Mit den Stimmen weiter Teile der Labour Party hat die konservative britische Regierung den Investigatory Powers Bill, eines der weitestgehenden Überwachungsgesetze westlicher Demokratien, durch das Parlament gebracht. Nur die Scottish National Party, die Liberal Democrats und Abgeordnete der Grünen stimmten dagegen. Das Gesetz wurde mit 444 zu 69 Stimmen angenommen.
Der Investigatory Powers Bill verpflichtet unter anderem Internet Service Provider, besuchte Webseiten und genutzte Apps von Nutzern für ein Jahr zu speichern. Die gespeicherten Daten dürfen ohne richterlichen Beschluss durchsucht werden, unter anderem von der Polizei, aber auch von Pensionsbehörden.
Das Überwachungsgesetz legalisiert zudem Abhörpraktiken des Nachrichtendienstes GCHQ an Internetknotenpunkten und Unterseekabeln. Es erlaubt dem Geheimdienst die Speicherung des gesamten Internetverkehrs für mehrere Tage, die Speicherung von Metadaten für sechs Monate. Zudem legalisiert das Gesetz das staatliche Hacken von Telefonen und Computern, selbst wenn die betroffenen Personen keine Beschuldigten sind.
Britische Bürgerrechtsorganisationen haben von Anfang an gegen das Gesetz mobilisiert und zahlreiche Argumente gegen „Snoopers´ Charter“ hervorgebracht. Als Risiken gaben die Gegner den Totalverlust der Privatsphäre, die Gefährdung der Pressefreiheit und des Informantenschutzes sowie eine Bedrohung der Internetsicherheit an. Außerdem sei das Gesetz von China als Argumentationsgrundlage für dessen weitgehende Überwachungsbefugnisse genutzt worden.
