Dieser Artikel ist mehr als 1 Jahr alt.

Auf den PunktEs gibt Orte, die noch eine Debattenkultur pflegen.

  • Chris Köver

Liebe Leser:innen.

Ich erinnere mich noch an eine Zeit, als man auf Twitter, wie die Plattform damals hieß, tatsächlich politische Diskussionen führen konnte. Auch mit Fremden. Manchmal sind diese Diskussionen sogar vom kleinen Kreis der Plattform in die größere Öffentlichkeit geschwappt und traten dort noch größere Debatten los. So etwa geschehen beim Hashtag #aufschrei, mit dem die Aktivistin Anne Wizorek auf Alltagssexismus aufmerksam machen wollte – lange bevor #metoo um die Welt ging.

Auch damals schon ging es auf Twitter ab. Für Menschen of Color, Queers und Frauen mit politischen Ansichten war die Plattform kein sicherer Hafen. Wer sich dort halten wollte, brauchte einen trainierten Blockfinger und ein unterstützendes Umfeld. Aber es ging.

Aus heutiger Sicht wirkt das sehr lange her. Twitter gibt es nicht mehr und der Nachfolger X wurde von Elon Musk umgebaut zu einem Ort, an dem es vor allem Rechtsextremisten und Wissenschaftsleugner:innen gemütlich haben. Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und Medienmenschen haben die Plattform inzwischen weitgehend verlassen.

Während Musk den Arm zum Hitlergruß hebt und als Chef-Milliardär an der Seite von Donald Trump den Weg der USA in den Faschismus ebnet, freue ich mich daher ganz besonders über diesen Beitrag meines Kollegen Sebastian. Er hat sich angesehen, wo im Netz man heute noch mit Fremden über Politik diskutieren kann – ohne dabei bedroht oder beschimpft zu werden. Es sind Orte, an denen sich Menschen weiter darum bemühen, eine gute Diskussionskultur zu pflegen. Vielleicht ist etwas für euch dabei oder ihr wisst von weiteren solchen Orten, schreibt es in die Ergänzungen.

Auf bald

Chris

Unsere Artikel des Tages

Trollen zum TrotzHier kann man noch über Politik diskutieren

Wo im Netz kann man heute noch mit Fremden über Politik diskutieren, ohne danach Beruhigungstee zu brauchen? Im Vorfeld der Bundestagswahl stellen wir Orte vor, die ihre Diskussionskultur gegen Hetze verteidigen – und fragen die Menschen dahinter, wie sie das schaffen.

Inhaftierter Demokratie-AktivistBritischer Premier will sich für Alaa Abd el-Fattah einsetzen

Alaa Abd el-Fattah müsste längst wieder auf freiem Fuß sein, doch das ägyptische Regime verweigert die Freilassung des politischen Gefangenen. Jetzt gibt es ein bisschen Hoffnung: Die britische Regierung will sich auf höchster Ebene für ihn einsetzen.

Fragwürdige BeschlagnahmeAbsurdes Prüftheater um den Adenauer-Protestbus

Die Polizei hatte vor gut einer Woche den Protestbus des Zentrums für politische Schönheit beschlagnahmt – und verhinderte so dessen Teilnahme an mehreren Anti-AfD-Protesten. Bei der heutigen Prüfung fallen die Beschlagnahmegründe in sich zusammen.

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Über die Autor:innen

  • Chris Köver
    Darja Preuss

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Migration, biometrische Überwachung, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und -Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award und dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24


Veröffentlicht

Kategorie

Schlagwörter