KI-Ergebnisse bei GoogleInformationsroulette bei den Landtagswahlen

Eine Untersuchung hat sich angeschaut, wann bei Google welche KI-Ergebnisse beim Thema Landtagswahlen angezeigt werden. Dabei kam vor allem heraus: Der Suchmaschinenkonzern handelt intransparent und wenig nachvollziehbar.

  • Markus Reuter
Roulette-Tisch
Die Untersuchung vergleicht die Ergebnisse von Google mit dem Glücksspiel Roulette. – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Hush Naidoo

Im September wird in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Die Nichtregierungsorganisation AlgorithmWatch hat deswegen untersucht, wie Googles KI-Übersichten mit Fragen zu wahlbezogenen Inhalten umgehen. Solche Übersichten spielt der Konzern bei rund der Hälfte aller Suchanfragen seit Anfang 2025 in Deutschland aus. Inzwischen informieren sich viele Nutzer:innen schnell über diese KI-erstellten Informationshäppchen, ohne auf die eigentliche Quelle zu klicken.

Dabei handelt Google jedoch intransparent, kritisiert AlgorithmWatch in ihrer Studie. So sei unklar, unter welchen Umständen Google die KI-Übersichten anzeigt. Wenn sie eingeblendet werden, dann sei die Vielfalt der Quellen begrenzt, die bei den Antworten herangezogen wird. Festgestellt hat die Untersuchung auch, dass die KI-Übersichten nicht neutral formuliert seien.

Google selbst gebe keine Auskunft darüber, nach welchen Kriterien KI-Übersichten angezeigt werden, so AlgorithmWatch. „Damit gestaltet der Konzern den Zugang zu politischen Inhalten augenscheinlich willkürlich. Ein solches Informationsroulette kann negative Auswirkungen auf die politische Meinungsbildung haben und damit zu einem Problem für die Demokratie werden“, so die Organisation.

Für die Untersuchung hatte AlgorithmWatch Zugang zu Googles „Search Researcher Result“-Softwareschnittstelle, über die seit dem Digital Services Act Forscher:innen auf bestimmte interne Daten von Online-Diensten zugreifen und diese analysieren können. Über die Schnittstelle stellte AlgorithmWatch im vergangenen Juli fast 4.500 Suchanfragen zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, erfasste die Ergebnisse und wertete die KI-Übersichten sowie deren Quellen dann aus.

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Fragen nach Wahlen werden besonders behandelt

Dabei konnte die Untersuchung immerhin herausfinden, dass Google bei wahlbezogenen Fragen deutlich seltener KI-Übersichten als bei unpolitischen Fragen generiert. AlgorithmWatch geht deswegen davon aus, dass Google im Hintergrund besondere Maßnahmen für Wahlen ergreife – welche genau, bleibe aber unklar.

Generell sei allerdings keine Systematik in der Untersuchung erkennbar gewesen, nach welchen Kriterien die KI-Übersichten gezeigt wurden: So lösten Fragen nach Umfragen durchgängig keine KI-Übersicht aus, während Fragen zu Parteien und einzelnen Kandidat:innen in 40 bis 50 Prozent der Fälle zu einer KI-Übersicht führen. Auch zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede: Google zeigt bei Fragen zu Sachsen-Anhalt deutlich weniger KI-Übersichten an als bei Fragen zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

AlgorithmWatch konnte auch feststellen, dass die Anzahl der in den KI-Übersichten hinterlegten Quellen gering war. So führte fast die Hälfte der angezeigten Links zu weniger als zehn Quellen und überdurchschnittlich häufig zum Videodienst YouTube, der zum Google-Konzern gehört. Unter den zehn top-referenzierten Webseiten seien öffentlich-rechtliche Sender, Wikipedia, weitere Social-Media-Plattformen sowie Regierungs- und Partei-Websites gewesen.

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Neigung zur Schmeichelei

AlgorithmWatch hat in der Untersuchung außerdem festgestellt, dass politische Positionen der Kandidat:innen in KI-Übersichten „häufig nicht neutral, sondern mit positiven Formulierungen wiedergegeben werden.“ Dies liege laut der Untersuchung womöglich daran, dass generative Sprachmodelle zu Schmeichelei neigen (englisch „Sycophancy“, zu deutsch: „Sykophanz”), also die Meinung der Fragestellenden bestätigen. Im politischen Kontext ist dies nach Ansicht von AlgorithmWatch problematisch, da Wählende neutrale Informationen benötigen würden, um sich selbst ein Bild der Kandidierenden machen zu können.

Von AlgorithmWatch mit den Ergebnissen konfrontiert, habe sich Google lediglich unverbindlich geäußert. Der Suchmaschinenkonzern sagte, dass die KI-Suchfunktionen qualitativ hochwertige Informationen aus einer vielfältigen Breite von Internet-Quellen anzeigen würden und auf den zentralen Ranking- und Sicherheitssystemen von Google basierten. „Die KI-Suchfunktionen sind so gestaltet, dass sie neutral und objektiv sind und, wie wir an anderer Stelle gesagt haben, erscheinen sie nicht bei jeder Suche”, so der Konzern gegenüber AlgorithmWatch weiter.

Fehlende Transparenz

Clara Helming hat die Untersuchung geleitet. Sie sieht das Problem in der fehlenden Transparenz: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Google im Hintergrund bewusste Entscheidungen trifft, wann eine KI-Übersicht zu den Wahlen angezeigt wird, wie die Inhalte formuliert sind und welche Quellen zitiert werden. Allerdings macht das Unternehmen diese Entscheidungen nicht transparent.“ Das sei problematisch, denn Googles Produktentscheidungen würden die Meinungsfreiheit beeinflussen und an dieser Stelle vor allem den Zugang zu verlässlichen Informationen und vielfältigen Quellen.

Matthias Spielkamp, Geschäftsführer bei AlgorithmWatch, sieht noch ein anderes Problem. Der Konzern eigne sich bei den KI-Übersichten massenhaft journalistische und andere Inhalte an, ohne um Erlaubnis zu fragen. Der Konzern greife damit „massiv die Finanzierungsmodelle privater journalistischer Medien und die Legitimität öffentlich-rechtlicher Angebote an“, so Spielkamp weiter. Er fordert: „Alle Anbieter generativer KI müssen transparent darüber informieren, wie KI-generierte Inhalte zustande kommen und sollten die Haftung für diese Inhalte übernehmen müssen.”

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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