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Mehrheit sehnt sich nach mehr Überwachung

Spiegel Online hat gute und schlechte Nachrichten zur Videoüberwachung: Mehrheit wünscht sich Überwachungskameras. Die Gute Nachricht ist, dass wir längst nicht soviele Überwachungskameras wie in Grossbritanien haben. Die schlechte ist, dass sich ein nicht unbedeutender Teil unserer Gesellschaft nach viel mehr Überwachung sehnt.

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Sein Kollege Töpfer erklärt das Phänomen des schwindenden Widerstands mit der technischen Entwicklung: Fotohandys, im Netz publizierte Privatbilder und -videos haben die Hemmschwelle sinken lassen, erklärt der Wissenschaftler. Auch die Terroranschläge in den letzten Jahren und die erfolgreiche Videoüberwachung bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer haben zu einer breiten Akzeptanz geführt. „Bemerkenswert ist vor allem, dass sich der Diskurs in den letzten Jahren verschoben hat“, sagt Töpfer. „Bei der Einführung der Überwachungskameras war die Präventionscharakter das entscheidende Argument.“ Studien hätten aber gezeigt, dass Kameras keine Präventivfunktion hätten. „Heute geht es darum, nach der Tat Aufklärungs- und Beweismaterial zu haben“, so Töpfer. „Eine Akzeptanz bei dieser reibungslosen Verschiebung wäre ohne die Terroranschläge nicht denkbar.“

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So werden hierzulande 25 bis 30 Städte mit rund 100 Kameras überwacht, während in Frankreich knapp 300 Städte und in den Niederlanden rund ein Fünftel der Kommunen überwacht werden. In Großbritannien, dem „Videoüberwachungsland“, werden 530 Städte von 40.000 Kameras überwacht. Insgesamt sollen auf der Insel rund 4,3 Millionen „digitale Augen“ installiert sein, die jeden Bürger rund dreihundertmal am Tag erfassen.

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10 Kommentare
  1. Mehr Überwachungskameras gleich mehr Sicherheit, denken die sich wohl. Aber wenn jemand in einer dunklen Gasse angegriffen oder ausgeraubt wird, bringt eine Überwachungskamera sehr wenig.

  2. Unschuldsvermutung und so scheint nun wohl mittlerweile ganz ausgediehnt haben.
    Ist ja auch linker, demokratiesichernder Mumpitz.

    In ein paar Jahren, wenn die ersten Beamten in einem großen Skandal als Stalker geoutet werden, werden sich Spiegelmacher, -leser und Großteil der Gesellschaft wieder um 180% drehen. Nur damit das Spiel dann wieder von vorn beginnen kann.

  3. Das Problem ist, dass die „Sicherheitslobby“ gut zu funktionieren scheint. Sie kriechen aus ihren Löchern sobald wieder ein Anschlag verübt (oder vereitelt – wie gut, dass man sowas auch timen kann!) wurde, und schon plappert das Volk brav nach, was es soll. Die Warnungen der Datenschützer kommen entweder nicht durch oder nicht richtig an. Und wenn man denn warnt heißt es gleich „och, du übertreibst aber, sei doch nicht so paranoid. Warte, ich zahle mit der Paybackkarte“…

    Tscha, was lernen wir daraus? Von den Sicherheitsfanatikern lernen, wie man gute Propaganda macht… ;)

    Teuchtlurm

  4. These: Überwachung klappt… bei Idioten.

    Ausgerechnet der Kölner Hauptbahnhof ist gespickt mit Kameras – und es ist überall ausgeschildert. Wer Bomben legen und danach unentdeckt entkommen will, steigt da nicht ein oder er ist ein Idiot. Hat jemand eine andere Erklärung?

    Dass der jetzt Verhaftete seinen Computer in einem See direkt an seinem Wohnort versenkt hat anstatt die Festplatte diskret irgendwo zu entsorgen, spricht für meine Idioten-These.

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