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Google: Wir sind auch böse!

Das wars dann wohl mit dem guten Image und dem Slogan „We are not evil“. Um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen, hat Google seine Seele verkauft und ausgiebig die von der Regierung gewünschte Zensur in google.cn eingebaut. Die Konkurrenten sind nicht besser, Yahoo und MSN haben dies schon längst vollzogen. Reporter ohne Grenzen…

  • Markus Beckedahl

Das wars dann wohl mit dem guten Image und dem Slogan „We are not evil“. Um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen, hat Google seine Seele verkauft und ausgiebig die von der Regierung gewünschte Zensur in google.cn eingebaut. Die Konkurrenten sind nicht besser, Yahoo und MSN haben dies schon längst vollzogen.

Reporter ohne Grenzen kritisieren die Zensur scharf:

“The launch of Google.cn is a black day for freedom of expression in China,” the worldwide press freedom organisation said. “The firm defends the rights of US Internet users before the US government but fails to defend its Chinese users against theirs.

“Google’s statements about respecting online privacy are the height of hypocrisy in view of its strategy in China. Like its competitors, the company says it has no choice and must obey Chinese laws, but this is a tired argument. Freedom of expression isn’t a minor principle that can be pushed aside when dealing with a dictatorship. It’s a principle recognised by the Universal Declaration of Human Rights and features in the Chinese national constitution itself.

Mehr gibts auch bei Heise: Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine.

Kommentar von Google: „Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt.“ Frage mich nur, was die genaue Definition von „einige Inhalte“ ist. Alles, wo die STichwörter „Demokratie“ oder „Dalai Lama“ vorkommen?

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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13 Kommentare zu „Google: Wir sind auch böse!“


  1. Die Selbstdemontage von Google

    Nicht wirklich neu, aber immer wieder , nun, irritierend: Google zensiert, um auf dem chinesischen Markt operieren zu können. Aus meiner Sicht beeindruckend insbesondere im Hinblick darauf, wie weit Google mittlerweile in das Verständnis gehört, wel…


  2. Don´t be evil – Google in China

    Nun also auch: Google mischt in China mit und baut die Zensurmechanismen der chinesischen Regierung in die Suche mit ein. Wir gratulieren zu diesem überaus mutigen Demokratie und Meinungsfreiheit fördernden Schritt!

    Danke für die Montage an den M…


  3. Alexander

    ,

    Ich habe auch die Schnauze voll und daher soeben ein Blog eröffnet mit lediglich einem Posting:

    http://googlecensorship.blogspot.com/

    Mit dem MArketing kann ich erst nach Dienstschluss beginnen, aber ein paar Einträge im Blog wären schon schön. In einer Woche oder so will ich den offenen Brief dann an Google senden.

    Grüsse aus der Schweiz

    Alexander


  4. alexander: ich fand die aktion ziemlich cool und hab mal ein bisschen Marketing übernommen :)


  5. Ich verstehe das Problem nicht: Jede Website von Google entspricht den Landesgesetzen. Was ist das Problem? Ist es denn besser, wenn sie vor der US-Regierung kuschen als vor den Chinesen? Sie können natürlich auch drauf pfeifen. Dann wird die Seite gesperrt und Google.cn ist für Chinesen nicht erreichbar. Gute Idee! Wenn schon Kritik, dann doch an den Regierungen, die China loben und China nachwievor Freiheiten einräumen, von denen andere Länder nur geträumt haben (wie der Irak). Nebenbei bemerkt wird hier für Google potentiell um mehrere hunder Milliarden Dollar gehen. Eine kleine Site kann sich Widerstand leisten. Ein Global Player wie Google passt sich an um auch Global Player zu bleiben. Denn eins sit klar: Kein Chinesen könnte ein unzensiertes Google nutzen! Die können doch auch google.com nutzen – nur wird das mit Sicherheit gesperrt sein. google.com findet auch chinesische Seiten.

    Thilo


  6. Julian: Ganz herzlichen Dank dafür!

    Thilo: Sorry, es folgt eine etwas längere Antwort.
    1) Ich glaube, die ungewöhnlich hohen Wogen, die das Thema schlägt, sind darauf zurückzuführen, dass Google einen nicht unwesentlichen Teil seines Erfolgs dem Umstand verdankt, dass sich Google bislang eben nicht wie ein „Global Player“ verhalten hat. Das hat Google seit deren Gründung z.B. von Microsoft unterschieden, einem Unternehmen, dem u.a. aufgrund seines teilweise bedenklichen Umgangs mit seinen Kunden deutlich weniger Sympathie entgegengebracht wird. In der Konsequenz ist die Enttäuschung der User, die Google fast blind vertrau(t)en, auch entsprechend grösser als bei vergleichbaren Handlungen von Microsoft. Google traute man „so etwas“ bislang einfach nicht zu.
    2) Als Geschäftsführer einer kleinen IT-Firma kann ich Deine Aussage, dass für die Kleinen höhere ethisch-moralische Maßstäbe gelten sollen als für die sogenannten „Global Players“, nicht nachvollziehen, denn die Kleinen haben weder die Kapitalreserven, noch die liquiden Mittel, noch die Macht eines Unternehmens wie Google, das sich daher unter jedem relevanten Aspekt „mehr leisten“ könnte. In diesem Zusammenhang halte ich schliesslich das Argument drohender Umsatzausfälle für den Fall eines alternativen Verhaltens für nicht sonderlich überzeugend, da es nachgerade jedes Geschäft rechtfertigen würde, was aber in meinen Augen gerade nicht der Fall sein darf.


  7. […] Yahoo(!) bemüht sich gerade mit Verve um den Beweis, dass es Google wenigstens im Rennen um die größtmögliche Nichteinhaltung seines Wahlspruchs „Don’t be evil“ um eine Pferdelänge überlegen ist. „Nach und nach beweist sich, was wir schon länger vermuten“, erklärt Reporter ohne Grenzen. „Yahoo scheint in zahlreiche Fälle, für die wir uns in China engagieren, verwickelt zu sein.“ […]


  8. […] Gestern war’s noch China, heute geht’s gegen islamkritische Medien in den USA. Grund: Angeblich “Hate Speech”. […]


  9. […] Vielleicht zeigt ja Google Interesse und bombt das Ding voll mit Rechnern und ‘ner Über Internetanbindung um endlich auch das umstrittene Wissen der Welt speichern zu können, ohne das irgendwelche (chinesischen) Regierungen ihnen ins Handwerk pfuschen und Seiten aus dem Index nehmen lassen. Da könnte man dann wunderbar Sachen hosten wie den Abschiedsbrief von Sebastian B. inklusive Video, die Exekution von Saddam Hussein in HDTV aus verschiedenen Blickwinkeln inklusive Zoom und Slow-Motion, und ähnlichen Kram über den viele berichten und urteilen, der Öffentlichkeit aber nur die zensierten, gekürzten, oder bearbeiteten Versionen zur Verfügung stellen. […]


  10. […] Gestern war’s noch China, heute geht’s gegen islamkritische Medien in den USA. Grund: Angeblich “Hate Speech”. […]


  11. […] Die deutschen lieben es auf die böse Chinesische Regierung zu schimpfen und übersehen dabei, dass ihnen selbst genauso viele Rechte abhanden kommen und die grenzen der Freiheit sich langsam, immer enger zusammen ziehen. Wie eine Schlinge um den Hals werden sie irgendwann da stehen und sagen “huch, wie ist das denn passiert?” Dann wird aber der Schäuble und die Merkel schon lange nicht mehr da sein. […]


  12. […] Via netzpolitik.org […]

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