FISA Court

  • Später Sieg für Snowden: Gericht erklärt NSA-Vorratsdatenspeicherung für illegal
    Edward Snowden Konferenz
    Edward Snowden per Video auf einer Konferenz 2019.
    Später Sieg für Snowden Gericht erklärt NSA-Vorratsdatenspeicherung für illegal

    Sieben Jahre nach den Enthüllungen zum größten Überwachungsskandal der Geschichte entscheidet ein Gericht, dass die jahrelange Überwachung der Metadaten von Millionen Amerikaner:innen illegal war.

    3. September 2020 14
  • : Wenn nicht mal die NSA Vorratsdatenspeicherung sinnvoll findet…
    Speichern, wer mit wem telefoniert. Wenig sinnvoll - auch aus Sicht der NSA. CC BY-SA 2.0 via flickr/skohlmann
    Wenn nicht mal die NSA Vorratsdatenspeicherung sinnvoll findet…

    NSA-Mitarbeiter zweifelten am Sinn der Überwachung“ titelte gestern die SZ. Sie bezieht sich auf einen Artikel der Associated Press, der sich auf aktuelle und frühere NSA-Mitarbeiter bezieht. Bevor die Snowden-Enthüllungen begannen, habe man innerhalb des Geheimdienstes sogar überlegt, die Sammlung und Speicherung von Anrufdaten einzustellen, da die Kosten „die mageren Vorteile bei der Terrorismusbekämpfung“ nicht rechtfertigten. Darüberhinaus sei man besorgt gewesen, dass öffentlicher Unmut aufkommen würde, sollten die Programme bekannt werden. Dass sich das bewahrheitet hat, wissen wir mittlerweile.

    Doch ein öffentliches Eingeständnis der NSA, die Praxis der Metadatenspeicherung angezweifelt zu haben, fehlt. Die Enthüllungen haben die Behörde in einen Verteidigungsmodus versetzt, der jegliche Selbstkritik unmöglich machte. Wir können davon ausgehen, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird. Es bleibt jedoch ein Quantum Hoffnung, denn die Genehmigung zur Sammlung von Telefondaten muss alle 90 Tage durch das FISA-Gericht erneuert werden. Bisher war das mehr oder weniger bloße Formalität – eine Blanko-Unterschrift – da halfen auch Obamas Reden für mehr Geheimdienstkontrolle nicht – der Kongress hat schlicht und einfach nicht darauf reagiert. Ob die nun bekannten internen Zweifel eine Auswirkung auf die Genehmigungsfreude des FISA-Gerichts haben werden, wird sich im Juni zeigen, wenn die aktuelle Berechtigung ausläuft.

    Aber auch unsere deutschen Politiker können sich mal überlegen, was sie mit ihrer ach so wichtigen Vorratsdatenspeicherung erreichen wollen, wenn schon die guten Freunde aus den USA deren Nutzen in Frage stellen. Und die Argumentation, im aktuellen Fall seien nur die Telefondaten betroffen, hilft nicht. Denn dass die NSA auch die Metadatensammlung für E‑Mails 2011 einstellte, ist schon länger bekannt.

    31. März 2015 2
  • : Kein Nein ist auch fast ein Ja – Hört NSA auch US-Kongressmitglieder ab?
    Unabhängiger US-Senator Bernie Sanders CC-NC-SA 2.0 via Flickr/350org
    Kein Nein ist auch fast ein Ja – Hört NSA auch US-Kongressmitglieder ab?

    Ich schreibe Ihnen heute, um eine sehr einfache Frage zu stellen. Hat die NSA Mitglieder des US-Kongresses oder andere amerikanische gewählte Amtspersonen ausspioniert oder tut das im Moment?

    Mit dieser simplen Frage in einem Brief an den  Direktor der NSA, General Keith Alexander, vom 3. Januar  hat Senator Bernie Sanders es geschafft, die NSA in Erklärungsnot zu bringen. In einer Stellungnahme, die – leider nur in Auszügen – von The Guardian veröffentlicht wurde, heißt es, dass die NSA bei der Sammlung von Geheimdienstinformationen Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre von US-Personen treffe und dass diese Vorkehrungen auch für die Kongressmitglieder gälten.

    6. Januar 2014 2
  • : Geheimes Überwachungs-Gericht: „Die demokratische Kontrolle der Geheimdienste hat nie effektiv funktioniert“
    Geheimes Überwachungs-Gericht: „Die demokratische Kontrolle der Geheimdienste hat nie effektiv funktioniert“

    Die demokratische Kontrolle der amerikanischen National Security Agency wurde so häufig und systemisch verletzt, dass sie nie effektiv funktioniert hat. Zu diesem Fazit kommt ein Richter des äußerst Überwachungs-freundlichen Foreign Intelligence Surveillance Court in einem von der EFF freigeklagten Dokument. Systematisch wurden Grundrechte verletzt – und die US-Regierung hat schlicht gelogen.

    Auch wenn die Enthüllungen von Snowden erstmals konkrete Beweise vorgelegt haben, die Probleme sind schon lange bekannt. Unsere Freunde bei der Electronic Frontier Foundation versuchen seit Jahren, Dokumente freizuklagen, die den Umgang der US-Regierung mit den gefährlichen Überwachungs-Freibriefen in Patriot Act und Foreign Intelligence Surveillance Act zeigen.

    Nachdem sich die Regierung noch im März vehement gewehrt hat, hat man jetzt – nach Snowden – ein paar Dokumente deklassifiziert und freigegeben. Bei der EFF gibt’s die zwölf PDFs auch durchsuchbar.

    Darin wird offiziell belegt, dass die NSA mit ihrer Überwachungsmaschinerie tausendfach die Grundrechte von US-Bürgern missachtet. Die Washington Post erläutert nochmal die US-Vorratsdatenspeicherung, in der Telekommunikationsanbieter den Diensten seit 2001 täglich alle Verbindungsdaten zur freien Verwendung übermitteln:

    The “bulk records” program began without any court or congressional approval shortly after the Sept. 11, 2001, attacks but was put under court supervision in May 2006 when American phone companies balked at providing the data solely at the request of the executive branch.

    Under the program, the NSA receives daily transfers of all customer records from the nation’s phone companies. Those records include numbers called, the calls’ time and duration, but the content of conversations.

    Beginning in late January 2009, Justice Department officials began notifying the court of problems, in particular that the NSA had been running an automated “alert list” on selected phone numbers without meeting the court-required standard of “reasonable and articulable suspicion” that those numbers were tied to terrorists.

    Die EFF beschreibt, dass von 17.000 mit diesen Daten überwachten US-Bürgern es nur für ein Zehntel einen „begründeten Verdacht“ gab:

    11. September 2013 2
  • : Barack Obama weitete Geheimdienst-Befugnisse 2011 aus um Amerikaner auszuspähen
    Barack Obama weitete Geheimdienst-Befugnisse 2011 aus um Amerikaner auszuspähen

    nsa-squareDie US-Regierung hat im Jahr 2011 unter ihrem Präsidenten Barack Obama die Befugnisse der Geheimdienste ausgeweitet. Ein Geheimgericht hat damals die Regeln zur Internetüberwachung gelockert. Ziel sei es gewesen, dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst Werkzeuge in die Hand zu geben, auch US-Bürger überwachen zu dürfen. Das berichtete die Washington Post an diesem Wochenende, mit Bezug auf neu veröffentlichte Dokumente.

    Laut einem Bericht der Washington Post begann die Überwachung von US-Bürgern unter der Regierung Bush. Im Jahr 2008 untersagte ein Gericht den Geheimdiensten jedoch explizit die Überwachung von US-Bürgern. Ein nun veröffentlichtes Dokument belegt jetzt, dass im Jahr 2011 der geheime FISA-Court (FISC) die Befugnisse von Geheimdiensten zur Überwachung von amerikanischen Bürgern wieder ausweitete.

    Der Gerichtsbeschluss erlaubte es den Geheimdiensten demnach einerseits die gesammelten Daten nun 6 statt nur 5 Jahre lang zu speichern. Andererseits wurde den Geheimdiensten aber auch erlaubt, die enorme Menge an gesammelten Daten ohne richterlichen Beschluss nach Kommunikation von US-Bürgern zu durchsuchen.

    Auch wenn die NSA als Auslandsgeheimdienst nicht das Recht besitzt US-Bürger im Inland zu überwachen, wurde ihnen mit dieser Regelung eine „Hintertür“ zur Überwachung gebaut. Kommunikation von US-Bürgern, welche „zufällig“ bei der Überwachung von Ausländern gespeichert wird, darf demnach von den Geheimdiensten ohne Gerichtsbeschluss durchsucht werden.Gregory T. Nojeim, Chefanwalt des Center for Democracy and Technology sieht laut Washington Post die Überwachung von US-Bürgern als von vorne herein geplant an:

    “The government says, ‘We’re not targeting U.S. persons,’[…]. But then they never say, ‘We turn around and deliberately search for Americans’ records in what we took from the wire.’ That, to me, is not so different from targeting Americans at the outset.”

    Die Washington Post attestiert der Regierung Obama mit jener Ausweitung der Befugnisse für Geheimdienste einen „fundamentalen Wandel“:

    The enlarged authority is part of a fundamental shift in the government’s approach to surveillance: collecting first, and protecting Americans’ privacy later.

    Die Ausweitung der Geheimdienst-Befugnisse sei laut Washington Post nahezu vollkommen lautlos im Hintergrund gelaufen, sodass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Im Nachhinein jedoch, könnten Aussagen von zwei demokratischen Senatoren als versteckte Hinweise verstanden werden. Ron Wyden (Oregon) und Mark Udall (Colorado) sagten bereits letztes Jahr, dass ein „back-door search loophole“ existiere, mit dem die NSA die Kommunikation von US-Bürgern überwachen könne. Nach Veröffentlichung der ehemals geheimen Dokumente sagte Wyden gegenüber der Washington Post:

    “Our intelligence agencies need the authority to target the communications of foreigners, but for government agencies to deliberately read the e‑mails or listen to the phone calls of individual Americans, the Constitution requires a warrant.”

    Robert S. Litt, Leiter der Rechtsabteilung im Office of Director of National Intelligence (ODNI), widersprach Wyden jedoch deutlich:

    „If we’re validly targeting foreigners and we happen to collect communications of Americans, we don’t have to close our eyes to that,” Litt said. “I’m not aware of other situations where once we have lawfully collected information, we have to go back and get a warrant to look at the information we’ve already collected.“

    9. September 2013
  • : Neuer NSA-Leak: Obamas Vorratsdatenspeicherung
    Neuer NSA-Leak: Obamas Vorratsdatenspeicherung

    nsa-eagleBarack Obama hat die de facto Vorratsdatenspeicherung von George W. Bush bis 2011 fortgeführt. Zudem gibt es Hinweise auf neue US-Rasterprogramme für Verkehrsdaten. Das geht aus den neuesten Enthüllungen von Glenn Greenwald und seinem Kollegen Spencer Ackerman hervor. Diese basieren vermutlich auf dem Stapel an geleakten Dokumenten von Edward Snowden, auf denen Greenwald sitzt.

    Obama setzt(e) de facto Vorratsdatenspeicherung fort

    Das anlasslose Sammeln von Internet-Verkehrsdaten begann 2001 in der Ära von George W. Bush und war eines der Überwachungsprogramme des unter dem Codenamen „Stellar Wind“ rangierenden Überwachungswahnsinns. Die Obama-Administration setzte das Projekt bis 2011 fort. Aufgezeichnet wurden die Online-Verkehrsdaten, sobald eine an der Kommunikation beteiligte Person sich außerhalb der USA befand. Ab 2007 fiel dann auch dieses Feigenblatt.

    Die Maßnahme zielte wohl zunächst auf den Mail-Verkehr. Klar ist aber auch, dass IP-Adressen die Erstellung aussagekräftiger Persönlichkeits- und Bewegungsprofile ermöglichen. Wie bei der Verizon-Vorratsdatenspeicherung, mit dem die Überwachungs-Enthüllungen der vergangenen Wochen begannen, geschah die Datenerfassung auf Basis eines alle 90 Tage erneuerten Beschlusses des Fisa Courts. Laut Aussage eines Regierungsbeamten, beendete die Obama-Adminstration das Programm offiziell 2011.

    Ein neues Level der Überwachung: EvilOlive und ShellTrumpet

    Das ist scheinbar kein Grund zur Freude: In einem zweiten Artikel berichten Greenwald und Ackerman über Hinweise auf mehrere neue Programme, die große Mengen von Verbindungsdaten rastern. Dokumente, die von ihrem Betrieb zeugen, datieren auf 2012. Nahtloser Übergang also.

    Auf diesem neuen Level der Überwachung ergänzen sich scheinbar zwei Raster-Programme namens „EvilOlive“ und „ShellTrumpet“. Zu Ersterem schreibt der Guardian:

    27. Juni 2013 5
  • : Neue Dokumente beweisen: Auslandsgeheimdienste wie die NSA können nicht demokratisch kontrolliert werden
    Der Sitz des FISA Courts in Washington DC. Bild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:AgnosticPreachersKid">AgnosticPreachersKid</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">BY-SA 3.0</a>.
    Neue Dokumente beweisen: Auslandsgeheimdienste wie die NSA können nicht demokratisch kontrolliert werden

    Die NSA überwacht und speichert die weltweite Kommunikation ganz ohne echte richterliche oder gar öffentliche Kontrolle. Das wird jetzt durch zwei neue Dokumente von Justizministerium und geheimen Gerichten belegt, die der Guardian veröffentlicht hat. Besonders pikant: Verschlüsselte Kommunikation steht unter Generalverdacht – und wird gespeichert, bis der NSA sie entschlüsseln kann.

    21. Juni 2013 10