Barrett Brown

  • : Barrett Brown: The Day Irony Died
    Barrett Brown: The Day Irony Died

    Ich war gerade aufgewacht und rauchte meinen Morgenjoint, als ich den Fernseher anschaltete und von einer Reihe von Ereignissen erfuhr, die man heute allgemein als den »11. September« bezeichnet. Meine Erinnerungen an den Tag sind verschwommen, ich habe mich aber für die Einzelheiten des Angriffs ohnehin nie in dem Maße interessiert wie für die Art und Weise, in der die führenden Medien – und somit auch der Großteil der amerikanische Öffentlichkeit – mit den Geschehnissen umgehen würden. Woran ich mich noch genau erinnern kann, ist der Moment, in dem ich realisiert habe, dass die Medien keinerlei Anstalten machen würden, konstruktiv oder auch nur einigermaßen vernünftig auf die Ereignisse zu reagieren, und mir klar wurde, dass mit dem gesamten amerikanischen Establishment etwas fundamental nicht stimmte: Noch im Monat der Anschläge haben angesehene Nachrichtenkommentatoren allen Ernstes verkündet, und zwar mehrfach, dass es gut sein könne, dass die Ironie jetzt tot ist.

    Dies ist ein Essay von Barrett Brown, geschrieben im April 2015 im Gefängnis „Federal Correctional Institution“ in Seagoville, Texas. Brown ist freier Journalist und hat „Anonymous“-Aktionen beobachtet und begleitet und wurde im September 2012 festgenommen, weil er Drohungen gegen einen FBI-Agenten ausgesprochen haben soll. Er wurde später zu fünf Jahren Haft verurteilt.

    Wir veröffentlichen Barrett Browns Essay mit freundlicher Genehmigung des Alexander Verlag Berlin. Übersetzung: Mirga Nekvedavicius.

    Nach einem Jahrhundert voller Massenmorde und totalitärer Unterdrückung, nach Verbrechen, deren Grausamkeit einzigartig ist in der gesamten Geschichte der Menschheit, sollte ein recht überschaubares Unheil, das den Vereinigten Staaten widerfahren ist, das Ende aller politischen Satire bedeuten. Diese aberwitzige Vorstellung war eine echte Offenbarung für mich. Mir wurde klar, dass das amerikanische Establishment (also diejenigen, die im Großen und Ganzen mit der aktuellen politischen Lage in Amerika zufrieden sind und eine gewisse Rolle darin spielen) nicht nur unfähig war, das Land zu regieren – es scheiterte selbst daran, Regierungsfähigkeit zu simulieren. Es hatte jede Verhältnismäßigkeit und allen moralischen Anstand vollkommen aus den Augen verloren. Natürlich kann eine herrschende Klasse auf moralischen Anstand verzichten (was sie ja auch zumeist tut), aber ein gewisses Gespür für Verhältnismäßigkeit ist unerlässlich.

    Müsste ich anhand eines einzigen Beispiels demonstrieren, dass die amerikanische Öffentlichkeit von heute im Vergleich zu früher manches zu wünschen übrig lässt, würde ich zwei Ausgaben des beliebtesten Nachrichtenmagazins des Landes hochhalten. In der rechten Hand hätte ich eine Ausgabe des Time Magazine von 1964, die ich als Teenager irgendwo gefunden habe, ein dickes, textlastiges Heft, das Beiträge zu allen erdenklichen Aspekten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens enthält. In der anderen Hand hätte ich ein Exemplar des Time Magazine von 2014, das mir letztes Jahr untergekommen ist. Die Ausgabe ist sehr viel dünner und besteht hauptsächlich aus Bildern und Infographiken. Die Titelgeschichte gewährt, in den Worten des Magazins, »einen tiefen Einblick in die Stornierungspraxis von Fluggesellschaften«.

    Wir Amerikaner sind in vieler Hinsicht bessere Menschen als Mitte des letzten Jahrhunderts, und Amerika ist sicherlich ein lebenswerteres Land geworden. Es führt aber kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass unser offensichtlichster kollektiver Charakterzug – unser Geist, wenn ich mir einen der so nützlichen deutschen Begriffe ausborgen darf – von hemmungsloser Ich-Bezogenheit geprägt ist.

    Aber darum ging es mir nach dem 11. September genauso wenig, wie es mir heute darum geht. Das amerikanische Volk ist nicht dazu verpflichtet, würdevoll, kulturell gebildet, angenehm im Umgang oder gar moralisch zu sein. Es hat jedoch die Pflicht, die riesige, undurchsichtige, hoch entwickelte Spionage- und Überwachungsmaschinerie, die in seinem Namen entstanden ist, adäquat zu verwalten. Oder, wenn es dazu nicht in der Lage ist, zu zerstören. Stattdessen hat die amerikanische Bürgerschaft jedoch zugelassen, dass dieser neuartige Organismus seit dem Zweiten Weltkrieg im Verborgenen Metastasen bildet; und selbst diejenigen Kongressabgeordneten, die eigentlich mit seiner Kontrolle betraut wären, haben so gut wie keinen Einblick in das, was sich hinter den Kulissen abspielt.

    Trotz intensivster Bemühungen bestimmter Gruppierungen inner- und außerhalb der Regierung, die dunklen Aspekte unseres konstitutionellen Polizeistaats geheim zu halten, wissen wir eine ganze Menge. So haben wir durch das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Buch Legacy of Ashes erfahren, dass es der CIA so gut wie nie gelingt, ihre außenpolitischen Ziele umzusetzen. Gleichzeitig ist sie bereit und willig, gegen die eigenen Statuten zu verstoßen, sich auf die abstoßendsten und blutrünstigsten Machenschaften einzulassen, bis hin zum Sturz demokratischer Regierungen und der tatkräftigen Unterstützung von Diktaturen.

    Aus einer anderer Quelle wissen wir, dass das FBI einen Großteil seines bisherigen Bestehens damit zugebracht hat, politisch unliebsame Dissidenten in den USA illegal zu beschatten und deren Aktivisten-Netzwerke durch gewaltsame und betrügerische Maßnahmen zu stören, zu diskreditieren und zu bedrohen. Man konzentrierte sich dabei besonders auf schwarze Anführer der Bürgerrechtsbewegung wie Martin Luther King. J. Edgar Hoover, der berüchtigte, langjährige Direktor des FBI, verfolgte King mit einer ungesunden, ja geradezu gewaltsamen Besessenheit. Es ist erwähnenswert, dass uns diese Aktivitäten nur bekannt sind, weil eine Gruppe von Anti-Kriegs-Aktivisten in ein FBI-Einsatzbüro eingebrochen ist, Dokumente gestohlen, anschließend kopiert und die Kopien an große Tageszeitungen versendet hat.

    Nur deshalb wissen wir von COINTELPRO – so der Name des jahrzehntealten Programms, unter dem diese Verbrechen verübt wurden. Der US-Kongress leitete daraufhin eine Untersuchung ein und das Programm wurde eingestellt. Bestraft wurde dafür allerdings niemand. Wobei es an Versuchen nicht gemangelt hat, zugegebenermaßen – das FBI hat sehr viel Zeit und Energie darauf verwendet, die verantwortlichen Aktivisten zur Strecke zu bringen. Sie hatten es gewagt, eine weitverbreitete, von offizieller Stelle genehmigte Verschwörung zur Kontrolle des politischen Lebens der Republik öffentlich zu machen. Und neben all dem gibt es ja auch noch die Machenschaften der NSA, die den Deutschen zweifellos allmählich ein Begriff sein dürften.

    Das chronische Desinteresse der amerikanischen Bürger an diesem geheimen, von ihren Steuergeldern finanzierten Schatten-Staat wäre schon an sich ein gravierender Bruch ihrer Bürgerpflicht, selbst wenn nichts über diese Vorgänge bekannt wäre. Wir wissen jedoch eine ganze Menge darüber – die oben angeführten Beispiele sind nur einige der Highlights. Was sollen wir von einer solchen Bürgerschaft halten? Welche Rechte sollten wir jenen dunklen, willkürlichen Institutionen einräumen, die in unserem Namen operieren – allen neuen Enthüllungen zum Trotz, die zeigen, dass diese Institutionen Verbrechen gegen jene demokratischen Einrichtungen begehen, die sie doch eigentlich beschützen sollten?

    Es gibt viele besonnene und wohlmeinende Menschen, die zwar über die sogenannten Exzesse oder Fehler der jeweils gewählten Regierung beunruhigt sind, aber dennoch darauf bestehen, dass die Gesetze befolgt werden müssen und jegliche Beschwerden ausschließlich über von diesen Gesetzen festgelegte Kanäle erfolgen dürfen. In gewisser Weise ist diese Ansicht bewundernswert; nimmt man sie jedoch beim Wort, hat das die außerordentlichsten Absurditäten zur Folge.

    Ich gebe Ihnen hier eines von vielen möglichen Beispielen: Wenn in den Vereinigten Staaten alle Gesetze auf Bundes- und Staatsebene konsequent und wirksam umgesetzt würden, säßen heute mindestens fünfzig Millionen US-Bürger wegen Straftaten im Zusammenhang mit Drogen, Prostitution und Glücksspiel im Gefängnis. Die USA wären ein Gulag-Staat, der alles, was im 20. Jahrhundert passiert ist, in den Schatten stellt. Ein solcher Staat ließe sich nur durch Erklärung eines permanenten Kriegszustands im eigenen Land aufrechterhalten. Wir müssen uns die Details nicht weiter ausmalen, diese Vorstellung ist offensichtlich absurd. Und doch ist dieses Szenario nichts weiter als die logische Schlussfolgerung, zu der man unweigerlich gelangt, wenn man die Doktrin der demokratischen Unfehlbarkeit zu Ende denkt. Diese Republik unterscheidet sich also nur so lange von einem landesweiten Konzentrationslager, wie die von den Bürgern und deren Vertretern erlassenen Gesetze nicht in die Praxis umgesetzt werden.

    „Sonst haben wir keinen Rechtsstaat“

    Daraus kann man zwei mögliche Schlussfolgerungen ziehen. Entweder, dass ein solches System weiterbestehen, oder, dass es abgeschafft werden muss. Ich glaube, es muss abgeschafft werden. Nichtsdestotrotz glaubt der Durchschnittsamerikaner, das System müsse weiterbestehen, weil es vom Rechtsstaat so bestimmt worden ist – was wir zu respektieren haben – und weil die Alternative Willkürherrschaft wäre. Daher lautet mein zweites Argument, dass Rechtsstaatlichkeit in einem Gemeinwesen nicht entsteht, indem man sie einfach verkündet und dann ein paar Institutionen aus dem Boden stampft, die angeblich ihrer Aufrechterhaltung dienen.

    Rechtsstaatlichkeit herrscht nur dann, wenn sie konsequent und ohne jede Unterscheidung umgesetzt wird. Es muss gewährleistet sein, dass eine gut vernetzte, mächtige Partei, die im Interesse der Mächtigen wichtige Gesetze bricht, grundsätzlich ebenso strafrechtlich verfolgt wird wie ein Aktivist, der ein weniger bedeutendes Gesetz zugunsten einer Sache bricht, die den Mächtigen ein Dorn im Auge ist. Sonst haben wir keinen Rechtsstaat. Wenn Regierungsbehörden routinemäßig Gesetze brechen oder Dritte zu Gesetzesbrüchen ermuntern und niemand deswegen angeklagt wird, während gleichzeitig diejenigen, die das Gesetz gebrochen haben, um diese gesetzwidrigen Vorgänge publik zu machen, mit allen Mitteln von dieser verbrecherischen Behörde verfolgt werden – dann kann von Rechtsstaatlichkeit nicht die Rede sein. Besonders dann, wenn die Gesetze von Regierungsbehörden gebrochen werden, die eigentlich für die Wahrung der Gesetze zuständig sind. In einem solchen System, in dem der Staat auswählt, wer für ein Verbrechen verfolgt wird und wer nicht – ob aus ideologischen oder rein pragmatischen Gesichtspunkten –, herrscht keine Rechtsstaatlichkeit. Wir haben es vielmehr mit einem Rechtsvollzugsstaat zu tun.

    2008 wurde ich gebeten, ein Buch über die Versäumnisse der nationalen Medien zu schreiben. Im Zuge meiner Recherche arbeitete ich mich durch Zeitungskolumnen aus den vergangenen fünfzehn Jahren, die von Pulitzer-Preisträgern wie Thomas Friedman von der New York Times und Charles Krauthammer von der Washington Post verfasst worden waren.

    Ich stellte fest, dass beide in zahlreichen ihrer wichtigsten Prognosen nachweislich vollständig danebenlagen, ohne diese Versäumnisse durch besonders treffende Einsichten wieder wettzumachen. Krauthammer war es tatsächlich gelungen, den Ausgang aller größeren militärischen Eingriffe der Vereinigten Staaten seit der Kosovo-Kampagne von 1998/99 falsch vorherzusagen. Trotzdem wurde er unerklärlicherweise weiter als eine Art Militärexperte und wichtigster Fachmann der Konservativen gehandelt. Derweil ließ Friedman im Jahr 2000 verlauten, Wladimir Putin sei ein grandioser demokratischer Reformer, der die russische Politik liberalisieren würde, und erklärte an anderer Stelle, der chinesische Staat würde nicht versuchen, den Zugang seines Volkes zum Internet einzuschränken. Und doch ist unser derzeitiger Präsident mit einem Buch dieses Herrn als Urlaubslektüre gesehen worden. (Wohlgemerkt, dies sind nur einige wenige der amüsanteren Beispiele; an anderer Stelle habe ich noch weit mehr aufgeführt.)

    Vor diesem Buchprojekt hatte ich nur die vage Vermutung, unsere Medien könnten möglicherweise nicht ganz der Aufgabe gewachsen sein, als Nervensystem einer komplexen imperialen Republik des 21. Jahrhunderts zu fungieren. Als mir dann das volle Ausmaß des Problems zu dämmern begann, entwarf ich eine Organisation, die als Project PM bekannt wurde.

    Zu Anfang hatte Project PM nur eine einzige, überschaubare Funktion: Leute wie Friedman und Krauthammer zumindest ansatzweise von ihren Schlüsselpositionen im öffentlichen Leben zu verdrängen, und zwar, indem wir ein negatives Feedback schaffen, das bislang in der Medieninfrastruktur gefehlt hatte. Um das zu erreichen, sollte ein Ad-hoc-Verband aus fähigen Bloggern und Kommentatoren gebildet werden, die in einer bestimmten Woche alle gleichzeitig damit beginnen würden, auf die tatsächliche Leistung dieser angesehenen Experten aufmerksam zu machen und so eine Situation schaffen, die von den Mainstream-Medien nicht ignoriert werden kann. Das hätte zumindest dazu beitragen können, den öffentlichen Einfluss dieser Leute zu schmälern und gleichzeitig auf das Scheitern einer Nation aufmerksam zu machen, in der es möglich ist, enormen Einfluss auf die öffentliche Diskussion zu gewinnen, obwohl man nachweislich wiederholt versagt hat. Gleichzeitig würde es als nützliches Experiment in Sachen Reform durch Crowdsourcing dienen – etwas, das sich im weiteren Verlauf unseres Jahrhunderts gewiss noch als notwendig erweisen wird.

    Ich fing an, Mitstreiter durch Artikel anzuwerben, die ich damals für amerikanische Publikationen wie Vanity Fair und den Skeptical Enquirer schrieb. Dabei erhielt ich auch Anfragen von Leuten, die zwar nicht in den Medien arbeiteten, aber Interesse hatten, sich an der übergeordneten Sache zu beteiligen, die ich mit Project PM verfolgte: der Suche nach neuen Möglichkeiten, das Internet durch Online-Kollektive für bestimmte Zwecke zu nutzen. Gemeinsam mit diesen Leuten bildete ich ein eigenes, experimentelles Aktivisten-Netzwerk, das zwar die Organisationsplattform von Project PM benutzen, aber eigene Ziele verfolgen sollte.

    Inzwischen hatte ich außerdem mein Interesse an Anonymous wiederaufleben lassen, einer Bewegung, die bis dahin vor allem als eine Art Online-Dada-Subkultur bekannt war, sich ab 2008 aber zunehmend durch Aktivismus in öffentlichen Angelegenheiten hervortat. Ich hatte bereits über die breitgefächerte Anti-Scientology-Kampagne von Anonymous geschrieben, die mich durch ihre Wirksamkeit beeindruckt hatte. Jetzt, zwei Jahre später, starteten Mitglieder von Anonymous eine neue Kampagne gegen die australische Regierung, machten mit Cyberattacken gegen staatliche Websites auf die geplante Internetzensur-Gesetzgebung aufmerksam und experimentierten zugleich mit anderen Methoden der Informationskriegsführung. Ich war mir sicher, dass die selbst-organisierende Struktur der Bewegung eine revolutionäre neue Möglichkeit bot, eine wirkungsvolle Opposition gegen mächtige Institutionen zu schaffen.

    Nachdem ich dieser Ansicht in einem Artikel Ausdruck verliehen hatte, kontaktierte mich einer der Hauptorganisatoren von Anonymous, und wir begannen, über den Konflikt zwischen verstreuten bürgerlichen Zusammenschlüssen und traditionellen Nationalstaaten zu diskutieren, ein Konflikt, der vielen von uns zunehmend unvermeidlich erschien. Als Ende 2010 zahlreiche tunesische Staatsangehörige innerhalb der Anonymous-Bewegung andere Mitglieder dazu aufforderten, den beginnenden Aufstand technisch und im Bereich der Kommunikation zu unterstützen, wurde auch ich gebeten mitzumachen. Während sich die Proteste in der Region ausbreiteten, richtete ich Project PM neu ein, um die Arbeit von Anonymous in diesen und anderen Belangen zu unterstützen.

    „Sonst kamen alle ungeschoren davon“

    Im Februar 2011 verkündete Aaron Barr, ein Dienstleister des staatlichen Geheimdiensts und CEO der Firma HBGary Federal, dass er wichtige Mitglieder von Anonymous ausfindig gemacht habe, ein Treffen mit dem FBI bezüglich seiner Ergebnisse sei angesetzt. Am nächsten Tag brachen Anonymous-Hacker in die Server seiner Firma ein, stellten 70.000 E‑Mails sicher und veröffentlichten sie sofort. Eine rasche Durchsicht der E‑Mails ergab, dass die Firma u. a. daran beteiligt war, Cyberangriffe und Kampagnen zur Einschüchterung und Desinformation gegen WikiLeaks, den Journalisten Glenn Greenwald und linke Aktivistengruppen durchzuführen. Auftraggeber waren die Bank of America und die amerikanische Handelskammer, der Plan wurde zudem vom Justizministerium unterstützt.

    Barr trat im Zuge dieser Enthüllungen von seinem Posten zurück. Sonst kamen alle ungeschoren davon, und der Vorschlag, diese Verschwörung durch den Kongress untersuchen zu lassen, wurde von einem republikanischen Abgeordneten mit guten Verbindungen zum Geheimdienst-Dienstleistungssektor im Keim erstickt.

    Spätestens jetzt war klar, dass derartige, vom Justizministerium unterstützte Verbrechen gegen Aktivisten, die sich für Informationsfreiheit und Transparenz einsetzen, keine Strafen nach sich ziehen würden, während Mitglieder von Anonymous schon aufgrund des bloßen Verdachts geringfügiger Gesetzesübertretungen – wie zum Beispiel DDoS-Angriffe auf Firmenwebsites im Rahmen von Protestaktionen – reihenweise Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen mussten, die das FBI im Zuge landesweiter Ringfahndungen durchführte. Also änderte ich die Funktion von Project PM erneut, denn die Analyse der HBGary-Akten und die Publikation der Ergebnisse schien mir die bestmögliche Verwendungsweise der Plattform. Immerhin handelte es sich bei den HBGary-Akten um die Korrespondenz aus mehreren Jahren mit zahlreichen anderen führenden im Geheimdienst- und Überwachungsbereich angesiedelten Firmen sowie dem Pentagon, der NSA und der CIA. Schon bald hatten wir die Website echelon2.org eingerichtet, auf der wir unsere Funde veröffentlichten.

    Natürlich waren bestimmte Gruppen innerhalb der Regierung und ihrer Partnerunternehmen nicht besonders glücklich über diese Tatsache. Besonders das Justizministerium hatte guten Grund zur Besorgnis, tat ich doch mein Möglichstes, ein Vorgehen publik zu machen, das inzwischen selbst von Mainstream-Medien und Kongressabgeordneten als eine gefährliche kriminelle Verschwörung bezeichnet wurde, die von Anonymous vereitelt worden war. Innerhalb eines Monats erreichte das FBI der erste geheime Durchsuchungsbefehl gegen mich, im Laufe der Untersuchung meiner Aktivitäten kamen ein halbes Dutzend weitere dazu.

    Als man ein Jahr später immer noch nichts gefunden hatte, durchsuchten bewaffnete Agenten meine Wohnung und das Haus meiner Mutter und beschlagnahmten Laptops, Aufzeichnungen, Telefone und Festplatten. Der Durchsuchungsbefehl für diesen Einsatz nannte echelon2.org und HBGary als »Themen von Interesse«. Kurz darauf drohte der leitende Ermittlungsbeamte, meine Mutter wegen Justizbehinderung anzuklagen, und hoffte, mich damit zur Kooperation zu bewegen (eine beliebte Taktik des FBI, wie man aus öffentlich einsehbaren Akten entnehmen kann: Weibliche Verwandte einer Zielperson werden unter Anklage gestellt. Im Normalfall bekennt sich die Zielperson schuldig, und die Anklage gegen die weibliche Verwandte wird im Gegenzug fallengelassen). Wenige Monate später gelangten weitere E‑Mails an die Öffentlichkeit.

    „Am nächsten Tag wurde ich von einem Sondereinsatzkommando überwältigt und festgenommen.“

    Diese E‑Mails bewiesen, dass HBGary heimlich einen FBI-Informanten dafür bezahlt hatte, etwas zu finden, das zu meiner Festnahme führen würde. Daraufhin stellte ich ein Video mit einer detaillierten Beschreibung dieser Verschwörung auf YouTube, forderte die Aufhebung der angedrohten Strafverfolgung meiner Mutter und drohte meinerseits mit einer Überprüfung des Ermittlungsleiters. Schon am nächsten Tag wurde ich von einem Sondereinsatzkommando überwältigt und festgenommen. Bizarrerweise lautete die Anklage, ebenjenen Ermittlungsleiter mit dem Tode bedroht zu haben.

    Einige Monate darauf wurde ich des Identitätsdiebstahls in elf Fällen angeklagt. Der Vorfall, auf den sich die Anklage bezog, lag ein Jahr zurück. Ich hatte damals mit Copy-and-paste einen Link zu einer Datei veröffentlicht, die von einer regierungsnahen Spionage-Firma namens Stratfor gestohlen worden war. Sie enthielt, wie sich herausstellte, auch Kreditkartendetails von Kunden. Die fragliche Datei war bereits öffentlich zugänglich und auch schon von anderen Journalisten als Teil der Story per Link verbreitet worden. Ich hatte nichts weiter getan, als diesen Link von einem Anonymous-Chatroom in einen von Project-PM-Mitarbeitern frequentierten Chatroom zu kopieren, damit der Inhalt der Datei auf weitere Verstöße durchsucht werden konnte. Die Chat-Protokolle belegen, dass ich nicht wusste, dass die Datei Kreditkarteninformationen enthielt. Die regierungseigene Spurensicherung musste später außerdem zugeben, dass ich die heruntergeladene Datei selbst nie geöffnet hatte; auch der Staatsanwalt beschuldigte mich nie, die Kreditkarten selbst benutzt zu haben.

    Allein für diesen Teil der Anklage drohten mir mindestens 22 Jahre Gefängnis, zusätzlich zu dem, was ich für den Besitz der Datei, die erfundene »Todesdrohung« sowie Justizbehinderung (weil ich meine Laptops vor dem FBI versteckt hatte) bekommen würde. Alles in allem standen mir 105 Jahre Haftstrafe bevor.

    Selbst die sonst eher leichtgläubigen Mainstream-Medien begannen langsam nachzufragen, was wohl die wahren Beweggründe für meine Anklage seien, so sehr häuften sich die Absurditäten. Als Unterstützer Geld für meine Verteidigung sammelten, versuchte die Regierung, diese Mittel zu beschlagnahmen.

    Als ich mich an die Presse wandte, um Sachfehler seitens der Regierung publik zu machen, wurde ich, was meinen Fall betrifft, mit einem Redeverbot belegt. (Wie das Gerichtsprotokoll dieser Sitzung belegt, hat die Anklage doch tatsächlich den Richter gebeten, mir jede Kritik an der Regierung zu untersagen – ich schrieb damals aus dem Gefängnis Artikel für den Guardian und andere Publikationen. Vor dieser Sitzung hatte die Regierung in ihrem Gesuch zur Unterstützung des Redeverbots notiert, ich sei sowohl Atheist als auch Anarchist. In einer späteren Eingabe, noch vor der Urteilsverkündung verfasst, wurde mein Anarchismus als Grund angeführt, warum meine Haftstrafe länger ausfallen sollte.) Man versuchte überdies, per Gerichtsbeschluss an die IP-Adressen der Mitwirkenden des echelon2.org-Wiki zu kommen, obwohl nie wirklich begründet werden konnte, welcher Zusammenhang zwischen den IP-Adressen und den Anklagepunkten gegen mich besteht.

    „Es werden nur diejenigen verfolgt, die ideologisch nicht genehm sind.“

    Um den etwas dürftigen Anklagepunkt »Todesdrohung« in ihrer Klageschrift auszupolstern, schrieb man mir das Zitat »Dead men can’t leak … illegally shoot the son of a bitch« (»Wenn er nicht mehr lebt, kann er nicht mehr leaken … Knallt den Hurensohn doch einfach illegal ab.«) zu, das ich angeblich über den fraglichen FBI-Agenten auf meinem Twitter-Account gepostet haben sollte. Die Wahrheit ist aber, dass es sich dabei um den Ausspruch des Fox-Kommentators Bob Beckel handelt, der im nationalen Fernsehen zum Mord an Julian Assange aufgerufen hatte. Ich habe diesen Ausspruch missbilligend zitiert, weiter nichts. Beckel wurde wegen dieses Mordaufrufs selbstverständlich nie angezeigt, was an sich schon Bände über die Vorgehensweise des FBI spricht: Es werden nur diejenigen verfolgt, die ideologisch nicht genehm sind. Assange selbst artikulierte öffentlich seine Verwunderung darüber, dass sich die amerikanische Regierung auf derartig bizarre Manöver einlässt. Auch dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Rechtsbrüchen, zu denen es in meinem Fall kam; eine vollständige Auflistung findet sich an anderer Stelle.

    Nachdem ich zweieinhalb Jahre lang aus verschiedenen Gefängnissen, in denen man mich ohne Bewährung festhielt, für meine Freilassung gekämpft hatte, wurde ich zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zudem wurde ich gezwungen, über 800.000 Dollar Wiedergutmachung an Stratfor zu zahlen. Und zwar, weil ich die Firma, nachdem sie gehackt worden war, angerufen und ihr angeboten hatte, gemeinsam mit den Hackern alle Inhalte zu schwärzen, die ihre in Diktaturen lebenden Geschäftspartner gefährden könnten. Das Urteil sowie die einzelnen Anklagepunkte gegen mich wurden weltweit von der Presse, von Nichtregierungsorganisationen und selbst von Mitgliedern ausländischer Regierungen angeprangert.

    Ich schreibe diesen Bericht in einem texanischen Gefängnis. Natürlich wäre ich lieber wieder auf freiem Fuß. Gleichzeitig ist meine Situation aber bestens dazu geeignet, eine einfache Tatsache zu illustrieren, die für das gegenwärtige Amerika von immenser Bedeutung ist. Sie wurde lange von der Mehrheit der Medien ignoriert, obwohl sie seit dem 11. September immer offensichtlicher geworden ist: Die Institutionen dieser Republik sind kaputt, und niemand wird sie von innen heraus reparieren. Mit der Zeit, wenn immer mehr der potentiellen Opfer dieses Staates hier im eigenen Land und im Ausland diesen Umstand begriffen haben, werden sich Lösungen abzeichnen.

    Das Buch „Supernerds“ ist eine Essay- und Interviewsammlung der Theaterregisseurin Angela Richter, die am Schauspiel Köln inszeniert. Sie reiste für das Buch zu Whistleblowern und sprach mit ihnen über die Folgen der Überwachung: Daniel Ellsberg, Jesselyn Radack, Jeremy Hammond, Thomas Drake, William Binney, Julian Assange, Edward Snowden. Ein Interview mit Angela Richter findet sich im September-Heft der „Galore“ (S. 56–65). Auf die Frage, ob sie als Künstlerin auch Aktivistin sei, antwortete Richter darin: „Ich möchte zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Möchte aufklären, was dahintersteckt und welche Folgen es haben kann – auch mit Blick auf die kommenden Generationen.“

    30. Oktober 2015 9
  • : Britischer Student kämpft gegen Auslieferung an die USA
    Britischer Student kämpft gegen Auslieferung an die USA

    Der britische Student Lauri Love soll unter dem US-amerikanischen Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) verurteilt werden, die USA fordern seine Auslieferung. Love soll von Oktober 2012 bis August 2013 die Seiten diverser Behörden wie der NASA, des Energieministeriums und des FBI infiltriert und geheime Daten daraus veröffentlicht haben. Gegenüber Bethany Horne von The Guardian sagten Love und seine Anwältin Karen Todner, dass sie, statt zu versuchen die Anschuldigungen gegen ihn zu entkräftigen, gegen die rechtlichen Formalitäten bezüglich der Auslieferung argumentieren werden.

    „First, there are jurisdiction and venue issues, which is covered by what’s called the ‚forum bar’. That is, investigations and prosecutions should occur in the country where offences are committed, especially if the requested person is not a citizen of the requesting country.“ Love has never set foot in the United States. He claims the US Department of Justice should not have charged him before the British National Crime Agency (NCA) because it is considered a breach of ‚etiquette’ for one country’s legal system to ’step on the toes’ of another’s.

    Das stärkste Argument gegen eine Auslieferung an die USA sei nach Todner die psychische Verfassung von Love. Er habe seit langem psychische Probleme, einen Aufenthalt in einem US-Gefängnis, weit weg von seiner Familie, könne er nicht verkraften. Michael Ratner, Anwalt am Center for Constitutional Rights in New York, weist auf die inhumanen Haftbedingungen von Barrett Brown und Jeremy Hammond hin, die ebenfalls unter dem CFAA verurteilt worden sind:

    I am afraid that if Lauri Love is extradited to the US, he will end up like Barrett Brown and Jeremy Hammond, who are serving time for Anonymous-related convictions and are being subjected to stays in solitary whenever they attempt to speak out against their conditions – punishments that are designed to break their spirits and institutionalize their personalities.

    14. Oktober 2015 10
  • : Kampagne Intelexit: „Fluchtweg zur Demokratie“ für Geheimdienstangehörige in moralischen Konflikten
    Bild: Nick Jaussi/ Paul Lovis Wagner
    Bild: Nick Jaussi/ Paul Lovis Wagner
    Kampagne Intelexit: „Fluchtweg zur Demokratie“ für Geheimdienstangehörige in moralischen Konflikten

    Als „weltweit erstes Aussteigerprogramm für Angehörige von Geheimdiensten“ ging heute morgen die Kampagne Intelexit online. MitarbeiterInnen des GCHQ, der NSA und des BND werden unterstützt, der „Intelligence community“ den Rücken zu kehren. Ein Video mit Bruce Schneier und Thomas Drake, der Wiener Therapeutin Angelika Schneider und dem früheren Stasi-Offizier Walter Eichner erklärt die Hintergründe, ein Flyer gibt noch mehr Details.

    Adressiert werden alle Angestellten der Behörden, nicht nur jene die an Abhörprogrammen arbeiten oder am Drohnenkrieg beteiligt sind. Betroffenen, die sich in moralischen Konflikten befinden, soll Beratung, Therapie und rechtlicher Beistand vermittelt werden. Wer noch zögert, kann sich auf der Kampagnenwebseite einem Selbsttest unterziehen.

    Wir haben mit den MacherInnen von Intelexit ein Interview geführt, das vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde.

    Intelexit adressiert Geheimdienstler und deren Angehörige. Schilderst du kurz worum es geht?

    Wer mit der Arbeit für Geheimdienste in moralische Konflikte gerät, hat jedes Recht dort auszusteigen. Das ist die Kernbotschaft. Wir wollen diesen Leuten ein Fenster öffnen und sie in allem unterstützen, was es nach sich zieht sie der „Intelligence community“ den Rücken kehren.

    Wir reden oft sehr abstrakt über komplexe Angelegenheiten wie Privatheit, Grundfreiheiten, Überwachung… Hier geht es aber um die Menschen, die dahinter stecken. Wir wollen mit ihnen reden, wir behandeln die Überwachung als ein menschengemachtes Phänomen: Als Problem von Männern und Frauen, die in diesem „Kaninchenbau“ der Geheimdienstbehörden tätig sind. Menschen, die ZeugInnen von Lügen, Verbrechen und Ungerechtigkeiten werden und sich damit zusehends unwohl fühlen, ohne zu wissen wie sie diesen Zustand beenden sollen.

    Wir strecken ihnen die offene Hand aus und sagen: „Wir interessieren uns für euch. Ihr seid in einer schlimmen Situation der kognitiven Dissonanz eurer Werte, an die ihr glaubt, und eurem Tagesgeschäft. Wir könnten euch unterstützen“.

    Überdies glauben wir, dass je mehr Menschen wir aus diesen Strukturen herauslösen können, umso stärker wird die Durchsage an die Regierungen und die Dienste, dass hier etwas schief läuft.

    Die Reaktionen auf Whistleblower und Menschen, die Wahrheiten aussprechen, sind brutal (denkt an Bradley Manning, Edward Snowden, Julian Assange, Jeremy Hammond, Barrett Brown, Aaron Swartz etc.). Wir wollen deshalb ein positives Signal an die zukünftigen Whistleblower aussenden: Wir können euch in ein normales Leben zurück helfen, in dem ihr wieder zu euren Werten findet.

    Intelexit richtet sich an die Beteiligten der „Intelligence community“ im Ganzen, grenzüberschreitend und unabhängig von den Zuständigkeiten unterschiedlicher Behörden. Unsere ersten weltweiten Aktionen erfolgen in drei Ländern, aber wir hoffen dass wir auch andere AktivistInnen zu eigenen Aktionen inspirieren.

    Welche Länder, welche Dienste?

    Zunächst: BND, GCHQ, NSA.

    Wie wollt ihr die Kampagne verbreiten? Also, wie sollen die Bediensteten überhaupt davon Kenntnis erhalten, nicht nur die Presse und die sowieso schon überzeugten Aktiven?

    Ab Montag bestücken wir Werbetafeln vor den Einrichtungen besagter Geheimdienstbehörden. Dann schicken wir ihnen E‑Mails, Faxe, wir rufen sie im Büro an und verteilen Flugblätter vor den Eingängen der Gebäude.

    Ihr geht davon aus dass Geheimdienstler oder deren Angehörige sich tatsächlich melden? Oder ist das eigentlich eine weitere politische Kampagne zur Abschaffung der Geheimdienste?

    Auf jeden Fall! Wir senden eine unüberhörbare Botschaft, und es ist die erste Initiative dieser Art die vielen Menschen Hoffnung in einer auswegslosen Situation bringen könnte. Bei der Recherche für das Projekt haben wir eine Reihe früherer und immer noch aktiver Mitglieder dieser „Intelligence community“ getroffen, außerdem einige ihrer FreundInnen und Familien. Wir haben immer wieder die gleichen Geschichten gehört und vernahmen darin einen deutlichen Hilferuf. Die Kampagne ist also absolut notwendig.

    Der Ausstieg der Einzelnen ist ein Anfang zur Abschaffung der Geheimdienste, wie wir sie heute kennen. Gemeinsam können wir dann mehr Druck ausüben, um wieder verantwortlich zu handeln und unsere Demokratien zu respektieren.

    Es gab ja eine Reihe von Whistleblowern in den letzten Jahren, du hattest einige vorher aufgezählt. Natürlich war ihr Coming out extrem wichtig, sie schienen aber nicht unbedingt inspiriert voneinander gewesen zu sein?

    Wir haben gesehen wie Edward Snowden durchaus von früheren Whistleblowers inspiriert war und aus ihren Erfahrungen lernte. Er baute auf ihnen auf und arbeitete an einem Ausstiegsszenario, bevor er seine Informationen preisgab. Er hat sichergestellt, dass sich die Dokumente nach der Weitergabe nicht in seinem Besitz befanden und dachte sich eine Strategie zur Veröffentlichung aus.

    Wir wissen, dass da andere sind die etwas verbessern möchten, es könnten noch viele mehr sein. Der Versuch mit ihnen auf menschliche Weise ins Gespräch zu kommen ist kostbar, denn sie könnten die zukünftigen Whistleblower werden.

    Es ist also wichtig, dass die früheren und die zukünftigen Whistleblower einander unterstützen und dabei auf Erfahrungen und bewährte Verfahrensweisen zurückgreifen. Sie können ihr Wissen zur bestmöglichen Veröffentlichung von Informationen teilen und, das ist eigentlich noch wichtiger, danach zu einem guten Leben finden.

    Wir möchten aber nicht nur denjenigen helfen, die später als Whistleblower aktiv werden wollen, denn das ist eine individuelle Entscheidung und dies als Bedingung zu stellen würde den Druck nur unnötig erhöhen. Nicht jeder Mensch muss gleich zum Helden werden. Ein erster Schritt ist: Aufhören dort zu arbeiten. Aufhören unserer Gesellschaft zu schaden. Aussteigen.

    Klingt ein wenig nach Beihilfe zum Landesverrat…

    Landesverrat, genau! Manchmal ist das, was die einen „Landesverrat“ nennen, für die anderen „Tapferkeit“. Manchmal ist das Brechen von Gesetzen die einzige Möglichkeit, ein kaputtes System zu überwinden, die Wirklichkeit offenzulegen und Verbrechen bekannt zu machen. Individuen können sich und ihr Gewissen vor diese Wahl stellen. Wenn wir die gegenwärtigen Veröffentlichungen zur Massenüberwachung anschauen, stellen wir fest dass wir mehr Whistleblower brauchen! Wir benötigen also Eingeweihte, die den Schritt wagen und die Informationen in die Welt schicken. Das könnte der einzige Weg sein, eine öffentliche Debatte darüber zu führen. Als BürgerInnen könnten wir hoffen, die entfesselten, gefährlichen und unverantwortlichen Institutionen unter Kontrolle zu bringen.

    Ein Punkt der Kampagne ist jene zu inspirieren, die nicht unbedingt Whistleblower sein wollen, aber aussteigen wollen. Genauso wie ein Streik funktioniert, wenn die Leute in den Minen ihre Arbeit niederlegen um gegen ihre lausigen Arbeitsbedingungen zu protestieren.

    Wieso adressiert ihr nur Geheimdienste, die sowieso allerorten im Fokus stehen und von Kampagnen zu deren Abschaffung überhäuft werden. Wäre es nicht genauso wichtig, Polizeiangehörige zu überzeugen den Korpsgeist zu durchbrechen damit Korruption, Misshandlungen und polizeiliche Morde geahndet werden können?

    Es gibt eine Menge wichtiger Anliegen in der Welt… Oft hängen sie zusammen.

    Wir finden es wichtig, die Angehörigen der Geheimdienste in den Blick zu nehmen, denn im Gegensatz zu anderen Behörden leben und arbeiten sie in totaler Undurchsichtigkeit, tief unten in ihrem „Kaninchenbau“. Sie haben dort nicht mit „echten Menschen“ außerhalb dieser Maschine zu tun. Sie können nicht einmal mit FreundInnen und der Familie über ihre wirkliche Tätigkeit sprechen.

    Die vielfältige Missachtung unserer Freiheiten durch die Geheimen im Geheimen ist in vielerlei Hinsicht merkwürdig. Intelexit könnte ein kollektiver Pfad sein, Licht in diesen „Kaninchenbau“ zu bringen.

    Es geht nicht nur um die Kritik an Massenüberwachung, sondern auch an Drohnenkriegen?

    Massenüberwachung zur Vorbeugung von Terrorismus ist wirkungslos. Heutzutage wird sie vielmehr für eine Reihe tief gehender Grundrechtsverletzungen genutzt: Wirtschaftsspionage (auch im Dienst von Konzernen), politische Spionage, sozialer Druck und Manipulation. Sie dient der Sammlung von Metadaten. Die erlangten Profile bilden die Grundlage für vorhersagende Algorithmen, um damit Einzelne herauszufiltern und sie noch intensiver auszuspähen oder auch zum Ziel von Drohnenangriffen zu machen.

    Es ist wichtig dass wir sichtbar machen, wie Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen weltweit mithilfe von Drohnen getötet werden, weil sie zuvor Datenspuren hinterlassen haben. Sie wurden durch Massenüberwachung erhoben und zwischen Geheimdiensten unterschiedlichen Regierungen ausgetauscht, ohne dass dies demokratisch kontrolliert werden könnte.

    Warum erwähnt ihr in euren Veröffentlichungen nicht Russland, China oder Israel? Leute wie Andrej Soldatov oder die 43 früheren Mitglieder der israelischen „Unit 8200“ weisen darauf hin, wie auch ihre Regierungen Freiheitsrechte im Internet aushöhlen?

    Wir starten diese Kampagne in drei westlichen Demokratien, deren Geheimdienstapparate außer Kontrolle geraten sind. Wir kritisieren das Konzept solcher geheimen und machtvollen Strukturen in heutigen Demokratien. Wir hoffen, dass Menschen in anderen Ländern zu uns stoßen und die Mitglieder ihrer eigenen Apparate ansprechen.

    Geheimdienste schnorcheln nicht nur im Internet, sie (und Polizeibehörden) bezahlen auch Informanten oder sind sogar selbst mit Legende in verschiedenen Szenen unterwegs. Ist das auch Ziel der Kampagne?

    Mit Intelexit richten wir nicht nur an MitarbeiterInnen der Abteilungen zur Massenüberwachung, sondern an alle Angestellten. All jene, die in ihrer täglichen Arbeit Lügen, Verbrechen und Ungerechtigkeiten beobachten, sich damit schlecht fühlen und einen Ausweg suchen.

    Angehörige der Geheimdienste dürften sich selbst als Demokraten, vielleicht sogar Patrioten betrachten. Was bringt euch zur Überzeugung dass sie diese sichere Überzeugung (und auch Stellung) aufgeben, was sie in Konflikt mit der – aus ihrer Sicht – jahrelang verteidigten Verfassung bringen wird?

    Viele haben die Arbeit begonnen, weil sie in Ideale und Werte geglaubt haben und diesen dienen wollten – ihre Verfassung, Freiheit oder Demokratie. Nun sehen sie sich deren permanenter Verletzung gegenüber. Das kann zu enormen Stress führen. In Fällen wo sie keine Hoffnung auf Veränderung haben, geben wir ihnen diese!

    In unseren Treffen mit Geheimdienstangehörigen waren wir von deren tiefen moralischen Konflikten überrascht. So etwas zwischen „ich verteidige hier die Verfassung meines Landes, meine geliebten bürgerlichen Freiheiten und die Demokratie“ und einer Realität von „ich bin beauftragt die Verfassung, die Freiheit und die Demokratie zu brechen“. Das erzeugt heftigen persönlichen Stress, den manche einfach deckeln oder sich gefühlsmäßig einigeln. Andere kompensieren das mit Alkohol, Drogen und Gewalt.

    Ihr beratet die Leute also in Strategien zum Ausstieg?

    Genau. Wir versuchen, menschliche und rechtliche Ressourcen zusammenzubringen. So wollen wir denjenigen helfen, die sich in diesem „Kaninchenbau“ verloren haben, einen ehrenhaften Ausstieg zu finden, der ihnen und der Demokratie gleichermaßen gerecht wird.

    Der Ex-Drohnenpilot Brandon Bryant hat nach 1.626 getöteten Menschen den Bruch gewagt. Verständlicherweise hat er nun arge psychische Probleme. In solchen Fällen bietet ihr Therapie an. Wie wollt das gewährleisten?

    Wir behandeln die Angehörigen der Geheimdienste genauso menschlich und nicht feindlich, wie wir selbst aufeinander acht geben, so wie FreundInnen die auf einen falschen Weg geraten sind. Im Falle von Brandon würden wir uns natürlich um die professionelle Unterstützung bemühen, wie sie in unter solch besonderen Umständen benötigt wird.

    Wir glauben, dass dies eine Dynamik entfalten könnte, in der Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und Perspektiven mithelfen könnten. Das können AnwältInnen und Medienschaffende sein, aber auch psychotherapeutische oder andere Pflegekräfte – warum nicht auch Lehrerende für Yoga oder Entspannungstechniken?

    Was macht ihr mit eingestuften Informationen die euch zugetragen werden?

    Darum geht es erstmal nicht. Vor allen Dingen rufen wir die Leute zum Ausstieg auf. Whistleblower zu werden ist eine sehr individuelle Entscheidung. Dafür braucht es natürlich sichere Kommunikationsmittel. Wir haben keinen Zweifel dass Geheimdienstbehörden neugierig sind was wir so tun. Wahrscheinlich versuchen sie, unsere Kommunikation abzuhören. Wir wollen deshalb so viele sichere Kommunikationskanäle wie möglich anbieten. Es soll ein .onion-Kontaktformular geben das mit GPG verschlüsselt. Aber noch wichtiger ist die Betonung der menschlichen Aspekte von Sicherheit, an die Angehörige von Geheimdiensten natürlich denken müssen: Benutze niemals deinen alltäglichen Rechner und auch nicht deine Mailadresse um mit uns in Kontakt zutreten. Macht das am Besten über jemand anderen – das kann auch ein Proxy sein.

    Erst danach helfen wir bei den ersten, notwendigen Schritten damit diese Leute ihren Frieden mit sich und der Gesellschaft machen können. Dann können sie überlegen, ob sie Whistleblower werden möchten. Wenn sie sich zur Veröffentlichung eingestufter Informationen entschließen, könnte das mit Unterstützung von Wikileaks oder dem Spiegel erfolgen. Unsere Kampagne ist also eine Brücke, über die Leute gehen können, ein Fluchtweg zur Demokratie, raus aus dem Kaninchenbau.

    IntelExit-Backdoor
    IntelExit-Complicit
    IntelExit-HelfenSie
    IntelExit-HopedToServe
    IntelExit-ListenToYour
    IntelExit-Paranoia

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    28. September 2015 22
  • : USA: Prozess gegen Anonymous-Aktivisten und Journalisten Barrett Brown beginnt
    Barrett Brown im Jahr 2007. Bild: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Barrett_Brown_2007.jpg">Karen Lancaster</a>
    USA: Prozess gegen Anonymous-Aktivisten und Journalisten Barrett Brown beginnt

    Seit zwei Jahren, drei Monaten und vier Tagen sitzt in den USA der Journalist und Aktivist Barrett Brown stellvertretend für das Anonymous-Kollektiv in Untersuchungshaft. Gestern hat sein Prozess begonnen. Die FAZ berichtet über den Fall: Anonymous Barrett Brown: Märtyrer der Pressefreiheit oder Krimineller?

    Brown war nicht nur Journalist, er war auch Aktivist. Er galt als das Gesicht des Hacker-Kollektivs Anonymous, als Namhafter der Namenlosen. Er sah sich als „leitender Stratege“ des Kollektivs, der mitentschied, wen man online angriff, wann und warum. Oft wühlte er sich durch Daten, die von den Hackern erbeutet wurden. Deshalb und wegen eines Drohvideos steht er nun vor Gericht. Browns Geschichte ist ein Teil dessen, was manche als „Hackerkriege“ bezeichnen und er selbst als Informationskrieg: den Kampf Amerikas gegen Whistleblower, Informanten, Journalisten. Die Frage ist, ob Brown in diesem Krieg Kombattant war oder Zivilist.

    Im März 2013 kommentierte Glenn Greenwald damals noch beim Guardian: The persecution of Barrett Brown – and how to fight it.

    Und hier ist ein längeres Guardian-Portrait über Brown: How Barrett Brown went from Anonymous’s PR to federal target

    Since that evening, on 12 September last year, Brown has been in a Texas jail awaiting a looming trial that could land him several decades behind bars. He stands accused of committing 17 offences in total, including aiding and abetting aggravated identity theft, making internet threats, and retaliation against a federal law enforcement officer. But it is no ordinary, open and shut case. It is a bizarre saga that involves a web of secrets, scandals, covert informants and some of the most widely publicised computer hacking conspiracies in recent history.

    Frühere Artikel bei uns:

    Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links
    Linken nicht verboten: Barrett Brown drohen nur noch 70 Jahre Haft

    17. Dezember 2014 2
  • : Rezension: Hacker, Hoaxer, Whistleblower, Spy – Die vielen Gesichter von Anonymous
    Rezension: Hacker, Hoaxer, Whistleblower, Spy – Die vielen Gesichter von Anonymous

    Das Internet-Phänomen Anonymous hat viele Bezeichnungen erhalten: Hacker auf Anabolika, politischer Aktivismus des 21. Jahrhunderts, Bedrohung der nationalen Sicherheit. Jetzt erscheint das definitive Buch über die Welt der „lulz“ und Guy-Fawkes-Masken. „Hacker, Hoaxer, Whistleblower, Spy“ von Gabriella Coleman kombiniert spannende Geschichtenerzählung mit wertvoller Klarstellung und Reflexion.

    27. Oktober 2014 2
  • : Linken nicht verboten: Barrett Brown drohen nur noch 70 Jahre Haft
    Linken nicht verboten: Barrett Brown drohen nur noch 70 Jahre Haft

    105 Jahre werden es nicht werden: Im Prozess gegen Barrett Brown hat die Staatsanwaltschaft 11 Anklagepunkte zurückgenommen. Übrig bleiben damit nur noch sechs Punkte. Ursprünglich war Brown unter anderem vorgeworfen worden, durch das Senden eines Links auf Informationen aus dem Stratfor-Hack Identitätsdiebstahl begangen zu haben, da das Linkziel Kreditkarteninformationen enthielt (Anklageschrift).

    Die Staatsanwaltschaft schließt sich mit der Rücknahme einem Antrag der Verteidigung an, in dem unter anderem argumentiert wird, dass das Reproduzieren eines öffentlich zugänglichen Links zu ebenfalls öffentlich zugänglichen Inhalten nicht gleichbedeutend sein kann mit dem Veröffentlichen von Kreditkarteninformationen:

    6. März 2014 3
  • : Müssen wir mit allem rechnen? Ein Lagebericht aus der Welt des Dataismus #2
    Screenshot aus der Palantir-Analysesoftware via palantir.com
    Müssen wir mit allem rechnen? Ein Lagebericht aus der Welt des Dataismus #2

    Große Daten – bitte was? Der Begriff „Big Data“ geistert seit Monaten durch Artikel, TV-Sendungen  und Radiobeiträge. Die weitaus meisten von uns haben dennoch, zumindest laut mancher Studie, keinen blassen Schimmer, was damit gemeint sein könnte. Mit einer Artikelreihe wollen wir deshalb ein paar Scheinwerfer in den Datenanalyse-Wald richten. Denn die enthüllte Überwachungs‑, ist eigentlich eine „Berechnungsgesellschaft“. Darin sind die Geheimdienste nur einige Akteure unter vielen. 

    (Die Vorgeschichte steht hier. )

    Was sehen Geheimdienste eigentlich? Zum Beispiel einen visualisierten Informationshaufen, ein zweidimensionales Datenknäuel. „Hier habe ich also ein Cluster“, sagt Sean Hunter und klickt neben das Verbindungschaos, das sofort seine Form verwandelt – und etwas weniger verworren wirkt. „Das Bild ist immer noch ziemlich komplex“, gibt der Analyst zu und klickt auf ein anderes Symbol. „Ich möchte mich auf die wichtigsten Informationen konzentrieren, … ich kann hier reinzoomen…“ Die Datenpunkte ordnen sich linienförmig an, ihre Vernetzungen bleiben. Mit einem weiteren Klick entsteht ein Bild, das einem Stammbaum oder einem Organigramm ähnelt – oben zwei Rechtecke, in der Mitte und ganz unten vier. „Jetzt habe ich also eine Hierarchie“, sagt Hunter. Die untere Reihe bilden die User, die Reihe darüber Computer und die zwei oberen Punkte sind IP-Adressen. Für den Analysten ist das Bild noch immer zu komplex. Und nicht eindeutig genug. „Meine erste Frage als Analyst ist: Was machen die vier Nutzer?“. Um das herauszufinden, verbindet Hunter die Daten mit einer Datenbank, die sämtliche Aktivitäten aller Computer gespeichert hat. Er weiß jetzt, welche IP-Adresse zu welchem Zeitpunkt was gemacht hat. Wieder mehr Daten, ein neues Knäuel. „Jetzt beseitige ich alles, was ein Gefährlichkeitsrating unter zehn hat.“ Ein Klick: eine neue Hierarchie. Ein weiterer: eine isolierte Einzelperson. Zum Schluss ein Muster, ein bewegliches Bild von allen Aktivitäten der Person. Am Ende erscheint auf dem Bildschirm ein Foto. Sean Hunter hat –  zu seinem Nachnamen passend – den Verdächtigen überführt. Der heißt „Adrik Pavlo“ und ist Mitglied einer russischen Hackergruppe.

    28. Februar 2014 6
  • : Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links
    Barrett Brown im Jahr 2007. Bild: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Barrett_Brown_2007.jpg">Karen Lancaster</a>
    Barrett Brown: womöglich 105 Jahre Gefängnis für das Teilen eines Links

    Der amerikanische Journalist und Aktivist Barrett Brown sitzt seit über einem Jahr im Gefängnis. Er sieht sich mit Anklagen konfrontiert, welche ihn in Addition der einzelnen Strafmaße für 105 Jahre ins Gefängnis bringen würden. Sein Verbrechen: er veröffentlichte einen Link zu einer Reihe geheimer Daten, welche enge Beziehungen zwischen der amerikanischen Regierung und privaten Sicherheitsfirmen aufzeigten.

    Die New York Times beschreibt Barrett Brown als einen Journalisten der die „Konflikte und Widersprüche des Journalismus in der digitalen Ära“ aufzeigt. Brown schrieb unter anderem für Vanity Fair, die Huffington Post und den Guardian. Mindestens so sehr wie als Journalist sei Brown jedoch auch als Aktivist aktiv gewesen. Unter anderem war er in der Vergangenheit Sprecher von Anonymous. Seine Interesse war jedoch immer dasselbe, egal ob als Journalist oder Aktivist: die Verwicklungen amerikanischer Sicherheitsbehörden mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft aufzeigen und anprangern.

    Die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus scheinen bei Barrett Brown fließend gewesen zu sein, wie die New York Times anmerkt:

    He was known to call some of his subjects on the phone and harass them. He has been public about his struggles with heroin and tends to see conspiracies everywhere he turns. Oh, and he also threatened an F.B.I. agent and his family by name, on a video, and put it on YouTube, so there’s that.

    11. September 2013 4