…

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