Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, findet als einer der ersten Deutschen positive Worte für das NSA-Spionageprogramm PRISM. Gegenüber dem Handelsblatt sagte Wendt:
„Präsident Barack Obama argumentiert mutig, entschlossen und er hat fachlich hundertprozentig recht. Diese Politik wünschte ich mir auch in Deutschland und Europa“
Und weiter:
Bei uns regieren völlig überzogener Datenschutz, föderaler Egoismus und wilde Überwachungsfantasien von Politikern, die den Menschen immer wieder einreden wollen, die Polizei würde sie bespitzeln und aushorchen
Eine vernünftige Verbrechensaufklärung sei so nicht möglich, wie Wendt mehrfach betonte. Ein Beispiel sind für ihn dabei die Ermittlungen um die rechtsextremistische Terrorgruppe NSU, bei der Beamten immer noch Akten durchlesen würden:
Das ist Ermittlungsarbeit wie im Mittelalter und könnte mit Hilfe moderne Analysesoftware binnen kürzester Zeit zuverlässig erledigt werden. […] Man muss diese Technik endlich beschaffen, um Massendaten in komplizierten Großverfahren kriminologisch effektiv auswerten zu können.
Wendt schein die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben zu haben, dass die Bevölkerung und die Politik bald erkennen werden was gut für sie ist:
Ich habe die große Hoffnung, dass wir uns in Deutschland nicht länger auf unser Glück verlassen, sondern der Bevölkerung klipp und klar sagen, was zur Verbesserung polizeilicher Analysekompetenz nötig ist.
Glücklicherweise scheint Wendet mit seinen Ansichten zur Zeit noch relativ alleine dazustehen – jedenfalls ist er der einzige der diese Meinung öffentlich vertritt. Deutsche Politiker äußern sich größtenteils besorgt und fordern eine rasche Aufklärung, insbesondere inwiefern deutsche Internetnutzer von PRISM betroffen sind. Wie heise berichtet sagte Justiznministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gegenüber dem Bayerischen Rundfunk:
Ich finde die Dimension besorgniserregend. Ich denke auch, dass man das nicht einfach nur mit dem Vorgehen gegen Terrorismus erklären kann, weil eben nicht jedes Mittel diesen weitreichenden Einsatz rechtfertigen kann […]. Es ist wichtig, dass hier erst einmal totale Aufklärung steht.
Der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar zeigte sich besorgte auf Grund der „ungeheuerlichen Vorwürfen einer Totalüberwachung“ und forderte ebenso eine rasche Aufklärung:
Angesichts der Vielzahl deutscher Nutzer von Google‑, Facebook‑, Apple- oder Microsoft-Diensten erwarte ich von der Bundesregierung, dass sie sich für eine Aufklärung und Begrenzung der Überwachung einsetzt.
Gleichzeitig betonte Schaar aber auch, dass deutsche Sicherheitsbehörden keine Befugnisse zu einer solchen Überwachung hätten:
Eine anlasslose, allumfassende Erhebung, Speicherung und Auswertung von Telekommunikationsdaten durch Sicherheitsbehörden ist nach deutschem Recht unzulässig.