Dieser Artikel ist mehr als 19 Jahre alt.

Ergebnisse und Bewertung des IT-Gipfels

Die Bundesregierung hat die Ergebnisse des heutigen IT-Gipfels und seiner Arbeitsgruppen online gestellt. Durchaus interessant zu lesen, gibt es doch einen Einblick in das, was sich Ministerien und Großkonzerne für unsere digitale Zukunft überlegt haben. Die Arbeitsgruppe „Service- und verbraucherfreundliche IT“ etwa preist weiterhin DRM an, führt aber dann zum Thema „Hausvernetzung“ den Nachweis, dass…

  • Ralf Bendrath

Die Bundesregierung hat die Ergebnisse des heutigen IT-Gipfels und seiner Arbeitsgruppen online gestellt. Durchaus interessant zu lesen, gibt es doch einen Einblick in das, was sich Ministerien und Großkonzerne für unsere digitale Zukunft überlegt haben. Die Arbeitsgruppe „Service- und verbraucherfreundliche IT“ etwa preist weiterhin DRM an, führt aber dann zum Thema „Hausvernetzung“ den Nachweis, dass auch Staatssekretäre und Vorstandsmitglieder komplexe boolesche Operationen verstehen können:

Eindeutige Rückmeldungen immer auf zwei Wahrnehmungskanälen geben: Licht und Ton oder Schalterstellung und Licht oder Schalterstellung und Ton.

Dpa hat die 12 Punkte der „Potsdamer Initiative“ zusammengefasst, und bei Heise gibt es eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse.

Die Nachberichterstattung der Medien ist auch schon überwiegend fertig. Die Süddeutsche schreibt in ihrem Kommentar:

Kennen die Experten von Potsdam Begriffe wie Web 2.0? Eine indirekte Antwort auf solche Fragen, hat Wirtschaftsminister Michael Glos gegeben: Er beklagte, wie wenig Fernsehgeräte in Deutschland gebaut werden. Das, Herr Glos, ist die Industrie von gestern.

Die taz macht sich über die 1,2 Milliarden Euro Förderung lustig: „Nun klotzt die Podkanzlerin!“

Die Kanzlerin hat von ihrer Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) schon so manche Hightech-Milliarde doppelt versprechen lassen; meist Mittel, die aus entlegeneren Winkeln des Bundeshaushalts zusammenaddiert werden. Aber egal, bombastisch sind die Pläne allemal, welche die Kanzlerin zusammen mit der digitalen Wirtschaft ausheckte. Zum Beispiel soll einem europäischen Konkurrenten zum US-amerikanischen Suchmaschinenmarktführer Google auf die Beine geholfen werden. Das gefällt den Kritikern der allumfassenden US-Hegemonie selbstverständlich. Aber geht so Förderung von IT-Innovationen? Sind die digitalen Heroen nicht die Garagenbastler, die 25-jährigen Informatikstudenten, die halb aus Langeweile Musik oder Videos im Internet empfang- und tauschbar machen? Und sich dann ihre Idee für fettes Geld abkaufen lassen?

Der Spiegel hat sich mal genauer angesehen, wo der der beklagte Fachkräftemangel herkommt: „Deutsches IT-Gejammer 2.0“.

Ach ja, Merkel wollte ja auch mit Studenten diskutieren. Die taz meldet dazu:

Die anwesenden InformatikstudentInnen wollten natürlich diskutieren. Mit Transparenten bewaffnet, protestierten sie gestern gegen den IT-Gipfel am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut. Sie wollten wissen, wie man das „Ausspionieren“ der Bürger verhindern und kostenlose Software voranbringen könne. „Das ist doch alles Inszenierung“, schimpfte ein Fachschaftsvertreter über den Gipfel, den die Bundeskanzlerin einberufen hatte.

Die Financial Times Deutschland beschließt ihren Kommentar folgendermaßen:

Der Gipfel gehört den Ehrgeizigen, den Himmelsstürmern. Nicht dem Kaffeekränzchen des Establishments.

Ich selber bin heute Abend für das Netzwerk Freier Radios zum IT-Gipfel interviewt worden (Das wird erst morgen früh ausgestrahlt, daher ist immer von dem „Gipfel gestern“ die Rede.). Download als mp3.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

6 Kommentare zu „Ergebnisse und Bewertung des IT-Gipfels“


  1. >Sie wollten wissen, wie man das “Ausspionieren” der Bürger verhindern und kostenlose Software voranbringen könne.

    Dieses Zitat aus der taz finde ich interessant, haben die Studenten wirklich für „kostenlose Software“ protestiert oder war es vielleicht doch Freie Software und die Damen und Herren von der taz haben da was nicht richtig verstanden?

    War da vielleicht jemand vor Ort und kann meine Vermutung bestätigen bzw. dementieren?


  2. Uni Potsdam Student

    ,

    Ja, du vermutest richtig. Gut möglich, dass nebenbei auch Software erwähnt wurde. Wenn, dann war aber ganz sicher von freier Software die Rede. Uns ging es vor allem um die Exklusivität des Treffens, die wir gegenüber dem taz-Reporter ausführlich kritisiert haben.
    siehe auch:


  3. Potsdamer IT-Gipfel…

    Der Potsdamer IT-Gipfel ist zu Ende, die handverlesenen Teilnehmer klopfen sich auf die Schultern und auf der Website der Kanzlerin stehen die Ergebnisse des Gipfels zur gefälligen Betrachtung.

    Bei mir stößt diese Veranstaltung in vielerlei Hinsicht…


  4. Ein zentraler Punkt der IT Initiative ist die Klage, dass es in Deutschland zu wenig IT Fackkräfte gibt. In 2006 haben viele Firmen tatsächlich gemeldet, dass sie Schwierigkeiten haben, geeignete Fachkräfte zu bekommen. Interessanterweise haben die gleichen IT Firmen in 2004 keine und in 2005 wenig Probleme gehabt, geeignete Fachkräfte zu finden – wohl weil sie gar keine gesucht haben. Es ist auch nicht verwunderlich, dass junge Menschen nicht unbedingt in die IT Industrie strömen, wenn die Gehälter in der IT Branche heute etwa 20% niedriger sind als etwa im Maschinenbau (und diese Branche brummt!)Wahrscheinlich sind die Anforderungen der Betriebe, die Schwierigkeiten bei den Einstellungen haben, zu hoch und die Bereitschaft ordentliche Gehälter zu zahlen zu niedrig.

    Unkonventionelle Methoden, wie die meines sparsamen Unternehmerfreundes aus dem Schwäbischen, führen bei der Personalbeschaffung auch nicht immer zum Ziel. Auf den Rat, doch das Gehalt für einen gesuchten Spezialisten für Kontrollsoftware doch einfach zu erhöhen, schlug er vor: „Ich hääte da noch ein hübsches Töchterle“ .

    Wir tun gut daran das Geschrei der ITK Industrie zu ignorieren und junge Menschen mit wirklichem Interesse an dem Beruf zu ermuntern, sich gut auszubilden. In keinem Industriesegment ist die Chance mit eigenen Ideen Erfolg zu haben heute höher als in der IT Industrie.


  5. […] Der Video-Podcast von Merkel befasst sich mit dem IT-Gipfel. Man bekommt einen ersten Eindruck, was dort am Montag beschlossen werden soll. Kurz gesagt, es ist zum Heulen. Uns erwarten “Bessere” Call-Center-Warteschleifen, Schnüffelchips für alle, und eine Suchmaschine, die von einer unfähigen Firma entwickelt werden soll, die den Zuschlag in einer nicht-öffentlichen Ausschreibung bekommen hatte. Aber die Suchmaschine heisst dann anders. Wir sammeln viele Berichte vom IT-Gipfel der Bundesregierung. Dazu Ergebnisse und Bewertungen. Mein Höhepunkt war der Wunsch nach mehr Atomkraftwerken von Hasso Plattner, damit wir mehr Server betreiben können. […]


  6. […] “Experten” in Hannover, um über die nationale IT-Strategie zu reden. Das war ja vor einem Jahr schon eher ein Reinfall. Dieses Mal streitet man sich offenbar vor allem darüber, ob es einen […]

Dieser Artikel ist älter als 19 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.