Eine der wichtigsten Botschaften für politische Internetaktivisten auf dem Politcamp war aus meiner Sicht: Sich nur im Netz zu artikulieren verändert noch nichts. Sondern die User müssen sich auch organisieren, wenn sie Politik beeinflussen wollen. Jemand, der nur vor dem Laptop sitzt und ab und an twittert oder Blogposts schreibt, beteiligt sich zwar an Netzdebatten, er nimmt aber dadurch noch keinen Einfluss auf Politik und verändert erst mal: nichts. So ähnlich haben das sowohl Volker Beck (Grüne) als auch Angelika Dorsch (SPD) dargestellt.
Internetaffine Politiker wie Beck, Matthias Groote (SPD) oder Frank Schäffler (FDP) verfolgen zwar die Debatten im Netz, an der Vielzahl der 1.0‑Politiker und an den klassischen Massenmedien rauschen sie aber vorbei. Wenn öffentliche Debatten aber überhaupt einen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, dann diejenigen, die in den „old school“-Medien geführt werden. Es gibt zwar Ausnahmen, aber die bestätigen – bisher jedenfalls noch – eher die Regel.
Das Problem der Netzöffentlichkeit ist zum einen die Selbstgenügsamkeit der User. Andere auf dem Politcamp haben das provokativer „Selbstgefälligkeit“ genannt. Damit gemeint ist eine Haltung, die changiert zwischen Parteiverdrossenheit und dem Gefühl zu einer digal-demokratischen Elite zu gehören. Die einen wollen mit Politikern nichts (mehr) zu tun haben, die anderen finden, dass die Politiker gefälligst auf sie zukommen sollen. Das hilft nicht wirklich weiter, wenn man sich nicht nur beschweren, sondern auch politisch was bewegen will. Wenn man also politische Entscheidungen beeinflussen will.
Ein weiteres Problem ist die oft technokratische Tendenz der Netz-Beiträge. Da beteiligen sich Quasi-Experten, die sich bestens zum Beispiel mit Internetzensur und den technischen Tools, mit denen man sie umgehen kann, auskennen. Um nicht falsch verstanden zu werden: das ist gut so! Es ist gut und wichtig, dass sich Leute zusammenfinden, die das technische oder auch juristische Know-How haben, um etwa Zensurvorstößen der Regierung gewichtige Argumente entgegenzusetzen. Das bietet auch netzaffinen Politikern und anderen Interessierten die Möglichkeit, mehr darüber zu lernen. Ein Problem ist es aber, wenn die guten Argumente von Laien und „Internetausdruckern“ kaum noch verstanden werden. Das macht dann die Debatte im Netz auch für die meisten Journalisten ziemlich unzugänglich. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, die „Zensursula“-Problematik zwar heiß im Netz diskutiert wurde und wird, aber bestenfalls lauwarm in den klassischen Massenmedien.
Was kann man daraus lernen? Zwei Sachen: Blogger organisiert euch! Bleibt nicht nur unter euch und genügt euch selbst, sondern schreibt euren Politikern, wendet euch an die Medien und macht auf eure Anliegen aufmerksam. So ist das nun mal in unserer Demokratie: Wer ein Anliegen hat und etwas verändern will, der muss nicht nur seine Stimme erheben, sondern auch politische Druck machen. Und das andere: schreibt Blogposts und Pressemitteilungen, die auch für Laien und Idiotes, Nicht-Wissende, verständlich sind. Denn wer die Masse erreichen will, der muss auch die Sprache der Masse sprechen. Der muss komplizierte Zusammenhänge vereinfachen und auf den Punkt bringen. Ein bisschen PR gehört da gegebenenfalls auch dazu.