In Bremen sind nächstes Jahr Wahlen. Nun denkt man bereits darüber nach, wie man mehr Bürger an die Urnen bekommen könnte. Politiker denken da immer sofort an Bequemlichkeit und weniger daran, dass es für Nicht-Wähler andere Gründe geben könnte, die Stimmabgabe zu verweigern. Zuerst wird immer sofort die „Wählen übers Internet“-Karte (e‑Voting) gezogen. Aber da das anscheinend rechtlich und technisch nicht so schnell machbar ist (Und das ist auch echt gut so), gibt es andere Ideen. Der Bürgerschaftspräsident Christian Weber von SPD verkündete gleich die grandiose Idee, dass „Wahlen mehr Eventcharakter bekommen müssen“, da Wahllokale oder Behörden für Bürger abschreckend und langweilig seien.
Konkret hat der Politiker wohl die Stimmabgabe an Tankstellen, in Gaststätten, im Rahmen eines Festes auf dem Bremer Marktplatz oder gleich bei einem Heimspiel im Bremer Weserstadion vorgeschlagen. Vielleicht sollte man noch ein Herbert Grönemeyer Konzert veranstalten, damit noch mehr Menschen ins Stadion kommen. Ich stell mir das sehr lustig vor, wenn die Bremer Wahlhelfer dann vor einem Gefrierschrank in einer Tankstelle dicht gedrängt sitzen müssen, damit Wählen zu einem Event wird. Da kann man gleich mit einem Bier oder Schnaps auf den abgegebenen Stimmzettel anstossen. Oder will man etwa Wahlcomputer in Tankstellen oder Gaststätten stellen?
Ergänzungen
Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
9 Kommentare zu „Wahlen müssen wieder zu einem Event werden?“
,
in der DDR waren die wahlen immer ein event. (damals gabs das wort noch gar nicht! so fortschrittliche war das damals!) gerade für nichtwähler und die nachbarschaft von nichtwählern. nichtwähler wurden nämlich von der polizei zur wahlurne chauffiert. da hat man sich noch um die wähler gekümmert! und heute? heute kümmern sich nur die nazis noch. aber die sind ja indiskutabel. im ergebnis gibt es keine gute lösung, sondern nur das kleinere übel und dabei kann man sich nicht sicher sein, das das gewählte kleinere übel auch klein bleibt.
,
Heh, ich hab mich grad gefragt, wann eigentlich hier wieder Wahlen sind.
Die Herren wollen also mehr Events. Ich freu mich dann mal nächstes Jahr auf Guido’s Spassmobil ;-)
,
Warum gehen die meisten Leute denn nicht wählen? Weil sie dumme Schweine sind! Ich kann das in Selbstmitleid ersoffene Gelaber der Nichtwähler nicht mehr hören. „Ich bin arbeitslos, ich bin schwanger, ich brauch Geld!“, „Die da oben kümmern sich nicht um die da unten!“, aber kümmern sich die da unten denn überhaupt um sich selbst? Wenn ich Leute sehe, die vor 20 Jahren ihre Ausbildung gemacht haben und meinten, das sei die lebenslange Arbeitsversicherung ohne weitere Leistungsnachweise, dann verstehe ich, dass wir die Wahlen wieder den Menschen zugänglich machen müssen. Denn ohne Hilfe von „oben“ kriegen die Menschen „unten“ ihren Arsch nicht hoch. Übrigens: Mitgliedschaft und Posten in Parteien stehen allen Bundesbürgern offen! Beteiligt euch Leute!
,
@ Niklas B: Ich habe auch kein Verständnis für Nicht-Wählen gehen. Die Formulierung habe ich gewählt, weil ich nicht davon überzeugt bin, dass man den Akt des Wählens durch den Einsatz von Technologie oder Events signifikant erhöhen kann.
,
@ Niklas B.
glaubst du, daß du einen nichtwähler motivieren kannst, indem du ihn als „dummes Schwein“ zu bezeichnest?
oder ihm selbstmitleid, geldnot, schwangerschaft, arbeitslosigkeit vorwirfst?
bist du politisch aktiv, bekleidest posten in einer partei und kannst nichtwähler aktivieren um die situation, die dich so aufregt, zu ändern?
,
[…] Der Bürgerschaftspräsident Christian Weber von SPD verkündete im Bremer Vorwahlkampf die grandiose Idee, dass “Wahlen mehr Eventcharakter bekommen müssen”, da Wahllokale oder Behörden für Bürger abschreckend und langweilig seien. Konkret hat der Politiker wohl die Stimmabgabe an Tankstellen, in Gaststätten, im Rahmen eines Festes auf dem Bremer Marktplatz oder gleich bei einem Heimspiel im Bremer Weserstadion vorgeschlagen. Wieso nicht auch in Second Life wählen? […]
,
[…] Es bleibt abzuwarten, ob die Betroffenen statt dessen doch persönlich ins Wahllokal gehen, oder ob sie tatsächlich nicht wählen. Einen Rückschluss auf die gesamte Wahlbeteiligung, wie election.de ihn indirekt anstellt, erlauben die veränderten Rahmenbedingungen momentan noch nicht. Sollte die Wahlbeteiligung dennoch deutlich sinken, müsste man vielleicht erneut über das Wählen in Tankstellen, im Weserstadion oder auf dem Marktplatz nachdenken, um Wahlen den ihnen würdigen Eventcharakter zu verleihen. Die Studie “Wahlenthaltung als politisches Problem” [pdf], auf die sich die Aussagen des Bürgerschaftspräsidenten stützten hat übrigens ganz eindeutig keinen Schwerpunkt auf den Spaßfaktor des Wählens gelegt. [view academic citations] [hide academic citations] APA citation: Spreen, Julia. (2007). Briefwahlbeteiligung sinkt. Retrieved May 11, 2007, from JS Politik-Blog Web site: http://pol-sci.com/blog/2007/05/11/briefwahlbeteiligung-sinkt/ Chicago citation: Spreen, Julia. 2007. Briefwahlbeteiligung sinkt. JS Politik-Blog. http://pol-sci.com/blog/2007/05/11/briefwahlbeteiligung-sinkt/ (accessed May 11, 2007). Harvard citation: Spreen, J 2007, Briefwahlbeteiligung sinkt, JS Politik-Blog. Retrieved May 11, 2007, from <http://pol-sci.com/blog/2007/05/11/briefwahlbeteiligung-sinkt/> […]
,
[…] Sollte die Wahlbeteiligung dennoch deutlich sinken, müsste man vielleicht erneut über das Wählen in Tankstellen, im Weserstadion oder auf dem Marktplatz nachdenken, um Wahlen den ihnen würdigen Eventcharakter zu verleihen. Die Studie […]
,
[…] nicht. Sollte die Wahlbeteiligung dennoch deutlich sinken, müsste man vielleicht erneut über das Wählen in Tankstellen, im Weserstadion oder auf dem Marktplatz nachdenken, um Wahlen den ihnen würdigen Eventcharakter zu verleihen. Die Studie […]
Dieser Artikel ist älter als 19 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.