Das zu Facebook gehörende soziale Netzwerk Instagram hat einen Film des ARD-Politmagazins Monitor entfernt, weil dieser angeblich gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen soll. Der betroffene Film des Magazins rekonstruiert die Ereignisse beim rassistischen Anschlag von Hanau und zeigt unter anderem Versäumnisse der Polizei auf. So waren Notrufapparate nicht durchgehend besetzt, eine Anruf-Weiterleitung an die Leitstelle nicht geschaltet.
Georg Restle von Monitor beschwerte sich über die Löschung des Filmes direkt bei Facebook und Instagram und machte sich über Twitter Luft:
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Instagram begründete die Löschung bislang mit den folgenden automatisierten Worten:
Wir haben deinen/deine/dein Beitrag entfernt, da er/sie/es gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien verstößt. Wir haben diese Richtlinien aufgestellt, um unsere Community auf Instagram zu unterstützen und zu schützen.
Die Journalistengewerkschaft dju bei ver.di nannte die Entscheidung des sozialen Netzwerkes „völlig absurd“. Niema Movassat, Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag, forderte „Vorgaben, die so ein Löschverhalten verhindern“. Stefan Gelbhaar (MdB) von den Grünen forderte auf Twitter die unverzügliche Aufhebung der Sperre.
Eine kurzfristige Presseanfrage zu den Gründen der Sperrung und ob die Entscheidung automatisiert oder von Menschen getroffen wurde, hat Facebook bislang nicht beantwortet. Wir tragen die Antwort nach.
Blackbox Moderation
Unberechtigte Sperrungen und Löschungen von Inhalten kommen in sozialen Netzwerken sehr häufig vor. In den meisten Fällen wissen die Betroffenen nicht, was ihnen vorgeworfen wird und wie sie sich gegen die Sperrung wehren können. Generell haben es prominente Accounts leichter, sich gegen solche Löschungen zu wehren.
Weil die Moderationspraxen der Tech-Konzerne eine Blackbox sind, ist fast nie nachvollziehbar, wie Entscheidungen entstanden sind. Moderationsentscheidungen technischer und menschlicher Art können auch durch massenhaftes Melden eines Beitrages ausgelöst werden. Oftmals kann in der Moderation weder Satire erkannt noch der Kontext von Inhalten richtig eingeordnet werden.
Wie genau die Moderation nach welchen Regeln abläuft, ist bei keinem der Netzwerke bekannt. Einblicke gibt es nur über Whistleblower:innen, die über ihre Arbeit in den Löschzentren bei Facebook oder bei TikTok öffentlich sprechen. Die Presseabteilungen der Unternehmen hingegen verstecken sich bei Presseanfragen meist hinter der Floskel, dass sie über einzelne Fälle nicht sprechen würden und geben quasi nie Einblick in das, was geschehen ist.
Update, 24. Februar 2021: Inzwischen ist der Monitor-Beitrag auf Facebook wieder zu finden. Auf unsere Presseanfrage heißt es heute Vormittag von einem Facebook-Sprecher: „Wir haben den Beitrag wiederhergestellt und entschuldigen uns für den Fehler. Die Monitor-Redaktion ist bereits informiert.“
