Snoopers Charter

  • : No-Deal-Brexit könnte britischer Massenüberwachung ein Preisschild verpassen
    Boris Johnson
    Der britische Premier Boris Johnson steuert sein Land auf einen No-Deal-Brexit zu
    No-Deal-Brexit könnte britischer Massenüberwachung ein Preisschild verpassen

    Großbritannien steht vor Neuwahlen, ein ungeregelter Austritt aus der EU droht. Der Brexit könnte die Datenflüsse in den Inselstaat empfindlich stören. Langfristig zwingt er der Regierung in London vielleicht sogar eine Entscheidung zwischen Geheimdienstspionage und Interessen der Wirtschaft auf.

    4. September 2019 5
  • : Gericht: Britisches Überwachungsgesetz teilweise rechtswidrig
    Telefonüberwachung ist nur ein Teil des Gesetzes.
    Gericht: Britisches Überwachungsgesetz teilweise rechtswidrig

    Der Court of Appeal, das zweithöchste Gericht Englands, hat das britische Gesetz Investigatory Powers Act in weiten Teilen für rechtswidrig erklärt. Das Gericht bemängelte fehlende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten sowie mangelnde Kontrolle der Befugnisse der Behörden, berichtet der Guardian. Geklagt hatte die Bürgerrechtsorganisation Liberty.

    Die britische Regierung hatte in Erwartung des Urteils im November 2016 ein neues Gesetz beschlossen, das die Befugnisse zur Überwachung noch weiter ausbaut. Bürgerrechtler hatten es „Snooper’s Charter“ getauft und als „extremstes Überwachungsgesetz“ bezeichnet, das je in einer Demokratie verabschiedet wurde.

    30. Januar 2018 2
  • : „Snooper’s Charter“: Britische Regierung legt zahnlose Korrekturen vor
    Die konservative britische Regierung will weiterhin anlass- und verdachtsunabhängig Daten von unschuldigen Bürgern speichern.
    „Snooper’s Charter“: Britische Regierung legt zahnlose Korrekturen vor

    Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Dezember des Vorjahres, das die verdachtslose Massenspeicherung von Vorratsdaten für illegal erklärt hatte, gelobt die britische Regierung nun Nachbesserungen am Überwachungspaket „Investigatory Powers Act“ (IPA). Das Gesetzeswerk gilt als extremstes Überwachungsgesetz, das jemals in einer Demokratie verabschiedet wurde. Es sieht unter anderem die anlasslose Speicherung von Telekommunikationsdaten vor, darunter auch alle Webseiten, die Bürger besucht haben.

    Nun hat die britische Regierung eingeräumt, in einigen Punkten gegen das Urteil des europäischen Höchstgerichts zu verstoßen. Die Liste der angekündigten Korrekturen, zu denen in den kommenden Wochen eine öffentliche Konsultation stattfindet, ist allerdings überschaubar (eigene Übersetzung):

    Die Regierung hat akzeptiert, dass der IPA nicht in Einklang mit EU-Recht steht, weil:

    • Ermittlungsbehörden keine unabhängige Genehmigung einholen müssen, um auf Telekommunikationsdaten zuzugreifen,
    • die Speicherung von Telekommunikationsmetadaten nicht nur für schwerste Verbrechen vorgesehen ist.

    Damit lässt die britische Regierung jedoch den strittigsten Punkt außen vor – nämlich die anlasslose Speicherung von Daten unschuldiger Bürger an sich. Selbst eine überarbeitete Fassung des Gesetzes würde in der Form nicht die Menge der vorgehaltenen Daten reduzieren, schreibt deshalb die Bürgerrechtsorganisation Open Rights Group. Zudem sei nach wie vor keine Benachrichtigungspflicht vorgesehen, es fehlt ebenso die Garantie, dass die Daten nicht an ausländische Geheimdienste wie die US-amerikanische NSA ausgeleitet werden.

    4. Dezember 2017 4
  • : Analyse: London segnet härtestes Überwachungsgesetz einer Demokratie ab
    Ihr Überwachungsgesetz wurde verabschiedet, ihren Kritikern verging deswegen das Lachen.
    Analyse: London segnet härtestes Überwachungsgesetz einer Demokratie ab

    Das „Investigatory Powers Bill“ regelt die Befugnisse von britischen Geheimdiensten und anderen Behörden neu und stellt dabei alle bisherigen Eingriffe in Grundrechte in den Schatten. Massenhaftes Abhören und die Speicherung des Browser-Verlaufs sind nur ein Teil der Reform. Unsere Analyse aller Auswirkungen des Gesetzes.

    21. November 2016 38
  • : Investigatory Powers Bill: Großbritannien stimmt für Überwachungsgesetz
    "Gewöhnen Sie sich an das Ende der Privatsphäre im Netz" - Auschnitt aus einem Video der Open Rights Group gegen das Gesetz
    Investigatory Powers Bill: Großbritannien stimmt für Überwachungsgesetz

    Das Vereinigte Königreich hat ein neues Schnüffelgesetz. Das ist so weitgehend, dass sich sogar China zur Legitimation seiner Gesetzgebung darauf beruft.

    7. Juni 2016 24
  • : Großbritannien: Keine Massenüberwachung geplant, nur massenhafte Speicherung
    Home Secretary Theresa May <p>Screenshot parliamentlive.tv</p>
    Großbritannien: Keine Massenüberwachung geplant, nur massenhafte Speicherung

    Großbritannien betreibe keine Massenüberwachung und plane auch keine Schritte in diese Richtung, erklärte gestern die britische Innenministerin Theresa May in der abschließenden Sitzung des parlamentarischen Ausschusses, der über das geplante britische Überwachungsgesetz („Investigatory Powers Bill“) berät. Die anlasslose und massenhafte Speicherung von Kommunikationsdaten sei nicht mit Massenüberwachung gleichzusetzen, betonte May in ihrer Antwort an den Liberaldemokraten Lord Strasburger, wich Folgefragen aber weiträumig aus:

    You indicated that what we’re doing is mass surveillance, you described it as mass surveillance. The UK does not undertake mass surveillance, we have not and we do not undertake mass surveillance and that’s not what the Investigatory Powers Bill is about.

    (…)

    If you want me to write to the Committee to describe why the bulk powers are necessary, then obviously I can do that. But I wish to be very clear that mass surveillance isn’t what we’re talking about.

    Der Gesetzentwurf regelt erstmals die massenhafte Speicherung sowie den Zugriff auf private Kommunikationsdaten durch britische Geheimdienste. Zudem verpflichtet er Netzbetreiber und Telekommunikationsunternehmen ausdrücklich dazu, unter anderem das Kommunikations- und Surfverhalten ihrer Kunden für mindestens ein Jahr vorzuhalten.

    Ohne Heuhaufen keine Nadel?

    Letzte Woche warnte der ehemalige technische Direktor des US-Geheimdienstes NSA, William Binney, den Ausschuss vor den Konsequenzen einer Überflutung durch massenhaft abgefangene Kommunikation. Analysten hätten angesichts der Datenberge Schwierigkeiten, die relevante Nadel im Heuhaufen zu finden und könnten deshalb nicht angemessen schnell etwaige Bedrohungen identifizieren. Dieser Ansatz würde „Menschenleben kosten“, so der mittlerweile als Whistleblower bekannte Binney.

    Ohne Heuhaufen könne man nicht nach der Nadel suchen, wischte May das Argument zur Seite und deutete an, dass man ohne massenhaft vorgehaltene Daten potenzielle Hinweise für Ermittlungen verlieren würde. Die anlasslose und massenhafte Speicherung sei jedenfalls „angemessen“, verteidigte May ihren Gesetzentwurf.

    Verschlüsselung: Vordertür statt Hintertür

    Man habe auch nicht vor, Verschlüsselung zu verbieten oder Hersteller dazu zu zwingen, Hintertüren in ihre Produkte einzubauen. Allerdings müssten Anbieter im Falle eines Gerichtsbeschlusses „angemessene Maßnahmen“ ergreifen, um die gewünschten Inhalte an Ermittlungsbehörden herauszugeben. Über technische Details schwieg sich die Innenministerin aus, meinte aber vermutlich, dass Anbieter Zugriff auf die privaten Schlüssel ihrer Kunden haben müssten. Wer braucht schon Hintertüren, wenn die Vordertür gesetzlich verpflichtend sperrangelweit aufgerissen wird? Der Liveblog des Guardian dokumentierte die Passage folgendermaßen:

    Andrew Murrison, the Conservative former defence minister, goes next.

    Q: What are your plans for encryption?

    May says some of the commentary on this has not been accurate. Encryption is important, she says. She says the government is not proposing to make any changes in relation to encryption, and the legal position around it.

    But where the authorities lawfully serve a warrant on a CSP, and that has gone through the proper steps, the company should take reasonable steps to be able to comply.

    That is the position today, she says. She says the bill just clarifies that.

    Q: But what if someone is using end-to-end encryption?

    May says companies would be expected to take “reasonable steps” to provide the information required.

    Q: So you are not asking companies to provide “keys” to information, or a backdoor in.

    No, says May. It is just about ensuring that, if companies are required to supply information, they supply it. The government would not need to have the “key” itself.

    Hohe Kosten könnten kleine Netzbetreiber ersticken

    Ebenfalls ungeklärt bleibt die Frage der Kosten, die auf britische Netzbetreiber zukommen. Immerhin müssten diese laut Gesetzentwurf sämtliche Surf‑, Telefonie- oder E‑Mail-Daten ihrer Kunden einsammeln, speichern und verpflichtend für ein Jahr vorhalten, was nicht ganz billig sein dürfte. Derzeit schätzt die Regierung die Höhe auf insgesamt 240 Millionen Pfund ein, was die betroffenen Unternehmen freilich stark bezweifeln. So haben die in Großbritannien tätigen Anbieter Vodafone, O2 und EE dem Ausschuss gegenüber angegeben, eine vergleichbar hohe Summe zu erwarten – allerdings pro Unternehmen und nicht als Kosten für die gesamte Branche.

    Die Regierung befände sich in Gesprächen mit den jeweiligen Unternehmen, so May, um Details auszuhandeln. Jedenfalls sei die Summe von 240 Millionen Pfund nicht „aus der Luft gegriffen“, verteidigte May die Diskrepanz der Schätzungen. Ob die zu erwartenden hohen Kosten das Aus für Betreiber von WLANs in Cafés oder Bibliotheken bedeuten könnten, ließ die Innenministerin offen: Grundsätzlich könne sie nicht ausschließen, dass die gesetzlichen Verpflichtungen auch für solche kleinen Netzbetreiber gelten würden.

    14. Januar 2016 10
  • : UK: Neue Gesetze sollen MI5, MI6 und GCHQ Zugang zu allen – auch verschlüsselten – Nachrichten verschaffen
    UK: Neue Gesetze sollen MI5, MI6 und GCHQ Zugang zu allen – auch verschlüsselten – Nachrichten verschaffen

    Britische Geheimagenten sollen, nach Berichten des Telegraph bald per Gesetz Zugang zu Nachrichten aller großen Messenger-Dienste bekommen. Auch verschlüsselte Nachrichten sind hiervon nicht ausgeschlossen.

    Das neue Gesetz, das die so genannte „snoopers charter“ erweitern soll, ist angeblich notwendig, da Online-Konzerne nicht auf die akute Bedrohung durch Fanatiker in ihren Netzwerken eingehen würden, weswegen die Netzwerke die „command and control networks of choice“ für Terroristen seien. Premierminister David Cameron meint außerdem, dass es keine Art der Kommunikation geben dürfe, die das Empire nicht nachverfolgen kann. Das sei wichtig und richtig für eine moderne Demokratie.

    I am confident the powers we need, whether it is on communications data or the content of communications, I am very comfortable they are absolutely right for a modern liberal democracy.

    Die angebliche mangelhafte Ausstattung der britischen Geheimdienste, die ein gewisser David Anderson aufgrund der Snowden-Enthüllungen aufgedeckt haben will, sollen den nötigen Grund für die neuen Gesetze liefern. Der dies beweisende Bericht soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

    29. Mai 2015 11
  • : Open Rights Group: Digital Surveillance Report und wieso die „Snoopers’ Charter“ der falsche Ansatz ist
    Open Rights Group: Digital Surveillance Report und wieso die „Snoopers’ Charter“ der falsche Ansatz ist

    digital-surveillance-reportDie Open Rights Group (ORG) veröffentlichte Ende April einen Digital Surveillance Report, in dem sie die Snoopers’ Charter (bzw Draft Communications Data Bill) thematisiert, einen Entwurf für ein Gesetz zur Vorrats­daten­speicherung in Großbritannien. Im Mai 2012 hatte Königin Elisabeth II. in einer Rede angekündigt, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, die es Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten ermöglichen, auf Telekommunikationsdaten zuzugreifen. Heraus kam die Draft Communications Data Bill, „a sweeping, totalitarian universal Internet surveillance bill“ laut Cory Doctorow. Die ORG erstellte neben einem Wiki zu dem Gesetzentwurf auch den Digital Surveillance Report und befasst sich darin nicht nur mit der Snoopers’ Charter, sondern mit Gesetzen zur Überwachung des Internets im Allgemeinen und speziell der Geschichte von solchen Gesetzen in Großbritannien.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Und auch wenn die Snoopers’ Charter mittlerweile vom Tisch ist, fragt Jim Killock von der ORG, ob sie wirklich tot ist oder nur schläft:

    What will not go away is the fear of politicians of getting surveillance of criminals wrong. They usually prefer to cover their backs, which in this case means surveil everything, just in case.

    18. Mai 2013